Lang lebe die Nacht von Thilo Corzilius

Buchvorstellungund Rezension

Lang lebe die Nacht von Thilo Corzilius

Originalausgabe erschienen 2013, 256 Seiten.ISBN 386762190X.

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In Kürze:

Europa im Jahre des Herrn 1818: Napoleon ist besiegt, der Krieg ein für alle Mal vorbei, doch das Land liegt in Trümmern. Zu allem Übel werden die gebeutelten Menschen von beängstigenden Wesen heimgesucht. In Preussen verdingen sich der ehemalige Soldat Lucien, der blutjunge Adlige Hagen und der geheimnisvolle Salandar damit, diese grauenvollen Wesen zu jagen und zur Strecke zu bringen. Die drei haben gerade erst ihren aktuellen Auftrag erledigt, als sie ein Hilfegesuch aus Leyen erreicht. In der Gegend um das abgelegene Städtchen hat es mehrere Todesfälle gegeben, und der dort herrschende Graf ist der festen Überzeugung, dass diese nicht natürlichen Ursprungs sind. Während ihrer Untersuchungen finden die Männer nach und nach heraus, dass es in der Grafschaft noch weitere übernatürliche Phänomene gibt. Sie müssen feststellen, dass das, was zunächst wie ein einzelnes Verbrechen aussah, Teil etwas viel Größeren und Gefährlicheren ist.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Qualitätsfantasy aus Deutschland“76

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Napoleons Armeen habe eine blutige Spur in Europa hinterlassen. Hunger, Seuchen und Armut folgten den Soldaten doch auch andere Geschöpfe, die man meist nur als den Märchen und Überlieferungen kennt, treiben ihr Unwesen.

Drei Männer haben sich in Preußen gefunden, um ihr Glück zu machen. Der ehemalige Soldat Lucien, ein Schweizer, der junge Adeliger Bayer Hagen und Salandar, ein Kundiger der Magie und Alchemie, der die Berliner Loge verlassen hat kümmern sich um besondere Verbrecher. Wo Werwesen, Vampire oder Zauberer umgehen werden sie gerufen und verdienen sich mit ihrer gefährlichen Arbeit, die übernatürlichen Wesen zu bannen eine goldene Nase.

Doch noch die hat der Adel offiziell von ihnen Kenntnis genommen. Dies ändert sich, als der Graf von Leyen um ihre Mithilfe bei der Aufklärung von Morden ersucht.

Männer wie Frauen kommen zu Tode, den grauenvoll verzerrten Gesichtern der Opfer ist anzusehen, dass ihr Tot kein einfacher, kein schmerzarmer war. Kaum in der Grafschaft angekommen, verschlimmern sich die übernatürlichen Begebenheiten. Geister suchen die Gegend heim, weitere Morde geschehen und unter jedem Stein, den sie umdrehen stoßen sie auf neue Mysterien und wohl gehütete Geheimnisse. Und sie treffen auf einen alten Bekannten einen Todfeind von Salandar – der ein uraltes Übel für seine Zwecke freisetzen will …

Ghostbusters, so nannten sich die Geisterjäger aus den gleichnamigen Kinofilmen und der TV-Trickfilm-Serie.

Thilo Corzilius stellt uns ebenfalls Geisterjäger vor, setzt seine Abenteurer aber ins Jahr 1818 und lässt sie im Deutschen Reich ermitteln. Hier hören dann aber auch schon die Gemeinsamkeiten auf. Mit Salz und Silberspänen machen sich unsere drei tatkräftig an die Aufklärung der Vorkommnisse – und stoßen dabei schnell an ihre Grenzen.

Geschickt baut der Autor in den wohltuend kurzen Roman seine wenigen Gestalten auf, hinterfüttert diese mit einer glaubwürdigen Geschichte und lüftet nach und nach ein Geheimnis um das andere. Stilistisch dabei sehr ansprechend konzentriert Corzilius sich auf seine Protagonisten die beileibe keine Superhelden sind. Sie müssen schmerzhafte Rückschläge einstecken, sich auch immer wieder gegen die misstrauische Bevölkerung durchsetzen. Dass sie dabei ebenso mutig wie konfus vorgehen macht sie uns als Erzähler sympathisch.

Der Plot selbst ist straff aufgezogen – der Einführung der Personen und des Rätsels folgt die Ermittlung und die folgerichtige, logische Auflösung – Finis. Das liest sich sehr angenehm, verwöhnt mit interessanten Figuren und spannenden Geheimnissen – Fantasy aus Deutschen Landen ein Qualitätssiegel.

Carsten Kuhr im Oktober 2013

Ihre Meinung zu »Thilo Corzilius: Lang lebe die Nacht«

tassieteufel zu »Thilo Corzilius: Lang lebe die Nacht«07.01.2014
Während sich Europa von Napoleons Kriegszügen erholt und die Menschen mit Hunger, Not und Krankheiten kämpfen, wird das Weserbergland noch von ganz anderen Übeln heimgesucht. Eine Reihe von unheimlichen Morden und Geistererscheinungen erschüttert die kleine Grafschaft Leyen. Die drei Geisterjäger, Lucien, Hagen und Salandar werden vom Graf von Leyen engagiert, um dem Spuk ein Ende zu machen. Gerade erst von einem schwierigen Auftrag zurück, brechen die Geisterjäger unverzüglich zu der neuen Aufgabe auf. Doch die erweist sich komplizierter als gedacht. Die übernatürlichen Begebenheiten häufen sich, durchgedrehte Geister, sprechende Tiere und Gestaltwandler und weitere Morde erschweren den drei Männern ihre Aufgabe.

Von Anfang an gelingt es dem Autor, eine märchenhafte, fast mythisch anmutende Atmosphäre zu schaffen, die an die Märchen der Gebrüder Gimm erinnert. Das Setting des herbstlichen, verregneten Weserberglandes, tut ein Übriges um die etwas düstere, unheimliche Stimmung zu verstärken, hier kann man als Leser von Anfang an Eintauchen und sich von der Atmosphäre gefangen nehmen lassen.
Die drei Hauptfiguren werden mit ihren unterschiedlichen Hintergründen gekonnt eingeführt und gewinnen sofort die Sympathie des Lesers. Jeder der 3 hat eine Vergangenheit, die zum Teil im Dunkeln liegt, haben Geheimnisse, die erst nach und nach offenbart werden und auch Bezug zu ihrem aktuellen Auftrag haben. Nachdem die 3 in Eulenbach eingetroffen sind, spitzen sich die Ereignisse schnell zu, doch bevor die Geisterjäger Erfolge vorweisen können, treten sie erstmal in eine Reihe von Fettnäpfchen, die ihnen nicht gerade die Sympathien der Bewohner eintragen. Bis es zum finalen Showdown kommt, müssen die Hauptprotagonisten einige Rückschläge hinnehmen und erkennen, das hinter ihrem Auftrag wesentlich mehr steckt, als sie zu Anfang vermutet hatten. Das Ende klärt alle offenen Fragen und schließt die Geschichte recht gut ab, bei allerdings nur 256 Seiten fehlte bei manchen Episoden doch ein wenig die Ausführlichkeit, so dass dem Buch sicher 50 Seiten mehr gut getan hätten.
Der Autor hat jede Menge Fantasie und kreiert damit eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte, die nicht nur Fantasyfans begeistern dürfte, denn der historische Hintergrund, in den der Plot eingebettet ist, wird hervorragend geschildert und transportiert sehr stimmig den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Dazu paßt auch der etwas antiquierte Schreibstil des Autors, der sich jedoch flüssig liest und auch eines gewissen Humors nicht entbehrt.
Erwähnen sollte man auch das sehr gut gestaltete Cover des Buches, mit der Menschenknochengeige und dem Skelett, das paßt nicht nur ausgesprochen gut zum Inhalt des Buches sondern wirkt auch recht schaurig und unheimlich, was ebenfalls perfekt die Stimmung im Buch trifft.

FaziT: eine schaurig schöne Fantasygeschichte die nicht nur mit jeder Menge mythischer Figuren aufwartet, sondern auch drei sympathische Hauptfiguren aufweist, die durchaus Potential für eine weitere Geschichte haben.
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