Thomas Backus, Manuel Bianchi & Sabrina Hubmann: Die Klabauterkatze und andere Fundstücke des Grauen von Thomas Backus, Manuel Bianchi & Sabrina Hubmann

Buchvorstellungund Rezension

Thomas Backus, Manuel Bianchi & Sabrina Hubmann: Die Klabauterkatze und andere Fundstücke des Grauen von Thomas Backus, Manuel Bianchi & Sabrina Hubmann

Originalausgabe erschienen 2011, 411 Seiten.ISBN 3940036099.

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in mein Bücherregal

In Kürze:

Auf dem Weg zu einem abgelegenen Dorf leistet einem Heiler eine Katze Gesellschaft. Kann ein so liebes Tier Tod und Verderben über die Menschen bringen? 
Ein Student entdeckt in Schreibtisch seines Professors ein blasphemisches Buch. Sind tatsächlich mordende Monster auf der Suche danach? 
Er erhält gute Pflege und seltsame Bücher. Was hat diese rührende alte Dame mit ihrem Patienten vor? 
Archäologen graben sich durch uralte Ruinen und finden einen bizarren Spiegel. Zu welchen blutigen Rituale diente er einst den Maya?  
Ein Taucher birgt eine seltsame Statue vom Grunde des Meeres. Hat der damit einen Fluch auf sich geladen? 
Mitten im Wald steht ein verwunschenes Knusperhäuschen. Wohnte in ihm einst eine Hexe, oder warum passieren dort seltsame Dinge? 
Ein Vogelkundler erforscht versunkene Städte im Wattenmeer. Könnte es sein, dass dort unten etwas Unvorstellbares umgeht? 

Das meint Phantastik-Couch.de: „Gruseln in lovecraftscher Tradition“70

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Während sie Brot und Salz aßen und Wasser dazu tranken, erzählte Karim von einem mächtigen Zauber aus ferner Vergangenheit. Damals hatten die Menschen gerade zum ersten Mal ihren Fuß vor die Tür des Paradieses gesetzt. Staunend und hilflos zugleich waren sie jenen fürchterlichen Wesen begegnet, den Herrschen über die Welt und alle ihr Geschöpfe. Die Herrscher nannten sich selbst die Großen Alten, einst von den ÄLTEREN GÖTTERN als Statthalter eingesetzt. Die Großen Alten zeigten sich hocherfreut, denn die Menschen stellten auf ihrer Speisekarte einen unerwarteten Leckerbissen dar.“
(Arndt Ellmer – Die Kabauterkatze)

Die Klabauterkatze – Arndt Ellmer

Der Heiler Ranulf Kha Roy befindet sich auf dem Rückweg zu seinem Dorf, als ihm die rotfellige Katze über den Weg läuft. Zurück im Dorf, erfährt Ranulf, dass uralte Wesen die Wüste heimsuchen und schon viele Opfer gefordert haben. Die Bewohner des Dorfes sehen in der Katze eine Vorbotin des Verderbens.

Goldene Locken, kaltes Herz – Matthias Töpfer

Immer wieder sieht Rainer Holtmann ein kleines blondes Mädchen im Treppenhaus. Mit ihrer Aufdringlichkeit beginnt sie ihm auf die Nerven zu gehen. Dann erfährt Rainer, dass das Mädchen mit ihren Eltern einst hier im Haus gelebt hatte, dann aber plötzlich verschwunden sei.

Spuren im Watt – Johannes Harstick

Einige Anzeichen im Fall des verschwundenen Ornithologen Robert Windheim deuten auf Selbstmord hin, doch seine Leiche wurde nie gefunden. Der Fall lässt einen er ermittelnden Polizisten nicht los und so begibt er sich selbst auf Südfall, um den Spuren des Wissenschaftlers zu folgen.

Bausteine aus Le(h)m – Thomas Backus

Auf einem Ökoflohmarkt ersteht Ulrike von einem unbekannten Verkäufer eine Schachtel „Bausteine aus Lem“. Auf jeden Fall wertvoller als der ganze Plastik-Mist, der nur die Fantasie der Kinder begräbt, auch wenn die Naturbausteine vielleicht nicht so glatt und akkurat gearbeitet sind. Doch ihr Sohn entwickelt ein ungewöhnliches Interesse an den Steinen.

Das Ding – Bettina Ferbus

Seit seine Frau schwanger ist, kann sie Walter nicht mehr bei seinen Tauchgängen begleiten, ihn nicht mehr vor den Gefahren des Meeres beschützen. Doch er gibt das Tauchen nicht auf. Die seltsame Statue, die er schließlich aus den Tiefen des Meeres mitbringt, sieht noch dazu aus, wie ein missgestalteter Fötus. Und etwas aus der Statue scheint nach ihr und ihrem Kind zu greifen.

Faustpfand – Matthias Töpfer

Der heutige Freier scheint ein sehr gepflegter, gebildeter und etwas schüchterner Typ zu sein. Ganz anders, als die anderen Kerle, die im Schutz der Dunkelheit nur Manuels jungen Arsch wollen. Er führt ihn sogar in seinem Haus herum und zeigt ihm seine Sammlung heidnischer Götzenbilder.

Das Lied des Meeres – Sabrina Hubmann

Nach dem Tod seines Großvaters findet der Enkel einen an ihn gerichteten Brief. Auf einer seiner Seereisen ersteht er eine geheimnisvolle Flöte und obwohl er nie ein Instrument beherrschte, entlockt er der Flöte ein Lied. Doch das Lied scheint etwas anzulocken.

Schwarzes Glas – Chris Schlicht

Die Expedition der Arkham Universität ins Reich der Maya stößt bei ihren Ausgrabungen auf Spuren der Wissenschaftler, die bereits 20 Jahre zuvor an diesem Ort waren. Doch sie finden noch weit mehr in der Pyramide. Etwas, das weit älter ist und das schon ihren Vorgängern zum Verhängnis wurde.

Der Fang – Benjamin Nemeth

Im Fangnetz eines Fischkutters findet sich eines Tages ein seltsames Wesen, halb Mensch, halb Fisch.

Oh Bruder mein – Martin Beckmann

Von frühester Kindheit an wuchs Henry gemeinsam mit seinem Adoptivbruder Ernest in enger Zuneigung auf. Ihre Wege trennten sich erst, als Henry Medizin studierte und Ernest seinen Traum verwirklichte, an der Pariser Sorbonne zu studieren. Doch die starke Bindung der Brüder bleibt bestehen und Ernest besucht an jedem Jahrestag seiner Adoption seinen Bruder. Als Henrys Sohn, fasziniert von Ernests Berichten aus Paris, ebenfalls nach Europa gehen möchte, kehrt Ernest ein letztes Mal zurück, um seinen Bruder zu warnen.

Treibgut – Carsten Steenbergen

Auf offener See entdeckt die Mannschaft der „Lady London“ das Treibgut eines offenbar zerstörten Schiffs. Darunter ist auch eine Kiste, die einen Menschen – mehr tot als lebendig – und einen seltsamen Talisman in Form eines fünfzackigen Sterns enthält.

Die perfekte Musik – Sabine Völkel

Im Internet stößt Meike auf diese intensive Musik. Ein absoluter Geheimtipp im Netz. Ihre Freundin wittert eine Chance, sich als Reporterin zu profilieren und den ersten Artikel über den Künstler zu schreiben. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche.

Krieg der Kraken – Samuel White

Auf einer Forschungsstation am Südpol verschwinden Wissenschaftler. Im ewigen Eis der werden geheimnisvolle Symbole entdeckt. Selbst Computer können nicht charakterisieren, ob es sich um Dreiecke oder Quadrate handelt. Aber es ergibt sich die Verbindung zu einem rätselhaften Kriminalfall in Deutschland. Die damals ermittelnden Beamten Aaron Weißhaupt und Christian Vorbeck werden vor Ort gebracht.

Fleischmanns Trophäe – Jan Christoph Prüfer

Beim Versuch, die Klausuraufgaben aus dem Büro seines Professors zu entwenden, fällt Hagen ein seltsamer Brief in die Hände, der von einer unheiligen Entdeckung kündet, und von einem Buch, das der Professor entwendet haben soll. Angeblich sind geflügelte Wesen dem Gelehrten auf der Spur, um das Buch zurück zu holen.

Wo die Straße dunkel ist – T. S. Orgel

Als Matt die Grippe plagt, bekommt er von seiner schrulligen Vermieterin einige Bücher, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Bücher enthalten Zeichnungen von seltsamen und riesenhaften Wesen, die nur der Fantasie eines Wahnsinnigen entsprungen sein können. Doch seine Vermieterin glaubt an die Existenz dieser Wesen und Matt fühlt sich plötzlich beobachtet.

Zauber der Karibik – Andreas Zwengel

Da der Klavierspieler Theo Coswig im Hotel St. Elias Inn ohnehin eher geduldet als gewünscht ist – er arbeitet hier seine Spielschulden ab – lässt der Hoteldirektor keine Gelegenheit aus, ihn zu drangsalieren. So überträgt er ihm die Aufgabe, einen bestimmten Gast aus dem Hotel zu schaffen. Dieser Gast erzählt ihm eine haarsträubende Geschichte.

Im Knusperhäuschen – Matthias Töpfer

Bereits kurz nach dem Einzug in das einsame Waldhaus, beginnen sich die Eltern der drei Kinder zu verändern. Sie werden teilnahmslos, aggressiv und verbringen ungewöhnlich viel Zeit im Keller des Hauses. Im Wald treffen die Kinder einen entstellten Jungen, der behauptet, früher in dem Haus gelebt zu haben.

„Sein Blick war auf die Zeichnung zurückgekehrt. Der froschartig gewölbte, weiße Bauch des Wesens hatte einen seltsamen Ekel in ihm geweckt und der an einen Fisch erinnernde Kopf mit den hervorquellenden, toten Augen, war auch nicht dazu geeignet gewesen, das Ding sympathischer zu machen.“
(T. S. Orgel – Wo die Straße dunkel ist)

„Verwandlungen“ war das Thema des Vorgängerbandes „Metamorphosen“, in dem die Geschichtenweber schon einmal „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ wandelten. Nun sind es also „Fundstücke des Grauens“, die dem Leser in lovecraftscher Tradition das Gruseln lehren sollen. So dienen uralte Bücher als Quelle geheimen Wissens, scheinbar harmlose Gebilde werden zu Vorboten kommenden Grauens und unheilige Artefakte und geheimnisvolle Maschinen legen Zeugnis davon ab, dass nahezu unbemerkt gewaltige und verderbliche Kräfte wirken, für die die Erde und deren Bewohner nur ein Staubkorn im Universum sind.

Bei manchen erzählerischen Defiziten muss man den AutorInnen zugute halten, sich nie sklavisch an Lovecraft anzubiedern und auf Teufel komm raus irgendwelche Tentakelmonster zu zeigen.Im Großen und Ganzen werden hier sehr eigenständige Geschichten erzählt. Am gelungensten sind dann auch diejenigen Beiträge, die sich am weitesten von Lovecraft-Mythen entfernen. Schöne Beispiele sind Thomas Backus „Bausteine aus Le(h)m“, das sogar biblische Motive zitiert und das eindringliche „Faustpfand“ von Matthias Töpfer, das lange Zeit gar keine Horrorgeschichte zu sein scheint und gerade deswegen, neben T.S. Orgels „Wo die Straße dunkel ist“, mein persönlicher Favorit der Sammlung ist.

Dennoch finden sich in einigen Geschichten selbstredend Referenzen an Lovecrafts Werk, ohne jedoch plumpe Nacherzählungen zu sein: Martin Beckmanns „Oh Bruder mein“ variiert „Das Ding auf der Schwelle“, „Die perfekte Musik“ ist eine moderne Variante von „Die Musik des Erich Zann“ mit einer Prise „Der Flüsterer im Dunkeln“ und die Titelgeschichte spielt mit Lovecrafts Liebe zu Katzen.

Ein Wiedersehen mit bekannten Protagonisten beschert uns Samuel White. Er bringt seine Helden aus „3,5“ (in „Metamorphosen“) zurück und versetzt sie in ein „Das Ding aus einer anderen Welt“-Szenario, in dem ebenfalls wieder die bekannten 3,5-Ecke eine Rolle spielen.

Besonderes Augenmerk liegt hier auf Perry Rhodan-Autor Arndt Ellmer, der die Titelgeschichte verfasste und auf dem Cover explizit genannt wird. Lovecraft-Fans ist Ellmer durch seine Große Alten-Trilogie in Basteis Dämonenland-Reihe bekannt.

Für die tolle Covergrafik, das Coverlettering konnte wieder Chris(tine) Schlicht gewonnen werden, die hier eine Szene aus ihrer eigenen Geschichte „Schwarzes Glas“ grafisch wiedergibt. Der Zierrahmen, der sich auch im Inneren vor jeder Geschichte findet, ist der selbe, wie in „Metamorphosen“, hier in blau. So macht sich „Die Klabauterkatze“ neben „Metamorphosen“ ausgesprochen gut im Regal. Der Satz dagegen ist schmucklos aber sauber. Ganz im Kanon des Themas werden die Geschichten als „Die Fundstücke“ bezeichnet, die HerausgeberIn und die AutorInnen als „Die Finder“.

Das Taschenbuch ist gut gearbeitet und sieht auch nach dem Lesen noch neu und knickfrei aus. Dem Buch liegt außerdem ein Lesezeichen bei, das speziell für das Buch gefertigt wurde.

Alle, denen die „Metamorphosen“ der Geschichtenweber gefallen haben, werden auch an „Die Klabauterkatze“ ihre Freude haben. Nicht alle Geschichten sind Volltreffer, doch der erneute Ausflug auf den Spuren H.P. Lovecrafts hält so manche Überraschung bereit. Für knapp 15,- Euro ist der Preis sehr annehmbar ausgefallen, bedenkt man die mehr als doppelte Seitenzahl, die noch „Metamorphosen“ hatte.

(Elmar Huber, Dezember 2011)

 

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