Schwarze Tränen von Thomas Finn

Buchvorstellungund Rezension

Schwarze Tränen von Thomas Finn

deutsche Ausgabe erstmals 2014, 544 Seiten.ISBN 3-426-51349-8.

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In Kürze:

Im »Gasthaus zum Löwen« in Staufen findet Lukas Faust, Nachfahre des berühmten Doktor Faust, ein mittelalterliches Zauberbuch. Als er einen kostbaren Diamanten aus dem Einband herausbricht, geht auf einmal ein Froschregen über der Stadt nieder, und die Jagd auf ihn wird eröffnet. Erst der schwarze Pudel Mephistopheles, der sich als Teufel persönlich entpuppt, rettet ihn. Mephisto erklärt ihm, dass in der Hölle ein Machtkampf tobt. Wer die drei Teufelstränen besitzt, von denen Lukas’ Diamant eine ist, vermag die Apokalypse heraufzubeschwören. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die zwei müssen die übrigen Tränen vor ihren Verfolgern finden.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Rasantes Teufelszeug“86

Fantasy-Rezension von Verena Wolf

Der Klappentext verspricht viel, der Umschlag mit „schwarze Tränen“ in blauer Schnörkelschrift und dunklem Umschlag ist schön gestaltet und der Verlag Knaur ist auch alles andere als verkehrt. Doch, so die misstrauische Angst des geplagten Fantasy-Lesers, man kann sich bei dem Thema auch schnell verhauen, bei Schenkelklopfhumor und hirnlosem Wiederkäuen von doofer Action ohne Sinn und Verstand landen. Aber Entwarnung vorweg: Schwarze Tränen ist gar nicht zum Weinen (Dieser platte Wortwitz musste sein!).

Bis vor kurzem schlug sich Lukas ganz unaufregend als kleiner Trickbetrüger und Gelegenheitsgauner durch und auf einmal ist er auf einer Reise quer durch Deutschland (nettes Detail der Bus mit armen Seelen inklusive Soundtrack „Road to Hell) inklusive Boxenstop in der Hölle. Er trifft auf Mephisto höchst persönlich, auf historische Persönlichkeiten wie Agrippa von Nettesheim, Abraham von Worms und Dr. Faust, aber auch auf die Hexe Millepertia, die eine besondere Affinität zum Johanniskraut hat (und ihm nicht nur deswegen imponiert) und eine Band namens “Devil’s Tabernacle„, die zwar für den Teufel arbeitet, aber nur um der Hölle zu entkommen. Ach ja “Die Wilde Jagd„ und ein Sukkubus kreuzen auch seinen Weg. Das alles nur, weil Lukas der Nachfahre von Doktor Faust ist und die Vergangenheit gar nicht so vergangen ist.

Humorvoll: das Duo Mephisto und Mensch

Lukas schlägt sich wacker und versucht einen ruhigen Kopf zu behalten, obwohl plötzlich wörtlich Himmel und Hölle – vor allem die Hölle – deutlich in Bewegung geraten. Lukas war bisher nie moralisch ganz integer. Aber als schlaues Schlitzohr hat er genauso wie der zeitgenössische Leser aus “Faust„ zumindest gelernt, dass ein Pakt mit dem Teufel keine gute Idee ist und lässt davon brav die Finger. Stattdessen geht er mit Satan eine Zweckgemeinschaft ein. Schöner Nebeneffekt: Keine langweiligen gramvollen Selbstzweifel und Sorgen um die eigene verlorene Seele, vielmehr bleibt das Team-wider-Willen Pudel & Lukas stets auf Augenhöhe, die Unterhaltungen und somit die Jagd durch Deutschland nach den Tränen mitreißend und amüsant. Das Publikum sagt DANKE!

Schön ist, dass Lukas Taten stets bodenständig bleiben und sich nie unlogisch der Story beugen müssen. Lukas recherchiert wie jeder Leser es tun würde mit dem Smartphone, die Treffen mit Verflossenen sind unschön anstrengend und er regt sich auf, wenn er allein mal wieder für “nur Bares ist Wahres„ sorgen muss! So sollen moderne Hauptfiguren sein, auch wenn sie sich in Schwarze Tränen mit Liebesdämonen und Zauberern herumschlagen müssen, was dem Lesenden wahrscheinlich seltener passiert. Und falls doch, merke: Googeln hilft!

Gute Fantasy made in Germany

Finn schweift nicht in die Ferne, sondern nutzt originell gerade hiesige Literatur, Legenden, Orte und Begebenheiten. In seinem Roman wird eine Vielzahl sauber recherchierter Mythen, die es direkt vor der deutschen Haustür gibt, eingeflochten und neu gedeutet. So erfährt man, warum die Stadt “Karlsruhe„ überhaupt so heißt, was es mit Barbarossa, dem Teufelsgeiger und Dr. Faust wirklich auf sich hat und dass Spechte von je her sogenanntes “Springkraut" nutzen, um verschlossene Baumhöhlen zu öffnen. Jedem Menschen, der einem armen Specht (kleiner Exkurs: der Grünspecht ist der Vogel des Jahres 2014!) das Kraut abnimmt, steht damit Tür und Tor offen. Auch praktisch für Handschellen. Gut zu wissen, denn man weiß ja nie …

Fazit: Finn, der sowohl als Autor für Romane und auch für Paper und Pen Spiele arbeitet hat auch dieses Mal Charaktere erschaffen, die Individualisten sind und tappt in keine Klischeefalle, was Autoren, die lange für Rollenspiele schreiben durchaus passieren kann. Der Roman und auch das Ende sind knackig und sehr unterhaltsam. Schwarze Tränen macht schlicht gute Laune!

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