Autopilot von Thomas Plischke

Buchvorstellungund Rezension

Autopilot von Thomas Plischke

Originalausgabe erschienen 2012, 630 Seiten.ISBN 3-453-52940-5.

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In Kürze:

Überall in der Galaxis hat sich die Menschheit ausgebreitet. Es gibt allerdings einen Ort, der selbst für die Reichen und Schönen des Universums scheinbar unerreichbar ist: das Luxusresort At Lantis. Doch dann erschüttert eine Mordserie die Idylle, die einen Meisterdetektiv, Terroristen und jede Menge Ärger auf den Plan ruft, und die Justifiers haben wieder alle Hände voll zu tun …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Holo-Detektiv im Einsatz bei den Schönen und Reichen“68

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Zwanzig Jahre ist es her, dass Pollock Shermar in seiner Holo-Serie als Detektiv knifflige Fälle gelöst hat. Seitdem er auf Gambela seine Spürnase einmal zu viel eingesetzt hat und dabei das Pech hatte, dass ein hochgiftiges Mittel freigesetzt wurde, haben seine Holo-Fans nichts mehr von ihrem Idol gehört. Offiziell hat er sich aus dem Business zurückgezogen und ist in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten. Inoffiziell hat sein Konzern an und mit ihm ein neues Projekt getestet – Lazarus soll den großen Gewinn einfahren, ermöglicht es doch, Tote wieder zum Leben zu erwecken.

Um einen finalen Test durchzuführen, kommt eine Reihe von Morden auf der künstlichen Insel der Superreichen und Berühmten gerade recht. Auf At-Lantis kommen Menschen auf mysteriöse, gewaltsame Art und Weise zu Tode. Wilbur Lantis, der Herr und Eigner des Ressorts kann sich keinen Besseren vorstellen als sein Idol aus Jugendtagen, um die Verbrechen aufzuklären. So wird Pollock reaktiviert und zusammen mit einem Beta-Humanoiden, der aus einem Nacktmull gezüchtet wurde, wieder in Dienst gestellt. Sollte er seinen alten Spürsinn, seinen Jagdinstinkt und eine messerscharfe Kombinationsgabe erneut beweisen können, dann hat sein Konzern einen neuen Gewinnbringer im Angebot – wenn nicht, wird Pollock, der vom Test selbst gar nichts weiß, entsorgt werden.

Auf At-Lantis bemerkt unser Meisterdetektiv schnell, dass etwas faul ist im Reiche Lantis. Die offensichtliche Spur führt zu den Beta-Humiden und deren Rebellenorganisation – doch nur zu bald stößt Pollock auf Ungereimtheiten. Irgendwie scheint alles mit den Vorgängen auf Gambela in Verbindung zu stehen, doch auf At-Lantis stößt er zunächst auf eine Mauer des Schweigens, der Verleugnung und jede Menge Intrigen und Geheimnisse – zumal auch Lantis selbst so Einiges lieber nicht ans Tageslicht kommen lassen will. Doch da ist er bei Pollock an den Falschen geraten, ahnt der doch nur zu bald, wo der Hase im Pfeffer liegt …

Ein guter Detektivroman, aber kaum wirkliche Bezüge zu den Justifier-Titeln

Vorliegender Roman ist von den Justifier-Beiträgen sicherlich der schwächste Band. Dabei legt Plischlke beileibe keinen schlechten Roman vor. Als Mix aus SF-Elementen und Kriminalroman hat der Text alles, was man sich von einem derartigen Werk verspricht. Es gibt jede Menge Geheimnisse, mysteriöse Morde, undurchschaubare Motive, dazu einen findigen Ermittler und dessen etwas tollpatschigen Strichwortgeber und Fragensteller. Stilistisch unauffällig liest sich der Roman flüssig und interessant auf einen Rutsch durch.

Nur versäumt es Plischke leider, die vorgegebenen Stärken der Justifier-Romane – die allmächtigen interstellaren Konzerne und die Beta-Humiden – als Motive weidlich zu nutzen. Zwar kommen natürlich auch bei ihm die Konzerne und die gezüchteten Tier-Menschen vor, doch beides eher in einer, nun sagen wir es so, eher untergeordneten Rolle.

Zwar darf einer der Beta-Humiden, der Nacktmull Bruno Digger, den Stichwortgeber und Fragesteller unseres Detektivs spielen, richtig zu Leben erweckt Plischke diesen und dessen Spezies damit jedoch nicht. Auch die Justifiers, die konzerneigenen Söldner spielen nur am Rande eine Rolle. Das sind eher Abziehbilder eines in der Retorte erzeugten Wesens, das aller Rechte ledig seinem Konzern bis zur letzten Zelle gehört, als dass uns ihre Schicksale wirklich rühren würden. Es fehlt schlicht an einer glaubwürdigen Verzahnung des Romans mit dem Universum der Justifier. Auch auf große Action-Szenen, Gefechte und Kämpfe wartet man vorliegend vergebens. Sicherlich greift der Autor neben dem bereits bekannten Schauplatz At-Lantis auch immer wieder in Randbemerkungen Geschehnisse aus den anderen Romanen auf, aber letztlich nutzt er die große Klammer der Justifier-Welt zu wenig.

Inhaltlich bleiben die Charaktere mit Ausnahme der beiden Haupthandlungsträger relativ unscharf, lediglich unser Protagonist wird im Lauf der Handlung wirklich fortentwickelt.

So bleibt ein interessanter, stellenweise packender SF-Detektivroman, wobei die Verzahnung mit dem Justifier-Universum allerdings kaum genutzt wurde.

(Carsten Kuhr, Juli 2012)

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