Dagons Erben von Tobias Bachmann

Buchvorstellungund Rezension

Dagons Erben von Tobias Bachmann

Originalausgabe erschienen 2009, 130 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Ein altes Grammofon gibt den Hinweis auf einen jahrelang geheimgehaltenen Code in Lovecrafts Schriften. Seltsam sphärische Musik führt den Kryptologen Zadok zu einer versunkenen Insel, deren Auftauchen aus dem Meer von einer Gruppe erwartet wird, die sich Dagons Erben nennt. Doch auf jener Insel lauert etwas: Ein Ding, das besser in den verborgenen Tiefen des Meeres vergessen hätte bleiben sollen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Düster, schnell und clever konstruiert“95

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Sagt ihnen der Name Lovecraft etwas?“ „Noch nie gehört.“ „Ein amerikanischer Autor sogenannter phantastischer Literatur. Solche Schriften, die hierzulande verbrannt wurden. Ein erbärrmlich schlechter noch dazu. Hat kaum etwas veröffentlicht, stand jedoch in Korrespondenz mit diversen Nazigrößen (...).“
(Das Grammophon)

Berlin 1942. Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs findet sich der Spion und Kryptologe Zadok plötzlich einer weit größeren Gefahr gegenüber, als es die Kriegsmaschinerie der Deutschen je sein könnte. Fremdartige Geräusche und ein seltsames Musikstück auf einer Schellackplatte lösen unangenehme Visionen bei ihm aus. Eine grün überwucherte Welt, in der Soldaten gegen einen (noch) unsichtbaren Feind kämpfen. Zadoks Nachforschungen führen ihn zu dem Komponisten des Stückes, Erich Zann, und zu einem Code, der in den Schriften eines gewissen H.P. Lovecraft versteckt ist.

Von scheinbar leichter Hand inszeniert

Unser Held Zadok wird davon getrieben, mehr über den Tod seiner Geliebten herauszufinden. Vor seinen Augen wurde sie aus einem Hinterhalt erschossen. Und plötzlich hört er ihre Stimme, die auf einer Schellackplatte Zanns unirdische Melodie intoniert. Auch Lovecrafts Geschichte „Dagon“ scheint eine besondere Rolle bei den Vorgängen zu spielen. Mit Zanns Hilfe entdeckt er einen Code in der Erzählung, dessen Entschlüsselung zu einer Gefahr für sein eigenes Leben wird. Ruhelos jagen Zadok und Zann der Lösung des Rätsels entgegen. Gegen Ende verschmilzt Zadoks Schicksal mit Lovecrafts „Dagon“-Erzählung.

Offenbar ist es immer noch möglich, den Boden, den Lovecraft bereitet hat, zu beackern und mit etwas Mühe einige herausragende Gewächse zu züchten. Tobias Bachmann macht sich den aktuellen Mystery-Boom um Geheimcodes und Bilderrätsel zunutze und versteckt kurzerhand nachträglich einen solchen Code in Lovecrafts „Dagon“. Damit gießt er Wasser auf die Mühlen der interpretationswilligen Leser. Denn was bei Anwendung des vermeintlichen Schlüssels aus Lovecrafts „Dagon“ gelesen werden kann, ist natürlich völlig sinnlos. Zanns freie Interpretation im Roman lässt zumindest ein gewisses Lovecraft-Feeling von rauschartigen Traumreisen und ungeahnten wissenschaftlichen Entdeckungen aufkommen. Den Rest besorgt das Gehirn des Leser, das durch unzählige Mythosgeschichten schon darauf geprägt ist, überall Zusammenhänge zu erkennen. Und das ist genau das, was der Autor beabsichtigt. Dabei wirkt das Ganze von leichter Hand inszeniert, hat aber bestimmt etliche Stunden der Recherche und des Probierens gekostet.

Doch nicht nur das Dagon-Rätsel ist clever konstruiert, es stimmt auch die Atmosphäre, die die ganze Erzählung durchzieht. Die Handlung scheint in ständiger durchregneter Dunkelheit zu spielen, den bedrohlichen Hintergrund bilden die ständigen Luftangriffe auf die deutsche Hauptstadt. Wie der namenlose Erzähler in Lovecrafts „Schatten über Innsmouth“ hetzten Zadok und Zann auf der Jagd nach Antworten durch ein diffuses Berlin, gehetzt von gesichtslosen Verfolgern.

Tobias Bachmann spendiert zwar einige Auftritte für Nebendarsteller, doch er bleibt auf Zadok und Zann konzentriert. Auch die Hintergründe der Figuren deutet er nur an, um diesen ein gewisses Profil zu geben. Für die Handlung aber ist das unwichtig. „Dagons Erben“, eine gelungene, eigenständige Verbeugung vor Lovecraft.

Huldigungen an Lovecraft

Die Namen der Figuren sind freilich ebenfalls Huldigungen vor Lovecraft. Zadok erinnert an Zadok Allen aus Lovecrafts „Schatten über Innsmouth“. Erich Zann ist der Komponist aus „Die Musik des Erich Zann“, den es von Paris nach Berlin verschlagen hat. Und auch Bachmann selbst ist bereits Lovecraft-erfahren. Zusammen mit Markus K. Korb hat er den gelungenen Episodenroman „Das Arkham-Sanatorium“ verfasst, der eine ganze Sammlung lovecarftscher Geschichten enthält.

Auch dieser zweite Band aus der Edition Arkham erschien in einer Auflage von 99 Stück im Basilisk-Verlag. Die komplette Auflage war zur Auslieferung bereits ausverkauft. Als Gimmick liegt dem Buch eine Mini-CD bei, die zwar nicht Zanns Musikstück enthält, aber dafür das geniale Coverartwork von Mark Freier in verschiedenen Versionen als Bildschirmschoner.

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