Sherlock Holmes taucht ab von

Buchvorstellungund Rezension

Sherlock Holmes taucht ab von

Originalausgabe erschienen 2012, 200 Seiten.ISBN 3927071765.

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In Kürze:

Zum 125. Geburtstag des großen Meisterdetektivs ein klassischer Holmes-Roman im Stile Doyles – mit mystischem Einschlag! „Dieser Fall birgt eine Menge Rätsel. Ich glaube, wir sind hier einer besonders großen Sache auf der Spur. Denken Sie an meine Worte, Watson.“ Was haben ein halbes Dutzend Menschen gemeinsam, die im Herbst 1890 allesamt binnen kürzester Zeit in London ermordet werden? Selbst dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes fällt es schwer, ein Verbrechensmuster zu erkennen. Bis er herausfindet, dass sämtliche Morde nur von einem Toten ablenken sollen einem bekleideten Mann, der erwürgt in seiner Badewanne gefunden wurde. Im Besitz des Toten finden Holmes und Watson jede Menge merkwürdiger Gegenstände, die scheinbar nicht viel miteinander zu tun haben – ein offenbar defekter Kompass, eine Landkarte, die angeblich das versunkene Atlantis zeigt und eine verschlüsselte Botschaft. Noch rätselhafter wird es, als Watson während der Obduktion seltsame Deformationen an den Organen des Toten feststellt. Die entschlüsselte Botschaft führt die Ermittler zu einem geheimen Treffpunkt im Londoner Hafen, wo sie von Menschen in einem fremdländisch aussehenden Unterseeboot erwartet werden. Mit ihnen an Bord kennt das Boot nur einen Kurs – den nach Atlantis.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Originelle Idee und flüssige Umsetzung“75

Fantasy-Rezension von Elmar Huber

„In den Vorstellungen diverser Autoren wurde Atlantis als paradiesischer Ort beschrieben. Mir fiel auf, dass die Beschreibungen dieses fiktiven Kontinents nicht selten dergestalt formuliert waren, als würde Atlantis noch immer existieren.“

Innerhalb kurzer Zeit wird in London bereits die dritte Leiche aufgefunden, die auf die gleiche Art ermordet wurde. Messerstiche im Bauch und durchtrennte Kehle. Nahe eines Tatorts findet Sherlock Holmes eine Holzkiste mit einem augenscheinlich defekten Kompass. Eine vierte Leiche, die in einer gefüllten Badewanne aufgefunden wird, weist seltsame körperliche Abnormitäten auf. Plötzlich verschwindet Sherlock Holmes spurlos und Dr. Watson sieht sich – nun mit den Ermittlungen auf sich alleine gestellt – immer mehr Hinweisen gegenüber, die auf den versunkenen Kontinent Atlantis deuten.

„Nach wie vor verstand ich nicht, weshalb wir bei unseren Ermittlungen permanent auf dieses mythische Inselreich stießen. Zumal es bereits vor elftausendfünfhundert Jahren einer nicht näher genannten Naturkatastrophe zum Opfer gefallen sein sollte. Wie um alles in der Welt konnte das damals jemand überlebt haben?“

Der Fall, dem sich Holmes und Watson hier gegenüber sehen, erscheint im Grunde nicht weiter aufregend – es geht um den Schmuggel des atlantischen Metalls Oreichalkos auf die Erdoberfläche – doch das macht auch nicht den Reiz des Buches aus. Dieser liegt zweifellos in der „Entdeckung“ des versunkenen Kontinents Atlantis, der Tatsache, dass sich hier eine eigene Kultur erhalten hat und dem Spannungsfeld des rational ermittelnden Sherlock Holmes vor einem phantastischen Hintergrund.

Doch zu Anfang des Romans präsentieren die beiden Autoren dem Leser zuerst einmal das bekannte London aus unzähligen anderen Sherlock Holmes-Geschichten, in dem man sich sogleich heimisch fühlt. Erst nach und nach schleicht sich das phantastische Element hier ein, bis die beiden Freunde schließlich mittels eines U-Bootes endgültig ins Phantastische abtauchen – sehr schön auch die Doppeldeutigkeit des Titels. Selbstredend ist die Entdeckung von Atlantis keine Bagatelle, doch für mein Empfinden ist dieses zweite Drittel – besonders Watsons bewundernde Schilderungen der atlantischen Gefilde und Lebensarten – ein paar Zeilen zu lange geraten, die man besser dem Finale zugestanden hätte. Der Fluch der Seitenbegrenzung.

Doch auch wenn man inzwischen mit phantastischen Sherlock Holmes-Romanen ganze Regale füllen könnte, gefällt „Sherlock Holmes taucht ab“ durch seine originelle Idee – soweit Originalität nach Christian Endres "Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes„ überhaupt noch möglich ist – und die flüssige, gefällige Umsetzung, die keinerlei Stilbrüche aufweist. Die phantastik- und krimierfahrenen Autoren Tobias Bachmann (“Novalis Traum„, “Dagons Erben„, “Das Spiel der Ornamente„) und Sören Prescher (“Der Fall Nemesis„) ergänzen sich hier hervorragend und liefern einen Roman, der tatsächlich “aus einem Guss„ wirkt. Ein weiteres gemeinsames Romanprojekt ist geplant.

Was die Figuren angeht, so bleiben Bachmanns und Preschers Holmes und Watson ihren bekannten Verhaltensmustern treu – Holmes rational und pragmatisch bis hin zur Schroffheit, Watson schwelgerisch was die fremde Kultur und bewundernd, was die Weiblichkeit angeht. 

“Sherlock Holmes taucht ab„ ist der zweite Band der von Alisha Bionda im Fabylon Verlag herausgegebenen Reihe “Meisterdetektive„. Besonders augenfällig ist hier das wunderbar farbenprächtige Coverbild des Malers Peter Wall, das eine angenehme Abwechslung zu den ansonsten gerne verwendeten Computergrafiken /-collagen darstellt und auf dem großformatigen Buch entsprechend gut zur Geltung kommt. Das Bild fügt sich – wie gewohnt – nahtlos in das Reihenlayout von Atelier Bonzai ein. Der Innenteil birgt außerdem zwei weitere s/w-Bilder von Peter Wall.

Als nette Ergänzung – wenn auch für das Verständnis nicht weiter wichtig – ist auf dem Literaturportal www.LITERRA.info eine Prologgeschichte mit dem Titel “Sherlock Holmes und die Initialen des Inspektors" erschienen, die just bis zur ersten Szene des Romans führt.

(Elmar Huber, Januar 2013)

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