Torsten Scheib: Casus Belli von Torsten Scheib

Buchvorstellungund Rezension

Torsten Scheib: Casus Belli von Torsten Scheib

Originalausgabe erschienen 2010, 421 Seiten.ISBN 3938411228.

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Inhalt

  • Christian Weis: Grabenkämpfe
  • Stefan T. Pinternagel (R.I.P.): Briefe aus Togoland
  • Karla Weigand: Darja
  • Monika Niehaus: Eine Verkettung unglücklicher Umstände
  • Tim Lebbon: Bombermond
  • Lars Maria Maly: Helden deutscher Literatur
  • Michael Schmidt: Remanenz
  • Andreas Gruber: Klinik
  • Jörg Weigand: Hurra, hurra – wir leben noch!
  • Sven Kössler: Höchste Geheimhaltungsstufe
  • Weston Ochse: Hiroshima Falling
  • Tobias Bachmann: Häschen in der Grube
  • Charlotte Engmann: Ein Heer von Toten
  • Martin Clauß: Warpain†
  • Uwe Voehl: Lasset uns Menschen machen!
  • Rainer Innreiter: Lebensraum
  • Tony Caulfield: Die Abessinischen Greuel
  • Markus Kastenholz: Rot wie Krieg
  • Jan Osterloh: Schussfeld
  • Harald A. Weissen: Wenn Eulen schweigen
  • Damian Wolfe: Der vierte Reiter
  • David Grashoff: Die Katzenfrau
  • Rainer Schorm: Die Natur des Lächelns
  • Torsten Scheib: Typ 4
  • Stefan Melneczuk: Keller

Das meint Phantastik-Couch.de: „Krieg und Horror – Krieg ist Horror – die etwas andere Anthologie“80

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Krieg – was löst dieses eine kurze, fast unschuldig scheinende Wort beim Leser nicht alles an Assoziationen aus?

Krieg, das steht für unmenschliche Gräuel, für unermessliches Leid, für Vertreibung, Schändung, Verwundung, Folterung und Tod.

Krieg, mit diesem Begriff verbindet man den Verlust der Menschlichkeit, Moralgrenzen, die sich auflösen, Menschen, die sich wie Tiere verhalten, nur dass Tiere niemals so ein perverses Vergnügen am Foltern ihrer Beute an den Tag legen.

Kann man, darf man über Krieg schreiben? Ist nicht die Gefahr groß, den Krieg als etwas abartig Schönes zu verniedlichen, die Schrecken zu verharmlosen und die Auswirkungen auf die menschliche Psyche außer Acht zu lassen?

Fünfundzwanzig Autoren stellen sich der Herausforderung, eine mehr oder minder realistische Gruselgeschichte rund um den Horror eines Krieges zu verfassen, fünfundzwanzig Beispiele dafür, was Krieg bedeuten kann, was er für Ängste zu wecken imstande ist, was Fürchterliches in seinem Gefolge passiert.

Das Gebotene reicht von den Schützengräben des ersten Weltkrieges über den Zweiten und Hiroshima bis hin zu einigen wenigen moderneren Schauplätzen.

So abwechslungsreich wie die Handlungsorte gestalten sich dabei auch die Ausgangssituationen. Seien es unmenschliche Gräuel, die geschildert werden, das Zerbrechen der Psyche angesichts des Erlebten, oder biblische Wesen, die sich manifestieren – immer steht die Gnadenlosigkeit des Krieges als Drohkulisse im Zentrum der Geschichten. Nie wird der Krieg als aufregendes Abenteuer verniedlicht, nie die Schrecken dessen, was Menschen sich, einmal aufeinander losgelassen, einander anzutun vermögen. Neben deutschsprachigen Autoren hat der Herausgeber auch mehrere englischsprachige Verfasser für seine Anthologie gewinnen können. Das Gebotene ist stilistisch ansprechend, sorgfältig redigiert und lektoriert und mit einem wahrhaft passenden, prächtigen Titelbild versehen. Nicht jede der Geschichten hat mich im gleichen Maße angesprochen, so manche aber haben mich innerlich berührt, nachdenklich gemacht und beeindruckt. Hier sind insbesondere die Beiträge von Andreas Gruber, Jörg Weigand und Weston Ochse sowie die einmal mehr herausragenden Stories von Martin Clauß und Uwe Voehl zu nennen.

Eine Mahnung, ein Schrecken und Schicksale

Zum Inhalt:

Christian Weis berichtet uns in „Grabenkämpfe“ vom Gaskrieg des I. Weltkriegs. Eine neue Gasmischung macht aus den Soldaten beider Parteien die idealen Krieger – wandelnde Tote …

Stefan T. Pinternagel berichtet in „Briefe aus Togoland“ aus dem Deutschen Schutzgebiet Togo. Hier, inmitten von Britischen und Französischen Kolonien versucht ein wackerer Deutscher Geschäftsmann mit dem Elfenbeinhandel reich zu werden. Nach Ausbruch des I. Weltkrieges fliegt er mit seinen Negern und ihrer Priesterin ins Landesinnere. – beschützt von einer Horde Zombies ..

Karla Weigand erzählt in „Darja“ von deutschen Soldaten die 1943 tief in russischem Gebiet auf der Flucht sind. Eine Georgierin versorgt die Flüchtigen mit stärkendem Eintopf – doch diese hat ganz eigene Pläne mit den Aufgepäppelten – die Ghule haben Hunger ..

Monika Niehaus entführt uns in „Eine Verkettung unglücklicher Umstände“ an den Vorabend der Bombardierung von Pearl Harbor – ein Geheimdienstoffizier erkennt die Bedrohung, doch ein Agent und ein köstliches Fischgericht verhindern den Alarm ..

Tim Lebbon erzählt in „Bombermond“ von dem nächtlichen Angriff der deutschen Jagdbomber auf Blackenheath – und dem Schicksal des abgestürzten Piloten. Jahrzehnte später kommt einer der beiden Jungen, die den Flieger gefunden haben, in sein Heimatdorf zurück ..

Lars Maria Maly berichtet uns in „Helden Deutscher Literatur“ davon, wie echt deutsche Kriegshelden gemacht werden – bis die Verfasser dann die schreckliche Wirklichkeit des Krieges einholen …

Michael Schmitt entführt uns in „Remanenz“ zuerst an die Somme nach Frankreich, dann nach Sarajewo und ins Reich der Bolschewiken. Der Lichtbringer entsendet seinen Attentäter, um lästige Konkurrenten, wie Hitler, Stalin und Lenin aus dem Weg zu räumen – für ein besseres tausendjähriges Reich . …

Andreas Gruber erzählt in „Klinik“ vom Besuch eines Mannes im Krankenhaus während der Bombenangriffe von Dresden. Dass der Besucher dann zum Patienten wird, war ursprünglich nicht vorgesehen ..

Jörg Weigand berichtet in der bitterbösen Satire „Hurra, Hurra wir leben noch“ vom Schicksal deutscher Wehrmachtshelden, die ein Freund von Dr. Mengele zusammen mit einer Hitlertreuen Schwester pflegt …

Sven Kössler enthüllt uns in „Höchste Geheimhaltungsstufe“, was wirklich hinter dem Angriff auf Hiroshima steckte..

Weston Ochse wendet sich in „Hiroshima Falling“ erneut der japanischen Stadt zu. Nach dem Fall der Bombe lösen sich von den Verletzten und Sterbenden Hautfetzen, die die Erinnerungen der Menschen in sich tragen …

Tobias Bachmann entführt und in „Häschen in der Grube“ in das Konzentrationslager Kulmhof. Hier, inmitten der Massengräber, geht der SS-Hauptsturmführer seinen perversen Vergnügen nach – bis die Geschändeten zurückschlagen ..

Charlotte Engmann berichtet in „Ein Heer von Toten“ von einer ungewöhnlichen Allianz – um das Heer der Untoten zu stoppen, entsendet Walhalla eine Kriegsmaid und auch ein Vampir begibt sich auf die Jagd ..

Martin Clauß schildert in „Warpaint“ den September 1914 an der Westfront . Dämonen, untote Wesen suchen die Soldaten in ihren Schützengräben heim – nur der Kriegsbemalung eines englischen Majors ist es zu verdanken, dass diese vernichtet werden können. Doch woher rühren seine Kräfte, und wie werden die Dämonen losgelassen?

Uwe Voehl lässt in „Lasset uns Menschen machen!“ erneut die so genannten Wissenschaftler des Dritten Reiches eine Entdeckung machen. In einem Sinti-Lager stossen sie auf Überreste uralter Nekromanten – lebende Überreste, an denen der Führer höchstes Interesse signalisiert ..

Rainer Innreiter entführt uns in „Lebensraum“ zum Russlandfeldzug der Deutschen Wehrmacht. Tief im Feindesgebiet stoßen die Soldaten auf ein Dorf, in dem die Dämonen hausen. Dämonen, die nach einer neuen Heimat suchen. Fünfzig Jahre später berichtet ein Sterbender einem Pfleger seine Geschichte – und wieder suchen die Dämonen nach einem Wirt …

Tony Caulfield erzählt uns in „Der Fluch und Niedergang des Hauses Voltar: Die Abessinischen Greuel“ von einer Familie, die von einem Fluch heimgesucht wird. Jede Generation bringt einen wahnsinnigen Mörder hervor – bis eines fernen Tages vielleicht einmal der Zweitgeborene den Fluch brechen wird ..

In Markus Kastenholz´ „Rot wie Krieg“ entführt uns der Autor nach Böhmen kurz vor der Deutschen Invasion. Die unterdrückten Sudetendeutschen flüchten sich vor der Einberufung durch die Tschechen in den Schwarzholtz, einem unheimlichen Wald, aus dem noch nie ein Mensch wieder zurückkam. Hier, inmitten des dichten Gestrüpps erwacht eine Kraft zu neuem Dasein, den die Menschheit nur als einen der Apokalyptischen Reiter kennt …

In Jan Osterlohs „Schussfeld“ begleiten wir eine Schulklasse in ihr Schullandheim in einem ehemaligen, im zweiten Weltkrieg umkämpften BDM-Heim. Durch Zeit und Raum hallt der Schuss eines amerikanischen Scharfschützen …

Harald A. Weissens „Wenn Eulen Schweigen“ nimmt sich der Repatriierungen des Roten Kreuzes an. Zusammen mit einem Abgesandten des Roten Kreuzes begleiten wir geflohene russische Kriegsgefangene zurück in ihre Heimat – bis ein Überfall der Roten Armee die Flüchtlinge niedermetzelt. Nur einem gelingt zunächst die Flucht. Nur zu bald aber wird er vom Hunger getrieben von einem Russen als Opfer und Nahrung für Ghule gebraucht …

In Damian Wolfes „Der Vierte Reiter“ begegnen uns erneut die biblischen Reiter der Apokalypse. Ein Kriegsveteran wartet im Sanatorium darauf, dass ihn seine Visionen vom Feld der Ehre einholen ..

David Grashoffs „Die Katzenfrau“ berichtet von einem Partisan aus der Nähe von Belgrad, der vor den Deutschen Besatzern fliehend Unterschlupf bei einer alten Vettel sucht. Doch diese hält mehr als eine Kartoffelsuppe für ihn bereit …

Rainer Schorm beschäftigt sich in „Die Natur des Lächelns“ damit, ob der Krieg wohl auch mit den Opfern Mitleid haben könnte?

Torsten Scheib widmet sich in „Typ 4“ den Gewissensängsten japanischer Kamikazepiloten

In Stefan Melneczuks „Keller“ finden Feuerwehrleute 60 Jahre nach Kriegsende in einem vergessenen, zugemauerten Keller die Leichen dreier dort Umgekommenen – und eine Puppe, die um Hilfe ruft.

Eine wirklich herausragende Anthologie also, bei der sich der Interessierte jedoch beeilen sollte, sind von der Auflage von gut 180 Exemplaren die allermeisten doch bereits verkauft.

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