Orks vs. Zwerge von T.S. Orgel

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012, 544 Seiten.ISBN 3-453-31404-2.

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In Kürze:

Ihr Hass aufeinander wurzelt tiefer als die Gebeine der Erde – schon seit Jahrtausenden sind Orks und Zwerge erbitterte Feinde. Nun prallen sie in einer gewaltigen Schlacht aufeinander, in der sich die Zukunft beider Völker entscheiden muss. Auf der einen Seite kämpft der Orkhauptmann Ragroth erbittert um Anerkennung, Beute und das nackte Überleben, während auf der anderen Seite der Zwergenkrieger Glond für einen Geheimauftrag eingeteilt wird, der ihn mitten in die Reihen der Feinde führt. Doch auf beide wartet eine finstere Überraschung, die das Schicksal von Orks und Zwergen für immer verändern wird.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Völkerroman – refurbished“78

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Einst gab es eine Zeit, da lebten Orks von den schneebedeckten Gebirgen des Nordens bis hin zu den Küsten des Südens. Dann kamen die Zwerge und in ihrem Gefolge die Menschen. Das Land der Ahnen wurde vereinnahmt und befindet sich seit Jahrzehnten nun unter der Herrschaft der Zwerge. Und diese haben ihre steinernen Monumente hinterlassen. Neben ihren Stollen und Gruben, mittels derer sie dem Erdreich sein Gold entrissen haben, sind die Baumeister auch über der Erdoberfläche fleißig gewesen. Bewacht von einer gigantischen Feste, haben sie mit Derok eine Stadt gebaut, die für die Ewigkeit gedacht ist und uneinnehmbar erscheint.

Nach Jahrzehnten des Status Quo regt sich wieder etwas in den Niederungen, den Sümpfen und der Steppe. Ein Ruf ging aus an alle Orks und Oger sich zu sammeln und die Wühler aus ihren künstlichen Höhlen zu vertreiben. Das Land der Ahnen soll erstmals gemeinsam befreit, die Schatzkammern der Stumpen geplündert werden.

Was eigentlich undenkbar schien, der Fall der Wälle um Derok wird Wirklichkeit. Auf ihrem Rückzug soll eine kleine Gruppe von Zwergen das Heiligste, was die Kurzen ihr Eigen nennen, aus dem Tempel in Sicherheit bringen. Ungeschickt nur, dass die Orks ihnen in die Quere kommen – und dabei gar nicht so dumm und ungeschickt taktieren, wie man dies von hirnlosen Tieren eigentlich erwarten sollte . …

Statt nur einen Schlachtenroman legen die Autoren einen Plot vor, der uns die Völker und deren Motivation nachvollziehbar aufzeigt

Zwerge und Orks gehören zu den bevorzugten Protagonisten der so genannten Völker-Romane. Was dereinst mit Stan Nicholls 'Orks’ seinen Anfang nahm, von Markus Heitz mit seinen 'Zwergen'-Romanen dann weiter zu Bestseller-Ehren geführt wurde, das geht in eine neue Runde. Kann man dem entsprechend kundigen Leser hier überhaupt noch Neues präsentieren? Das war die Frage, die mich bewegte, als ich mich dem laut Verlagswerbung „Fantasy-Blockbuster des Jahres“ widmete.

Die Gebrüder Orgel, altgediente Rollenspieler, kredenzen uns auf den ersten Blick ein gewohntes Bild. Wilde Orkhorden greifen die Festen der Zwerge und der für diese arbeitenden Menschen an, werfen ihre Massen gegen die gigantischen Wälle und sterben zu Tausenden. Das bürgt für packende Kampfschilderungen, die entsprechend martialisch und blutig ausfallen.

Allerdings, und das ist ebenso überraschend wie bedeutsam, werten die Autoren hier nicht. Es gibt keine Guten bzw. Bösen, jede der beiden Seiten wird mit einer in sich glaubwürdigen Motivation versehen und auf ihre jeweilige Mission entsandt.

Insoweit fällt es auch zunächst schwer, sich wirklich in eine der Figuren hineinzuversetzen. Mangels eines wirklichen Helden, dem man in den Kampf folgen, mit dem zusammen man triumphieren könnte, beobachtet man zunächst eher distanziert das Geschehen, das uns aus diversen Blickwinkeln offeriert wird.

Durch diesen Kunstgriff gelingt es den Autoren dann aber eben auch, uns das Geschehen sehr umfassend und detailreich aufzubereiten. Dabei wird deutlich, dass die beiden Völker, schaut man einmal über die Vorurteile und kulturellen Unterschiede weg, so unterschiedlich gar nicht sind. Sie alle suchen ein Heim, eine Heimat, die sie natürlich dann vor den vermeintlich Bösen schützen wollen. Dass beide Seiten dieselbe Gegend als ihre Heimat ansehen, ist die Krux – zumal ein Zusammenleben der unterschiedlichen Spezies nicht vorstellbar scheint.

Vor unseren Augen nimmt der Eroberungsfeldzug der erstmals vereinten Orks plastisch Gestalt an, verfolgen wir die teilweise verzweifelten Verteidigungsversuche der Zwerge mit, erleben Verrat und Heldenmut, Opferbereitschaft und Feigheit gleichermaßen.

Trotz der häufigen Perspektivenwechsel wirkt der Plot sehr überzeugend und real, besticht mit packenden Kampfbeschreibungen und überrascht durch eine arten-untypische Zeichnung aller Charaktere.

(Carsten Kuhr, Oktober 2012)

Ihre Meinung zu »T.S. Orgel: Orks vs. Zwerge«

PMelittaM zu »T.S. Orgel: Orks vs. Zwerge«28.06.2013
Die Orks sind im Anmarsch auf die Zwergenstadt Derok, alle Stämme haben sie unter einem Oberbefehlshaber vereint, um ihr ehemaliges Stämmegebiet zurückzuerobern. In Derok bereiten sich die Zwerge darauf vor, ihre Stadt vor den zahlenmäßig überlegenen Angreifern zu verteidigen.

Orks und Zwerge sind im Krieg miteinander. Ok, das kommt in vielen Fantasy-Geschichten vor, aber diese hier ist trotzdem etwas Besonderes, den Gebrüdern Orgel ist es gelungen, ihre ganz besondere Orks-Zwerge-Geschichte zu schreiben und das richtig gut. Weder Orks noch Zwerge sind hier eindeutig gut oder eindeutig böse, beide Arten haben eine eigene interessante Geschichte und dadurch ihre Gründe für diesen Krieg. Die Orks werden einmal nicht als bösartige, halbe Tiere dargestellt, die Zwerge sind keine edle, intellektuell überlegene Rasse. Selten habe ich mich so wenig für eine Seite entscheiden können, wenn auch mein Herz etwas mehr für die Orks schlägt (und allein das ist schon beachtenswert, denn eigentlich bin ich ein großer Zwerge-Fan).

Besonders gefällt mir, dass beide Seiten auch wirklich zu Wort kommen, die beiden Autoren erzählen die Geschichte sowohl aus den Augen der Orks als auch aus denen der Zwerge. Im Mittelpunkt steht jeweils eine bestimmte Gruppe, bei den Orks ist dies der Trupp des Orks Ragroth, einem alten Haudegen, bei den Zwergen eine Sechsergruppe, die einen „Schatz“ aus einem Tempel retten soll und sich dabei mitten unter die Feinde begeben muss. Es gibt aber auf beiden Seiten noch weitere Perspektiven zu entdecken. Beide Seiten haben zudem auch mit internen Streitigkeiten zu kämpfen, so gibt es bei den Orks verschiedene unterschiedliche Stämme, aber auch Rivalitäten zwischen Individuen, die Zwerge sind in verschiedene Gilden geteilt, die jede die Macht für sich beansprucht. All dies trägt sehr zur Spannung bei und macht die Geschichte insgesamt sehr interessant.

Man kann das Buch auch als eine Art Anti-Kriegsbuch verstehen, zumal es durchaus auch Bezüge zur realen Welt enthält. Die Zwerge als (ehemalige) Eroberer, die Orks als „Ureinwohner“, diese Konstellation weckt Assoziationen. Die Kämpfe sind ausführlich und sehr spannend beschrieben (obwohl ich sonst oft dazu neige, über Kampfhandlungen hinwegzulesen, weil ich sie meist eher langweilig finde, habe ich das hier nicht getan), sie sind realistischerweise sehr blutig und kosten dem einen oder anderen Charakter das Leben, sicher dass der „Lieblingscharakter“ überlebt, kann man nie sein.

Auch die Charaktere haben die beiden Autoren sehr gut ausgearbeitet, seien es Orks, Zwerge oder die auch auftretenden Menschen und Oger (wobei letztere eine Unterart der Orks darstellen), man lernt sie gut und tiefgehend kennen. Dazu trägt auch bei, dass die Autoren uns an ihren (kursiv geschriebenen) Gedanken teilhaben lassen – und dass wir einiges über die Hintergründe zumindest einiger Charaktere erfahren.

Erzählt wird das Ganze in einer sehr lebendigen Sprache, die sich wunderbar lesen lässt und das Buch zusätzlich zur spannenden Handlung zu einem Pageturner macht. Von diesen Autoren würde ich sehr gerne noch einiges mehr lesen. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, bietet aber genug Stoff für einen weiteren Band, an dem die Autoren auch schon fleißig schreiben.

Sehr schön sind auch die Boni, die das Buch bietet, zum einen wirklich tolle Illustrationen auf den Umschlaginnenseiten, vorne gibt es einen Zwerg, hinten einen Ork zu bewundern, weiterhin gibt es zwei Karten, ein Personenverzeichnis und ein Wörterbuch, in dem orkischeWörter übersetzt werden.

Mich hat das Buch regelrecht begeistert, ich kann es daher uneingeschränkt empfehlen und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, die im November erscheinen wird.
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