Die linke Hand der Dunkelheit von Ursula K. Le Guin

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Die linke Hand der Dunkelheit von Ursula K. Le Guin

Originalausgabe erschienen 1969unter dem Titel „The Left Hand of Darkness“,deutsche Ausgabe erstmals 1974, 347 Seiten.ISBN 3-453-16415-6.Übersetzung ins Deutsche von Gisela Stege.

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In Kürze:

Die Bewohner des Planeten Gethen sind uns Menschen verblüffend ähnlich – mit einem Unterschied: Sie sind androgyn, und während einer kurzen Phase sexueller Erregbarkeit entscheidet sich, welcher der beiden Partner einer Beziehung welches Geschlecht annimmt. In einer solchen Gesellschaft sind geschlechtsspezifische Machtkämpfe und Hierarchien, wie wir sie kennen, nicht möglich. Doch es gibt andere Formen von Macht – und diese werden einem Abgesandten von der Erde schmerzhaft bewußt, als er zum Spielball politischer Interesse wird und gezwungen ist, in Begleitung eines Gethenianers durch die Eiswüsten des Planeten zu fliehen.
«Die linke Hand der Dunkelheit» ist der bis heute bedeutendste SF-Roman über Sexualität, die Rollen der Geschlechter und ihre Auswirkungen auf die Kultur. Er wurde sowohl mit dem Hugo Gernsback Arward als auch mit dem Nebula Award ausgezeichnet.

Ihre Meinung zu »Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit«

Adiraf zu »Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit«24.01.2015
Ich habe das Buch in der neueren Ausgabe von Heyne gelesen.

Es ist unglaublich gut geschrieben und allein das ist ein Genuß. Häufig habe ich mir einzelne Sequenzen des Buches laut vorgelesen. So eine poetische Sprache und ein so dermaßen intelligenter Text.
Gibt es irgendeinen vergleichbaren Roman?

Dieses Stück Litereratur steht definitiv auf einem Level der seinesgleichen sucht.
Andreas Ypsen zu »Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit«02.08.2014
Nach dem Kontakt mit auffällig vielen positiven und vielversprechenden Hinweisen und Rezensionen auf diesen Science Fiction Roman zur Geschlechterproblematik und der Rolle der Sexualität im Zusammenhang mit der Ausübung von Macht und der Entstehung einer Geschlechterkultur habe ich mir diesen Roman nach langem Aufschub vorgehalten. Und wurde desillusioniert. Vielleicht waren es die zu hohen Erwartungen an eine zu alte Arbeit. Vielleicht war es eine falsche Vorstellung von der Rolle dieses Romans im freudschen Kanon der Sexualtheorie. Vielleicht war es Ignoranz oder Unverständnis. Ich sah nicht, was Andere sahen. Aber ich sah andere Dinge.

Der Roman ist ein schöner Spiegel des in den 60er Jahren vorherrschenden Blockdenkens und des Widerstreits und der gleichzeitigen Uniformität der beiden Weltentwürfe. Welche der beiden im Roman beschriebenen Machtsysteme die Vereinigten Staaten und welches die Sowjetunion repräsentiert, bleibt dem Leser überlassen und ist auch von einer seltsamen Irrelevanz für das unfreiwillige Fazit des Entwurfs der Einheit in Abgrenzung zum Außen.

Die Handlung wird flüssig und mit stilistischer Abwechslung vorgetragen. Es kommt keine Langeweile auf und auch für Religionstheoretiker und Freunde von Taoismus und Nihilismus gibt es Denkanstöße. Der Weltentwurf ist für einen so kurzen Roman gut gelungen. Allein der, zugegebenermaßen von Außen aufgedruckte, Stempel der Tiefenanalyse der Rolle der Sexualität oder Nichtsexualität bei der Kulturwerdung wird nicht in dem von mir erwarteten Umfang thematisiert. Der Aha Moment blieb aus. Zwingende Kausalitäten einer androgynen Kultur blieben verborgen oder unscharf.

Die Rolle der Sexualität in diesem Widerstreit der Systeme wird von Le Guin selbst meiner Meinung nach aber nicht überbewertet und ihr 1976 entstandenes selbstanalytisches Vorwort zum Roman bringt sehr gut zum Ausdruck, was jedem Fan von Belletristik klar sein dürfte. Man kann nicht beschreiben, was man nicht selbst erlebt hat. Der Science Fiction und Fantasy Roman bleibt also in seiner Phantastik und teils absurden Lüge im Detail ein Spiegel des erlebten Ist und die Ausrollung und Tiefenbeschäftigung mit einem Detail bleibt eine Metapher der Realität. Diese Selbsterklärung ist Entschuldigung und Vorwurf an die Kritiker zugleich. Dieser Roman würde heute ein Anderer sein. Meine Erfahrungen unterscheiden sich von denen Le Guins. Welch eine banale Einsicht. Die Androgynität ist in einem geringen Maß in die westliche Kultur eingesickert und die Rollenbilder sind nicht mehr so stark ausgeprägt wie es noch vor 50 Jahren der Fall war. Gleichzeitig ist die Sexualität als Nabe des Rades in vielen Schattierungen in das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Die Frau wurde ein Stück freier. Der Mann ein Stück gezähmter. Beide suchen und geißeln sich stärker als zuvor. Ich selbst bin dem androgynen Begleiter des Hauptcharakter verbunden und erkenne mich wieder. Die Motive seines Handelns bleiben universell. Oder sind die Schranken der Geschlechtertrennung in meinem Kopf vorher gefallen? Bin ich Sexualpsychologe? Bin ich Medienwissenschaftler? Bin ich Chronist der Zeitgeschichte? Dieser Roman lässt sich kaum analysieren und das Bild ist ein zu mächtiges um es in einer Kurzrezension beschreiben zu können. Auch wenn die Farben verblasst und die Konturen abgeschliffen sind, bleibt das Gedankenexperiment ein guter Aufhänger für die Reflektion des eigenen Rollenverständnisses und der Rolle der Sexualität als Motor oder Gleitmittel einer kulturellen Entwicklung. Aber wie Le Guin bereits anmerkt. Vielleicht ist die Kälte am Arsch der Welt ein viel größerer Einflussfaktor als die Frage von X und/oder Y.

Rezensent: 36 / männlich / heterosexuell / westlich geprägt
Beverly zu »Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit«16.05.2012
Unter dem Titel "Winterplanet" habe ich den Roman in einer alten Ausgabe von Heyne schon vor langer Zeit gelesen. Ursual K. LeGuin schafft eine interessante Kultur und erzählt ihre Geschichte spannend und flüssig. Trotzdem hat es lange gedauert, bis ich mich dazu entschied, ihr 100° zu geben. Der Grund dafür ist der Maßstab, nachdem dieser Roman zu bewerten ist.

"Die linke Hand der Dunkelheit" ist keinesfalls ein Roman über eine Gesellschaft, die im Bereich der Sexualität alle Zwänge überwunden hat. So chimpfte ein Freund von mir, als ich ihm erzählten, dass die Menschen dort nur einmal im Monat - nämlich während des "Kemmer" - Sex hätten. Mir selbst graust bei der Vorstellung, auf einem Planeten zu leben, wo Eiszeit ist und im Winter in geschlossenen Räumen das Bier zurfriert. Der Dauerherbst in Deutschland reicht mir schon! Freiheit, gutes Leben und Selbstbestimmung in Sexualität und Geschlechtsidentität stelle ich mir anders vor!

Der Roman funktioniert aber sehr gut, wenn man ihn nicht als Roman über eine bessere, sondern eine andere Kultur liest. Dass sich eine Zivilisation auf einem anderen Planeten nach Mustern entwickelt, die den Menschen auf der Erde selbst mit Gewalt und Terror über viele Jahrhunderte hinweg aufgezwungen wurden, ist schlichtweg nicht zu erwarten. Wenn Heerscharen von SF-Autoren die Muster von "Mann", "Frau" und "heterosexuell", die die meiste Zeit auf der Erde nicht einmal funktionieren, auf andere, außerirdische Zivilisationen übertragen, dann haben sie diesbezüglich Müll geschrieben und LeGuin hat das Selbstverständliche gemacht - in einer anderen Kultur auf einem anderen Planeten entwickeln sich andere Rollenmuster und Formen von Sexualität.

Ob es die Bewohner des Planeten Gethen besser oder nur anders haben als die Menschen auf der Erde, darüber kann man sich trefflich streiten. Dass die Biologie das Entstehen festegefügter Geschlechterrollen - "Mann", "Frau" -, die die Menschheit in eine Sackgasse geführt haben, verhindert, mag ein Vorteil sein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mary zu »Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit«26.01.2011
Die linke Hand der Dunkelheit war ist und wird immer mein absolutes Lieblingsbuch sein.
Auch wenn das erste Kapitel sich etwas schwierig anläßt, fasziniert mich die komplexe Welt "Winter" immer wieder aufs neue.
Vor allem ist es aber ein Buch über Freundschaft und Loyalität, die das Ausmaß des totalen Selbstopfers annimmt. Überaus empfehlenswert zu lesen, einer der besten Romane aller Zeiten.
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