Fyrgar von Uschi Zietsch

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010, 448 Seiten.ISBN 3-404-28549-2.

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In Kürze:

Die Fyrgar sind Unsterbliche, die abgeschieden hoch in den Bergen leben. Sie bewahren das Wissen der Welt Waldsee und werden als große Weise verehrt. Man nennt sie auch das „Volk des Feuers“, weil sie dieses Element auf einzigartige Weise beherrschen: Sie können aus eigener Kraft Feuer entzünden und gefahrlos durch Feuer gehen. Ihre Weisheit ist so groß, dass sie alles über Waldsee zu wissen glauben. Doch dann scheitern sie an dem Rätsel der Schattenweber, die das Reich mit Tod und Schrecken überziehen. Um dieses Rätsel zu ergründen, entsenden sie den geachteten Lehrmeister Aldavinur. Er muss dafür einen hohen Preis zahlen: Er muss selbst zum Menschen werden. Und damit sterblich …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Bewährtes und Neues in der High Fantasy“73

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Mit „Fyrgar – Volk des Feuers“ hat Uschi Zietsch ihrer Fantasywelt des „Träumenden Universums“ ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Wie „Nauraka – Volk der Tiefe“ ist „Fyrgar – Volk des Feuers“ als abgeschlossene Geschichte einzeln lesbar und ergänzt die komplexe Historie der Welt Waldsee. Als Neueinsteiger sollte man den Anhang „Die vier Königreiche“ am Ende des Buches vorab lesen, denn dort lernt man in einer Zusammenfassung die Genesis der Welt Waldsee kennen. Ein Blick in das umfangreiche Glossar kann auch nicht schaden, um einen Eindruck von der Vielfalt dieser Fantasywelt zu bekommen.

Ein Gelehrter lernt das Leben

Als Fyrgar ist Aldavinur ein höheres Wesen, ein Bewahrer des Wissens. Fyrgar leben in den Hochlagen, nahe der Götter und abgeschieden von der Welt der Sterblichen. Ihre Gestalt ist vielfältig, z.B. katzenartig oder vogelähnlich, stets anmutig und der anderer Spezies überlegen. Das Feuer beherrschen sie und es beherrscht die Fyrgar. Ihre verschiedenen sterblichen und unsterblichen Lebenszyklen trennt der Gang durch die Flammen.

Selbst hoch in den Bergen sind bereits Anzeichen davon zu sehen, das etwas nicht stimmt in Waldsee. Die Schattenweberseuche macht die Menschen in den Tälern zu willenlosen Marionetten. Derweil beschäftigen den Gelehrten der Fyrgar und seinen besonderen Schüler Efrynn jedoch andere Sorgen. Die beiden haben den Halb-Krahim Gondwin, ein Mischwesen halb Mensch halb Krähe, schwer verletzt von einem Felsen geborgen und pflegen ihn nun in Aldavinurs Höhle gesund – entgegen dem Einverständnis des Rates der Fyrgar, der eine Gefahr für ihr Volk fürchtet.

Zu Recht – Gondwin entführt schließlich Efrynn. Aldavinur weiß vor Scham keinen anderen Weg, als durch das Feuer zu gehen, als Sterblicher den Halbkrahim zu jagen und seinen Schützling zu befreien. Doch dafür muss er die Schattenweber herausfordern, obwohl er sich in seiner Menschengestalt schwach fühlt und von der Gegenwart außerhalb seiner Berge nur wenige Kenntnisse besitzt. Für Davin, wie der Fyrgar in Menschengestalt sich nun nennt, beginnt eine Zeit der Begegnungen und Lehren. Und schließlich fordert den Fyrgar sein Schicksal auf unerwartete Weise heraus.

Eine Fantasywelt zum Hineinversinken

In der Vielfalt der Fantasy-Subgenre, von der Urban-, über die Romantik- zur Dark-Fantasy, geht sie inzwischen fast unter, die Mutter der Fantasygenre: die High-Fantasy. Doch einige neue Helden-und Abenteuer-Fantasy Werke können sich im Wust der Veröffentlichungen behaupten und finden immer noch begeisterte Fans. Die „Waldsee“-Bücher der Autorin und Verlegerin Uschi Zietsch gehören dazu, denn sie schafft es, altbewährten Fantasyqualitäten moderne Aspekte hinzuzufügen. Die Waldsee-Geschichten sind solche klassischen Helden- und Abenteuer-Epen, voller Legenden und Mythen.

Aldavinur ist eine dieser Heldenfiguren, mächtig, mutig, gut und dennoch eine, mit dem wir uns identifizieren können. Dabei ist er kein einfacher Vertreter seines Volkes, der in ein Abenteuer hinein geschleudert wird. Sondern es ist eher umgekehrt. Aus der starken geschmeidigen Katze wird ein empfindlicher Mensch, der das Leben lernen muss, um dann seine Aufgabe annehmen zu können. Mal eine andere Heldenvariante, die ebenfalls überzeugt. Als Davin marschiert er durch die Lande, begegnet den Menschen und macht verschiedenste Erfahrungen, auch erotische. Die Autorin wirkt dem antiquierten Trend entgegen, dass die High-Fantasy ohne Sex auskommen muss. Die Erotik stellt hier durchaus eine willkommene Bereicherung dar, dient aber, wie manch anderes Erlebnis auch, nicht immer dem Fortgang der Geschichte. Diese Erfahrungen kommen natürlich der Glaubwürdigkeit der Hauptfigur zugute, allerdings hängt hier der Spannungsbogen ein wenig durch. Der Weg zum Ziel hätte vielleicht nicht ganz so lang sein müssen.

Die Beschreibung und Charakterisierung der Waldsee-Welt wird jeden High-Fantasy-Fan begeistern. Uschi Zietsch gelingt das Zusammenspiel von bekannten und neuartigen Fantasy-Figuren mit bewundernswerter Leichtigkeit. Wir begegnen Rittern, Zauberern und Drachen, aber auch achtbeinigen Wölfen, Mensch-Tier-Wesen, eben diesen unsterblichen Fyrgar und schließlich auch den Göttern des Träumenden Universums. Und diese Fabelwesen halten uns den Spiegel vor, demonstrieren, das Wissen nicht vor Torheit schützt, Schwächen und Fehler das Leben und Individuen ausmachen.

Eine Besonderheit der hier gewählten Erzählform mit einem allwissenden Erzähler ist, dass sie einen weiträumigeren Blick auf den Erzählhorizont ermöglicht. Eine weitreichende Mythologie umschließt die Kernhandlung, die sich in vielen Nebengeschichten offenbart. Der Leser bekommt vorab Informationen und Eindrücke, die erst später wesentlich werden. Dadurch büßt die Handlung etwas an Tempo ein, gewinnt jedoch Atmosphäre und Dichte.

Das Beste am Schluss

Nervt es Sie auch, wenn Sie sich am Ende eines Romans um das Finale betrogen fühlen? Wenn das Geschehen nicht richtig abgeschlossen wird und für die Story wesentliche Fragen offen bleiben? Das wird Ihnen beim Lesen von „Fyrgar – Volk des Feuers“ nicht passieren.

Denn Uschi Zietsch setzt einem dramatischen Finale noch eins drauf, lässt den Helden, der sich zur Ruhe setzen will, nur vorübergehend dazu kommen. Hier hätte man sich durchaus noch ein paar zusätzliche Seiten gewünscht, noch mehr Tiefgang in die Geheimnisse der Waldsee. Dennoch sorgt Uschi Zietsch in diesem allerletzten Kapitel für einen schönen Abschied von den lieb gewonnenen Protagonisten und beschließt diese Waldsee-Epoche auf eine wahrhaft würdige Weise.

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