Shakespeares Sternenritt von Uta Rabenstein

Buchvorstellungund Rezension

Shakespeares Sternenritt von Uta Rabenstein

Originalausgabe erschienen 2007, 300 Seiten.ISBN 3980899845.

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In Kürze:

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, dem Mann des Lebens, symbiotischen Würmern zum Überleben, einer radikalen Änderung des Lebens oder schlicht und einfach einer Chance, lebenslangen Frieden für alle Völker sämtlicher Galaxien zu stiften, brechen die fünf Helden und Heldinnen, ob von der Erde stammend oder von anderen Planeten, aus sehr unterschiedlichen Gründen zu ihren Reisen auf. Sie treffen auf merkwürdige Weise aufeinander, kommen sich zum Teil sehr nahe, verlieren sich wieder aus den Augen und erreichen auf unvorhergesehenen Routen doch ihr Ziel. Stets aufs Neue werden der Dramatik des Geschehens unerwartet komische Züge verpasst. Nebenbei kann ein verheerender intergalaktischer Krieg auf überraschende Weise beigelegt werden

Das meint Phantastik-Couch.de: „Kuriositäten-Kabinett im Weltall“74

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Sie wissen nicht was ein „;Gungimop“; ist oder was es mit einem „;kosmischen Eingeweidebeißer“; auf sich hat? Sie haben noch nie etwas von einer  „;qualitätsmanagmentbeauftragten Mangelmutante“; gehört, die für ihr Leben gerne „;Konformitätsauslegungsprüfbescheinigungen“; mit vierundzwanzig Zertifikaten ausstellt? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie in Uta Rabensteins völlig abgedrehtes Universum eintauchen und Arthur Shakespeare auf seinem unkonventionellen „;Sternenritt“; begleiten. Vielleicht besuchen sie bei dieser Gelegenheit auch einmal den Imbiss am Rande des Universums, in dem das Personal sich selbst zum Verzehr anbietet.

Keine rosigen Aussichten, wenn man dazu auserwählt wurde, als Organ-Ersatzteillager für einen Patriarchen herhalten zu müssen. Freiwillig aus dem Leben zu scheiden, um einer „;höheren Sache“; zu dienen, ist dann auch nicht jedermanns Sache. So jedenfalls denkt der Alien Kassandra, dessen unfreiwilliges Ableben kurz bevor steht. Da er nicht so lange warten möchte, bis es soweit ist, kapert er kurzerhand ein Raumschiff und entflieht in die Weiten des Universums. Seinem unliebsamen Schicksal entflohen, setzt sich Kassandra neue Ziele. Zunächst einmal möchte er herausfinden, ob es nicht noch einen weiteren Grund für seine Existenz gibt. Ein schwieriges Unterfangen. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens irrt er mehr oder weniger ziellos durch die Galaxie und trifft dabei auf die wundersamsten Lebensformen. Schließlich findet er jemanden, der ihm eine Menge Antworten gibt. Das Dumme ist nur, leider fehlen nun die dazugehörigen Fragen. Also geht alles wieder von vorne los. Es ist zum verzweifeln. Als wäre das nicht schon genug, hängt sich zusätzlich noch eine Erdenfrau an seinen Rockzipfel, die sich unsterblich in ihn verliebt hat. Diese zeigt sich nämlich der Erdenmänner überdrüssig und sucht neue Herausforderungen in Sachen Beziehungsstress. Die Rede ist von Kira, einer brillanten Pilotin, die eigentlich von Arthur Shakespeare angeheuert wurde, um dessen Raumschiff nach Delta Centauri zu fliegen. Dort tagt wiederum der Intergalaktische Rat, der sich aus Mitgliedern vieler verschiedener Spezies zusammensetzt. Eines dieser Mitglieder des Rates befindet sich auch an Board von Arthur Shakespeares Raumschiff und wird dringend auf Delta Centauri erwartet. Kira selbst gerät durch einen unglücklichen Zufall während der Reise in den Sog eines Wurmlochs und es verschlägt sie auf einen fremden und lebensfeindlichen Planeten. Nur mir Hilfe einer Mikrowelle (natürlich ein Modell mit Teleporterfunktion) kann Kira dem ungastlichen Terrain entfliehen. Was sie nicht wissen kann, ihrer Mutter ist es ähnlich ergangen. Muttern befand sich mit einer Freundin ebenfalls auf dem Weg nach Delta Centauri, strandete jedoch unterwegs mit ihrem Raumschiff auf einer fremden Welt.

Zur gleichen Zeit planen die Mo‘har – ihres Zeichens die kriegerischste Rasse des Universums – einen Anschlag auf den Intergalaktischen Rat. Es soll ein alles vernichtender Schlag gegen den Rat werden. Angeführt werden die Mo’har von dem gefürchteten Leonid Lodka, einem narzisstischen Terrestrier, vor dem die ganze Galaxie zittert. Wie es schließlich der Zufall und die Unberechenbarkeit von Wurmlochreisen wollen, treffen alle Protagonisten irgendwann aufeinander. Letztendlich wird sich auf Delta Centauri das Schicksal jedes einzelnen von ihnen entscheiden. Während all dieser Geschehnisse scheint der sich anbahnende interstellare Krieg unabwendbar. Doch dann geschieht etwas, womit niemand gerechnet hat. Die Mo’har sehen sich plötzlich einem Feind gegenüber, dem sie scheinbar nichts entgegenzusetzen zu haben.

Schräge Typen

Ihnen war Douglas Adams „;Per Anhalter durch die Galaxis“; noch nicht schräg genug? Dann dürfte „;Shakespeares Sternenritt“; genau das richtige für Sie sein. Vergessen Sie erst einmal alles, was sie in letzter Zeit gelesen haben, werfen sie jede Logik über Bord und starten sie mit Lichtgeschwindigkeit in ein Abenteuer, das mit den schrägsten Typen des Universums aufwartet. Es scheint, als gäben sich sämtliche Aliens von „;Babylon 5“;, „;DS9“; und „;Star Wars“; in Uta Rabensteins Erzählung ein Stelldichein. Darunter einige, die wahrscheinlich selbst einen Gene Roddenberry in Erstaunen versetzt hätten. Neben den skurrilen Aliens überzeugen aber auch die „;zeitgenössischen“; menschlichen Figuren. Allen voran der herrlich überzeichnete Charakter des Leonid Lodka (mein persönlicher Favorit). Erbarmungsloser Eroberer, eitler Fatzke und Schwarm aller Frauen des Universums, in dessen Nähe sich jederzeit ein Spiegel und eine antivirale Salbe befinden. Letztgenannte auf Grund seiner Panik vor Herpesbläschen, die ihm weitaus größere Sorgen bereiten als eine bevorstehende intergalaktische Schlacht. Seine goldene Haarpracht auf Vordermann gebracht, führt er seine Herrscharen mit wehender Mähne ins Gefecht. Er selbst hält sich bei den Kampfhandlungen allerdings dezent im Hintergrund, da er eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Seine Mitstreiter dürfen davon natürlich nichts erfahren, denn das würde Leonid sofort den Kopf kosten. Kurzum: Leonid Lodka ist so ein richtiger „;Lackaffe und Beckenrandschwimmer“;. Klasse. Der Roman ist aber auch gespickt mit Gesellschaftskritischen Anspielungen, zum Beispiel die drogensüchtigen Roboter, „;Robotjunkies“;, abhängig von R-LSD, ein durch intensive Mikrowellenbestrahlung dickflüssiges Öl. Ausgestoßen von der Gesellschaft rosten sie einsam vor sich hin, um schließlich auf dem Müll zu enden. Oder die „;Mangelmutante“;, die unverkennbar den Verwaltungsapparat repräsentiert. Uta Rabensteins Sticheleien sind manchmal ganz schön deftig, jedoch immer weit davon entfernt, die Wertevorstellungen anderer abzuwerten. Ein gesunder Sarkasmus, der nie ins zynische ausgleitet. Die Autorin zeichnet sich hier durch ein sehr gutes Fingerspitzengefühl aus.

Romanze im All

Die klassische Mann-Frau-Beziehung steht im Mittelpunkt der Geschichte. Komisch, tragisch und ein wenig spöttisch. Frauen und Männer bekommen da gleichermaßen ihr Fett weg, wobei letztgenannte Gattung vielleicht ein wenig schlechter abschneidet. Allerdings bleibt die Autorin in ihren Äußerungen stets fair und vermeidet zum Glück gängige Klischees. Ein wenig Sex gibt es dann auch, der sich aber in Grenzen hält, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Was die Handlung als solches betrifft, sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Diese ist trivial bis „;gar nicht vorhanden“;. Das macht aber weiter nichts, denn der Roman lebt von seinen Seitenhieben und der burlesken Situationskomik. Da wird die Handlung zur Nebensache, wird ersetzt durch ein Feuerwerk der verrücktesten Gags, die immer wieder für laute Lacher sorgen. Da fragt man sich zwangsläufig, wie kommt diese Frau auf all diese verrückt-genialen Ideen? Ihre Phantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Daß sie dabei das ein oder andere Mal etwas über das Ziel hinausschießt und Gefahr läuft, sich in einer albernen Groteske zu verlieren, sei Ihr verziehen. Schließlich ist es ihr erster Roman. Glücklicherweise passiert ihr das aber nur sehr selten. Die Autorin wandelt dabei zwar auf schmalen Grad, schafft es aber immer wieder, im richtigen Moment das Ruder herumzureißen.

Wie dem auch sei, Uta Rabenstein repräsentiert jedenfalls eine der witzigsten Seiten Deutschlands.

Gewöhnungsbedürftig

Ein wenig schleppend beginnt das ganze allerdings schon, steigert sich erst im späteren Verlauf zu einem temporeichen und humorvollen Lesevergnügen. Das lässt sich jedoch auch darauf zurückführen, dass der Leser sich erst einmal an die vielen unterschiedlichen skurrilen Protagonisten und Handlungsstränge gewöhnen muss. Einem Wesen mit Kopftentakel und einem „;polierten Gungimop“;, dazu noch auf Pseudobeinen, begegnet man schließlich auch nicht alle Tage. Nach knapp hundert Seiten akzeptiert der Leser dann aber auch die schrägsten Gestalten und kann sich voll und ganz der genialen Situationskomik hingeben. Großartige technische Details oder naturwissenschaftliche Erläuterungen sollte man jedoch nicht erwarten. Für solche Einzelheiten bleibt kaum Zeit. Raumschiffe fliegen von A nach B und was weiß ich wohin. Welchen Antrieb sie dabei benutzen kann der Leser nur erahnen. Die an Bord befindlichen Computer und/oder Robots beherrschen sowieso alles. Egal ob es sich dabei um die Zubereitung eines drei Gänge Menüs oder die Navigation eines Raumschiffes handelt. Andererseits finden so auch „;Nicht-Science-Fiction-Fans“; einen leichten Zugang zum Roman.

Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die Autorin mit ihrem Debüt-Roman eine gehörige Portion Mut beweist. Da sich der heutige Durchschnittsgermane meist nur nach erheblichen Bierkonsum für eventuelle Albernheiten offen zeigt, gestaltet es sich äußert schwierig und ist immer mit einem Risiko verbunden, einen niveauvollen humoristischen Roman zu schreiben. Die Gefahr, dass es auch Leser geben wird, die „;Shakespeares Sternenritt“; als infantil bezeichnen werden, dürfte der Autorin bewusst sein. Denen sei jedoch gesagt, das Blöde daran ist das Gute darin. Oder so ähnlich.

Fazit

Intelligent, extrem spaßig, ideenreich und kurzweilig. Eine gewaltfreie Geschichte mit sympathischen Helden, erdacht von einer sympathischen Autorin. Ich persönlich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und schon lange nicht mehr so herzhaft bei einer Lektüre gelacht. Zwar weiß ich noch immer nicht so genau, was denn nun ein „;Gungimop“; ist, aber ich habe da so einen Verdacht. Ach ja, Vorsicht ist geboten wenn sie den Roman in der Öffentlichkeit lesen, sie könnten auffällige Verhaltensweisen an den Tag legen und gerade bei Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen, Misstrauen erwecken.

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