Der Große Süden von Ward Moore

Buchvorstellungund Rezension

Der Große Süden von Ward Moore

Originalausgabe erschienen 1953unter dem Titel „Bring the Jubilee“,deutsche Ausgabe erstmals 1980, 284 Seiten.ISBN 3-453-17949-8.Übersetzung ins Deutsche von Walter Brumm.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein düsteres Bild über ein fiktives Amerika“90

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

In der letzten großen und entscheidenden Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg versetzen die Südstaaten unter dem Befehl von General Lee dem Norden den endgültigen Todesstoß. Die Schlacht um Gettysburg entscheiden die Konförderierten für sich und gedemütigt ziehen sich die Unionstruppen zurück.

Ein anderes Amerika entsteht und wird zur Heimat des jungen Hodge Backmaker. Mit 17 Jahren verläßt er seinen Heimatort in der Provinz und geht nach New York, um dort mehr über die Geschichte seines Landes zu erfahren und zu lernen. In seinen Adern fließt das Blut eines Historikers und dank seiner autodidaktischen Fähigkeiten lernt er sehr schnell und nutzt jede Gelegenheit sein Wissen zu erweitern.

Das Leben im verarmten Norden ist nicht einfach. Hohe Reparationszahlungen an die reichen Großgrundbesitzer des Südens treiben den Norden unweigerlich in den Ruin. Die meisten Menschen begeben sich in eine Kontraktknechtschaft, eine moderne Form der Sklaverei. Andere resignieren und investieren in die Lotterie, in der Hoffnung auf den Hauptgewinn.

Hodge Backmaker aber geht einen ganz anderen Weg. Er findet eine Anstellung in einem bescheidenen Buchladen. Im Laufe der Jahre eignet er sich mit der ihm zur Verfügung stehenden Literatur ein enormes Wissen an. Unfreiwillig gerät er dabei in die politischen Machenschaften einer Untergrundbewegung, welche sich „Die Große Armee“ nennt. Schnell begreift er, daß seine liberale Einstellung nicht überall auf Verständnis stößt. Selbst seine erste große Liebe scheitert aufgrund seiner freundschaftlichen Beziehung zu einem Farbigen.

Nach einigen Jahren verläßt Hodge Backmaker schließlich den Ort seiner ersten Studien. Ein Team, bestehend aus exzellenten und ebenso exzentrischen Wissenschaftlern, wird auf ihn aufmerksam und ist begeistert von seinen Fähigkeiten als Historiker. Er reist zu ihrem Institut und wird Mitglied einer obskuren Gesellschaft, deren Mitglieder sich von der Außenwelt völlig zurückgezogen haben. Hodge verliebt sich in eine begnadete Wissenschaftlerin und wird in den nun folgenden Jahren Zeuge eines unglaublichen Projektes: der Entwicklung einer Zeitmaschine.

Der Traum eines jeden Historikers scheint für ihn in Erfüllung zu gehen. Als Augenzeuge über die vergangene Geschichte zu schreiben, dabei historische Personen zu belauschen und das alles aus der Perspektive eines späteren Zeitalters.

Schließlich reist er zurück ins Jahr 1863, versteckt sich in der Nacht zum 4.Juli in der Nähe von Gettysburg, um als stiller Beobachter der alles entscheidenden Schlacht beizuwohnen. Ein Spähtrupp der Konförderierten entdeckt ihn. Das hat fatale Folgen. …

Zeitreisen – Segen oder Untergang?

Ward Moore beschäftigte sich eigentlich nur am Rande mit Science Fiction. Um so faszinierender ist die Tatsache, daß er diese Geschichte schon 1953 unter dem Originaltitel „Bring the Jubilee“ veröffentlicht hat. Wer weiß, vielleicht inspirierte ihn auch ein Klassiker wie „Die Zeitmaschine“ von H.G.Wells. Mit seiner Erzählung gelingt es dem Autor zudem, ein bemerkenswertes Beispiel der sogenannten Parallel- oder Alternativweltromane zu schaffen.

Der Roman besticht durch seine überaus gelungenen und auf hohen Niveau stattfindenden Dialoge. Die Personen wirken glaubhaft und dadurch sehr lebendig. Das Lesen wird zum Vergnügen und man möchte das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Ein düsteres Bild über ein fiktives Amerika, wie es hätte sein können, wäre der Süden tatsächlich als Sieger aus dem Sezessionskrieg hervorgegangen.

Fazit: Ein überaus unterhaltsamer und anspruchsvoller Roman, dem die so oft gestellte Frage „Was wäre wenn...??“, zu Grunde liegt. Auch die Entwicklung Europas wäre sicherlich anders verlaufen, würde es die Vereinigten Staaten, wie wir sie heute kennen, in dieser Form nicht geben. Der Roman wirft am Ende Fragen auf, die Raum für unendlich viele Spekulationen eröffnen und den Leser noch lange beschäftigen werden. Wären Zeitreisen ein Segen oder der Untergang für die Menschheit?

Ward Moore kann mit seinem Buch diese Frage nicht beantworten, jedoch gelingt es ihm, den Leser in eine phantastische Welt zu entführen und außerdem einem philosophischen Anspruch gerecht zu werden.

Ein großartiger Roman, der auch über fünfzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Ihre Meinung zu »Ward Moore: Der Große Süden«

helmut widdau zu »Ward Moore: Der Große Süden«06.02.2015
habe diesen roman vor etwa 30 jahren in einer kiste mit gebrauchten büchern entdeckt und für damals 1 mark gekauft.er war so spannend, dass ich ihn in
in einmal ausgelesen habe.ich hatte danach die idee, ein gleichartiges buch zu schreiben mit dem titel :was wäre wenn hitler den krieg gewonnen hätte?nachdem ich material gesammelt hatte, und ich angefangen hatte zu schreiben, kam das buch von ralf giordano heraus.
leider zu sachlich und lange nicht so spannend wie das "vorbild" !
guidobillstein zu »Ward Moore: Der Große Süden«22.07.2010
Dieser Alternate History Roman ist eines der großen Meisterwerke der Science Fiction. Gehört unbestreitbar zu den sagen wir 20 wichtigsten Werken des Genres.

Die Liste mit Alternate History Romanen (ein Subgenre der SF) ist im Übrigen sehr überschaubar, Werke wie Dicks „The Man in the High Castle“ (1962, dt. Das Orakel vom Berge) gehört dazu, Carl Amerys „An den Feuern der Leyermark (1979) oder Thomas Zieglers „Die Stimmen der Nacht“ (1984). Der Grund hierfür liegt sicherlich zum einen im enormen Aufwand an historischer Recherche, der erforderlich ist, zum anderen sicher auch daran, dass die Autoren hier Farbe über ihre Sicht der Dinge bekennen müssen und sich somit angreifbar machen. Sowas schreibt man also nicht so einfach mal, das ist ein Magnum Opus. Als Folge ragen diese qualitativ aus dem SF Einheitsbrei heraus. Übrigens auch aus dem der Historischen Romane. Von denen gibt es sowieso zu viele, aber das nur nebenbei…

Zurück zu Moore: Der große Süden ist im klassischen Sinne ein Entwicklungsroman über den Protagonisten Hodge Backwater. Es sind die fiktiven Memoiren des Ich-Erzählers von seiner Jugend in den 1920ern und der Entwicklung bis zum autodidaktischen Historiker mit dem Spezialgebiet des amerikanischen Bürgerkriegs einer – sagen wir mal privaten Außenseiter-Universität in Pennsylvania. Hodge setzt sich mit sich und seiner Umwelt auseinander – und diese ist geprägt vom Sieg der Konföderierten (also der Südstaaten) im amerikanischen Bürgerkrieg.

Der Roman setzt sich detailliert mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen auseinander: Dass die Unterdrückung der Schwarzen (also der „Native African Americans“ wie man in den USA heutzutage sagt) bis ins 20. Jahrhundert bestehen bleibt, überrascht wenig. Fast wichtiger ist allerdings, dass durch diesen alternativen Kriegsausgang im Grunde die industrielle Revolution in den USA nicht stattfindet: Schließlich gewinnt ja hier der landwirtschaftlich geprägte Süden über den industriellen Norden. Bei Moore bleiben die USA wirtschaftlich letztlich ein relativ bedeutungsloses Entwicklungsland, beschränkt auf die rückständigen 26 Nordstaaten. Die unmittelbaren sozialen Auswirkungen: Armut und der wirtschaftliche Zwang für Millionen, sich bis an das Lebensende gewissermaßen als Leibeigene vertraglich zum Subsistenzlohn an einen Arbeitgeber zu binden. Oder auf den Hauptgewinn bei der staatlichen Lotterie zu warten. Es herrschen Lethargie und Depression, Korruption und Gewalt. Jegliche Einwanderung aus dem Ausland wird strikt unterdrückt.

Moore konzentriert sich im Wesentlichen auf die inneramerikanischen Verhältnisse, die außenpolitischen Folgen erwähnt er am Rande. Spinnen wir diesen Faden doch mal weiter: Die USA wären nie eine Weltmacht geworden. Sie wären ideologisch vermutlich Isolationisten geblieben, daher nicht mal gewillt, in keinem Fall jedoch wirtschaftlich in der Lage gewesen, auch nur ansatzweise eine kriegsentscheidende Rolle in den Weltkriegen zu spielen. Und so weiter…

Und Hodge? Er bekommt die Möglichkeit, mittels einer Zeitmaschine ins Jahr 1863 zu reisen, um die entscheidende Schlacht bei Gettysburg persönlich zu beobachten. Die Zeitreise gegen Ende des Romans setzt noch die Sahnehaube auf und verleiht ihm die tragische Note des Zeitparadoxons.

Zugegeben: Man muss die Auseinandersetzung mit Geschichte im allgemeinen und mit der der USA im besonderen schon mögen, um ein solches - auch literarisch - anspruchsvolles Werk richtig schätzen zu können. Aber es lohnt sich in jedem Fall.
guidobillstein zu »Ward Moore: Der Große Süden«10.07.2010
Dieser Alternate History Roman ist eines der großen Meisterwerke der Science Fiction. Gehört unbestreitbar zu den sagen wir 20 wichtigsten Werken des Genres.

Die Liste mit Alternate History Romanen (ein Subgenre der SF) ist im Übrigen sehr überschaubar, Werke wie Dicks „The Man in the High Castle“ (1962, dt. Das Orakel vom Berge) gehört dazu, Carl Amerys „An den Feuern der Leyermark (1979) oder Thomas Zieglers „Die Stimmen der Nacht“ (1984). Der Grund hierfür liegt sicherlich zum einen im enormen Aufwand an historischer Recherche, der erforderlich ist, zum anderen sicher auch daran, dass die Autoren hier Farbe über ihre Sicht der Dinge bekennen müssen und sich somit angreifbar machen. Sowas schreibt man also nicht so einfach mal, das ist ein Magnum Opus. Als Folge ragen diese qualitativ aus dem SF Einheitsbrei heraus. Übrigens auch aus dem der Historischen Romane. Von denen gibt es sowieso zu viele, aber das nur nebenbei…

Zurück zu Moore: Der große Süden ist im klassischen Sinne ein Entwicklungsroman über den Protagonisten Hodge Backwater. Es sind die fiktiven Memoiren des Ich-Erzählers von seiner Jugend in den 1920ern und der Entwicklung bis zum autodidaktischen Historiker mit dem Spezialgebiet des amerikanischen Bürgerkriegs einer – sagen wir mal privaten Außenseiter-Universität in Pennsylvania. Hodge setzt sich mit sich und seiner Umwelt auseinander – und diese ist geprägt vom Sieg der Konföderierten (also der Südstaaten) im amerikanischen Bürgerkrieg.

Der Roman setzt sich detailliert mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen auseinander: Dass die Unterdrückung der Schwarzen (also der „Native African Americans“ wie man in den USA heutzutage sagt) bis ins 20. Jahrhundert bestehen bleibt, überrascht wenig. Fast wichtiger ist allerdings, dass durch diesen alternativen Kriegsausgang im Grunde die industrielle Revolution in den USA nicht stattfindet: Schließlich gewinnt ja hier der landwirtschaftlich geprägte Süden über den industriellen Norden. Bei Moore bleiben die USA wirtschaftlich letztlich ein relativ bedeutungsloses Entwicklungsland, beschränkt auf die rückständigen 26 Nordstaaten. Die unmittelbaren sozialen Auswirkungen: Armut und der wirtschaftliche Zwang für Millionen, sich bis an das Lebensende gewissermaßen als Leibeigene vertraglich zum Subsistenzlohn an einen Arbeitgeber zu binden. Oder auf den Hauptgewinn bei der staatlichen Lotterie zu warten. Es herrschen Lethargie und Depression, Korruption und Gewalt. Jegliche Einwanderung aus dem Ausland wird strikt unterdrückt.

Moore konzentriert sich im Wesentlichen auf die inneramerikanischen Verhältnisse, die außenpolitischen Folgen erwähnt er am Rande. Spinnen wir diesen Faden doch mal weiter: Die USA wären nie eine Weltmacht geworden. Sie wären ideologisch vermutlich Isolationisten geblieben, daher nicht mal gewillt, in keinem Fall jedoch wirtschaftlich in der Lage gewesen, auch nur ansatzweise eine kriegsentscheidende Rolle in den Weltkriegen zu spielen. Und so weiter…

Und Hodge? Er bekommt die Möglichkeit, mittels einer Zeitmaschine ins Jahr 1863 zu reisen, um die entscheidende Schlacht bei Gettysburg persönlich zu beobachten. Die Zeitreise gegen Ende des Romans setzt noch die Sahnehaube auf und verleiht ihm die tragische Note des Zeitparadoxons.

Zugegeben: Man muss die Auseinandersetzung mit Geschichte im allgemeinen und mit der der USA im besonderen schon mögen, um ein solches - auch literarisch - anspruchsvolles Werk richtig schätzen zu können. Aber es lohnt sich in jedem Fall.
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