Virtuelles Licht von William Gibson

Buchvorstellungund Rezension

Virtuelles Licht von William Gibson

Originalausgabe erschienen 1993unter dem Titel „Virtual Light“,deutsche Ausgabe erstmals 1993, 326 Seiten.ISBN 3-453-86327-5.Übersetzung ins Deutsche von Peter Robert.

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In Kürze:

Einige Jahre in der Zukunft von San Francisco. Die Oakland Bay Bridge gibt es längst nicht mehr -- sie dient inzwischen als Heimstatt für zahlreiche Misfits, die sich ein Häuschen nicht leisten können. Autos gibt es längst nicht mehr, dafür aber enorm leichte und robuste Fahrräder aus Pappe. Auf der Oakland Bridge wohnt auch die Heldin des Romans -- Chevette, die Fahrradkurierin -- in einer komplexen Nischengesellschaft menschlicher Streuner. Der Fan kennt die Szene aus der Verfilmung von Gibsons Story Johnny Mnemonic mit Keanu Reeves. Chevette ist ein streetwise kid und abgebrüht -- gut für sie.

Die andere Hauptfigur ist Berry Rydell, ein Ex-Polizist aus Knoxville, Tennessee. Auch in Los Angeles will er nur ein Auskommen haben und schreibt sich bei der Firma Inten Secure Armed Response als Angestellter ein: Ein privates Bewachungsunternehmen, das die Reichen und Schönen vor der Unbill des alltäglichen Verbrechens im Lande beschützen soll.

In San Francisco übernimmt Chevette die Packtasche einer anderen Art von Kurier -- dem Undercover-Agenten, der von Singapur aus operierenden Pacific Rim Company, die in Nordkalifornien wirklich den Ton angibt -- und gelangt so in den Besitz eines brisanten Stücks Hightech, einer speziellen Brille. Inten Secure schickt Berry Rydell nach San Francisco, um dort mit Kollege Lucius Warbaby (nomen est omen!) sowohl im Realen wie im Cyberspace nach der Brillen-Diebin zu fahnden. Leider scheint Rydell einen Anfall romantischer Verliebtheit zu erleiden, als er Chevette begegnet. Und flugs befindet er sich auf Kollisionskurs mit seinen Arbeitgebern, mit Kollege Warbaby und dem Undercover-Agenten. Rydell ist ein Chandler’scher Antiheld, der sich nur dank seines Instinkts auf die Seite der „Guten“ schlägt -- und dafür von den Hackern à la Robin Hood in letzter Sekunde gerettet wird.

Das meint phantastik-couch.de: „Unterhaltsame Warnung“60

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

Einige Jahre in der Zukunft von San Francisco. Die Oakland Bay Bridge gibt es längst nicht mehr – sie dient inzwischen als Heimstatt für zahlreiche Misfits, die sich ein Häuschen nicht leisten können. Autos gibt es längst nicht mehr, dafür aber enorm leichte und robuste Fahrräder aus Pappe.

Auf der Oakland Bridge wohnt auch die Heldin des Romans, Chevette, die Fahrradkurierin, in einer komplexen Nischengesellschaft menschlicher Streuner. (Der Fan kennt die Szene aus der Verfilmung von Gibsons Story „Johnny Mnemonic“ mit Keanu Reeves.) Chevette ist ein streetwise kid und abgebrüht – besser für sie.

Die andere Hauptfigur ist Berry Rydell, ein Ex-Polizist aus Knoxville, Tennessee. Auch in Los Angeles will er nur ein Auskommen haben und schreibt sich bei der Firma IntenSecure Armed Response als Angestellter ein: ein privates Bewachungsunternehmen, das die Reichen und Schönen vor der Unbill des Alltags des Verbrechens im Lande beschützen soll.

Ein Chandler’scher Antiheld

In San Francisco übernimmt Chevette die Packtasche einer anderen Art von Kurier, dem Undercover-Agenten der von Singapur aus operierenden Pacific Rim Company, die in Nordkalifornien wirklich den Ton angibt – und gelangt so in den Besitz eines brisanten Stücks Hightech, einer speziellen Brille.

IntenSecure schickt Berry Rydell nach San Francisco, um dort mit Kollege Lucius Warbaby (nomen est omen!) sowohl im realen wie im Cyberspace nach der Diebin der Brille zu fahnden. Leider scheint Rydell einen Anfall romantischer Verliebtheit zu erleiden, als er Chevette begegnet. Und flugs befindet er sich auf Kollisionskurs mit seinen Arbeitgebern, mit Kollege Warbaby und dem Undercover-Agenten. Rydell ist ein Chandler’scher Antiheld, der sich nur dank seines Instinkts auf die Seite der „Guten“ schlägt – und dafür von den Hackern à la Robin Hood in letzter Sekunde gerettet wird.

Die Zukunft hat schon begonnen

Gibson hat im Gegensatz zu seinen vorhergehenden Romanen „Neuromancer“, „Count Zero“ und „Mona Lisa Overdrive“ einen erstklassigen Krimi geschrieben, mit Film-Noir-Kulissen und staubtrockenen Dialogen. Das dient nur dazu, seine romantische Vision der Zukunft des Jahres 2005 zu verdecken: Die Reichen haben die Erde und die Schwächeren ausgebeutet und verschanzen sich hinter festungsartigen Grundstücken und Wachdiensten. Die Armen, Ausgestoßenen, Dissidenten aber hausen im Zwischendeck der Oakland Bridge, glauben an die Macht der Gemeinschaft und die Pflicht zur Rebellion. Keine Frage, wem seine Sympathie gilt.

Doch diese Zukunft hat schon begonnen. Heute verursachen Computerhacker im Amoklauf Firmen um Milliardenbeträge, erscheint die im Computer erzeugte Wirklichkeit schöner als unsere reale Welt – siehe den Rummel um „Star Wars – Episode 1“, manipulieren Techniker an menschlichen Genen und werden massenhaft Klone herstellen. Es ist nicht allzu viel Vorstellungskraft nötig, um sich auszumalen, wohin unsere, insbesondere die amerikanische Gesellschaft treibt, welche der westdeutschen ja nur ca. zehn Jahre voraus ist.

„Virtuelles Licht“ läßt den Leser einen spannenden und unterhaltsamen Blick in eine Welt werfen, vor der uns der Autor warnt. Es ist ratsam, das Augenmerk auf jene Werte zu richten, für die es sich nach Ansicht Gibsons zu kämpfen, zu rebellieren lohnt. Dann können wir vielleicht noch was ändern – oder uns zumindest auf das Schlimmste einstellen.

Ihre Meinung zu »William Gibson: Virtuelles Licht«

Michael Zöllner zu »William Gibson: Virtuelles Licht«10.09.2014
Hier wird Gott nach Ansicht einer Sekte im Fernsehen sichtbar gemacht.
Ein Roman der von den Nebenhandlungen lebt und das sehr gut.
In einer Nebenhandlung schildert er eine sekte die das TV verehrt. Gott wäre dort sichtbar.
Einer der Anhänger behauptet er sei im Rauschen zu sehen. also in der visuellen Umsetzung der Static der Frequenzen.
diese wird ohnehin gerne mystifiziert vergleiche "Static on the radio" von Planet P.
Er greift hier auch die Wissenschaftlichen trennts der zeit auf

Zu jener Zeit ( um 1993) begab es sich, das von einigen Chaosmathematikern eine These ausging, dass Strukturen im Chaos
einem Jeden im Fernsehvolk im selben Rauschen/flimmern sichtbar gemacht werden könnten. Andere Mathematiker wiedersprachen.

Gibsen trib es dann auf die Spitze. Er wollte gleich den Struckturgeber des Universums von einer bisher fiktven Gemeinde verehren lassen.

Mit diesen Ausführungen ist noch nichts über die Geschichte verraten. Am ende stand ein interessantes Gefühl für mich: Die Gegenwart wird uns so fremd werden wie es die Zukunft schon ist.
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