Die Stille nach dem Ton von Wolfgang Jeschke & Ralf Boldt

Buchvorstellungund Rezension

Die Stille nach dem Ton von Wolfgang Jeschke & Ralf Boldt

Originalausgabe erschienen 2012, 392 Seiten.ISBN 3942533375.

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In Kürze:

1985 gab es ihn zum ersten Mal – den damals noch »SFCD-Literaturpreis« genannten Preis für den besten deutschsprachigen Science-Fiction-Roman und die beste deutschsprachige SF-Kurzgeschichte, die im Vorjahr erstmals veröffentlicht wurde. Heute heißt der Preis »Deutscher Science-Fiction-Preis«, kurz DSFP, und ist mit zwei Mal 1000 Euro der einzige dotierte SF-Preis im deutschsprachigen Raum. Am Konzept hat sich in den Jahren wenig geändert: Ein Literaturpreiskomitee wechselnder Zusammensetzung liest die deutschsprachigen Erstveröffentlichungen eines Jahres, bewertet diese und findet am Ende den Preisträger des Jahres in den beiden auch heute noch relevanten Kategorien Roman und Kurzgeschichte. In manchen Jahren war die Liste der Nominierten lang, in anderen Jahren sehr kurz. Doch immer waren die Preisträger mit ihren Werken herausragend und überzeugend. Ralf Boldt und Wolfgang Jeschke präsentieren in dieser außergewöhnlichen Sammlung die Preisträger der Sparte der SF-Kurzgeschichten im SFCD-Literaturpreis von 1985-1998 und im Deutschen Science-Fiction-Preis von 1999-2012

Inhalt:

  • 1985: Thomas R. P. Mielke, Ein Mord im Weltraum
  • 1986: Wolfgang Jeschke, Nekromanteion
  • 1987: Reinmar Cunis, Vryheit do ik jo openbar
  • 1988: Ernst Petz, Das liederlich-machend Liedermacher-Leben
  • 1989: Rainer Erler, Der Käse
  • 1990: Gert Prokop, Kasperle ist wieder da!
  • 1991: Andreas Findig, Gödel geht
  • 1992: Egon Eis, Das letzte Signal
  • 1993: Norbert Stöbe, Zehn Punkte
  • 1994: Wolfgang Jeschke, Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan
  • 1995: Andreas Fieberg, Der Fall des Astronauten
  • 1996: Marcus Hammerschmitt, Die Sonde
  • 1997: Michael Sauter, Der menschliche Faktor
  • 1998: Andreas Eschbach, Die Wunder des Universums
  • 1999: Michael Marrak, Die Stille nach dem Ton
  • 2000: Michael Marrak, Wiedergänger
  • 2001: Rainer Erler, Ein Plädoyer
  • 2002: Michael K. Iwoleit, Wege ins Licht
  • 2003: Arno Behrend, Small Talk
  • 2004: Michael K. Iwoleit, Ich fürchte kein Unglück
  • 2005: Karl Michael Armer, Die Asche des Paradieses
  • 2006: Michael K. Iwoleit, Psyhack
  • 2007: Marcus Hammerschmitt, Canea Null
  • 2008: Frank W. Haubold, Heimkehr
  • 2009: Karla Schmidt, Weg mit Stella Maris
  • 2010: Matthias Falke, Boa Esperança
  • 2011: Wolfgang Jeschke, Orte der Erinnerung
  • 2012: Heidrun Jänchen, In der Freihandelszone

Das meint Phantastik-Couch.de: „So muss Science Fiction!“99

Science-Fiction-Rezension von Horst Illmer

Wer Bücher in ausgefallenen Formaten sammelt, wird an der von Ralf Boldt und Wolfgang Jeschke herausgegebenen Anthologie „Die Stille nach dem Ton“ (Höhe am Rücken in Zentimetern gemessen: Dreißig! Seitenbreite: Fünfzehn Zentimeter) kaum vorbeikommen.
Wer herausragende Science-Fiction-Kurzgeschichten mag, kommt um diesen Band jedoch auf gar keinen Fall herum, enthält er doch, außer der Titel-Story, noch „die anderen preisgekrönten SF-Kurzgeschichten des SFCD-Literaturpreises 1985-1998 und des Deutschen Science-Fiction-Preises 1999-2012“ (so der Untertitel): in Summa 28 Erzählungen.

Und was für Erzählungen!

Wobei es unsinnig wäre, die einzelnen Geschichten hier nochmals vorzustellen: zu homogen ist ihre stilistische Brillanz, bei gleichzeitig größtmöglicher inhaltlicher Vielfalt und thematischer Breite. (Selbst die Stories der Mehrfachpreisträger bilden Solitäre in deren literarischem Schaffen.) Einige der Geschichten erfuhren im Lauf der Jahre Nachdrucke, einige erreichten fast schon Kultstatus bei den Lesern – für alle aber gilt, dass ihre Lektüre (ja selbst ihre „Wiederentdeckung“) den Leser / die Leserin begeistert, berührt, bereichert.

Und was für Autoren!

Da ist natürlich – Ehre wem Ehre gebührt – zuallererst Mitherausgeber und Science-Fiction-Urgestein Wolfgang Jeschke zu nennen, der als dreifacher Preisträger der Jahre 1986, 1994 und 2011 dem Inhaltsverzeichnis einen würdigen „Rahmen“ und eine „tragende Mittelsäule“ verleiht.

Ebenfalls dreimal bekam Michael K. Iwoleit die Siegerkrone verliehen, während Rainer Erler, Michael Marrak und Marcus Hammerschmitt je zweimal in die Annalen eingingen. Ansonsten ist alles was in der deutschen Science Fiction Rang und Namen hat dabei: von Thomas R. P. Mielke (1985) über Andreas Eschbach (1998) und Karl Michael Armer (2005) bis zu den beiden, bisher einzigen, Autorinnen Karla Schmidt (2009) und Heidrun Jänchen (2012).

Der »SFCD-Literaturpreis« beziehungsweise der »Deutsche Science-Fiction-Preis« werden von einem Literaturpreiskomitee in wechselnder Zusammensetzung vergeben und sind (Alleinstellungsmerkmal!) mit einem Preisgeld verbunden. Dabei werden Jahr für Jahr die besten Neuerscheinungen in den Sparten Roman und Kurzgeschichte bewertet und obwohl – wie es der Klappentext sehr schön formuliert – „in manchen Jahren die Liste der Nominierten lang, in anderen Jahren sehr kurz“ war, waren „die Preisträger mit ihren Werken immer herausragend und überzeugend“.

Fast 400 großformatige Seiten voll mit Weltklasse-Science-Fiction: mehr kann man von einer Kurzgeschichtensammlung gar nicht erwarten. „Die Stille nach dem Ton“ ist zweifellos die – in jedem Sinne des Wortes – herausragende Anthologie des Jahres 2012.

(Horst Illmer, November 2012)

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