Das erste Omen

Film-Besprechung von Marcel Scharrenbroich

Geburt eines Satansbratens

666… und noch ein paar mehr

Kirche und Horror… Seitenhiebe verkneife ich mir an dieser Stelle bewusst, aber im Film harmonieren diese Komponenten ganz wunderbar miteinander. „Rosemaries Baby“ (1968) und „Der Exorzist“ (1973) sind nicht umsonst unumstößliche Genre-Klassiker, denen noch heute schwer das Wasser gereicht werden kann. Egal, ob subtiler Horror oder drastische Darstellungen, die Kombination wird auch Jahrzehnte später noch immer gern genutzt. Filme wie „Stigmata“ (1999), „End of Days - Nacht ohne Morgen“ (1999), „Lost Souls - Verlorene Seelen“ (2000), „Die Prophezeiung“ (2000), „The Calling“ (2000), „Der Exorzismus von Emily Rose“ (2005), „The Rite - Das Ritual“ (2011), „Erlöse uns von dem Bösen“ (2014), „The Nun“ (2018) oder „The Pope’s Exorcist“ (2023) zeigen immer wieder, dass Interesse von Seiten des Publikums an okkulten Stoffen besteht. Im Laufe der Jahre haben sich bestimmte Motive allerdings immer wieder arg geähnelt und auch die Qualität der Streifen schwankte. Und natürlich wurden auch die populärsten Vertreter nicht davor bewahrt, von Hollywoods unheiliger Dreifaltigkeit heimgesucht zu werden: Remakes, Prequels und Sequels.

Während „Rosemary‘s Baby“, basierend auf dem Bestseller von Ira Levin aus dem Jahr 1967, 2014 lediglich als lauer TV-Zweiteiler mit Zoe Saldana („Star Trek“, „Avatar“, „Guardians of the Galaxy“) neuverfilmt wurde, wurde William Friedkins „Der Exorzist“, dem wiederum der Roman von William Peter Blatty zu Grunde liegt, gleich mehrfach durch die Mangel gedreht. Neben den Fortsetzungen „Exorzist II - Der Ketzer“ (1977 *grottenschlecht*) und „Der Exorzist III“ (1990 *überraschend sehenswert*) folgten 2004 und 2005 gleich zwei unterschiedliche Fassungen der Vorgeschichte. Nachdem „Exorzist: Der Anfang“ von Regisseur Renny Harlin bei Kritik und Publikum durchfiel, gab das Produktionsstudio Paul Schrader, der eigentlich schon vor Harlin das Projekt übernehmen sollte, doch noch die Chance, seine Fassung fertigzustellen. Schraders Version wurde im Folgejahr als „Dominion: Exorzist - Der Anfang des Bösen“ veröffentlicht. 2017 und 2018 flimmerten zwei Staffeln der soliden TV-Serie „The Exorcist“, welche inhaltlich nach dem Originalfilm spielt, über die deutschen Bildschirme. Recht überraschend kam es dann, als man 2021 ankündigte, gleich an einer ganzen Sequel-Trilogie zu arbeiten, die alles nach dem Kultfilm von 1973 ignorieren zu dachte. Da die Horror-erprobte Blumhouse-Schmiede von Produzent Jason Blum bereits das (scheinbar endlose) „Halloween“-Franchise in einem ähnlichen Verfahren wieder auf Spur brachte, sollte Regisseur David Gordon Green dies nun auch mit „Der Exorzist“ schultern. Leider erwies sich „Der Exorzist - Bekenntnis“ 2023 als ziemlich uninspirierte Gurke, die in nicht mal im Ansatz überzeugen konnte. Es hagelte schlechte Kritiken und der Film blieb an den Kassen weit hinter den Erwartungen des Studios zurück. Eine Fortführung der geplanten Trilogie wurde sogleich fallengelassen. Noch ist aber Leben im Franchise, denn Mike Flanagan, Regisseur der „Shining“-Fortsetzung „Doctor Sleeps Erwachen“ (2019)und Showrunner der erfolgreichen Netflix-Serien „Spuk in Hill House“ (2018), „Spuk in Bly Manor“ (2020) und „Der Untergang des Hauses Usher“ (2023), soll nun mit einem eigenständigen „Exorzist“-Projekt für Erfolg sorgen.

Da „Der Exorzist - Bekenntnis“ nun kläglich aufgezeigt hat, wie man es NICHT macht, könnte man es fast schon als mutig bezeichnen, dass eine weitere Reihe von geradezu kultiger Strahlkraft mit einem neuen Ableger bedacht werden sollte. Die Rede ist von „Das Omen“, den 1976 Regisseur Richard Donner („Superman“, „Die Goonies“, „Lethal Weapon“-Reihe, „Die Geister, die ich rief…“) auf die Leinwand brachte. Stiegen wir weiter oben mit den Klassikern „Rosemaries Baby“ und „Der Exorzist“ ein, bilden diese zusammen mit „Das Omen“ definitiv das Dreigestirn des okkulten Kirchenhorrors.

Vom Kind zum Antichristen

Fassen wir die „Omen“-Trilogie mal kurz zusammen, wobei wir wissentlich die vergessenswerte TV-Fortsetzung „Omen IV: Das Erwachen“ (1991) aus der Timeline kicken. Logischerweise kommt es hier zu Spoilern:

„Das Omen“ (OT: „The Omen“; 1976)

Robert Thorn (Gregory Peck), US-Diplomat in Rom, und seine Frau Katherine (Lee Remick) wünschen sich sehnlichst ein Kind. Ihr Glück scheint perfekt, als Katherine zur 6. Stunde des 6. Tages im 6. Monat einen Jungen zur Welt bringt. Allerdings überlebt dieser die Geburt nicht, wovon Katherine nichts weiß. Überredet vom Geistlichen des Krankenhauses, Pater Spiletto (Martin Benson), lässt Thorn sich darauf ein, das tote Kind gegen ein ebenfalls Neugeborenes auszutauschen, dessen Mutter während der Geburt verstarb. Katherine bleibt ahnungslos, aus Angst, es könnte ihr Herz brechen, und so ziehen sie den Jungen, den sie Damien (Harvey Stephens) nennen, in vermeintlicher Glückseligkeit auf. Fünf Jahre später, Robert ist mittlerweile US-Botschafter in London, beginnen sich im Umfeld des Jungen merkwürdige „Unfälle“ zu häufen. Damiens Kindermädchen begeht vor den Augen der Familie (und der anwesenden Geburtstagsgesellschaft zur Feier des kleinen Scheißers) Selbstmord. Als Robert Thorn von einem Pater namens Brennan (Patrick Throughton) aufgesucht wird, hält er diesen erst für verrückt. Der Geistliche behauptet allen Ernstes, dass Damien der leibhaftige Antichrist sei. Gezeugt vom Teufel höchstpersönlich… mit einem Schakal. Noch tut Thorn dies als Geschwafel eines Verrückten ab. Als neues Kindermädchen wird währenddessen die strenge Mrs. Baylock (Billie Whitelaw) eingestellt, die schnell eine enge Bindung zu dem wortkargen Jungen aufbaut. Sie agiert als eine Art Beschützerin, die Damien regelrecht vor allen Gefahren abschirmt. Dann wird Katherine erneut schwanger… und in ihr keimt der Verdacht auf, dass Damien nicht ihr leibliches Kind ist. Mehr und mehr wird klar, dass Katherine und das Ungeborene in größter Gefahr schweben, wovor auch Pater Brennan Robert warnt. Nachdem auch der Pater unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnet, meldet sich der Fotograf Keith Jennings (David Warner) beim Botschafter. Aus beruflichem Interesse war er bei mehreren „Unfällen“ zugegen und zeigt Thorn einige Fotografien, die er gemacht hat. Auf den Bildern sind merkwürdige Schatten zu sehen, die die Todesarten der Opfer anzukündigen scheinen. Plötzlich gerät Thorns Welt ins Wanken, denn nichts deutet mehr auf unglückliche Zufälle hin. Als auch noch Katherine nach einem tragischen Zwischenfall im Krankenhaus landet, wird klar, dass Thorn handeln muss. Von dem Exorzisten Carl Bugenhagen (Leo McKern) erfährt er, dass der Sohn des Teufels mit einem Geburtsmal in Form dreier verschlungener Ziffern gekennzeichnet ist: 666. Außerdem erfährt er, wie er den Siegeszug des Antichristen aufhalten kann. Er soll den Jungen mit den sieben Dolchen von Megiddo auf geheiligtem Boden töten.

„Damien - Omen II“ (1978)

Nachdem Robert Thorns Plan in einem Kugelhagel unterging, wächst Damien fortan bei dessen Bruder Richard (William Holden) und seiner Gattin Ann (Lee Grant) auf. Gemeinsam mit seinem Cousin Mark (Lucas Donat) besucht der mittlerweile zwölfjährige Damien (Jonathan Scott-Taylor) eine elitäre Militärakademie, wo die Jungen auf ihre Zukunft vorbereitet werden sollen. Schließlich sollen sie einmal führende Kräfte im großen Thorn-Imperium werden. Auch dort hat der Junge unwissend Verbündete, die unbemerkt seinen Weg vorbereiten und ihn schützen. Noch ahnt Damien nämlich nicht, wer er eigentlich ist. Von seinem Ausbilder Sergeant Neff (Lance Henriksen) bekommt Damien den Rat, sich mit der Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament zu befassen.

Gesagt, getan… und nach der Lektüre sieht er sich unweigerlich mit seinem Schicksal konfrontiert. Er findet zudem das Mal der drei Sechsen unter seinen Haaren, womit sich die Tatsache, dass er der leibhaftige Antichrist ist, nicht mehr verleugnen lässt. Er akzeptiert sein Schicksal und den Umstand, dass jeder, der diesem im Wege steht, ausradiert werden muss. Als es auch Mark trifft, muss dessen trauernder Vater Richard tätig werden. Dieser wurde nämlich kurz zuvor darüber informiert, dass ein bei einer Ausgrabung verschütteter Kasten geborgen wurde. Er war im Besitz von Carl Bugenhagen, der dort alle Informationen über Damien aufbewahrte, nachdem er erfuhr, dass der Junge den Tötungsversuch von einst überlebt hatte. In dem Kasten befinden sich ebenfalls die Dolche von Megiddo. Erst will er den Warnungen vor dem Antichristen keinen Glauben schenken. Als er jedoch auf einer geborgenen Wandmalerei aus Israel das Gesicht von Damien erblickt, muss er einsehen, dass sein Bruder Robert keineswegs verrückt war und Damien lediglich in einem wahnhaften Anfall töten wollte.

„Barbara’s Baby - Omen III“ (OT: „The Final Conflict“; 1981)

Wir hätten keinen dritten Teil, wäre der Antichrist gestoppt worden. Natürlich überlebte er (wieder) und wuchs in vollem Bewusstsein dessen, was er ist, zu einem Mann heran. Damien (Sam Neill) ist mit 32 Jahren nicht nur in die Fußstapfen seines Ziehvaters Robert getreten, indem er US-Botschafter in Großbritannien wurde, er leitet auch den Großkonzern Thorn Industries. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um nach der Weltherrschaft zu greifen. Allerdings sind die sieben Dolche von Megiddo wieder aufgetaucht und in die Hände eines italienischen Ordens um Bruder DeCarlo (Rossano Brazzi) gelangt. Zusammen mit sechs weiteren Glaubensbrüdern macht dieser sich auf, den Antichristen ein für allemal in die Hölle zu schicken. Die Dolche sind aber nicht Damiens einziges Problem. Eine Sternenkonstellation kündigt das zweite Kommen Christi an. Der Sohn Gottes soll im England der Gegenwart (okay, 1981… was soll’s) wiedergeboren werden. Der mit allen Weihwassern gewaschene Damien Thorn will dem entgegenwirken, indem er alle neugeborenen Babys des 24. März von seinen mittlerweile zahlreichen Anhängern aus allen Schichten töten lässt. Doch der Jäger ist auch zeitgleich der Gejagte. Ein teuflischer Wettlauf, der auf einen finalen Höhepunkt hinsteuert.

Nachwehen

Nachdem diese Geschichte vor genau 43 Jahren zu Ende erzählt wurde, hielt man es aus irgendwelchen Gründen für eine tolle Idee, dieser Trilogie eine sehr, seeehr späte Vorgeschichte zu spendieren. Nun mag man Hollywood eine gewisse Ideenlosigkeit vorwerfen, wie auch ich es regelmäßig tue, aber sich an klassischen Franchises abzuarbeiten ist nicht der neuste Trend… selbst wenn die Häufigkeit in den letzten Jahren stark zugenommen hat und es spätestens seit dem Marvel Cinematic Universe nicht mehr mit einem Film getan ist, sondern gleich eine (am besten über Jahrzehnte laufende) Flut von immer stumpfer werdender Fließbandware nachgeschoben werden muss. Und zur Not bleiben ja noch Remakes klassischer Stoffe. Alfred Hitchcocks Thriller-Meisterwerk „Psycho“ (1960) musste 1998 schon ein uninspiriertes 1:1-Remake über sich ergehen lassen. Fast ähnlich erging es 2006 Richard Donners Okkult-Schocker. Die Neuverfilmung von „Das Omen“ enttäuschte auf ganzer Linie, wurde Fans des Originals (bis auf ein paar zeitliche Anpassungen) doch nichts nennenswert Neues aufgetischt. Lediglich Mia Farrow („Rosemaries Baby“) konnte als teuflisches Kindermädchen überzeugen und stahl den Hauptdarstellern Liev Schreiber („Scream - Schrei!“, „Phantoms“) und Julia Stiles („10 Dinge, die ich an Dir hasse“, „Die Bourne Identität“) locker die Show. Also 18 Jahre später das vermeintlich ausgelutschte Thema nochmals aufgreifen? Und das kurz nachdem die mehr als überflüssige „Exorzist“-Fortsetzung mit Anlauf reingeschissen hatte? Naja… schauen wir mal, was den Drehbuchautoren Tim Smith, Arkasha Stevenson und Keith Thomas da „Spannendes“ für Stevensons Regie-Debüt eingefallen ist…

„Das erste Omen“

1971: Die Zeiten ändern sich… spürbar. Während in Rom die Arbeiter für bessere Bedingungen und höhere Löhne demonstrieren, lehnen Studierende sich gegen Autoritäten auf. Das bekommt auch die Kirche zu spüren. Damit sie aktiv dabei unterstützen kann, das Vertrauen in die Institution zurückzuerlangen, hat Kardinal Lawrence (Bill Nighy) seinen amerikanischen Schützling Margaret Daino (Nell Tiger Free) nach Italien beordert. Im Vizzardelli-Waisenhaus soll Margaret nun ausgebildet werden und ihr Gelübde ablegen, mit dem sie sich als Nonne ausschließlich in den Dienst der Kirche stellt. Schnell lebt sie sich ein, was auch ihrer eher unverschlossenen Zimmergenossin Luz (María Caballero) zu verdanken ist. Margaret, die dank der Waisenkinder auch versucht, sprachliche Fortschritte zu machen, fällt das fast schon isolierte Mädchen Carlita (Nicole Sorace) auf. Sie nimmt sich ihrer an und versucht, zu ihr durchzudringen. Da Verfehlungen im Waisenhaus von den fast schon bedrohlich wirkenden Schwestern streng bestraft werden, vermutet die zukünftige Nonne, dass auch Carlita schon hinter verschlossenen Türen misshandelt wurde. Margarets Neugier stößt auf wenig Gegenliebe.

Als Margaret abseits der Waisenhaus-Mauern eines Tages vom exkommunizierten Priester Brennan (Ralph Ineson) angesprochen wird, bringt das ihr Weltbild endgültig ins Wanken. Er behauptet, dass in der Nähe des Mädchens Carlita ungewöhnliche Dinge geschehen werden. Böse Dinge. Er lädt sie in seine Unterkunft ein, wo er ihr alles genau erklären möchte. Noch einigermaßen schockiert, wie sie mit diesen knappen Informationen umgehen soll, kehrt sie verunsichert ins Waisenhaus zurück. Während Margaret weiterhin versucht, zu Carlita durchzudringen, übergießt sich eine andere junge Nonne mit einer brennbaren Flüssigkeit, zündet sich an und stranguliert sich anschließend, indem sie vor aller Augen vom Gebäude springt. Grund genug für Margaret, der Einladung von Pater Brennan zu folgen. Im stillen Kämmerlein erzählt er ihr von der Zeitenwende… und von den Plänen einer abgespaltenen Gruppe hochrangiger Geistlicher, die mit radikalen Mitteln versuchen, den Antichristen in die Welt zu holen. Seine Anwesenheit soll den Glauben an Gott zu den der Kirche entfremdeten Menschen zurückbringen. „Irrsin“, glaubt Margaret, doch die Anzeichen verdichten sich. Der Antichrist wird kommen. Vom Teufel selbst gezeugt… ausgetragen von einer Auserwählten.

Das kam… überraschend!

Okay, hätte man mir vorher gesagt, dass mit Arkasha Stevensons erstem Langfilm der beste Horrorfilm des ersten Halbjahrs 2024 ins Haus steht, hätte ich wahrscheinlich ungläubig gelächelt. Dieses Prädikat schreiben sich einfach zu viele Filme auf die Fahne und enttäuschen im Endeffekt nicht selten. Zuerst muss gesagt werden, dass „Das erste Omen“ einfach fantastisch aussieht! Der filmische, entsättigte Look orientiert sich sehr an der Machart der inhaltlichen Sequels und schaut ohne hochpolierten Schnickschnack endlich mal wieder wie ein „Film“ aus. Das tut der Atmosphäre einfach unheimlich gut. Die Kameraarbeit von Aaron Morton („Evil Dead“ (2013), „Zerplatzt“, „Abigail“) ist hervorragend. Lange Einstellungen, die die Umgebungen schön mit einbeziehen und den Zuschauern Räumlichkeit vermitteln, abwechslungsreiche Perspektiven und fokussierte Nahaufnahmen der Charaktere, wenn geheimnisvolle Dialoge nicht für aller Ohren (außer natürlich unseren) bestimmt sind. Ein enormer Gewinn für das Mittendrin-Gefühl. Außerdem wird so manche drastische Szene länger im Gedächtnis bleiben, denn der Film, der mehr auf Unbehagen und Bedrohlichkeit setzt, anstatt plakativ laute Jumpscares aneinanderzureihen, hat ein paar deftige Body-Horror-Elemente zu bieten. Diese kamen für mich sehr überraschend und waren in ihrer Deutlichkeit mindestens so explizit, wie man sie 2022 in Alex Garlands „Men - Was dich sucht, wird dich finden“ zu sehen bekam.

Die Darsteller liefern durch die Bank souverän ab. Mag Hauptdarstellerin Nell Tiger Free, die man aus „Game of Thrones“ (als Myrcella Baratheon) oder den vier Staffeln des mysteriösen Ensemble-Kammerspiels „Servant“ kennt, auf den ersten Blick auch etwas blass und unscheinbar erscheinen, ist sie als Margaret die Idealbesetzung. Das Unbehagen spielt sich in ihrer Mimik wieder und macht sie sehr nahbar. Fast schon als Gegenstück kann man Margarets Zimmergenossin Luz, gespielt von María Caballero, sehen. Irgendwo zwischen lebenslustig, lasziv und geheimnisvoll, bin ich mir sicher, dass man die Spanierin nach ihrem ersten internationalen Film und der starken Leinwandpräsenz in Zukunft häufiger sehen wird. Der Brite Bill Nighy, seit den frühen 80ern im Filmgeschäft und hier als Kardinal Lawrence vertreten, liefert immer ab, IMMER. Sei es als stimmgewaltiger Musiker in „Still Crazy“ oder „Tatsächlich… Liebe“, in Big-Budget-Franchises wie „Underworld“ und „Pirates of the Caribbean“ oder als Sympathieträger in „Wild Target - Sein schärfstes Ziel“ oder „Alles eine Frage der Zeit“. Auch wenn seine Rollen manchmal klein sind, sehenswert sind sie jedes Mal. Kurzum: „Das letzte Omen“ bietet keinerlei Schwächen in der Darstellerriege.

Wo Licht ist, ist auch (ein kleiner) Schatten

Enthält leichte Spoiler: Man mag mich geißeln, aber es gibt ein paar kleine Schönheitsfehler, die ich nicht ignorieren kann. Diese sind inhaltlicher Natur. Und zwar decken sich ein paar nicht unerhebliche Details nicht mit der Kontinuität des Originals von 1976. Im Idealfall sollte dem Film ja der nahtlose Übergang gelingen, doch wird die Kernaussage, dass der Antichrist von einem Schakal geboren wird, hier komplett über den Haufen geworfen. Diese „Überarbeitung“ könnte man verschmerzen, wenn man „Das erste Omen“ als vom Original losgelöste Vorgeschichte inszeniert hätte. Hat man aber nicht, da demonstrativ ein Foto von Gregory Peck als Robert Thorn gezeigt wird.

Des Weiteren erklärt Pater Brennan in „Das Omen“, dass er bei der Geburt des Antichristen anwesend war, was nun, dank „Das erste Omen“, definitiv nicht mehr stimmen kann. Außerdem hatte er im Film von 1976 heftig mit seinem Gewissen zu kämpfen, da er bis zu einem gewissen Punkt Teil der Verschwörung war. Hier ist er bei seinen Erkenntnissen, die er Margaret im Vertrauen mitteilt, bereits exkommuniziert.

Als wirklich zu verschmerzenden Schnitzer sehe ich dagegen die Verwendung des Songs „Daddy Cool“ von Boney M. an, welcher in der Szene, in der Margaret und Luz eine Disco besuchen, im Hintergrund dudelt. Dieser wurde erst 1976 veröffentlicht, während die Handlung 1971 spielt. Dürfte bei einem Big-Budget-Film nicht passieren, aber was soll’s…

Fazit

Sieht man über die Anschlussfehler hinweg und möchte sich einfach nur atmosphärisch gruseln, bekommt man mit „Das erste Omen“ einen großartig gefilmten Slowburner, der mit unerwartet expliziten Schockszenen überrascht und einem spätestens beim schaurigen Einsatz von „Ave Satani“ (fürs „Das Omen“ komponiert von Jerry Goldsmith, der für die Filmmusik 1977 den Oscar gewann) das Herz in die Hose rutschen lässt.

„Das erste Omen“ startete am 11. April 2024 in den deutschen Kinos und ist aktuell beim Streamingdienst Disney+ abrufbar. Für den vollen Genuss findet sich dort auch die komplette „Omen“-Trilogie plus Remake von 2006.

Wertung: 8

Bilder: © 2024 20th Century Studios

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