Shadow in the Cloud

Film-Kritik von Michael Drewniok / Titel-Motiv: © Capelight Pictures

Das Böse hat Krallen - oder es schießt

1943 tobt auch im Pazifikraum der Zweite Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten kämpfen gegen das japanische Kaiserreich, das u. a. Australien und Neuseeland ins Visier nimmt, zumal die USA hier Basen unterhalten und Gegenangriffe starten. „Aussies“ und „Kiwis“ raufen sich mit den Verbündeten zusammen. Dennoch herrscht oft organisatorisches Chaos, was Flight Officer Maude Garrett, die als Frau Kriegsdienst leistet und Flugzeuge überführt hat, für ihre Flucht aus Auckland nach Samoa ausnutzt. Mit Hilfe eines gut gefälschten Dokuments gelangt sie an Bord eines B-17-Bombers. Maude gibt sich als Kurier aus, die eine streng geheime Lieferung nach Samoa begleiteten soll.

Captain Reeves ist wenig begeistert, während die übrige Crew der jungen Frau einen vor allem testosterongetränkten Empfang beschert. Weil der Platz an Bord knapp ist, muss Maude sich im Kugelturm zusammenkauern, der drehbar und waffenbestückt unter dem Heck des Bombers montiert ist. Dort von der Crew getrennt stellt sie fest, dass eine seltsame Kreatur - ein „Gremlin“ - das Flugzeug nach und nach auseinandernimmt.

Niemand glaubt Maude, als sie dies per Bordfunk meldet, zumal plötzlich ein japanischer Kampfflieger auftaucht und die B-17 beschießt. Maude kann ihn ausschalten, aber die Japaner werden mit Verstärkung zurückkommen. Außerdem agiert der Gremlin zunehmend aggressiver - und in der Geheimbox finden die neugierigen Flieger keine Wunderwaffe oder Geheimdokumente, sondern ... eine echte Überraschung!

Vorfreude auf gepflegten Popkorn-Grusel …

Was wir uns unter einem „Gremlin“ vorzustellen haben, verrät uns vorab ein witziger, im Stil zeitgenössischer Ausbildungsfilme gestalteter Cartoon: Angeblich hausen in den Wolken geflügelte, dämonenähnliche Kreaturen, die auf Flugzeuge lauern, die es in ihr Revier verschlägt. Die Wesen attackieren die Maschinen und nehmen sie auseinander, bis sie vom Himmel fallen.

„Gremlins“ boten einer Crew eine Ausrede bzw. ein Ventil, wenn der in den USA hastig zusammengeschraubte Bomber tückische Defekte an den Tag legte oder zwischen den Einsätzen bei der Wartung geschlampt wurde. Im Kino treiben sie ihr Unwesen nicht zum erstem Mal; denkwürdig ist beispielsweise ihr Auftritt im Episodenfilm „Twilight Zone: The Movie“ (1983, dt. „Unheimliche Schattenlichter“).

Ihr neuerliches Erscheinen sorgt für Vorfreude, die durch Chloë Grace Moretz als Hauptdarstellerin gesteigert wird. Sie ist u. a. aus den beiden „Kick-Ass“-Filmen (2010 und 2013) bekannt und verbindet schauspielerisches Talent mit körperlichem Einsatz dort, wo er im Handlungsrahmen notwendig ist - so wie in diesem Garn, das in einem langsam auseinanderfallenden Flugzeug spielt und mit diversen Action-Einlagen aufwartet.

… entpuppt sich als Film der verpassten Möglichkeiten

Gremlins könnte man auch für das Misslingen dieser Filmproduktion verantwortlich machen, die hoffnungsvoll startete, um während des ‚Fluges‘ von immer neuen Schwierigkeiten durchgeschüttelt zu werden. Als größte Hypothek erwies sich Drehbuchautor Max Landis, den während der Vorbereitungen seine Vergangenheit einholte: Im Zuge der „#MeToo“-Bewegung klagten ihn nicht weniger als acht Frauen wegen körperlicher und seelischer Grausamkeiten an.

Landis ging über Bord, und Regisseurin Roseanne Liang schrieb angeblich das Drehbuch völlig um (was Landis bestreitet) - ein Job, der sie sichtlich überforderte, denn „Shadow in the Cloud“ wird für seine unbeholfen zusammengebolzte und schwach umgesetzte Story unrühmlich in die Filmhistorie eingehen.

Pathetisch und hohl: eine unglückliche Mischung

Wie Maude dem Gremlin buchstäblich das Fell gerbt, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Der Film endet jedenfalls als feministisches Manifest. Ein symbolgetränktes Motiv, das sich gut auf einem mittelalterlichen Altarbild machen würde.

Es folgt ein Abspann, der mit zeitgenössischen Aufnahmen an den Einsatz von Frauen im Zweiten Weltkrieg erinnert. Dass dieser feierliche Tonfall überhaupt nicht zum gerade präsentierten Nonsens passt, ist Liang offenkundig nicht aufgefallen. Für sie stand - womöglich nach dem Landis-Desaster - die Botschaft im Vordergrund; ein Schuss, der eigentlich stets nach hinten losgeht, weil er den Zuschauer nicht aufhorchen lässt, sondern schlicht sein Hirn zerschmettert.

Es folgt ein Abspann, der mit zeitgenössischen Aufnahmen an den Einsatz von Frauen im Zweiten Weltkrieg erinnert. Dass dieser feierliche Tonfall überhaupt nicht zum gerade präsentierten Nonsens passt, ist Liang offenkundig nicht aufgefallen. Für sie stand - womöglich nach dem Landis-Desaster - die Botschaft im Vordergrund; ein Schuss, der eigentlich stets nach hinten losgeht, weil er den Zuschauer nicht aufhorchen lässt, sondern schlicht sein Hirn zerschmettert.

Platzhalter statt Männer

Maude Garrett wird ausführlich vorgestellt, bleibt aber als Figur trotzdem flach. Chloë Grace Moretz kann trotzdem von Glück sprechen: Ihre immerhin sieben männlichen Darstellerkollegen sind durchweg Platzhalter und Kanonenfutter. Lange hört man sie nur über Funk frauenfeindliche Beleidigungen austeilen, was Liang offensichtlich für das Normalverhalten von Männern (im Krieg) hält.

„Shadow in the Cloud“ ist eine von der neuseeländischen Firma WETA tricktechnisch betreute Filmproduktion. Auf deren Referenzliste stehen u. a. die sechs Tolkien-Filme von Peter Jackson. Man kann deshalb davon ausgehen, dass man dort sein Handwerk versteht. Womöglich hat es am Budget gelegen, dass die „Shadow“-Effekte an ein mittelmäßiges Computerspiel erinnern. Auch der Gremlin wirkt nicht gerade furchterregend; den Filmfan erinnert er zudem aufdringlich an den infamen ‚Ratten-Affen‘ aus Jacksons Splatter-Klassiker „Braindead“ (1992).

‚Erwähnenswert‘ ist noch ein die Ohren beleidigende Dudel-Score, der Komponist Mahuia Bridgman-Cooper als John Carpenter für Arme bloßstellt. Ihm gelingt das Kunststück, eine endlose Serie enttäuschender Unzulänglichkeiten zu komplettieren, die in ihrer Gesamtheit ein Film sein wollen. Der endlose Abspann listet unzählige Personen auf, die daran mitgearbeitet haben: Wo waren sie, was haben sie stattdessen getan?

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Fotos: © Capelight Pictures

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