Things Heard & Seen

Film-Kritik von André C. Schmechta / Titel-Motiv: © Netflix

Genre-Mix aus Geistergeschichte und Beziehungsthriller

Frühjahr 1980. George Clare (James Norton) bekommt eine Anstellung als Professor für Kunstgeschichte an einem College in Upstate New York. Auch wenn seine Frau Catherine (Amanda Seyfried) nicht gerade begeistert ist und ihre berufliche Zukunft als Restauratorin damit mehr als unsicher wird, möchte sie ihren Mann auf dessen Karriereweg unterstützen. Gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter ziehen sie also in ein altes Haus auf dem Land.

Schon zu Beginn zeigt sich, dass die Ehe der beiden nicht unbedingt unter dem glücklichsten Stern steht. Catherine leidet an Bulimie und George ist nicht müde sie stets auf ihre Ernährung hinzuweisen. Früh schlägt sich der Zuschauer auf die Seite der jungen Frau und soll auch immer wieder in dieser Entscheidung bestätigt werden.

In der ersten Nacht im Haus ereignen sich dann bereits merkwürdige Vorkommnisse. Während Catherine der Geschichte des Hauses nachgeht und versucht in ihrer neuen Umgebung Kontakte zu knüpfen, offenbart sich nach und nach der wahre Charakter ihres Mannes.

Von guten und bösen Geistern

Die Netflix-Produktion basiert auf dem Roman „All Things Cease to Appear“ von Elizabeth Brundage. Thematischer Überbau ist eine theosophische (Titel gebende) Schrift des Schweden Emanuel von Swedenborg aus dem 18. Jahrhundert. Dieser wandte sich einem Spiritismus zu, der die Seelen Verstorbener in Himmel oder Hölle verortet hat, je nachdem ob sie in ihrem Leben gute oder böse Menschen waren. Seine Erkenntnisse berief er auch auf eigene Gespräche mit Engeln und Geistern. Georg Clare lehrt an einer Universität in einem Ort, an dem eben dieser Swedenborg offenbar noch zahlreiche Anhänger hat - so auch der dortige Direktor. George hingegen kann dieser Bewegung überhaupt nichts abgewinnen.

„Things Heard & Seen“, wartet dabei mit klassischen Gruselfilm-Elementen auf: Flackernde Lichter, sich bewegende Gegenstände, geisterhafte Erscheinungen und eine richtige Seance, die allerdings nicht so verläuft, wie von den Beteiligten erwartet. Das erste Drittel des Filmes baut jedenfalls schnell eine schön schaurige und beklemmende Atmosphäre auf. Schauplätze, Ausstattung, Kamera, visuelle Effekte und Musik punkten dabei ebenso auf Anhieb, wie die funktionierende Figurenkonstellation, mit vielen gut besetzten und stimmig in die Handlung integrierten Nebenfiguren. Allen voran F. Murray Abraham (Vorgesetzter Georges an der Universität) und Rhea Seehorn (Catherines Freundin und Kollegin ihres Mannes). Lediglich George Clare wirkt gelegentlich etwas überzeichnet, was aber seiner zunehmenden Boshaftigkeit keinen Abbruch tut. Überzeugend: Amanda Seyfried. Sie ist der emotionale Mittelpunkt des Films und sie wandelt stets zwischen verletzter, verzweifelter und selbstbewusster Ehefrau und Mutter.

Im Mittelteil gibt es dann jedoch einige wenige Längen, die Geisterthematik muss dann stärker der Figurenzeichnung und der Entwicklung der Beziehung von Catherine und George weichen, ohne allzu tiefgründig zu geraten. Die Ehe entwickelt sich zu einer schweren Krise und es zeichnet sich schnell ab, dass George einige dunkle Geheimnisse versucht zu verbergen. Und dann sind da noch das Haus und seine vorherigen - verstorbenen, wie noch lebenden - Bewohner. Die Geister machen sich wieder stärker bemerkbar, der Kampf Gut gegen Böse spitzt sich zu.

Fazit:

Trotz kleinerer dramaturgischer Unstimmigkeiten ist „Things Heard & Seen“ ein unterhaltsamer Genre-Mix aus Geistergeschichte und Beziehungsthriller, dem der Spagat zwischen diesen beiden Polen dank eines gut aufspielenden Casts und stimmungsvoller Inszenierung über weite Strecken gelingt, ohne aber wirkliche Akzente zu setzen oder besonders nachzuklingen. Am Ende steuert „Things Heard & Seen“ zwar auf ein überaus dramatisches Ende zu, das Opfer fordern wird, mir dann aber vor dem Hintergrund des Spiritismus Swedenborgs doch zu symbolisch geraten ist.

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