Film:
Prospect

Film-Kritik von André C. Schmechta / Titel-Motiv: © capelight pictures

Sci-Fi? Thriller? Western? Ja, genau!

Die junge Cee und ihr Vater sind unterwegs zu einem abgelegenen Mond. Sie wollen nach wertvollen Bodenschätze suchen, auch um endlich ein besseres Leben führen zu können. Aber nicht nur die toxische Umgebung soll ihnen bald zu schaffen machen. Sie sind nicht allein auf dem Mond und als sie nach kurzer Zeit auf zwei Fremde stoßen, kommt es zur Auseinandersetzung. Die endet auch für ihren Vater tödlich.

Cee kann fliehen, aber ihre Raumkapsel ist defekt und eine Rückkehr in den Orbit damit nicht mehr so einfach möglich. Der überlebende Fremde verfolgt Cee und kann sie nach kurzer Zeit überzeugen, dass die gemeinsame Suche nach den erhofften Bodenschätze und einer anderen Transportmöglichkeit mehr Erfolg verspricht, als ein Alleingang. Damit beginnt eine ungewöhnliche Zweckgemeinschaft im Kampf ums Überleben.

Gediegener Retro-Look

Mit „Prospect“ überarbeiten die Regisseure Chris Caldwell und Zeek Earl ihren gleichnamigen 14-minütigen Kurzfilm aus dem Jahr 2014. Und zugegeben, das Drehbuch besticht nicht durch Komplexität, originelle Wendungen, erzählerische Tiefe und ausgefeilte Dialoge. Dafür aber wird uns eine überaus spannende Geschichte, mit einer dichten Atmosphäre erzählt, die auch nahezu über die volle Filmlänge zu fesseln weiss. Das liegt zunächst einmal an dem faszinierenden Set-Design.

Es gibt keine glatt polierte, digitale High-Tech Umgebung mit hochauflösenden Displays und buntem LED-Geblinke. Statt dessen dominiert ein eher abgenutzter und beinahe spartanischer Sci-Fi Look, bei dem alles technische Instrumentarium eher funktional zusammengeschraubt wirkt. Das bedeutet aber keineswegs, dass es billig aussieht - ganz im Gegenteil. Die Optik macht einen Großteil des besonderen Charmes von „Prospect“ aus und lässt durchaus 70er-Feeling aufkommen.

Die Umgebung auf dem Mond ist dabei ebenso wenig futuristisch oder außergewöhnlich. Aber schwebende Teilchen in der Luft und ein stimmiges Colourgrading entrücken die Umgebung ein wenig der irdischen Realität und geben der Natur ein dezent befremdliches Aussehen. Das geringe Produktionsbudget kompensieren die Macher so mit viel Kreativität.

Schauspielerisch mehr als solide

Insbesondere Sophie Thatcher weiß unter der überschaubaren Darstellerriege zu überzeugen. Ihre Mischung aus jugendlicher und etwas unsicher wirkender Erscheinung, ihrem gleichzeitig versierten Umgang mit Raumschiff und Technologie, sowie ihr mutiges Handeln, bieten gleich im ersten Viertel des Films eine Vielzahl überzeugender Facetten. Auch wenn Cee vielleicht etwas überraschend vorschnell gemeinsame Sache mit dem Fremden macht, ihre Entscheidung ist nachvollziehbar und sie hat alle Sympathien auf ihrer Seite.

Pedro Pascal (u.a. Game of Thrones) spielt den Fremden Ezra. Zusammen mit Cee gelingt ein interessantes, emotionales und psychologisches Wechselspiel, das dadurch Würze erhält, dass beide über einen Luftschlauch verbunden sein müssen, da ein Filtermodule in Ezras Anzug defekt ist. Natürlich bleibt über den gesamten Film die Frage bestehen: Kann Cee dem Fremden wirklich vertrauen?

Von Jay Duplass (Cees Vater) einmal abgesehen, darf mann alle anderen Darsteller in "Prospect" doch getrost als Beiwerk bezeichnen. Auch wenn sie sich jederzeit passend in die Dramaturige einfügen und teils skurrile Figuren hervorbringen, sie bleiben eher Staffage auf dem gemeinsamen Weg von Cee und Ezra. Dieser Weg hält noch die eine oder andere brenzlige Situation und Bösewichte bereit und es hätte nicht verwundert, wenn sich beide auch mal auf ein Pferd schwingen, während sie durch die Landschaft streifen, um ihren Widersachern zu entkommen.

Fazit:

„Prospect“ ist ein überaus atmosphärischer Sci-Fi Thriller im ungewöhnlichen, aber stimmungsvollen Look, der sich in seiner Ausführung durchaus an klassische Western anlehnt. Das gilt nicht erst, wenn an Lagerfeuern merkwürdige Gestalten auf die Protagonisten warten.

Mit überzeugenden Hauptdarstellern - allen voran Sophie Thatcher - und nur wenigen Hängern im Drehbuch - zeigen Chris Caldwell und Zeek Earl, dass auch mit geringen Produktionsbudgets spannende und originelle Unterhaltung entstehen kann. Daniel L.K. Caldwell unterlegt das Ganze mit einem gelungenen, wenig aufdringlichen, aber effektiven Score.

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