John Carpenter:
The Thing

Phantastik-Couch Spezial von Marcel Scharrenbroich

“Ich denke, dass dies einer der düstersten, dunkelsten Filme aller Zeiten ist…” (John Carpenter)

Paranoia und Isolation

…eine furchteinflößende und gänzlich unpassende Kombination, nicht wahr? Wie Nitro und Glycerin, Bier auf Wein, Feuer und Eis. Wobei wir auch schon beim Thema wären… Eis: Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich fernab jeglicher Zivilisation. Hunderte Meilen weit abgeschnitten von Ihrem gewohnten Umfeld, an einem der kältesten Orte unseres Planeten. Aber Sie sind nicht allein… oooh nein. Sie teilen sich Ihre räumlich begrenzte Unterkunft mit Gleichgesinnten. Kollegen, wenn Sie so wollen. Doch unter Ihnen verbirgt sich ein ungeladener „Gast“. Ein Fremder, der einen weiten, weiten Weg hinter sich hat. Er… ES… hat lange auf Gesellschaft gewartet, und nun sind SIE hier. Hinter welchen Ecke, in welchem Schatten, in WEM lauert dieses „Ding aus einer anderen Welt“? Mit ziemlicher Sicherheit ist es Ihnen schon näher, als Sie denken…

1951 erblickte der schwarz-weiß-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ (OT: „The Thing From Another World“) von Christian Nyby und Ko-Regisseur und Produzent Howard Hawks das Licht der Welt. Der Science-Fiction-Streifen avancierte zum wegweisenden Genre-Klassiker und konfrontierte seine Akteure - und das erschrockene Kinopublikum - auf engstem Raum mit einer Bedrohung außerirdischen Ursprungs. Regisseur John Carpenter, der den Film im Kindesalter erstmals sah, hat es vor Spannung förmlich aus dem Kinosessel gehauen… damals ahnte er freilich noch nicht, dass ER es sein würde, der den Stoff 31 Jahre später an eine neue Generation Kinogänger heranbringen würde…

Outpost 31

Ein Schlittenhund wird von einem Hubschrauber durch die unwirtliche Eiswüste der Antarktis gejagt. Schüsse hallen durch die verschneite Einöde. Sie verfehlen ihr Ziel, sind dennoch Sekunden später noch zu hören. Den beiden Männern an Bord scheint es ernst zu sein, doch das flinke Tier kann sich retten. Es flüchtet sich in eine abgelegene, amerikanische Forschungsstation… der „Außenstelle 31“. Durch die Schüsse und den Lärm des Helikopters herbeigerufen, tritt die zwölfköpfige Besatzung ins Freie. Bei den schießwütigen Männern handelt es sich um norwegische „Kollegen“, die zu einer nahegelegenen Basis gehören. Die Amerikaner versuchen die Situation zu entschärfen, doch die Norweger sind nicht von ihrem Vorhaben, den Hund zu töten, abzubringen. Einer der beiden Männer greift direkt zu drastischen Maßnahmen, sprengt sich jedoch selbst – zusammen mit dem Hubschrauber – in die Luft, während sein bewaffneter Begleiter nur durch Notwehr seitens der Amerikaner zu stoppen ist. Beide sind tot… doch der Hund hat überlebt…

US-Pilot MacReady (Kurt Russell) wird zusammen mit Dr. Copper (Richard Dysart) zur Nachbarstation geschickt, um dort nach dem Rechten zu schauen. Sie finden ein zerstörtes Camp vor. Spuren von Kämpfen und Leichen des Forschungsteams. Die beiden bergen Aufzeichnungen und Videoaufnahmen der Norweger und MacReady stößt in einem Raum auf einen gigantischen Eisblock, der von innen heraus aufgesprengt scheint… wie ein großer, leerer Sarg aus Eis. Vor der Station liegt ein verbrannter Körper. Seltsam deformiert, als wären zwei Menschen ineinander verschmolzen. Grotesk und bizarr. Mit ihren Funden machen Mac und Copper sich wieder auf zu ihren Kollegen, um die seltsame Kreatur zu untersuchen.

Stationsleiter Garry (Donald Moffat) beauftragt Blair (Wilford Brimley), umgehend mit einer Autopsie zu beginnen. Das schleimige Resultat: Es handelt sich eindeutig um menschliches Gewebe. Eine Ursache für die grauenvolle Deformation bleibt aber vorerst noch im Dunkeln.

Der frisch zugelaufene Schlittenhund wird derweil im Zwinger mit den anderen Huskies untergebracht. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen soll… Das Tier mutiert auf grauenvolle Weise und etwas Unvorstellbares bricht aus ihm heraus und befällt die anderen Hunde, denen keine Chance zur Flucht bleibt. Die Kreatur scheint die anderen Lebensformen zu absorbieren und zu imitieren. Die Transformation der „ekeligen Art“ befindet sich noch in vollem Gange, als das Team herbeieilt, um dem Spuk mit Flammenwerfern ein Ende zu bereiten.

Geschockt und verunsichert sichten sie die Videobänder der Norweger und sehen, dass die Nachbar-Forscher etwas unter dem Eis entdeckt haben: Ein riesengroßes Raumschiff, welches vermutlich seit Jahrtausenden dort verweilt. Leider erweist sich der Inhalt des Schiffs als mittlerweile quicklebendig, was MacReady, Garry, Blair, Childs (Keith David), Norris (Charles Hallahan) und die anderen Männer der „Außenstelle 31“ gerade auf eindrucksvolle und zugleich abstoßende Weise mit eigenen Augen sehen konnten. Nun steht außer Frage, dass das DING Lebensformen imitieren kann… Sollte es der Station entkommen, könnte es die Welt ins Chaos stürzen. Die Folgen wären unvorstellbar. MacReady und die anderen sind sich ihrer Haut (im wahrsten Sinne) nicht mehr sicher. In der beengten Station macht sich Misstrauen breit und jeder schaut sich sein Gegenüber zweimal an, bevor er ihm den Rücken zudreht. Doch vor der Rettung der Welt müssen die Männer im Kleineren denken: Wer war mit dem infizierten Hund alleine? Wer verhält sich besonders auffällig? Wem kann man noch bedenkenlos trauen? Wer ist in Wahrheit schon längst ein perfekt getarntes DING AUS EINER ANDEREN WELT?

„Er ist der stärkste Film, den ich je gemacht habe…“ (John Carpenter)

„The Thing“ war 1982 die erste große Studio-Produktion von Altmeister John Carpenter. Mit „Halloween“ landete der Regisseur 1978 einen beeindruckenden Box-Office-Hit, der bei 325.000 $ Produktionskosten insgesamt 47.000.000 $ in die Kassen spülte. Auch „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) und „Die Klapperschlange“ (1981) erwiesen sich als durchaus rentabel, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis die finanzkräftigen Studiobosse Mr. Carpenter die Tür einrennen würden. Mit einem mehrfach überarbeiteten Drehbuch von Bill Lancaster (Sohn des großartigen Schauspielers Burt Lancaster) stellte man bei Universal satte 15.000.000 $ Budget für die Realisierung zur Verfügung und ließ Carpenter erstaunlich viel Freiraum bei der zeitintensiven Produktion. Gedreht wurde vor Ort in der Antarktis und in British-Columbia, während die Innenaufnahmen in der brütenden Hitze von Los Angeles stattfanden. Um den realistischen Kälte-Atem zu simulieren, wurde die Temperatur im Studio runtergekühlt, was für ein ordentliches Klima-Chaos bei allen Beteiligten sorgte. Auch logistisch war „The Thing“ ein wahres Mammut-Projekt, da für die Aufnahmen in der freien Natur täglich ein anstrengender und nicht ungefährlicher Weg zurückgelegt werden musste.

Als wahrer Glücksgriff erwies sich der Special-Effects-Künstler Rob Bottin, der zuvor mit Carpenter an dessen „The Fog“ gearbeitet hatte und 1981 in Joe Dantes „The Howling – Das Tier“ reißerisch zeigte, was er tricktechnisch auf der Pfanne hat. Mit gerade einmal 22 Jahren schenkte der Regisseur dem jungen Wilden sein Vertrauen… und was dabei herauskam, hat Filmgeschichte geschrieben! Die praktischen Effekte, bei denen auch Genre-Guru Stan Winston helfend eingesprungen ist, sind zwar abgrundtief ekelig, auf ihre groteske Art aber wunderschön und faszinierend. Auch heute, wo selbst TV-Serien dank modernster CGI-Einsätze wie hochklassige Kino-Produktionen aussehen, haben Bottins Effekte noch hohen Schauwert. Für 1982 absolut wegweisend und neu, inspirierten seine komplizierten Kreaturen und Schöpfungen unzählige weitere Künstler. Carpenter war es laut eigener Aussage wichtig, dass es nicht nach „Mann im Kostüm“ aussieht, da dies immer das Mysteriöse und Unvorstellbare entzaubern würde. Na, wenn das mal kein kleiner Seitenhieb auf Regie-Kollege Ridley Scott und sein „Alien“ war.

Für John Carpenter war „The Thing“ die intensivste Arbeit, die er je in ein Projekt investiert hat. 14 Monate – eine Dauer, die bei heutigen Produktionen gar nicht mehr denkbar wäre – verschlang der komplette Dreh und wurde erst kurz vor Kinostart beendet. Im Juni 1982 erfolgte der heißersehnte US-Kinostart. Der Film schlug ein, wie… eine Knallerbse. Unglaublich, aber wahr… „The Thing“ floppte gnadenlos an den Kinokassen. Einerseits war es eine Lehrstunde für das Studio, dass man einen Film mit winterlichem, ja, geradezu arktischem Setting während der Sommermonate NICHT in die Lichtspielhäuser bringen sollte, aus der man für die Zukunft lernen konnte… andererseits muss Universal sich den Schuh selber anziehen, da man gerade zwei(!) Wochen zuvor Schmuse-Alien „E.T.“ an den Start schickte. Obwohl beide Kreaturen außerirdischen Ursprungs waren, konnten die Unterschiede größer nicht sein. Man warf einen blutigen, schleimigen Horror-Klumpen mit trostlosem und pessimistischem Ende mit einem tränenreichen Familienfilm mit Happy End-Garantie in den Ring und wunderte sich dann, dass der Schuss nach hinten losging? Sorry, Universal… aber dafür, dass ihr zu diesem Zeitpunkt schon eine 70-jährige Studio-Präsenz auf dem Buckel hattet, war das verdammt kurz gedacht. Dass dieses „Phänomen“ aber auch heute noch vorkommt, bewies Disney erst im vergangenen Jahr: Entgegen den drei vorigen (erfolgreichen!) „Star Wars“-Ablegern, positionierte man „Solo: A Star Wars Story“ nicht im Winter, sondern ließ einen Kinostart im Mai erfolgen… kurz nachdem „Avengers: Infinity War“ angelaufen war, auf den immerhin die halbe Welt gewartet hat. Unnötig zu erwähnen, dass die Konkurrenz hausgemacht war, oder? Dass „Deadpool 2“ kurz darauf startete, machte die Ausgangslage auch nicht unbedingt besser. Ach ja, eine Woche nach dem Start von „The Thing“ tauchte auch noch eine kleine Produktion namens „Poltergeist“ in den US-Kinos auf, bei dem obendrein ebenfalls Steven Spielberg involviert war… was Carpenters Werk dann endgültig den unverdienten Gnadenstoß gab und den Regisseur tief getroffen hat. Sein wahrscheinlich ambitioniertestes Werk, das allen Beteiligten unglaubliche Strapazen abverlangte, fiel gnadenlos durch und wurde nicht gewürdigt. Die tolle Atmosphäre am Set, die sich durch den Zusammenhalt und das freundschaftliche Verhältnis aller Darsteller zueinander, auf den Zuschauer übertragen sollte, verpuffte im Schatten des kleinen Schrumpel-Aliens, für das Jahre später die Roaming-Gebühren quasi erfunden wurden! Damit war die Sinnkrise für den erfolgsverwöhnten Independent-Regisseur komplett, doch…

Ein Hoch auf die Video-Kassette! kann man da nur sagen. Dort wurde „The Thing“ dann erfreulicherweise ein absoluter Renner und beweist bis heute – und einige Unterhaltungsmedien-Revolutionen später -, dass Qualität sich eben DOCH durchsetzt. Viele Film-Freunde bezeichnen „The Thing“ als besten Film aller Zeiten, Kult-Klassiker und Meisterwerk. Über ersteres lässt sich sicher streiten, jedoch nicht darüber, dass das „Ding“ seiner Zeit weit voraus war und immer noch wegweisend im Sci-Fi-Horror-Genre ist. Ein packendes und mit vielen sozialkritischen Untertönen versehenes (Effekt-)Kammerspiel für die Ewigkeit, welches vielleicht sogar Quentin Tarantino beim Schreiben von „The Hateful Eight“ im Hinterkopf hatte…

Inhaltlich wird „The Thing“ übrigens als erster Teil von John Carpenters „apokalyptischer Trilogie“ bezeichnet, die 1987 mit „Die Fürsten der Dunkelheit“ und 1994 mit „Die Mächte des Wahnsinns“ vollendet wurde. Außer der Tatsache, dass sich alle drei Filme mit dem Kernthema Weltuntergang befassen, gibt es aber keinerlei Bezüge zueinander. Empfehlenswert sind sie aber alle und speziell „Die Fürsten der Dunkelheit“ hat in meinen Augen eine unerreichte, bedrohlich-klaustrophobische Atmosphäre.

Kuckuck… wer ist denn da?

„The Thing“ basiert, ebenso wie die schwarz-weiß-Version aus den 50ern, auf der Novelle „Who Goes There?“, die Autor John Wood Campbell Jr. 1938 unter dem Pseudonym „Don A. Stuart“ (eine Liebeserklärung an seine Frau Dona Stuart) verfasste. Campbell, der für mehr als drei Jahrzehnte auch Verleger war, brachte die preisgekrönte Kurzgeschichte in seinem eigenen Magazin „Astounding Science Fiction“ unter, welches Anfang der 60er-Jahre in „Analog Science Fiction“ umbenannt wurde.

Häufig wird Carpenters Film als Remake des alten Sci-Fi Klassikers bezeichnet, was genaugenommen nicht stimmt. Beide Verfilmungen orientieren sich an der Kurzgeschichte, wobei die Verfilmung von 1982 werkgetreuer ist und somit Unterschiede zum Film von Christian Nyby und Howard Hawks aufweist.

Wie es bei vielen Filmen üblich ist, erschien auch zum Kinostart von „The Thing“ eine passende Roman-Adaption. Hier griff man aber nicht zur Novelle von Campbell (bzw. Stuart), sondern ließ Vielschreiber Alan Dean Foster ran, der schon Filme wie „Alien“, „Das Schwarze Loch“, „Kampf der Titanen“, „Starman“, „Krull“, „Transformers“ und unzählige weitere Film-Romane zu Papier brachte. Zudem verfasste er zahlreiche Bücher in den „Star Wars“- und „Star Trek“-Universen. Grundlage für sein „The Thing“ war das Drehbuch von Bill Lancaster, welches bereits so gut ausgearbeitet war, dass Foster das Schreiben locker von der Hand ging, ohne zuvor eine bewegte Szene der Verfilmung gesehen zu haben… was eindeutig für das gelungene Script spricht.

Pre-Outpost 31

2011 entstand ein Prequel, welches die Geschehnisse auf Seiten der Norweger in den Fokus rückt. Obwohl hier die inhaltliche Vorgeschichte erzählt wird, empfiehlt es sich sehr, beide Filme in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu schauen, da einige Details, die MacReady und Copper im Carpenter-Film in der Station entdecken, dort erläutert werden und im Nachhinein betrachtet für Aufklärung sorgen.

In der Antarktis entdeckt ein norwegisches Forscher-Team ein gigantisches Gebilde unter einer dicken Eisschicht. Unweit des unidentifizierten Objekts findet sich zudem eine seltsame Kreatur, die ebenfalls im Eis eingeschlossen ist. Eine umgehende Untersuchung der Kreatur liegt selbstverständlich nahe. Zu diesem Zweck heuert der bekannte Wissenschaftler Dr. Sander Halvorson (Ulrich Thomsen) die Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) an, um vor Ort für Klarheit zu sorgen. Zusammen mit ihrem Assistenten Adam Finch (Eric Christian Olsen) wird die junge Frau eingeflogen und macht sich direkt an die Arbeit. Man bohrt sich – mehr oder weniger – vorsichtig durch den gefrorenen Block, den man zuvor aus dem ewigen Eis herausgeschnitten hat, um Proben der Lebensform zu entnehmen.

Es dauet nicht lange, bis das eisige Gefängnis zu tauen beginnt und sich der monströse „Gast“ befreien kann. Dadurch wird die ausgelassene Party-Stimmung innerhalb der Basis (hey, wann findet man schon mal außerirdisches Leben?) immens getrübt und schon bald sind erste Opfer auf Norweger-Seite zu beklagen. Da das unberechenbare DING seine Form in jedes Lebewesen verwandeln kann, das es berührt, wächst auch hier bald das Misstrauen untereinander…

Das Kino-Debüt des niederländischen Filmemachers Matthijs van Heijningen Jr. ist zwar weit davon entfernt ein schlechter Film zu sein, kommt aber meilenweit nicht an das atmosphärische Meisterwerk von John Carpenter heran. Obwohl Rob Bottin hier ebenfalls mit „handgemachten“ Effekten dem Horror Leben einhauchen sollte, setzte das Studio sich durch. Dort bestand man auf Effekte aus dem Rechner, die vielleicht mittlerweile mehr „State of the Art“ und im Endeffekt günstiger sind, im direkten Vergleich aber seelenlos erscheinen und sich nicht von ähnlichen Produktionen abheben. Man könnte hier die Ur-Trilogie von „Star Wars“ als abschreckendes Beispiel heranziehen, deren Vorgänger-Trilogie einfach nur auf CGI-Hochglanz poliert und zu geleckt aussah, als dass sie Jahrzehnte vor den Geschehnissen aus dem guten alten „Krieg der Sterne“ stattfinden sollte. So verhält es sich auch mit „The Thing“ zu „The Thing“… Monster aus dem Rechner können den schleimigen, greifbaren Schrecken aus Effekt-Künstler-Hand einfach nicht ersetzen.

UL-TI-MA-TIV!

Bei uns in Deutschland von 1984 bis 2009 indiziert, ist das blutig-glibberige Spektakel seitdem ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben und nach knapp 10 Jahren in „Freiheit“ bekommen Fans und Film-Liebhaber das Werk nun in nie dagewesener Qualität zu Gesicht. Die Bildqualität des Carpenter-Films ist phänomenal und ich habe drei Kreuze gemacht, dass das gelegentliche Filmkorn in dunklen Szenen nicht digital wegretuschiert wurde. So bleiben selbst kleinste Details im Hintergrund sehr gut erkennbar. Man sieht  Kleinigkeiten in der Ausstattung, die man bisher nur erahnen konnte.

Das Münsteraner Label TURBINE hat bei der aufwändigen Bild- und Ton-Restaurierung von John Carpenters Kultfilm keine halben Sachen gemacht und fährt das volle Programm auf: Gleich ZWEI limitierte Sammler-Boxen werden dem geneigten Fan angeboten, deren Inhalt jedoch identisch ist. Lediglich im Design unterscheiden sich die Editionen:

Die „klassische“ Variante (limitiert auf 3.000 Exemplare) wartet mit dem bekannten Motiv von Drew Struzan auf, das bereits vorherige Veröffentlichungen und Kinoplakate zierte. Struzan dürfte auch „The Thing“-Neulingen schon öfter über den Weg gelaufen sein, da er auch für die genialen Poster zur „Zurück in die Zukunft“-Trilogie, der klassischen „Star Wars“-Trilogie, der „Indiana Jones“-Reihe, „Blade Runner“, „Masters of the Universe“, „Goonies“, „E.T.“, „Police Academy“ und unzählige weitere Kunstwerke verantwortlich war.

Auf der „modernen“ Variante (limitiert auf 2.000 Exemplare) gibt es das fantastische Artwork des freiberuflichen US-Künstlers Christopher Shy zu bewundern, welches der auch unter seinem Künstlernamen „Ronin“ bekannte Shy extra für die deutsche Edition zu einem Wrap-around-Motiv erweitert hat. Einfach nur großartig und allein durch die stimmige, glasklare Farbgebung mein eindeutiger Favorit! Fans des Struzan-Motivs müssen aber auch nicht in die Röhre gucken, da in der „modernen“ Variante der Schuber des Digipacks mit einer Abwandlung des bekannten Artworks versehen ist.

Das Innendesign des Digipacks kann sich ebenfalls sehen lassen. Die drei Blu-rays - bestehend aus: „The Thing“ (1982), Bonusmaterial (mehr als 6 Stunden!) und „The Thing“ (2011) – sind in einem durchgängigen Motiv gestaltet, das sich nahtlos in den Hintergrund einfügt. Gleiches sieht man übrigens auch im animierten Menü des Films, welches die Atmosphäre gelungen einfängt und zudem mit den sphärischen, eindringlichen Klängen des Soundtracks unterlegt ist. Dieser liegt beiden Editionen noch gesondert und komplett auf CD bei! Das lange vergriffene Sammlerstück ist exklusiv NUR in den beiden Boxen erhältlich und dementsprechend rar. Hierfür konnte John Carpenter einst Altmeister Ennio Morricone gewinnen, dessen Scores schon filmische Werke wie Sergio Leones „Dollar“-Trilogie, „Vier Fliegen auf grauem Samt“, „Mein Name ist Nobody“, „Red Sonja“, „Die Unbestechlichen“ oder „Django Unchained“ veredelten. Auch für „The Hateful Eight“ komponierte Morricone und bekam dafür den Oscar… womit sich der Kreis um Tarantino, Kurt Russell und den inhaltlichen Ähnlichkeiten zu „The Thing“ dann gänzlich schließt. Für die Endfassung legte Carpenter allerdings selbst noch mal Hand an und peppte die Musik, die letztendlich im Film zu hören ist, ein wenig mit seinen markanten Synthie-Sounds auf.

Das Herzstück der randvollen Bonus-Disc bilden die drei Features „Der Terror nimmt Gestalt an“ (84 Minuten), „Die Männer von Outpost 31“ (51 Minuten) und „Die Effekte von THE THING“ (25 Minuten), in denen man so ziemlich alles zu Augen und Ohren bekommt, was man über die Produktion wissen muss. Des weiteren gibt es haufenweise interessante Interviews mit Cast- und Crew-Mitgliedern, einen Vergleich von Storyboard und Film, ein Hidden Feature und eine sehr interessante Gesprächsrunde, die während der Produktion von „The Thing“ entstand. Hier interviewt Regisseur Mick Garris („Psycho IV – The Beginning“, „Stephen King’s Schlafwandler“) – im Rahmen der Show „Fear on Film“ – die Filmemacher John Carpenter, John Landis („Schlock – Das Bananenmonster“, „Blues Brothers“, „American Werewolf“) und David Cronenberg („Die Brut“, „Scanners“, „Videodrome“… und später „Die Fliege“), was zu einem spannenden Gespräch über die damalige Zensur ausartet. Besonders unterhaltsam, da sich auf der Scheibe auch ein aktuelleres Interview mit John Carpenter (29 Minuten) findet, welches Mick Garris im Jahr 2016 führte… rund 35 Jahre nach der Talk-Runde mit den Kollegen. Zum Klassiker von 1982 finden sich auf der Film-Disc ganze vier(!) Audiokommentare, die allesamt – so wie jegliche Extras – mit deutschen Untertiteln versehen wurden. Das Prequel von 2011 bietet immerhin noch 28 Minuten Bonus. Diese Scheibe ist inhaltlich und qualitativ identisch mit der bisher erhältlichen Universal-Veröffentlichung. Alle Informationen, Inhalte, sowie die individuelle Limitierungsnummer der jeweiligen Box-Variante, sind auf einem Backpaper aufgeführt. Auf dessen Rückseite befindet sich ebenfalls noch ein Goodie… und zwar ein Artwork von Storyboard-Artist und Comic-Zeichner Mike Ploog („Man-Thing“, „Ghost Rider“). Tatsächlich ist das aber immer noch nicht alles…

Als wären beide Filme, stundenlanges Bonusmaterial, Soundtrack-CD und die hochwertigen, stabilen Verpackungen noch nicht genug, nutzt TURBINE den Platz der wuchtigen Boxen und füllt die Hohlräume adäquat auf. Fünf Artcards mit internationalen Promo-Motiven gehören ebenso dazu, wie zwei doppelseitige Poster mit klassischen Abbildungen der unterschiedlichen Kino- und Video-Plakate. Auf 135 Seiten kommt das Büchlein „Inside THE THING“, das von Autor Tobias Hohmann verfasst wurde und die beiden Filme komplett durchleuchtet. Dort finden sich seltene Konzeptentwürfe von Mike Ploog, Storyboard-Auszüge, Presse-Fotos, Hinter-den-Kulissen-Material, Einblicke in die Arbeit von Rob Bottin, Internationale Artworks, Infos zum Videospiel und den Comic-Fortsetzungen und einfach alles andere, von dem man bisher nicht wusste, dass man es wissen WILL!

Ein weiteres Highlight ist eine gedruckte Novelle der Original-Vorlage „Who Goes There?“ von John W. Campbell, in der deutschen Übersetzung von Fabian Dellemann und Alexander Rösch. Auch diese Ausgabe ist selbstverständlich exklusiv und auf 5.000 Stück innerhalb der beiden Editionen limitiert.

Last but not least gibt es einen stylishen „U.S. Outpost 31“-Aufnäher, mit dem man sich als cooler Teil der Forschungstruppe fühlen kann. Ich werde diese Wirkung mal bei uns in der Fußgängerzone testen und habe mir das Teil schon mal an den Slip getackert… „Verzeihung, wir haben da so ein seltsames DING gefunden und ich würde Ihnen da gerne mal was zeig… Hallo? HALLO…???“

MacFazit:

Ich selbst habe den Film seinerzeit in einem Alter gesehen, in dem man ihn vielleicht nicht zwingend schauen sollte und bin im Nachhinein froh, dass die damalige VHS-Kassette so verrauscht war, dass man einige Details nur erahnen konnte. Hätte ich ihn in der glasklaren und gestochen scharfen Qualität von heute gesehen, wäre ich aktuell wohl immer noch dort, wo man nur einmal pro Woche Besuch empfangen darf… Ein Film, der auch nach 37(!) Jahren absolut NICHTS von seiner Sogwirkung verloren hat, in einer Box, die qualitativ und ausstattungstechnisch ihresgleichen sucht. MacReady würde stolz und zu Tränen gerührt seinen Yosemite Sam-Hut ziehen!

Wertung: 10  (Film: 10  |  Blu-ray: 10)

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Fotos: © Turbine Medien GmbH