Michael Hamannt

03.2018 Noch ist der Winter nicht vorbei, die Tage können noch sehr ungemütlich werden und dann ist es schön, es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen und die Zeit zu finden, sich in ferne Welten zu begeben.

Dies muss sich auch der Heyne Verlag gedacht haben, als er entschied Michael Hamannts Debut „Die Dämonenkriege“ im Februar in die Buchhandlungen zu bringen. Und, um dies vorwegzunehmen, der Leser bekommt sehr viel Buch fürs Geld. Einer, aber beileibe nicht der einzige Grund für uns, das Gespräch mit dem Autor zu suchen.

Auf seiner Homepage stellt er sich selbst wie folgt vor: Michael Hamannt studierte Germanistik, Philosophie, Ur- und Frühgeschichte, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er arbeitet als freier Schriftsteller und liest in seiner Freizeit fantastische Romane und Thriller, schaut gerne gute DVDs und trifft sich mit Freunden zu Spieleabenden. Ein besonderes Faible hat er für Schottland mit seinen grünen Highlands, alten verwunschenen Wäldern und faszinierenden Mythen. Außerdem ist er verrückt nach Katzen und süchtig nach Espresso.

Ich habe Fantasy schon immer geliebt. Ich bin vor allem begeistert davon, welche Entwicklung das Fantasy-Genre in den letzten Jahren hingelegt hat. Dieser Tage ist es so vielschichtig und vielseitig wie niemals zuvor.

Phantastik-Couch.de:
Hallo Herr Hamannt. Was machen Sie so, wenn Sie sich nicht gerade fremde Welten voller Dämonen für Ihre Leser einfallen lassen?

Michael Hamannt:
Ich mag es gerne kreativ. Neben dem Schreiben arbeite ich als Webdesigner, wobei ich nicht nur die Websites programmiere, sondern auch das Design und gegebenenfalls die Grafiken entwerfe. Ich mag beide Jobs, weil sie mir einfach Spaß machen und sehr abwechslungsreich sind. Aber natürlich arbeite ich nicht nur. Ich bin ein großer Brettspielfan. Am liebsten mag ich solche mit Fantasy- oder Science-Fiction-Hintergrund. Zu meinen Lieblingsspielen zählen die Dungeon Crawler „Descent – Reise ins Dunkel“, „Mansions of Madness“ und „Shadows of Brimstone“. Alle drei Spiele kann ich übrigens uneingeschränkt empfehlen. Außerdem lese ich natürlich. Lesen ist für mich die entspannendste Sache der Welt!

Phantastik-Couch.de:
Nun tauchen Sie als Autor zumindest für mich aus dem Nichts auf. Wann reifte bei Ihnen der Entschluss, sich der schreibenden Zunft anzugliedern, wie kam es zum Kontakt mit Heyne und wie zu den letztlich fertigen zwei Büchern?

Michael Hamannt:
Geschrieben habe ich schon früher, allerdings unter anderem Namen und in einem anderem Genre. Angefangen habe ich mit dem Schreiben in meiner Jugend. Michael Ende, Wolfgang Hohlbein und J. R. R. Tolkien haben mich auf das Fantasy-Genre eingeschworen, und seitdem bin ich nicht mehr davon losgekommen. Der Kontakt zu Heyne entstand durch meine Agentur AVA international. Zu dem Zeitpunkt existierte von den Dämonenkriegen ein rund 70-seitiges Exposé samt Leseprobe. Allerdings lautete der (Arbeits-)Titel des Romans damals noch „Die Schwebenden Reiche“. Heyne war von dem Konzept und der Leseprobe sehr angetan und hat mir daraufhin einen Vertrag angeboten. Ich war erst einmal völlig aus dem Häuschen und habe kräftig gefeiert. Der Heyne Verlag war das Beste, was meinem Roman hätte passieren können. Natürlich war von Anfang an klar, dass die Geschichte nicht nur auf einen Band ausgelegt ist, umso mehr habe ich mich gefreut, als dann feststand, dass es auch einen zweiten Band geben wird.

Phantastik-Couch.de:
Warum musste es Fantasy sein?

Michael Hamannt:
Ich habe Fantasy schon immer geliebt. Ich bin vor allem begeistert davon, welche Entwicklung das Fantasy-Genre in den letzten Jahren hingelegt hat. Dieser Tage ist es so vielschichtig und vielseitig wie niemals zuvor.

Phantastik-Couch.de:
Nun sind dicke Bücher zwar en vogue, von einem Neuling, der im Markt aber noch nicht eingeführt ist, doch ein verlegerisches Wagnis. Wie haben Sie den Verlag dazu animiert nicht nur ein Ziegelstein von einem Buch als Erstling zu produzieren, sondern zeitnah gleich den zweiten Band hinterherzuschicken?

Michael Hamannt:
Um ehrlich zu sein, konnte ich mein Glück selbst kaum fassen, als ich es erfuhr. Heyne hat mir damit eine großartige Chance gegeben. Warum? Ich denke, das Konzept hinter den Dämonenkriegen hat den Verlag einfach überzeugt. Vielleicht war meine eigene Begeisterung für diese Idee auch so ansteckend, dass Heyne schlicht keine andere Wahl blieb. ;)))

Phantastik-Couch.de:
Waren die Manuskripte da bereits fertig, mussten Sie viel überarbeiten?

Michael Hamannt:
Es existierte ein Exposé und eine Leseprobe zum ersten Band. Insofern hatte ich die Chance, mit dem Verlag noch einmal über die Handlung zu sprechen, bevor ich weiter am Manuskript geschrieben habe. So lagen die Änderungen am Schluss im üblichen Rahmen. Großartig streichen oder umschreiben musste ich nicht. Der zweite Roman „Die Dämonenkriege – Dunkelkönig“ ist derzeit in Arbeit und geht im April an den Verlag. Danach beginnt die Überarbeitung.

Phantastik-Couch.de:
Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?

Michael Hamannt:
Die Überarbeitung des Manuskripts hat mir sehr viel Spaß gemacht. Meine Lektorin hatte tolle Anregungen für mich, die die Geschichte noch runder gemacht haben. Aber auch während ich an dem Manuskript geschrieben habe, konnte ich mich mit Fragen und Überlegungen jederzeit an sie wenden und diese mit ihr durchsprechen. Das fand ich schon sehr toll!

Phantastik-Couch.de:
Nun haben Sie sich für Ihre Leser eine ganz besondere Welt ausgedacht – eine Zukunftsversion, in der die Zivilisation auf ein archaisches Niveau zurückgefallen ist, die Reiche als Inseln jeweils mit eigener Flora und Fauna in einer Kugel aus Luft schweben und durch Feuerflüsse miteinander verbunden sind. Wie kommt man auf eine solche Bühne?

Michael Hamannt:
Inspiriert hat mich das Thema „Weltuntergang – Was kommt danach?“. Bei mir sind es dann aber keine Umwelteinflüsse, sondern uralte Dämonengötter, die die Welt im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Einzelteile zerlegen. Ich fand die Vorstellung einer zersplitterten Welt faszinierend. Inseln, die inmitten eines leeren Raums schweben. Ein solches Konzept hat natürlich jede Menge Fragen aufgeworfen: Wie funktioniert so eine Welt? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit dort Leben existiert? Wie sind die Inselreiche miteinander verbunden? Und, und, und … Auf diese Weise entstanden die Schwebenden Reiche, geschaffen aus den Bruchstücke der alten Welt. Eine Schöpfung, die nicht perfekt ist, sondern ihre Tücken hat. Wie zum Beispiel die Feuerflüsse, auf denen nur die sogenannten Feuerreiter fahren können, weil alles andere in der Hitze der Flüsse vergeht. Ich habe sehr lange an der Ausarbeitung dieser Welt gesessen, weil es mir zum einen viel Spaß gemacht hat und ich sie zum anderen möglichst „rund“ gestalten wollte. Alles sollte seinen Grund haben.

Phantastik-Couch.de:
Nun ist Ihr Plot weit von den weichgespülten Abenteuern von Zauberern und Feen entfernt. Hier wird gelitten, intrigiert, gemeuchelt – fühlen Sie sich in der Gritty Fantasy eher zu Hause? Wer sind Vorbildern und wichtiger noch, warum?

Michael Hamannt:
In den letzten Jahren habe ich so einiges von Joe Abercrombie gelesen, den ich für die wunderbar „grauen“ Charaktere bewundere, die er in seiner Geschichte um den Barbaren Logen erfunden hat. Peter V. Brett hat mir mit seinem Demon Zyklus gezeigt, was Angst aus Menschen machen kann und wie wichtig starke Emotionen für eine mitreißende Geschichte sind. Und George R. R. Martin ist einfach ein Phänomen. Ich verneige mich vor seiner Skrupellosigkeit, mit der er seine Charaktere zu Grabe trägt. Dazu ist nicht jeder Autor fähig. Von ihm habe ich gelernt, dass Figuren aus den richtigen Gründen – und wenn es Sinn macht – nun mal auch sterben müssen, gerade um zu verhindern, dass am Ende eine weichgespülte Fantasy-Quest herauskommt. Genau das war es schließlich, was ich vermeiden wollte. Von Anfang an wollte ich etwas schreiben, was ich auch selbst gerne lesen würde.

Phantastik-Couch.de:
Was möchten Sie mit Ihrem Buch beim Leser erreichen?

Michael Hamannt:
In erster Linie möchte ich meine Leser und Leserinnen unterhalten. Ich möchte ihnen von einer Geschichte erzählen, die mich selbst nicht mehr losgelassen hat, in der Hoffnung, dass sie die gleiche Begeisterung beim Lesen empfinden, wie ich beim Schreiben. Aber natürlich geht es auch immer um ein wenig mehr. „Die Dämonenkriege“ erzählt von einem tiefen Hass zwischen den Menschen und dem Volk der Val’kai. Wie er entstanden ist und welche Folgen er für beide Völker hat. Im zweiten Band wird es teilweise um die Frage gehen, ob ein solch starker Hass überwunden werden oder nur in der gegenseitigen Auslöschung enden kann? Natürlich ist das nur ein Teilaspekt der Gesamtgeschichte. Mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Phantastik-Couch.de:
Wie wird es weitergehen – auf wie viele Bände ist Ihre Saga ausgelegt?

Michael Hamannt:
„Die Dämonenkriege“ wird zwei Bände umfassen. „Dunkelkönig“ wird die Geschichte um Ryk Vangur und seinen Kampf gegen die Dämonen abschließen. Und zwar mit einem fulminanten Ende. Die Reihe heißt nicht umsonst „Die Dämonenkriege“. :))

Phantastik-Couch.de:
Könnten Sie allein vom Schreiben leben – bekanntermaßen verdient man als Autor nicht unbedingt Reichtümer ?

Michael Hamannt:
Wie schon vorher erwähnt, betreibe ich neben dem Schreiben eine Ein-Mann-Webagentur. So habe ich zwei Standbeine, die mir meine Brötchen sichern.

Das Interview führte Carsten Kuhr im März 2018.
Foto: © Randomhouse / Heyne

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