STAR WARS Jedi:
Fallen Order

Spiel-Kritik von Marcel Scharrenbroich (01.2020) / Titelbild: © Electronic Arts Inc.

Einmal Jedi sein…

Vor langer Zeit…

…schuf ein Mann – nennen wir ihn George – ein Universum, das seit mittlerweile 43 Jahren die Massen begeistert. Zugegeben, die Fans dieser Spaceopera, die Marketing-Genie Lucas aus den unterschiedlichsten Einflüssen zusammenklöppelte, sind nicht die pflegeleichtesten unter den beiden Sonnen von Tatooine, was sich ab Ende des letzten Jahrtausends nicht nur in der oft gescholtenen Prequel-Trilogie aus der Feder des Schöpfers himself zeigte, sondern auch in der abschließenden Trilogie, welche nach der Übernahme durch den Disney-Konzern für eine Erschütterung der Macht im Fandom sorgte. Mit Recht? Hmm… das muss nun wirklich jeder für sich entscheiden, aber aus persönlicher Sicht: Nein!

Ob man im Hause Disney wirklich einen konkreten Plan für die abschließende Trilogie der Skywalker-Saga auf dem Tisch hatte, darf angezweifelt werden. Reine Geldgier will ich hier zwar nicht unterstellen, da mir sonst wahrscheinlich die Schergen des Imperiums im Nacken sitzen und ein paar Sturmtruppler vorbeikommen, um die Möbel geradezurücken, doch das Saga-Finale „Der Aufstieg Skywalkers“ wirkte schon so, als wolle man die langjährigen Fans versöhnlich stimmen und mit dem Retter in der Not – hier in Form von Regisseur J. J. Abrams – Schadensbegrenzung betreiben und den versunkenen X-Wing nach dem verpönten Vorgänger „Die letzten Jedi“ wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Dennoch halte ich den aktuellen Film für extrem gelungen und eines Abschlusses mehr als würdig. Ich bekam das, was ich sehen wollte. Epische Schlachten vor grandioser Kulisse, dramatische Momente, eine Brücke zur Ur-Trilogie und jede Menge Fan-Service. Ich weiß nicht, was manche Leute erwartet haben… das achte Weltwunder? Leute, es ist STAR WARS! Ein unschuldiger Bauern-Lümmel, der zum Helden des Universums wird, von einem grünen Hutzelmännchen ordentlich Hokuspokus lernt und dem röchelnden Mann mit dem schwarzen Helmchen, der nebenbei erwähnt auch noch sein totgeglaubter Vater ist, den Arsch versohlt. Daddy kriegt noch die Kurve, schmeißt seinen Boss ins vermeintliche Nirvana und in der gesamten Galaxie ist Halligalli angesagt. DAS ist STAR WARS. Jeder Satz, jedes Detail wird auf die Goldwaage gelegt und zu Tode analysiert. Wer Disney und „Die letzten Jedi“-Regisseur Rian Johnson völlige Ahnungslosigkeit unterstellt, sollte die Anfänge der Saga nochmals ohne Nostalgie-Bonus schauen. Ich wuchs mit den klassischen Filmen auf und liebe sie noch heute, doch hinter dem Schleier der Kindheit bleibt der „Krieg der Sterne“ einfach ein toll bebildertes Science-Fiction-Märchen. Keine Religion… kein Heiligtum, das unantastbar sein sollte und von Großkonzernen bis zum letzten Tropfen ausgequetscht und verhunzt wurde. Wenn ich lese, dass „Fans“ forderten, Rian Johnsons Trilogie-Mittelteil sogar aus dem Kanon streichen zu lassen, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll… Ich persönlich fand „Avatar“ zum kotzen, fordere aber auch nicht James Cameron zum sofortigen Drehstopp seiner gefühlt 15 Fortsetzungen auf, die bei jedem Artikel über den Dreh mehr zu werden scheinen.

Nach Lucas‘ CGI-Overkill-Prequels wollte das Publikum wieder zurück zu den Ursprüngen. Wollte handgemachte Kreaturen und real gebaute Sets. Das bekamen sie mit J. J. Abrams‘ Auftakt „Das Erwachen der Macht“. Und was war? Man warf dem Regisseur und Disney vor, den allerersten Film – heute bekannt als „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ – plagiiert zu haben und dass es an neuen Ideen gemangelt habe. Gut, dann kam Johnson mit „Die letzten Jedi“. Mutige Neuerungen (und eine etwas holprige Story, die sich eigentlich darum dreht, dass man das Schiff vor dem Flug besser mal aufgetankt hätte) und grandiose Bilder. Gefiel es den selbsternannten Anhängern des Jedi-Ordens? Ha, nicht die Spur!!! Und nun wird „Der Aufstieg Skywalkers“ verteufelt, weil manch störrischer Fan ihm vorwirft, die Heldentaten, die in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ zum vermeintlichen Fall des Imperiums führten, nun für die Katz seien. Liebe STAR WARS-Freunde, wenn der Abschluss euch nicht gefällt… schön und gut. Aber lasst doch den Leuten, denen der Film gefallen hat, ihre Freude daran. Die Ur-Trilogie kann und will euch niemand wegnehmen. Ignoriert alles was danach kam und gut is‘… oder Ihr schaut noch mal „Rogue One“. Das Beste, was im Kanon der STAR WARS-Reihe erschienen ist! ODER aber, ihr greift selber zum Lichtschwert und knüppelt das Imperium mit Hilfe der Macht auf Links… ganz wie Cal Kestis…

Order 66 und die Folgen

Die Galaxis ist noch finsterer als sie eh schon war. Die Klon-Kriege sind vorbei, die Jedi nach der Ausführung der verhängnisvollen Order 66 beinahe gänzlich ausgelöscht und das Imperium sitzt am längeren Hebel. Der junge Cal Kestis ist ein Überlebender des Massakers und befand sich während der Jedi-Auslöschung als Padawan noch in der Ausbildung. Seither versteckt er sich vor den Häschern des Imperiums, die Jagd auf die verbliebenen Ordens-Ritter machen. Auf dem Planeten Bracca schlachtet Cal schrottreife Schiffe, Überbleibsel der Republik, aus, um seinen spärlichen Lebensunterhalt zu verdienen. Als imperiale Einheiten auf Bracca landen, da sie dort (zu Recht) einen Jedi vermuten, nachdem Cal seine Macht-Fähigkeiten einsetzte, um seinen Freund und Arbeitskollegen Prauf zu retten, steht er kurz davor enttarnt zu werden. Die Ausübung der Macht bleibt vor den Inquisitoren des Imperiums nämlich nicht lange geheim. Um sich zu revanchieren, stellt Prauf sich vor seinen Freund und zahlt mit dem Leben. Hier trifft Kestis erstmals auf die Inquisitorin Trilla Suduri, genannt die Zweite Schwester. Ihrer Kraft ist der Jedi-Schüler nicht gewachsen und entkommt nur mit der Hilfe zweier Fremder vom Schrottplaneten Bracca.

In letzter Sekunde kann sich Cal in den Raumfrachter Stinger Mantis retten. An Bord: die ehemalige Jedi Cere Junda und der Pilot der Mantis, Greez Dritus. Ebenfalls auf der Flucht, hat sich Cere zur Aufgabe gemacht, den Orden der Jedi wiederaufzubauen. Und mit Cal Kestis an der Seite, ist sie diesem Vorhaben schon ein ganzes Stück näher. Ihr Weg führt das Trio auf den Planeten Bogano. Hier trifft Cal auf den kleinen Droiden BD-1, welcher einst dem Jedi-Meister Eno Cordova gehörte. Durch eine auf dem Droiden gespeicherte Nachricht erfahren sie, dass Cordova den Untergang der Jedi spürte und in weiser Voraussicht eine Liste von Kindern anfertigte, in denen mächtiges Potential herrscht, um den Orden über lange Zeit wieder zu alter Stärke zu führen. Diese Namen sind auf einem Holocron gespeichert, das sich auf Borgano befindet. Um an das begehrte Relikt zu gelangen, müssen Cal, Cere und Greez die Galaxis durchqueren und die Tempel aufsuchen, die der frühere Jedi-Meister Eno Cordova einst bereiste. Doch die Zweite Schwester sitzt den Reisenden mit ihrer imperialen Flotte schon gefährlich im Nacken und lässt sich nicht so leicht abschütteln…

Mit dem Lichtschwert in der Hand und der Macht im Rücken

Gesteuert wird unser agiler Charakter nach bester Third-Person-Tradition. Ihr lauft, springt, klettert, schwimmt, taucht und hangelt mit dem linken Stick, während der rechte Stick die Kamera ausrichtet. So behaltet ihr in hitzigen Gefechten (im Idealfall) die Übersicht und könnt euch in Ruhe die Rätsel des Spiels genauer unter die Lupe nehmen. Hiervon sind immer mal wieder welche eingestreut, bewegen sich insgesamt aber eher auf niedrigem Niveau. Knüppelharte Kopfnüsse bleiben aus, sodass der Gelegenheitsspieler sich nicht zu lange den Kopf zerbrechen muss. Meist friert man mit der Macht für ein paar Sekunden die Zeit ein, um einen bestimmten Punkt gefahrlos zu passieren, oder bewegt Gegenstände an einen dafür vorgesehenen Platz. „Fallen Order“ orientiert sich spielerisch sehr an berühmten Vorbildern und nicht selten verspürt man „Uncharted“- oder „Tomb Raider“-Vibes. Nicht nur, weil Cal sich gefühlt alle fünf Minuten durch eine enge Passage quetscht, um zu demonstrieren, wie toll er mit der Umgebung interagiert.

Das Kampfsystem ähnelt wiederum dem von „Bloodborne“, Nioh“ oder der „Dark Souls“-Reihe. Mit roher Gewalt werdet ihr bei „Fallen Order“ nicht weit kommen und schon ein paar (ungewohnt treffsichere) Sturmtruppler oder eines der zahlreichen exotischen Wesen der verschiedenen Planetenoberflächen können euch in Handumdrehen in die ewigen Jedi-Jagdgründe befördern.

Mit roher Gewalt werdet ihr bei „Fallen Order“ nicht weit kommen.

Hier ist man gut beraten, wenn man sich die Angriffsmuster der verschiedenen Gegnertypen etwas genauer anschaut und diese vor der eigenen Attacke studiert. Mit einem Klick auf R3 könnt ihr Gegner auch fixieren, was in Massen-Fights zwar nicht unbedingt zu empfehlen, bei größeren Kontrahenten aber durchaus hilfreich ist. Blaster-Schüsse pariert ihr am besten, wenn im richtigen Moment die L1-Taste gedrückt wird. Dann wird Cal den Angriff nämlich nicht nur abwehren, sondern lenkt den Schuss auf seinen Gegner. Leichte Nahkampfangriffe lassen sich so ebenfalls blocken. Aber Vorsicht, leuchtet der Gegner vor dem Schlag rot auf, hilft die beste Deckung nichts. Die Attacke geht voll durch und lässt euren Lebensbalken (je nach Schwierigkeitsgrad) rapide absinken. Dann hilft nur noch ein Stim-Pack eures treuen Begleiters BD-1, da die Gesundheit sich nicht automatisch regeneriert… ich weiß, total oldschool, oder? In den zahlreichen Kisten, die mal mehr mal weniger gut versteckt sind, lassen sich Stim-Erweiterungen finden, die BD-1‘ Vorrat an Gesundheits-Packs erweitern. An Meditationspunkten, die als leuchtende Sternenkarte am Boden erscheinen, lässt sich eure Gesundheit ebenfalls regenerieren… allerdings spawnen dadurch auch alle Gegner im jeweiligen Gebiet und ihr müsst diese erneut niederstrecken. Dies hat auch einen Vorteil, denn mit jedem besiegten Gegner steigt die Anzeige der Fähigkeiten-Punkte, die bei Kämpfen am oberen Bildschirmrand eingeblendet wird. Habt ihr genügend dieser Punkte verdient, könnt ihr euren Fähigkeiten-Baum Stück für Stück erweitern. Hier lernt ihr zum Beispiel neue Attacken, den Lichtschwertwurf oder Verbesserungen der Stims. Aufgeteilt ist der Baum in die Kategorien Macht, Lichtschwert und Überleben.

Auch Cals Bewegungen erweitern sich im Laufe der Story. So verhelfen euch Tutorials, die als Flashbacks an seine Jedi-Ausbildung gespielt werden, zum stylishen Wandlauf und dem überaus praktischen Doppelsprung. Auch die Macht-Fähigkeiten wachsen an. Neben dem Schub, mit dem ihr leichtere Gegner einfach über Klippen werfen könnt, erhaltet ihr auch die Magnet-Fähigkeit, die Widersacher heranzieht, wo sie dann fachmännisch mit dem Lichtschwert durchbohrt werden können. Hat man erstmal den Dreh raus und einige Kombos freigeschaltet, ergeben sich so extrem flüssige Fights, die richtig Laune machen.

Außerdem steht mit BD-1 ein zur Abwechslung mal sehr hilfreicher Sidekick zur Seite, der nicht als Sprüche-Lieferant herhalten muss, sondern bei manchen Droiden auch nützlich im Kampf sein kann. Hierfür hackt BD-1 einfach den Kontrahenten, welcher dann seine eigenen Truppen angreift. Zudem hackt der kleine Racker verschiedene Sicherheitssysteme, damit ihr neue und zuvor verschlossene Pfade und Einrichtungen betreten könnt. So lohnt es sich auch nach Abschluss der Story einigen Planeten erneut einen Besuch abzustatten. Hierbei hatte ich tatsächlich den größten Spaß, da das Erkunden der Welten enorm viel Spaß macht und die Areale weitläufig und nicht so schlauchförmig wie bei so manchem Konkurrenz-Titel erscheinen. Nach den über 20 Spielstunden der Story ging die Steuerung so weit in Fleisch und Blut über, dass ich regelrecht angestachelt war, alle versteckten Truhen und Geheimnisse -  in Form sogenannter Echos, die Cal und dem Spieler mehr über die Vergangenheit offenbaren – zu finden und die Areale zu durchstöbern, die zuvor nicht begehbar waren.

An speziellen Werkbänken, die an mehreren Stellen im Game zu finden sind, lässt sich euer edles Lichtschwert modifizieren. Diese Modifizierungen sind allerdings allesamt kosmetischer Natur und haben keinen Einfluss auf die Stärke der Waffe. Anfangs könnt ihr zwischen einer blauen und einer grünen Klinge wählen, während ihr im weiteren Story-Verlauf sogar ein eigenes Lichtschwert zusammenklöppelt. Dann habt ihr auch die freie Farbauswahl, um euren Jedi-Säbel zu individualisieren. Dazu gehören auch die verschiedenen Griffe, Schalter und weiteres Zeugs, womit ihr dem Prügel optisch mehr Eindruck verschaffen könnt. Einmal neu geschmiedet, lässt sich das Schwert mit einem Rechtsklick auf dem Steuerkreuz auch in eine Doppelklinge transformieren, womit sich Darth Maul-like ganz neue Angriffsmöglichkeiten ergeben. Sehr nützlich bei bestimmten Gegnertypen… und es sieht einfach verdammt cool aus!

Optisch verschönern könnt ihr auch den guten Cal, der immer wieder neue Ponchos findet, die seltsamerweise alle in genau seiner Größe herumliegen. Auch Cals Outfit lässt sich nach erfolgreichem Fund farblich anpassen. Ebenso Skins für euren ständigen Begleiter BD-1 und euer Schiff, die Mantis. Dort steht außerdem ein Terrarium, in das ihr seltene Pflanzen setzen könnt, die nach einiger Zeit erblühen. Insgesamt zehn verschiedene Arten lassen sich auf den zu bereisenden Planeten finden. Diese steuert ihr ganz einfach über die hauseigene Karte der Mantis an. Darunter auch der stark bewaldete Heimatplanet der Wookiees, Kashyyyk. Die Flora und Fauna, Gegnertypen und bestimmte Hieroglyphen lassen sich von BD-1 scannen. Die Einträge sind anschließend in der Datenbank zu finden.

Den… kenn ich doch!!!

Der blasse Rotschopf Cal kam mir die ganze Zeit schon bekannt vor und irgendwann machte es dann >KLICK<. Dieser wird nämlich vom amerikanischen Schauspieler Cameron Monaghan verkörpert. Diesen sah man im Alter von 11 Jahren als ganz „besonderen“ Schüler in „Malcolm mittendrin“. Danach war er Gast in zahlreichen US-Krimi-Serien, bevor er in der Serie „Gotham“ einem breiteren Publikum bekannt wurde. Dort spielte er in einer Doppelrolle Jerome und Jeremiah Valeska, der Richtung Serienfinale zu einem ganz bestimmten Schurken im Batman-Universum mutierte. Den jüngeren Zuschauern dürfte Monaghan vor allem aus den beiden „Die drei ???“-Filmen von 2007 und 2009 bekannt sein, wo er als Detektiv Bob Andrews auftrat. Per aufwändigem Motion Capture-Verfahren gibt er in „STAR WARS Jedi: Fallen Order“ überzeugend den Jung-Jedi Cal Kestis.

Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem Charakter Saw Gerrera, der erstmals in der animierten STAR WARS-Serie „The Clone Wars“ in Erscheinung trat. Einen realen Auftritt hatte Gerrera im genialen Ableger „Rogue One“ von Regisseur Gareth Edwards. Hier wurde der rebellische Freiheitskämpfer vom charismatischen Forest Whitaker dargestellt. Den Oscar-Preisträger, der den begehrten Goldjungen für das Drama „Der letzte König von Schottland“ erhielt, kennt man unter anderem aus „Species“, „Ghost Dog“, dem grottigen „Battlefield Earth“, „Panic Room“, „8 Blickwinkel“, „Zulu“, „Southpaw“ oder „Arrival“. Für EAs Action-Adventure kehrt der Mime erneut zurück ins STAR WARS-Universum und nimmt seine Rolle aus „Rogue One“ wieder auf.

An einer epischen Stelle im Game wäre mir theoretisch die Kinnlade auf den Tisch geknallt, wenn nicht die TV-Werbung für „STAR WARS Jedi: Fallen Order“ einen ikonischen Auftritt bereits gespoilert hätte. Na besten Dank! Dennoch eine gelungene Integration der klassischen Saga, die für Gänsehaut sorgt.

Die dunkle Seite des Gameplays

Es wäre zu schön gewesen, doch leider kommt das von Respawn Entertainment („Titanfall 2“, „Apex Legends“) entwickelte „Fallen Order“ nicht ohne Schwächen aus. Diese lassen sich in der Gesamtheit zwar weitestgehend und großzügig verschmerzen, sorgen an der einen oder anderen Stelle aber durchaus für Frust. So hat das Game immer wieder mit Ladezeiten zu kämpfen, die in den unpassendsten Situationen aus dem Geschehen reißen. In meinem Falle war es besonders ärgerlich, da ausgerechnet das Bild für ein paar Sekunden stockte, als ich nach einer Rutschpartie auf einer Eisbahn punktgenau abspringen wollte UND sollte, kurz vorm Absprungpunkt aber auf ein Standbild starrte. Dass der Versuch in die Hose ging, ist wohl wenig überraschend. Auch bei Fahrten mit Aufzügen hat das Spiel mit nervigen Ladezeiten zu kämpfen.

Immer wieder bleibt mitten im Geschehen das Bild stehen, was vergleichbare Titel besser umgehen und auf der aktuellen Konsolengeneration eigentlich nicht mehr vorkommen sollte. Auch nicht, dass beim Betreten eines neuen Areals und beim Modifizieren des Lichtschwerts die Texturen erst nach und nach erscheinen. Dieser abgehackte Grafikaufbau killt die Atmosphäre und reißt den Spieler immer wieder raus. Ansonsten ist die Grafik größtenteils gelungen, wenn man sich auch mehr Zeit für den Feinschliff gewünscht hätte. Mal besticht „Fallen Order“ mit bestechender Schärfe und enorm viel Liebe zum Detail, während andere Passagen schluderig und matschig wirken.

Mal besticht „Fallen Order“ mit bestechender Schärfe und enorm viel Liebe zum Detail, während andere Passagen schluderig und matschig wirken.

Positiv hervorzuheben ist der Eisplanet Ilum, der zwar landschaftlich spartanisch ausgestattet ist, jedoch die frostige Atmosphäre sehr gut rüberbringt. An einigen Stellen hat mich auch die Kamera zum Verzweifeln gebracht, da diese während einiger Fights komplette Ausreißer hatte und plötzlich mal in der Wand oder sogar im Charakter klebte. Auch schwebten manche Gegner mal grundlos in der Luft oder zappelten sich an irgendwelchen Blockaden die Seele aus dem Leib, was Attacken des Spielers zwar vereinfachte, aber auch nicht Sinn der Sache sein kann. Außerdem ist Cals Renn-Stil ein heißer Anwärter auf den „Grobmotoriker des Jahres“-Award und könnte somit Solid Snakes Krummer-Rücken-Rennerei vom Videospiel-Thron stoßen. Schaut man Cal im Vollsprint zu, sieht es aus, als würde er sich mit den Hacken selbst die Glocken zum Läuten bringen. Unfreiwillig komisch und nicht wirklich ästhetisch. Da bewegen sich Cals Kollegen Lara Croft und Nathan Drake deutlich ansehnlicher durch die exotische Pampa.

>KLING!<

Wer auf Sonys Konsole gerne auf Trophäen-Jagd geht, um auch das letzte Quäntchen aus einem Game zu quetschen, darf sich schon mal die Hände reiben. Neben den Story-bedingten Erfolgen beschränken sich die zu erspielenden Trophäen weitestgehend auf das Sammeln von Macht-Echos, dem Aufdecken der vielen verschlungenen Areale, das Scannen von Hinweisen und das Aufstöbern der teils gut versteckten Boxen. Wenn ihr generell neugierig seid und gerne auch mal abseits der offensichtlichen Pfade stöbert, solltet ihr das Meiste schon während des Story-Durchlaufs finden. Für den Rest ist anschließend noch genügend Zeit, da ihr alle Sammel-relevanten Planeten jederzeit mit der Mantis ansteuern könnt. Kniffelig könnte es höchstens durch die nicht immer übersichtliche Holo-Map werden, die ihr per Drücken des Touchpads (fast) jederzeit öffnen könnt. Da die Ziele sich meist über mehrere Etagen verteilen, ist es oft eine nervige Dreherei und Zoomerei, bis ihr endlich den Durchblick und die richtige Navigation herausgefummelt habt. Mit der Zeit hat man sich die Wege aber verinnerlicht und greift seltener auf die Map zurück. Leider wurde auf Schnellreise-Punkte gänzlich verzichtet, weshalb ihr immer wieder eigenhändig den Rückweg antreten müsst… quer durch alle durchquerten Areale. Lediglich zu öffnende Abkürzungen können etwas Fußweg ersparen.

Weitere Trophäen lassen sich in den zahlreichen Fights erspielen. Beispielsweise durch das Reflektieren von Blaster-Bolzen, dem erfolgreichen Parieren von Gegnern oder durch Sprengstoff-Kills. Auch eure Fähigkeiten mit der Macht werden gefordert, was aber sehr leicht von der Hand geht. Speziell, wenn ihr komplett aufgelevelt seid und den Fähigkeiten-Baum voll aufgerüstet habt.

Der Schwierigkeitsgrad ist nicht relevant für das Erspielen von Erfolgen. Insgesamt gibt es vier Härtegrade zur Auswahl, zwischen denen ihr jederzeit frei wählen könnt. Auch während des Spiels. Den niedrigsten Schwierigkeitsgrad, den Story-Modus, würde ich aus persönlicher Sicht nur für das Freie Spiel nach Abschluss der Geschichte empfehlen. Dem Story-Modus folgt der Jedi-Ritter, der aber selbst für Gelegenheitsspieler einfach zu meistern sein sollte. Ich spielte „Fallen Order“ auf Jedi-Meister, wo die Kämpfe angenehm fordernd - aber nicht unmöglich - waren. Der höchste Schwierigkeitsgrad, Jedi-Großmeister, sei nur denen empfohlen, die bereits Erfahrung mit Spielen wie „Dark Souls“ oder „Sekiro: Shadows Die Twice“ haben, denn dieser ist nicht Ohne. Hier werdet ihr extrem oft zu Bantha-Futter verarbeitet, was in Kombination mit den langen Ladezeiten nach verloren Kämpfen sehr schnell zur Geduldsprobe werden kann.

Fazit:

Ist „STAR WARS Jedi: Fallen Order“ nun das STAR WARS-Game, auf das Fans sehnsüchtig gewartet haben? Nicht 100%ig… aber schon sehr nah dran und definitiv auf dem richtigen Weg. Allein das Surren des Lichtschwerts und der orchestrale Sound sorgen dafür, dass man sich als Spieler dem Jedi-Status nie näher fühlte. Nach dem ersten „The Force Unleashed“-Teil, der in der letzten Konsolen-Generation erschien, endlich mal wieder vollwertiger Singleplayer-Bombast, der gänzlich ohne Loot-Boxen und In-Game-Käufe auskommt. Lediglich etwas Feintuning und -schliff hätte dem Endprodukt gutgetan… was aus Marketing-Gründen (dem Kinostart von „Der Aufstieg Skywalkers“) aber wohl nicht zu bewerkstelligen war.

Wertung: 8

Gameplay: 8
Grafik: 7
Spielspaß: 9

Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Respawn Entertainment
System(e): PS4, Xbox One, PC
Freigabe: USK 16

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