Diener der alten Macht von Robin Hobb

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Fool's Errand“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 896 Seiten.ISBN 3-7645-3203-3.Übersetzung ins Deutsche von Eva Bauche-Eppers.

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Das meint Krimi-Couch.de: Ein müder Mann wird in seiner Ruhe gestört – oder, weder die Königin noch der Intrigant lassen Fitz seine wohlverdiente Ruhe82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit dem Krieg gegen die Roten Korsaren. Fitz Chevalry, Bastard und mit der alten Gabe gesegnet oder verflucht – es kommt darauf an, wen man fragt – hat sich vom Königshof zurückgezogen. Zusammen mit den Wolf-Gefährten Nachtauge und dem jungen Harm hat er sich in der Wildnis sein Leben eingerichtet – geruhsam, unaufgeregt wiederholt sich der Tagesablauf – und genau so möchte Fitz es auch haben. Aufregung und Abenteuer hat er mehr als genug erlebt, jetzt will er seine verdiente Ruhe.

Doch sein Wille, das weiß er nur zu genau, interessiert nicht in der Welt der Mächtigen. Als Prinz Pflichttreu kurz vor der geplanten Hochzeit mit Prinzessin Elliana von den Roten Korsaren spurlos verschwindet, macht sich der Narr auf, Fitz in seinem selbstgewählten Exil zu besuchen. Nur ihm traut die Herrscherfamilie der Weitseher zu, den Verschollenen rechtzeitig zu finden und zur Hochzeit zurückzubringen …

Hobb setzt andere Schwerpunkte – und überzeugt durch Figuren, Handlungsorte und stilistisch angenehme Sprache

Nachdem Penhaligon die erste Trilogie um Fitz, den Bastard-Weitseher neu übersetzt vorgelegt hat, geht es nun mit der zweiten Trilogie um Fitz und die Weitseher weiter. Da George R. R. Martin mit seiner gefeierten Game of Thrones Reihe nicht so recht vorankommt, Romane mehr angekündigt, als veröffentlicht wurden, suchte und fand man in den Erzählungen Hobbs Werke, denen man das Potential zutraute, im Buchmarkt punkten zu können.

Dabei fällt auf, dass Robin Hobbs Bücher sich markant von den Romanen GRRMs unterscheiden. Steht in diesen das politische Intrigenspiel und Gewalt im Zentrum, so spinnt Hobb ihre Plots weit unspektakulärer. Sie legt Wert auf nuancenhafte Zeichnung ihrer Figuren, große blutige Kämpfe, martialische Auseinandersetzungen wird man bei ihr nicht finden.

So ist dies auch sowohl von der sprachlichen Gestaltung her, wie auch inhaltlich eine ganz andere Art von Fantasy, als bei Martin, die sie ihren Lesern kredenzt.

Hobb beschreibt uns eine Welt, in der die Magie im wahrsten Sinne des Wortes zu Hause ist, in der sie Bestandteil der Natur ist. Und sie stellt Figuren ins Zentrum ihrer Handlung, die schwer geprüft werden. Gestalten wie Fitz, den königlichen Bastard, der zum Meuchelmörder ausgebildet werden soll, der die alte Gabe besitzt und vom Schicksal schwer geprüft wird. Figuren, die ihren Frieden geschweige denn ihr Glück nicht finden – nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil sie ganz bewusst, eines größeren Ziels wegen, zurückstecken. Das sind Menschen, die uns ans Herz wachsen, mit denen wir Mitleid haben, im wahrsten Sinne des Wortes mit leiden, viel zu selten triumphieren und die uns nicht mehr verlassen.

Ich habe die vorliegende Trilogie das letzte Mal vor gut 20 Jahren gelesen, aber immer noch, nach all der Zeit, viele der Details im Kopf. Das spricht unstrittig für den Plot und dessen Verfasserin.

Die Neuübertragung liest sich sehr gefällig, unauffällig rund und dem Original angemessen – ein größeres Lob kann man einem Übersetzer eigentlich nicht aussprechen.

Fazit:

Wer also Fantasy weitab der blutigen Schlachtfelder sucht, wer gerne in Figuren hineinschlüpft, sich mit diesen identifiziert und eine etwas andere Welt kennen lernen möchte, der ist bei Robin Hobb und ihren Weitseher Trilogien bestens aufgehoben.

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