Grrrimm

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2012
Grrrimm
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Silke Wronkowski
85°

Phantastik-Couch Rezension vonMär 2014

Grrrimmiges Vergnügen

Märchen. Wir alle sind vermutlich damit aufgewachsen. Haben sie vorgelesen bekommen von unseren Eltern und Großeltern und haben sie - vielleicht deshalb - alle noch sehr gut in Erinnerung behalten. Wenn man so will, zählen Märchen im Allgemeinen zu der ersten Begegnung mit Literatur für jeden von uns. Zu den bekanntesten gehören dabei die Märchen der Gebrüder Grimm, die vor über 200 Jahren das erste Mal gesammelt in einem Werk mit dem Titel "Kinder- und Hausmärchen" zusammengetragen von Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlicht wurden. Wir können es nur vermuten und romantisieren, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Herren Grimm den Geschichten, die sie gesammelt und zusammengetragen haben, hier und da noch ihre eigene persönliche Note gaben.

Auch Karen Duve ist als Kind der 60er Jahre sicher mit eben diesen Märchen aufgewachsen. Und vielleicht hat sie sich schon als kleines Mädchen gefragt, wie realistisch es wohl ist, einhundert Jahre zu verschlafen und in einer ganz anderen Welt aufzuwachen oder den Haushalt für sieben kleinwüchsige Männer zu schmeißen.

In Grrrimm betrachtet sie fünf dieser Märchen von einer modernen und aufgeklärten Sicht. Sie versetzt sie in die Gegenwart ohne ihnen den Zauber des Märchenhaften, ja Phantastischen zu nehmen. Ganz nebenbei fahren Polizisten mit Autos vor, gibt es ein Internetcafé in der Straße, und trotzdem verwundert es niemanden, dass Feen Tugenden und Flüche zur Geburt eines Kindes verschenken oder verwunschene Wälder und sprechende Tiere existieren.

Keine ihrer Geschichten beginnt mit dem obligatorischen "Es war einmal" und sie hält sich auch nicht zwingend an den Inhalt der Ursprungsgeschichte. Sie dichtet hier und da etwas hinzu, lässt etwas an anderer Stelle weg oder ergänzt eine moderne Weltsicht auf die Figuren und legt ihnen eine ebenso moderne Sprache in den Mund. Der Reiz der gerade mal 160 Seiten besteht darin, dass man nach den ersten paar Sätzen bereits das Original erinnert und die Autorin ab diesem Punkt mit ihrem eigenen Touch zu überraschen versteht. Und auch wenn im eigentliches Sinne alles nur geklaut ist, fügt Karen Duve trotzdem den so gar nicht angestaubt alt wirkenden Geschichten etwas Neues hinzu, so dass sie als eigenständige Erzählungen als eine liebevolle Hommage an die Originale Kurzweil und Lesespaß liefern.

Vielleicht fragen Sie sich, warum diese Rezension ihnen die Titel der Märchen nicht verrät, auf die Karen Duves Geschichten basieren. Die Antwort ist simpel: Weil wir Ihnen den "Aha"-Effekt nicht nehmen wollen, wenn Sie sich an einem verregneten Sonntagnachmittag mit Grrrimm auf die Couch verziehen. Viel länger werden Sie für das dünne Werk zwar nicht aufwenden müssen, aber es wird sicher keine vertane Zeit sein.

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