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Carsten Kuhr
Ein Frühwerk vom High Fantasy-King

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2014

Mittlerweile ist es mehrere Jahrzehnte her, dass ich den Namen David Eddings zum ersten Mal auf einem Buchdeckel las. Damals lernte ich die Belgariad Saga kennen (Erstveröffentlichung im Knaur Verlag, Neuauflagen bei Bastei-Lübbe und Bechtermünz), der sich die Malloreon Saga (dt. Bastei-Lübbe) anschloss. Später legte er weitere Romane um die Gestalten aus den Zyklen vor (Belgarath und Polgara) sowie die Geschichte des Ritter Sperbers (Elenium- und Tamuli Trilogie, dt. bei Lübbe) und die Götterkinder Trilogie.

Alle diese Werke, die er zum überwiegenden Teil in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau verfasst hat, rechnen zur High-Fantasy. Insbesondere die ersten Tetralogien sind als Questen-Sagen anzusehen, in denen ein junger, entwicklungsfähiger Protagonist auszieht, unterstützt von einer Gruppe fähiger Gefährten und den Göttern eine drohende Gefahr für eine Welt zu bannen.

Zusammen mit seinen Kollegen Raymond Feist und Dave Duncan stieß Eddings damals für die High-Fantasy Türen auf, sorgte mit seinen gefälligen und spannend zu lesenden Zyklen dafür, dass sich viele Neuleser der Fantasy öffneten.

Insoweit machte mich die Ankündigung des Basilisk Verlages, einen der ersten Romane, die Eddings 1973 verfasst hat als deutsche Erstveröffentlichung vorzulegen neugierig, was mich in dem Frühwerk wohl erwarten würde?

Wer allerdings eine Fantasy-Queste erwartet, der sieht sich getäuscht. David Eddings berichtet uns in einem Thriller, den er in der Zeit kurz nach dem Vietnam-Krieg angesiedelt hat, von einem Jagdausflug. Eine Gruppe von Männern beschließt in Bierlaune auf die Jagd nach Hirschen zu gehen. Gleich zu Beginn der Jagdsaison, am 11. September soll es in die US-Amerikanische Wildnis gehen, sollen die Hirsche in den High Cascades als Wild gejagt werden.

Faszinierende Charakterstudien und die große Liebe

Dabei kommt es zwischen den sechs Männern, die gemeinsam auf die Jagd gehen zu Zerwürfnissen, werden Geheimnisse aufgedeckt, und menschliche Tragödien offenbart. Als Erzähler hat der Autor einen aus Deutschland zurückkehrenden GI gewählt, der nun neu anfängt Beziehungen aufzubauen. Es geht um Freundschaft, darum, Menschen einzuschätzen, um verkarstete Strukturen, Charaktere, die festgefahren in ihren Gleisen agieren, um Abgründe und nicht zuletzt um Liebe. So ist dieser Roman – die Jagd selbst dient nur als Aufhänger, um die Charaktere näher zu beleuchten, sie in besonderen Situationen zu zeigen und die Interaktion zu dokumentieren – in erster Linie eine Geschichte über Gefühle. Und genau hiervon lebt der Roman. Statt einer actionreichen Handlung fesselt Eddings seinen Leser mit den Figuren. Insbesondere der Erzähler Dan, Dreh- und Angelpunkt des Plots ist ein ebenso vielschichtiger, wie wandelbarer Mensch. Zu Beginn erscheint er uns als haltloser Rückkehrer, der dann immer mehr in eine ausgleichende Rolle hineingedrängt wird. Sein Luftikus von einem Bruder, dessen zum Teil anrüchige Freunde, ein alter introvertierter Studienfreund und nicht zuletzt eine Friedensaktivistin, in die er sich verliebt scharen sich um ihn, der selbst zunächst nicht recht weiss wohin, wie er sein Leben meistern kann.

Das sind großartig zu lesende Charakterschilderungen und Entwicklungen, das ist ein Buch über die Liebe, die Einsamkeit und das Leben und als solches, weit von seinen Fantasy-Epen entfernt aber in seiner Aussage beeindruckend.

High Hunt

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