Wild Cards

Erschienen: Januar 2014

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Carsten Kuhr
Mögen sie Superhelden?

Rezension von Carsten Kuhr Dez 2014

Es passierte kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Ein fremdes Raumschiff suchte die Erde heim, ein Virus wurde freigesetzt und seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war.

Das Wild-Card-Virus tötet die meisten Menschen, die davon befallen werden. Ein geringer Prozentsatz mutiert zu Jokern, Menschen, deren Äußeres zum Grossteil furchtbar umgestaltet wurde, ein paar Wenige ziehen das große Los. Sie werden zu Assen, Menschen, die äußerlich sie selbst bleiben, dafür aber mit Superkräften ausgestattet werden. Auch wenn es nur Promille sind, die entsprechende Kräfte bekommen, so sind es doch viel zu viele Menschen, um sie alle, nur ihrer Kräften wegen, in öffentliches Brot und Arbeit zu bringen.

Da kommt das Unterhaltungsbusiness gerade recht. Statt Big Brother oder Dschungelcamp, heisst es nun in einer Reality Show der Superlative – Amerika sucht den American Hero.

Die Castings laufen ein wenig anders, als bei gewöhnlichen Shows, da wird schon einmal ein Football-Stadion eingeebnet, doch die Kandidaten machen sich vor immer laufender Kamera zum Affen – wir kennen das ja. In vier Gruppen – Pik, Kreuz, Karo und Herz – aufgeteilt, treten sie gegeneinander an, müssen Prüfungen bestehen und Rätsel lösen. Nur dem Sieger bleibt es erspart einen aus der Mitte der Gruppe auszuwählen, der dieselbige verlassen muss.

Dass zur selben Zeit, während sie sich im TV prostituieren, in Arabien ein despotischer Anführer mit Hilfe dortiger Asse aufmacht, ein Unrechtsreich zu errichten stört sie zunächst wenig. Dann aber besinnen sie sich darauf, dass sie, statt sich zum Amüsement der TV-Zuschauer zum Affen zu machen, mit ihren Kräften auch Sinnvolleres anfangen können ....

Superhelden recharged – beissende Realitätssatire und packende Abenteuer reichen sich die Hand

Schon einmal, zwischen 1996 und 1999 erschienen die ersten sechs US-Bände der Anthologien-Reihe um die Wild Cards auf Deutsch. Noch lange bevor George R. R. Martin mit seiner viel gepriesenen Games of Thrones Serie die Bestsellerlisten stürmte, veröffentlichte Heyne die Bände aufgeteilt auf 10 deutsche Taschenbücher. Neben Martin selbst schrieben damals Autorenkollegen aus New-Mexico, wie der zu unrecht fast vergessene Roger Zelazny (seine Amber Chroniken sind unvergessen) oder Howald Waldrop mit. Nachdem sich der Erfolg damals doch eher in bescheidenen Grenzen hielt, stellte Heyne die Edition ein.

Nun, nachdem sich alles, auf dem der Name George R. R. Martin thront verkauft wie geschnitten Brot, startet der Penhaligon Verlag in der GoT-freien Zeit einen neuen Versuch, die typisch US-amerikanische Superheldenmelange an den deutschsprachigen Leser zu bringen. Zunächst wurden drei Bände angekauft.

Gerade in den letzten Jahren konnten entsprechende Verfilmungen von Superhelden-Comics auch auf der großen Leinwand die Massen ins Kino locken, so dass der Versuch dieses Mal deutlich erfolgsversprechender zu starten scheint.

Zwischenzeitlich hat Martin eine neue, junge Generation von Autoren um sich geschart. Wie Ian Tregillis, der dieses Jahr einer der Ehrengäste auf dem Elstercon in Leipzig war berichtet, treffen sich die befreundeten Autoren einmal Monatlich um gegenseitig ihre neuen Texte zu besprechen und zu kritisieren. Dabei bekommt auch der Grossmeister Martin regelmässig sein Fett ab, so dass es auf den Meetings wohl recht turbulent zugeht.

Das Superhelden-Universum der Wild Cards bietet den Verfassern, so unterschiedlich sich ihre Beiträge auch anbieten, ein idealen Nährboden um ihre Geschichten ablaufen zu lassen. Gerade die Vielzahl der beitragenden Autoren und deren unterschiedliche Herangehensweise an die Handlung bedeuten für den Leser viel Abwechslung, immer wieder andere Sichtweisen und Details, so dass Langeweile ein Fremdwort ist.

Dazu trägt auch bei, dass es die Verfasser verstehen, immer wieder Kritik an modernen Auswüchsen unserer Gesellschaft in die Handlung zu integrieren. Die Darstellung der Realität hinter den so angesagten Reality-Shows ist ebenso entlarvend wie erschreckend, hier ordnet sich Alles der Quote unter, wird menschenverachtend und zynisch mit Existenzen umgegangen.

So ist dies ein von einem Autorenteam verfasster Roman,der packend zu unterhalten weiß, der die etwas antiquierten Superhelden in ein neues Jahrtausend führt und den Leser spannend aber auch augenzwinkernd satirisch unterhält.

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