Phoenix - Erbe des Feuers

Erschienen: Januar 2014

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Carsten Kuhr
In Paris tobt der Krieg zwischen Seelenlosen und Kontinentalarmee – mittendrin Phönixe, Dschinn, Banshee und Eisriesen

Rezension von Carsten Kuhr Feb 2015

Man schrieb den 25. Mai 1913. Ein Experiment mit einer meta-physischen Maschine misslang – und ein Drittel aller Einwohner Europas starben. Der Rest wurde verstrahlt, und nur dem Eingreifen der Saiwalo, überirdischer Wesen, die erst durch die Strahlung in Verbindung mit unserer Realität treten konnten, retteten die Überlebenden.
Kriege gegen Amerika schlossen sich an, bevor unter der sanften aber strengen Hand der Saiwalo Ruhe und Frieden in Europa einkehrte. Überall auf dem Kontinent sprach man deutsch, die Mitglieder der Kontinentalarmee sorgten dafür, dass Verbrechen kaum mehr vorkamen und wenn dann schnell und effizient geahndet wurden. Den Preis für das Überleben zahlten alle. Die normalen Menschen mit dem Verlust ihrer Freiheit und ihrer Träume, die so genannten Seelenlosen, Menschen, die nach ihrem natürlichen Tot wieder erwachen und mit besonderen Kräften ausgestattet sind, mit ihren Kräften, die die Saiwalo ihnen brutal und mitleidlos entreissen.

Tavi, oder eigentlich Claudia lebt seit mehreren tausend Jahren als Phoenix. Mit ihren Schwingen erhebt sie sich in die Luft, kann fliegen und hat ihr Leben der Rettung Unschuldiger aus dem Feuer gewidmet. Im ersten Band der Trilogie erlebten wir mit, wie Leon, seines Zeichens Kommissar der Kontinentalarmee Jagd nicht nur auf einen Killer sondern auch auf Tavi machte, in dessen Verlauf die meisten der Seelenlosen Hamburg gefangen gesetzt wurden, Tavi aber auch entdeckte, dass sie die Fähigkeit in sich trägt, die Saiwalo zu vernichten. Die beiden so Ungleichen verliebten sich ineinander, nach seinem Tod kommt Leon als Cupido zurück. Die nächsten Monate verbergen sich die Beiden in einer Höhle bevor sie sich nach Paris aufmachen, dem Ort, an dem die beiden Kinder Tavis begraben liegen. Hier soll es eine große Gemeinde Seelenloser geben, die in der Stadt an der Seine den Aufstand wagen. Sie verbergen sich in dem ausgedehnten Tunnelsystem unter der Stadt, doch selbst dort sind sie nicht sicher. Als ein Anführer ermordet wird ist klar, dass sich ein Verräter in den Tunneln versteckt ...

Gelungener Mix aus Urban Fantasy und Endzeitstimmung made in Germany

Ann-Kathrin Karschnick legt fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des ersten Bandes die Fortsetzung vor. Nachdem der Auftaktroman der Trilogie zurecht mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde, machte ich mich mit großen Erwartungen an die Lektüre – und wurde nicht enttäuscht. Zunächst ein Lob für die äußere Gestaltung auch dieses Bandes. Timo Kümmels phantastische Cover zieren zwischenzeitlich fast alle Bücher die in so genannten Kleinverlagen erscheinen – und er wird immer besser! Passend zum Inhalt und auch atmosphärisch sehr stimmig umgesetzt präsentiert er uns unser Paar wie sie auf das teilweise zerstörte Paris schauen. Den Buchschnitt ziert wiederum, wie bereits im ersten Band, ein wichtiger Gegenstand der Handlung – vorliegend ein Pfeil. Klappbroschur und sorgfältiges Lektorat sind ebenfalls zu erwähnen, so dass der Titel haptisch sehr wertig und angenehm in der Hand liegt.

Inhaltlich hat die Autorin so Einiges für uns Leser in petto. Es gibt ein Wiedersehen mit der Hexe Katharina, dazu gesellen sich ein buntes Panoptikum von Seelenlosen. Dschinn, Banshee und Eisriesen geben sich ein munteres Stelldichein, dazu kommt mit dem Phoenix Eleazar ein mysteriöser Einzelgänger, der für Verwicklungen und Mysterien sorgt. Endlich erfahren wir auch mehr über das Experiment anno 1913 mit dem alles begann.

Der Plot selbst bietet eine gelungen Mischung aus faszinierenden Charakteren, packender Handlung und vielen Geheimnissen, so dass sich die Lektüre angenehm flüssig gestaltet. Stilistisch solide, inhaltlich interessant bietet der Roman einmal mehr eine gelungene Mischung aus Endzeit und Urban Fantasy mit einem Schuss Romantik aus Deutschen Landen – Made in Germany beweist sich einmal mehr als Qualitätssiegel.

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