Kalypto - Die Herren der Wälder

Erschienen: Januar 2015

Couch-Wertung:

91°
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Petra Meyeroltmanns
Glaubhaft konstruiert, vielschichtig und authentisch - das Warten auf Band 2 wird schwer

Rezension von Petra Meyeroltmanns Apr 2015

Die Zeit scheint gekommen, die Menschen bereit – und so werden vier Meistermagier aus langem Schlaf geweckt und in die vier Himmelsrichtungen gesandt, um das stärkste, tapferste und klügste Menschenvolk zu finden, das die Magier benötigen, um das Zweite Reich von Kalypto zu erschaffen.

Catolis, die Anführerin der Vier geht nach Süden und landet bei den Tarkanern, einem barbarischen Seevolk, das sie in vielen Jahrzehnten darauf vorbereitet, die anderen Völker besiegen zu können. Auch die anderen Magier finden ihre Völker: Im Norden das Volk der Eiswilden, ein störrisches Volk, das nicht einfach zu bändigen, geschweige denn zu beeinflussen, ist. Im Westen Garona, ein matriarchalisch geprägtes und von einer Königin regiertes Bergreich und im Osten das Reich eines, mit der Natur im Einklang lebenden, Waldvolkes.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, neben Catolis und den Tarkanern lernt man so auch Angehörige des Waldvolkes und Bewohner Garonas kennen. Catolis Perspektive ist dabei fast die interessanteste, denn hier erfährt man am ehesten etwas über die geheimnisvollen Magier, die jedoch in diesem ersten Trilogieband noch sehr im Dunklen bleiben, ihr Herkommen, Informationen über das erste Reich von Kalypto oder gar, was sie mit dem Siegervolk vorhaben, werden nicht enthüllt, stattdessen gibt es ein paar grundlegende Informationen und eine Reihe von Andeutungen, genug, um den Leser neugierig zu machen und ihn zum Spekulieren anzuregen. Spekuliert werden kann dabei vor allem darüber, wer die beiden Magier sind, die nach Westen und Osten zogen, denn diese bleiben vorerst verborgen und nur einer wird bis zum Ende dieses Bandes enthüllt.

Beim Waldvolk begleitet man Lasnic – und zwar von dessen Geburt an, man erlebt, wie er heranwächst, sich bewährt und lernt seine besonderen Gaben kennen (er hat z. B. eine besondere Beziehung zu Tieren) – und über ihn auch sein Volk. Als sein Volk ihn schließlich für eine große Aufgabe auswählt, erträgt er diese Bürde nicht und flieht. Dass ihm offenbar eine viel größere Aufgabe bestimmt ist, ahnt man als Leser schnell.

In Garona ist es Ayrin, die junge Königin, die die Erzählung prägt. Auch ihr begegnet man bereits als Kind, man erfährt, wie sie nach und nach in ihre Herrscherrolle hineinwächst – und lernt auch die Garonesen gut kennen. Neben den Tarkanern, die als erstes ihr Volk angreifen, bekommt sie es auch noch mit einem Feind aus den inneren Reihen zu tun.

Jedes einzelne Volk ist besonders und die Charaktere, bis in die der Nebenrollen, sind interessant gestaltet und größtenteils vielschichtig angelegt. Es gibt (fast) keine Schwarz-Weiß-Zeichnung, besonders die Protagonisten bzw. Antagonisten sind sehr facettenreich dargestellt. So verfällt Lasnic hin und wieder in Raserei, Aylin hat ein ungutes Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester und bei Catolis lassen sich positive Seiten erkennen, wenn sie z. B. nicht erträgt, dass jemand unnötig gefoltert wird. Und wenn jetzt jemand vermisst, dass über das Volk der Eiswilden gesprochen wird: Man lernt in diesem Band nur einen von ihnen kennen, er lebt als Gefangener in Garona und zeigt, dass man niemanden unterschätzen sollte. Sein Land und sein Volk erhalten hoffentlich einen Platz in einem der weiteren Bände der Trilogie.

Tom Jacuba, den man auch als Tom Ziebulla und Jo Zybell kennt, erzählt sehr bildgewaltig und detailliert, man hat das Gefühl, dabei zu sein, das Kopfkino springt sofort an, bis zum Schluss hatte ich Bilder im Kopf und nie ein Problem, mir etwas vorzustellen. Bei aller Ausführlichkeit hat der Roman keine Längen, ist auf keiner Seite langweilig. Wer allerdings viel Action erwartet, wird etwas enttäuscht sein, Action gibt es auch, aber gut dosiert – und in immer richtigen Momenten.

Der Roman kommt mit einer mehrfarbigen Karte auf den inneren Buchdeckeln daher, die im späteren Verlauf des Romans von Nutzen ist. Aufgeteilt ist die Geschichte in drei Teile mit jeweils passenden Titeln, die neugierig machen und deren Bedeutung sich erst im Laufe des jeweiligen Teiles erschließt.
Beides trägt zum positiven Bucherlebnis bei. Dafür macht, gerade am Anfang, die zeitliche Einordnung etwas Probleme, genauere Zeitangaben, z. B. als Zwischenüberschriften, wären eine Hilfe gewesen. Im späteren Verlauf verliert sich diese Problematik allerdings wieder.

Tom Jacuba hat eine komplexe Fantasy-Geschichte erschaffen mit einer glaubhaft konstruierten Welt, vielschichtigen, authentischen Charakteren und einer interessanten und spannenden Handlung. Der erste Band der geplanten Trilogie macht Lust auf mehr, das Warten auf den zweiten Band (angekündigt für Januar 2016) wird schwer.

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