Die Königin der Schatten

Erschienen: Januar 2015

Couch-Wertung:

90°
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Petra Meyeroltmanns
Umwerfendes Debüt!

Rezension von Petra Meyeroltmanns Sep 2015

Kelsea, die Kronprinzessin Tearlings, wurde schon als Baby aus dem Palast der Königin, ihrer Mutter, gebracht und wuchs im Geheimen bei Pflegeeltern auf. Nach dem Tod der Königin wurde das Land von deren Bruder regiert. Nun, mit 19 Jahren, soll Kelsea den ihr bestimmten Thron besteigen. Das bringt sie in Lebensgefahr, denn viele wollen sie daran hindern und so ist schon der Weg zur Hauptstadt gefährlich. Auch sonst wartet eine Menge Probleme auf Kelsea: Tearling ist heruntergewirtschaftet, die Menschen sind arm, der Adel reich, es herrscht Korruption und Unterdrückung. Und die Bedrohung kommt nicht nur von innerhalb des Landes, sondern auch aus dem Nachbarreich Mortmesne.

Die Geschichte ist von Anfang an packend, Erika Johansen erzählt schön ausführlich, Kelsea wird dem Leser schnell nahe gebracht und von Anfang an gibt es eine ganze Reihe Informationen, die Fragen aufwerfen und zum Rätseln einladen. Dadurch entsteht ein regelrechter Sog, der einen in die Geschichte hineinzieht und erst ganz am Ende wieder loslässt – allerdings nur, weil das Buch zu Ende ist.

Kelsea ist ein interessanter Charakter, sie ist keine strahlende Heldin, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen, vielen Zweifeln, aber auch Prinzipien. Sie hat das Herz am rechten Fleck und versucht, das Richtige zu tun, hin und wieder spielt ihr dabei ihr Temperament einen Streich. Man kann sich nicht immer mit ihr identifizieren, aber schon dadurch, dass Kelsea, wie wohl die meisten Leser, Bücher über alles liebt, ist auf jeden Fall ausreichend Identifikationsmöglichkeit da. Bücher spielen im Übrigen im Roman durchaus eine Rolle. Eine der schönsten Szenen im Buch ist, als sich ganz verschiedene Menschen in einer Bibliothek einfinden, um dort eine angenehme Zeit zu verleben.

Auch die weiteren Charaktere sind der Autorin gut gelungen. Nicht bei allen ist von Anfang an klar, ob sie zu Kelseas Widersachern oder zu ihren Unterstützern gehören, und manch einer macht eine Entwicklung durch, die man nicht vorausahnen kann. Die Autorin verzichtet weitgehend auf Schwarz-Weiß-Zeichnungen, auch wenn sich eine solche nicht immer vermeiden lässt.

Erzählt wird größtenteils aus Kelseas Perspektive, einige Passagen auch aus Sicht anderer Charaktere, so dass der Leser nicht nur mit diesen Charakteren näher vertraut gemacht wird, deren Emotionen und Gedanken direkter erleben kann, sondern er nimmt selbst an diesen Geschehnissen teil, die dadurch authentischer wirken. Erica Johansen erzählt sehr einfühlsam und berührt Emotionen. Gut gefällt mir auch, dass es die Autorin trotz des ernsten Themas immer wieder schafft, Humor einfließen zu lassen.

Die Welt des Romans erschließt sich nach und nach. Es ist keine rein fiktive, denn die Menschen kamen durch eine „große Überfahrt" hierher und zwar aus der uns bekannten Welt, es handelt sich also um eine zukünftige Welt. Da einige Schiffe (offensichtlich tatsächlich Schiffe und nicht Raumschiffe) untergingen, konnten nicht alle Errungenschaften überführt werden, so dass keine hochtechnisierten, sondern eher mittelalterlich anmutende Gesellschaften entstanden sind. Zudem hatten die einzelnen Nationen unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen, z. B. je nach Landeplatz mehr oder weniger Bodenschätze. Am Ende des Romans sind einige Fragen zur Überfahrt offen geblieben, ich hoffe, dass man in den Nachfolgebänden mehr erfahren wird.

Die Fantasyelemente beschränken sich darauf, dass es Magie gibt, diese ist bisher relativ dezent eingebunden, betrifft vor allem die Herrscherin Mortmesnes und Kelsea selbst. Wie die Magie in die Welt gekommen ist, wird man vielleicht in späteren Bänden noch erfahren.

Der Roman ist unterteilt in drei "Bücher", diese wiederum sind in Kapitel gegliedert, die mit fiktiven Zitaten aus der Welt des Romans eingeleitet werden, die zum Teil Interessantes über die Welt und die Charaktere aussagen, zum Teil Meinungen wiedergeben. Das macht die Welt konkreter und die Geschichte authentischer. Auch eine Karte ist enthalten, die ich sehr nützlich finde.

Neben der spannenden Geschichte hat der Roman auch eine Botschaft zu bieten, ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit. Ich denke, dass Erica Johansen den Roman durchaus auch als Gesellschaftskritik meint, denn, auch wenn hier eine fremde Welt zu Grunde liegt, ist sie in Vielem doch unserer ähnlich: Macht durch Besitz, Abhängigkeiten der Arbeitenden von den Besitzenden, Abhängigkeiten von Ressourcen anderer Länder ... So ist der Roman nicht nur spannende Lektüre sondern macht auch immer wieder nachdenklich. Inspiriert zum Roman wurde die Autorin übrigens durch eine Rede Obamas über die Freiheit.

Der Roman ist das Debüt der Autorin und außerdem der erste Teil einer geplanten Trilogie (der zweite Band ist im Original am 16.07.2015 erschienen). Man kann sich jetzt schon auf weitere Romane Erika Johansens freuen. Ihr Debüt ist umwerfend.

Die Königin der Schatten

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