Das Schwert der Dämmerung

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2016
Das Schwert der Dämmerung
Das Schwert der Dämmerung
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Carsten Kuhr
78°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Mär 2016

Willkommen in der märchenhaften Welt von 1001 Fantasy-Nacht

Willkommen in Dhamsawaat, der Perle des Orients. Gott der Allerbarmer hat die Perle von Abassen als Sitz des Kalifen auserwählt, von hier herrscht der Gottgesalbte über das Königreich des Halbmonds. Gestatten, dass ich mich vorstelle. Adoulla, euer unterwürfigster Diener. Einst, in meiner lang vergessenen Jugend war ich einer von Vielen, nunmehr bin ich der letzte der Ghuljäger und müde. Am liebsten würde ich meine Zeit im Teehaus verbringen, mit alten Freunden Beleidigungen austauschen, Geschichten erzählen und lang vergangene Zeiten wieder auferstehen lassen. Doch so einfach lässt mich meine Stadt, mein Schicksal und der Barmherzige Gott den Lebensabend nicht verbringen. Ein lang besiegtes Unheil reckt sein Haupt, ein Jünger des treulosen Engels beschwört Sand- und Wasser-, Knochen- und Rieseghule herauf, wie man es seit Menschengedenken nicht mehr erlebt hat. Nur begleitet von seinem Gehilfen, dem Derwisch Rasîd mache ich mich an die unmöglich zu bewältigende Aufgabe, mich dem Bösen in den Weg zu stellen - und sei es, dass es mich mein Leben kostet. Für meine Stadt, für meine Freunde muss ich den Kampf aufnehmen. Allerdings regt sich weiteres Unheil in das Gassen Dhamsawaats. Der Falkenprinz rebelliert gegen den Kalifen, der Pfauenthron verspricht demjenigen, der seine dunkle Magie weckt unermessliche Macht und Das Böse ist längst in der Perle Abassens angekommen. Gemeinsam mit meinen wenigen Freunden stelle ich mich in einem letzten, verzweifelten Kampf gegen uralte, dunkle Mächte, wohl wissend, dass ich eigentlich nicht gewinnen kann. Doch der Allmächtige sei mit uns und dann gibt es da noch eine Wilde, die sich in eine Löwin verwandeln kann ...

Herrlich abgedrehte Reminiszenz auf die Pracht der Orients mit Dämonen und Ghulen

Saladin Ahmeds Romandebut, für das er mit dem Locus-Award ausgezeichnet wurde, entführt den Leser in eine Welt aus tausend und einer Nacht. Dabei trifft der Autor mit seinem blumigen Stil, in dem er seinen Protagonisten reden lässt, aber auch mit der immer wieder deutlich hervorstechenden Ironie das Flair des Orients wunderbar. Gerade weil er einmal einen alten Helden ins Zentrum des Geschehens stellt, der von seinen Zipperlein geplagt ist, der müde daherkommt und eigentlich nur seine Ruhe und ein wenig Glück und Zufriedenheit sucht, folgt man diesem um so lieber ins Abenteuer. Versiert spielt Ahmed dabei mit der Erwartungshaltung des Lesers. Vor unseren Augen nimmt die farbenfrohe Welt des Orients Gestalt an, reihen sich prächtige Sultanspaläste zu Bazaren, Teestuben und kleinen Geschäften für Zauberutensilien. Mit dieser Kulisse sind wir sein Aladdin vertraut, wobei der Autor uns nicht nur die prächtigen Seiten seiner Stadt präsentiert, sondern auch deren verborgene Viertel, in denen Ungerechtigkeit, Verbrecher und die Not gastieren.

Neben dieser uns aus anderen Erzählungen bekannten Welt des Orients erwartet aber auch noch eine eigene Schöpfung auf uns.

Die Auseinandersetzung des letzten Ghuljägers mit den Dämonen und Untoten, die dunkle Macht, die sich manifestiert, die Zauberkräfte, die ihren Preis von den Unterstützern unseres Protagonisten fordern verbinden sich mit Geheimnissen und faszinierenden Figuren zu einem großen, modernen Märchen. Selbiges unterhält tempo- und abwechslungsreich, zieht uns in den Schmöker und den Zauber einer uns fremden Welt. Es macht einfach Spass, den Figuren in ihre Auseinandersetzung zu folgen, zu beobachten, wie sie mit den Bedrohungen umgehen, wie sich der Plot entwickelt und das letztlich überraschende Finale anbahnt.

Das einzige, was mich an dem Buch, das Simon Weinert vorzüglich ins Deutsche übertragen hat stört, ist das Titelbild. Zwar finden wir als Grundlage ein Ornament - der Islam verbietet bekanntermassen die figürliche Darstellung - vor der dann allerdings ein Krieger mit einem Speer auf uns zuläuft. Eine solche Szene gibt es im Roman nicht und macht auch nicht unbedingt auf den Inhalt neugierig.

Das Schwert der Dämmerung

Saladin Ahmed, Heyne

Das Schwert der Dämmerung

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