Der Wächter des schlafenden Berges

Erschienen: Januar 2016

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Petra Meyeroltmanns
Gelungener Abschluss einer großartige Trilogie

Buch-Rezension von Petra Meyeroltmanns Nov 2016

Nach den Ereignissen des Vorgängers sind nun sämtliche Protagonisten auf den Weg nach Kalypto. Damit der Leser die Wege der einzelnen Protagonisten bzw. Protagonistengruppen begleiten kann, erzählt der Autor abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven:

Lasnic, der Waldmann, und seine Geliebte Ayrin, die Königin von Garona, sind mit einer Gruppe aus verschiedenen Nationen unterwegs, Garonesen, Waldmänner, der "Eiswilde" Pirol Gumpen und dessen Geliebte, die "Waldfurie" machen sich auf, den Magiern von Kalypto den Krieg zu erklären. Sie wollen nicht länger Spielball der Kalypter sein, sondern deren Einfluss direkt an der Wurzel bekämpfen. Die Reise wird gefahrvoll und verlustreich, sie beantwortet aber auch eine Reihe noch offener Fragen und führt zu neuen Bekanntschaften und zum Wiedersehen mit alten Freunden und Feinden. Dieser Part wird größtenteils aus Lasnics Sicht erzählt, doch auch Ayrin kommt hin und wieder zu Wort.

Catolis, die Großmeisterin aus Kalypto, die während ihrer Gefangenschaft im letzten Band geläutert wurde und nun für ein friedvolles Miteinander zwischen den Kalyptern und den alteingesessenen Völkern plädiert, möchte zunächst Violis, die verschollenen Magierin, die den "Eiswilden", die sich selbst lieber als Nordmänner und -frauen betiteln lassen, zugewiesen wurde, finden. Sie hofft, Violis auf ihre Seite bringen zu können und mit ihr zusammen die anderen Kalypter von ihrem friedlichen Weg zu überzeugen. Die Kontakte mit dem Wächter des Schlafes, dem Kalypter, der die schlafenden Magier behütet, laufen nicht so gut wie erhofft, denn dieser hält Catolis für eine Verräterin, wenn nicht sogar für wahnsinnig. Doch Catolis gibt nicht auf, zwar schließt sie sich einem Heerzug der Nordmenschen an, die ebenfalls nach Kalypto unterwegs sind, doch sie hofft weiterhin auf eine friedliche Lösung.

Lauka, selbsternannte Königin von Garona, Halbschwester Ayrins und Tochter des kalyptischen Magiers Mauritz, nennt sich nun Magierkönigin. Ihre magischen Kräfte werden immer stärker, ihr Rachebedürfnis immer größer, Ayrin steht ganz oben auf ihrer Liste. Nach Kalypto zieht es sie vor allem, um noch mehr Macht zu gewinnen und um auch die Kalypter unter ihre Knute zu bringen.

Eine vierte Perspektive kommt in diesem Band neu dazu, es ist die Gabrylons, des Wächters des Schlafes, ein mächtiger kalyptischer Magier, der jedoch hinnehmen muss, dass die Errichtung des Zweiten kalyptischen Reiches drängt, denn immer mehr der schlafenden Magier sterben, es wird Zeit, die überlebenden zu wecken. Doch noch ist kein Dienstvolk gefunden, kein neues Reich im Aufbau, im Gegenteil, Lauka, die die Kalypter "Bastard" nennen, ist auf dem Weg nach Kalypto und stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar, Catolis scheint wahnsinnig geworden zu sein, Violis ist verschollen und alle anderen ausgesandten Magier wurden getötet. Eine weitere Magierin wird ausgesandt, um das Schlimmste zu verhüten.

Endlich lernt man sie nun kennen, die "Eiswilden". Pirol Gumpen war bisher der einzige dieses Volkes, der eine Rolle spielte, jetzt stellt sich heraus, dass er auch unter seinem Volk eine ganz besonderen Part einnimmt. So gut wie die Garonesen, die Tarkaner oder das Waldvolk allerdings lernt man die Nordmenschen nicht kennen, der Schwerpunkt des Romans liegt woanders und Gumpens Volk nimmt nur einen eher geringen Teil davon ein.

Showdown in Kalypto

Das Ziel ist genau definiert, das schon, den Weg dorthin aber hat Tom Jacuba sehr spannend gestaltet, es erscheinen neue Charaktere und neue Völker, u. a. ein Zwergenvolk, sowie neue Tiere und Monster, es gibt Verluste, auch von einigen liebgewonnenen Charakteren heißt es Abschied nehmen, und einige wirklich überraschende Wendungen und Ereignisse, so erlebt Lauka z. B. einen heftigen Schicksalsschlag.

Das Ende dann ist gelungen und fühlt sich rund an, alle Erzählstränge sind verknüpft, alle Fragen beantwortet. Auch hier gibt es kurz vor Ende noch ein überraschendes Ereignis, das wahrscheinlich nicht jedem gefällt und auch ich war zunächst etwas enttäuscht, kann jedoch damit leben, finde es im Grunde sogar gut, dass der Autor von erwartbaren Pfaden abgewichen ist.

Tom Jacuba ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, er erzählt bildhaft, spannend, authentisch und emotionsreich. Besonders gelungen finde ich die Abschnitte aus Lasnics Perspektive, hier wird die Sprache der Erzählung perfekt angepasst, man hat wirklich den Eindruck, an Lasnics Seite zu sein. Mir gefällt die gelungen gestaltete Welt und die Vielschichtigkeit der Charaktere, es gibt nahezu keine Schwarz-Weiß-Zeichnung. Die Geschichte ist komplex und oft nicht vorhersehbar, der Autor hält den hohen Standard während der ganzen Trilogie.

Die Trilogie wurde sehr gelungen zu Ende gebracht und kann High Fantasy-Fans uneingeschränkt ans Herz gelegt werden. Es bleibt zu hoffen, dass man sich bald auf neue Romane des Autors freuen darf.

Der Wächter des schlafenden Berges

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