Harry Potter und das verschwundene Kind

Erschienen: Januar 2016

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Carsten Kuhr
Harry Potters Sohn emanzipiert sich und hat eine geniale, dumme Idee

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Nov 2016

Neunzehn Jahre sind vergangen, seitdem Harry und seine Freunde sich dem, dessen Name nicht genannt werden darf, tapfer und aufopfernd entgegen gestellt haben.
Inzwischen arbeitet Harry für das Zaubereiministerium, ist glücklich verheiratet und schickt mittlerweile mit Albus bereits sein drittes Kind nach Hogwarts.

Dabei ist das familiäre Idyll leicht, nein, seien wir einmal ehrlich, stark getrübt.

Albus geht es einfach ganz gehörig auf den Wecker immer auf seinen Status als Sohn des grossen Harry Potter reduziert zu werden. Als der Zauberhut ihn dann noch Slytherin zuordnet, und er sich ausgerechnet statt mit der mehr als talentierten, strebsamen Rose Granger-Weasley mit Scorpius Malfoy anfreundet, hält die ganze Zauberwelt ihn für einen Versager und missratenen Sohn.

Dann kommt er auf eine einfach geniale Idee - meint er zumindest. Er will mit einem höchst illegalen Zeitumkehrer den von neunzehn Jahren getöteten Cedric zurückzuholen. Dumme Idee, ganz, ganz dumme Idee, regt sich damit doch ein seit Jahrzehnten besiegt geglaubtes Dunkel wieder - Harrys Narbe schmerzt, wahrlich kein gutes Zeichen, weder für Muggel noch für Zauberer und schon gar nicht für Albus ...

Das Comeback des Potter-Universums in einer ungewöhnlichen, nicht unbedingt leicht konsumierbaren Form

Haben Sie oder Du in der Schule auch die Schauspiele in den kleinen, gelben Reclam Heftchen lesen dürfen? Nathan, der Weise oder die Werke Goethes und Shakespeares standen da auf dem Lehrplan. Und wie haben wir uns damals doch gelangweilt, angesichts der Aufzüge, Akte, der wörtlichen Reden und langwierigen Dialoge!

Nun, bricht man es herunter, wartet vorliegend nichts wirklich anderes auf den Leser. Nur, dass der Inhalt ein wenig interessanter, ein bisschen mitreißender daher kommt, als bei den arrivierten Klassikern.

Dabei tut der Perspektivenwechsel dem Plot gut. Mit Albus, dem jüngsten Sohn des grossen Harry Potter, haben wir einen Protagonisten, den wir verstehen, dem wir folgen können. Wie so viele Altersgefährten auch rebelliert er gegen sein Elternhaus, gegen die Gängelung, das scheinbar fest-zementierte Schicksal, das ihm bevorzustehen scheint. Mühelos können wir uns in ihn hineinversetzen, können nachvollziehen, wie es ihm geht. Er findet, bei aller Liebe zueinander keinen rechten Zugang zum gestressten Vater, der eigentlich nur alles richtig machen will, fühlt sich trotz Geschwister allein und angesichts des übergroßen Schattens, den sein Vater wirft, minderwertig und als Versager. Dass er die Gelegenheit beim Schopf ergreift, und beweisen will, dass auch er Gutes zu tun in der Lage ist wirkt da nur nachvollziehbar und glaubwürdig. Und auch in der Wahl seiner Freunde - ausgerechnet Malfoys Sohn, aber auch, - nein selber Lesen - beweist er, dass er gegen die elterlichen Versuche, ihn, natürlich nur im besten Absichten, fremd zu bestimmen, rebelliert. Eigentlich erweist sich Albus gerade dadurch, dass er seinen eigenen Kopf durchsetzt als starker, mutiger Charakter. Wie viel einfacher wäre es doch, das geplante Schicksal anzunehmen, sich stromlinienförmig einzufügen, doch nicht mir Albus. Dass es in der Folge zu verschiedenen Versuchen kommt, die Geschehnisse der Vergangenheit umzuwandeln, dass hierbei diverse logische Brüche und Löcher auftauchen ist zu konstatieren.

Mit dem Schauspiel, das gegenwärtig in London aufgeführt wird und tagtäglich ausverkauft ist, kehrt Rowling mit ein wenig Unterstützung durch zwei Co-Autoren in ihre berühmteste Schöpfung zurück, ohne sich selbst zu plagiieren. Zwar ist es kein vielschichtiger Roman wie ihn sich die Anhänger erhofften, doch auch in der Form des Schauspiels werden die Fans der Reihe hier befriedigt das Buch zuklappen.

Harry Potter und das verschwundene Kind

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