Wolfsträume

Erschienen: Januar 2016

Couch-Wertung:

75°
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Petra Meyeroltmanns
Geschichtensammlung, die jedem etwas bieten kann: kurze und lange Geschichten, Phantastisches, Historisches, Kriminalistisches, Tragödie, Grusel und Humor

Rezension von Petra Meyeroltmanns Jan 2017

Elf Erzählungen Bernhard Hennens aus zwanzig Jahren sind in dieser Anthologie vereint, neun wurden bereits früher in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, zwei wurden neu geschrieben. Die Geschichten stammen aus verschiedenen Genres, haben aber nahezu alle einen gewissen mystischen Touch. Im Vorwort erzählt der Autor etwas über die einzelnen Geschichten, aber auch über sich selbst und seinen Werdegang als Autor.

Zwei der Geschichten sind sehr kurz, nur wenige Seiten lang. „Ruth“ ist eine echte Kurzgeschichte und erzählt von Verrat und Schuld, die Pointe erschließt sich erst auf den zweiten Blick. In „Verwunschenes China“ berichtet der Autor, der verwandtschaftliche Beziehungen nach China hat, über eine Begebenheit aus seinem Leben. Beide Geschichten sind lesenswert und zeigen, dass der Autor auch gelungene kurze Texte schreiben kann, vor allem die China-Geschichte konnte mich überzeugen.

Alle anderen Geschichten sind deutlich länger, bis zu 70 Seiten lang.

„Mondträume“ und „Wolfsträume“ spielen in einer Gegend, die sich durch den Braunkohletagebau hin und wieder wandelt, ganze Dörfer verschwinden und werden woanders neu aufgebaut. Die Burg, um die sich die Handlung in „Mondträume“ dreht, gab es tatsächlich, sie ist dem o. g. Tagebau zum Opfer gefallen. Franks ehemaliger Schulfreund Rolf feiert eine Abschiedsparty auf der Burg, die nicht dieser gilt, sondern auch einer besonderen Liebe. Die Geschichte ist durchschnittlich und schnell wieder vergessen.

Frank trifft man offensichtlich in „Wolfsträume“ noch einmal, hier verliebt er sich in ein Mädchen, das unter merkwürdigen Umständen aufgegriffen wird. Gleichzeitig nimmt der Autor die Geschichte Peter Stubbes auf, der im 16. Jahrhundert als Werwolf von Bedburg sein Unwesen trieb. Auch jetzt scheint wieder ein Werwolf unterwegs zu sein, und Frank, der Journalist, setzt sich auf dessen Spur. Dieser Erzählung hätte es gut getan, ein bisschen kompakter geschrieben zu sein, sie hat Längen, die der Spannung nicht guttun.

„Virus“ hat mir sehr gut gefallen, multiresistente Keime haben die Menschen in Negative und Positive aufgeteilt, die Kranken werden abgeschoben, die Gesunden leben in einer geschützten Zone, ihre Sicherheit ist jedoch trügerisch. Wer Dystopien mag, wird an dieser Geschichte Freude haben.

Bernhard Hennen ist nicht nur für seine Fantasy-Reihe um die Elfen bekannt, er hat auch historische Romane geschrieben – und natürlich finden sich auch historische Erzählungen in dieser Anthologie. „Tod im Labyrinth“ entführt den Leser nach Kreta, zur Zeit der minoischen Kultur und erzählt eine Kriminalgeschichte, die eine Priesterin und ein mykenischer Gesandter nur zu zweit lösen können. Eine sehr unterhaltsame Geschichte, die zudem anregt, sich mit dem geschichtlichen Hintergrund zu beschäftigen.

Gleiches gilt für „Der Stab aus Elfenbein“ und „Das goldene Tor“, in denen der Leser den Spielmann Lutger während der Zeit der Kreuzzüge erst nach Venedig und dann nach Jerusalem begleitet. In beiden Geschichten gibt es eine Krimihandlung, in beiden Geschichten gerät Lutger mitten hinein ins Geschehen und muss versuchen, seinen eigenen Kopf zu retten. Beide Geschichten machen Lust auf mehr, leider hat der Autor aber nie den ursprünglich geplanten Kreuzzugroman geschrieben.

Dass Bernhard Hennen einmal Altertumskunde studiert hat, schlägt sich in „Stürmische Zeiten“ und „Die Verschlingerin der Toten“ nieder. In „Stürmische Zeiten“ steht der Archäologiestudent Stefan im Mittelpunkt, der versehentlich eine antike Vase zerbricht und damit etwas in die Welt entlässt, das er nicht so ohne weiteres wieder loswird. Die Geschichte unterhält gut und hat zudem eine nette Pointe.

Ähnliches passiert auch in „Die Verschlingerin der Toten“, in der Archäologen zu Grabräubern werden – eine etwas klischeehafte, jedoch ebenfalls unterhaltsame Geschichte.

In „Tote lügen nicht“, der letzten der Erzählungen und der einzigen reinen Fantasy-Geschichte, soll ein Toter Auskunft darüber geben, wer ihn ermordet hat. Die Geschichte ist spannend und wartet mit einem gelungenen Twist auf.

Nicht alle der hier versammelten Geschichten können überzeugen, das haben Anthologien in der Regel ebenso an sich. Gelungen ist der Genremix, der ganz unterschiedliche Geschmäcker bedient, und so auch unterschiedliche Leser ansprechen kann. Wer Fan des Autors ist und nicht nur seine Elfen-Reihe mag, sollte zugreifen. Allen anderen bietet die Anthologie nicht nur die Möglichkeit, den Autor kennen zu lernen, sondern auch, ganz unterschiedliche Geschichten lesen zu können.

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