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Michael Matzer
Gerichtsdrama und mißlungener Actionthriller

Buch-Rezension von Michael Matzer Jun 2006

"Das Dosadi-Experiment" ist zwar nicht gerade ein Flop, aber weit von der Qualität der meisten Wüstenplanet-Romane entfernt.

Mit dem Roman The Whipping Star (dt. als "Der letzte Caleban" bei Heyne) schrieb Frank Herbert (1920-86) den ersten Band der Caleban-Duologie. "Das Dosadi-Experiment" ist direkte Fortsetzung zu "Der letzte Caleban", mit den gleichen Hauptfiguren, den intelligenten Sonnen (Calebans) und dem menschlichen Agenten Jorj X.McKie.

Beide Bücher sind sowohl Agententhriller als auch Untersuchungen über das Phänomen fremdartiger Intelligenzformen und Herberts Aussagen dazu. Sie mögen interessante Analysen sein, doch als Thriller funktionieren sie nicht, denn die Handlungsstruktur ist etwas zu komplex. Wenn Herbert hier die Null-A-Serie van Vogts nachahmen wollte, so ging der Versuch daneben.

Die Calebans haben der Gemeinschaft menschlicher Welten die Sprungtüren hinterlassen, die kreuz und quer durch die Galaxis führen. Inzwischen sind auch Aliens wie die froschartigen Gowachin und die Pan-Spechi in die Geistesgemeinschaft der besiedelten Welten aufgenommen worden und dürfen die Sprungtüren benutzen.

Unterstützt von einem Caleban führen die Gowachin auf dem Planeten Dosadi seit 20 Generationen unter dem Schutz eines (fast) undurchdringlichen tempokinetischen Energieschirms ein Experiment durch. Auf engstem Raum zusammengepfercht und inmitten einer giftigen Umwelt leben mehr als 300 Millionen Nachkommen verschleppter Menschen und Gowachin unter schlimmsten Bedingungen.

Dieses Exeperiment sollte ursprünglich der Zuchtwahl dienen und so die jeweils rassisch wertvollsten Exemplare hervorbringen. Diese wiederum sollten der Führungsschicht der Gowachin, den "Puppenspielern", Körper von höchster Qualität für den Körpertransfer liefern. So würden die Puppenspieler Unsterblichkeit erlangen. In diesem Universum sind Körper und Geist austauschbar geworden, und keine Identität ist, was sie zu sein scheint.

Ein Gericht mit tödlichem Ausgang

Doch nach so langer Zeit ist Dosadi zu einer sozialen Bombe geworden, vor der selbst ihre Schöpfer Angst haben. Sie wollen das Experiment stoppen und den Planeten vernichten, bevor die Geistesgemeinschaft davon erfährt, die solche Experimente als höchst illegal einstuft.

Jorj X.McKie ist einer der wenigen Menschen, die vielleicht noch etwas unternehmen können. Als Anwalt eines Gowachin namens Aritch – eines Strohmanns der "Puppenspieler" – begibt er sich nach Dosadi und schliesst sich schon bald der Widerstandsbewegung der Menschen an, die unter Führung der früheren Regierungsbeamtin Jedrick gegen die Gowachin-Machthaber rebellieren.

Zwar ist McKie anfangs noch unbedarft wie ein Kind, doch er wird in kurzer Zeit zum Dosadi, brutal und illusionslos. In den Kämpfen gegen die  Dosadi-Gowachin erfährt er als Jedricks Gefährte, was hinter dem Experiment steckt. Und er hat nur noch 60 Stunden Zeit, eine Lösung zu finden und die ganze Bombe zu entschärfen.

Mit Jedrick vereinigt er sich zunächst körperlich, dann auch geistig, der Austausch der Bewusstseine klappt reibungslos. Zusammen teleportieren sie vom Planeten, nachdem sich der Anführer der Dosadi-Gowachin gestellt hat. Während sich Jedrick, eine wertvolle Zeugin, versteckt, steht McKie vor Gericht.

Es ist ein Gericht nach Gowachin-Recht, und der Ausgang ist daher immer tödlich – doch für wen? Mit mehreren Winkelzügen gelingt es ihm, den Fall zu gewinnen. Leider bringen seine Gegner seine Geliebte Jedrick um, doch was bedeutet schon ein Körper? Ihr Geist lebt in McKie weiter. Und alle Dosadi-Bewohner werden auf die ahnungs- und wehrlose Galaxis losgelassen.

Das Schreckgespenst der 70er Jahre

Überbevölkerung war eines der Schreckgespenster der 70er Jahre, nachdem der Club of Rome seine schrecklichen Prognosen abgegeben hatte. Auch John Brunner schrieb 1968 mit "Stand on Zanzibar" eine dystopische Horrorvision von den Folgen dieser Entwicklung. Doch nur Herbert verknüpft das Thema mit seinem alten Standard der rassischen Zuchtwahl, den er schon in "Der Wüstenplanet" benutzt hatte (der Held, Paul Atreides, ist das Produkt der Zuchtwahl eines Frauenordens).

Während es ihm in "Dune" gelungen war, fremde Intelligenz – die Fremen, die Mentaten, Bene Tleilax usw. – interessant darzustellen, führt Herbert hier die Gowachin und anderen Aliens nur oberflächlich vor, anhand weniger Exponenten: Aritch, die Puppenspieler, die Calebans usw.

Die Dosadis werden vor allem durch Jedrick verkörpert, eine toughe Kriegerin, die auch strategische Fähigkeiten besitzt. Leider ist die psychologische Porträtierung zugunsten eines raschen Handlungstempos kurz gehalten. Dem Leser ist daher herzlich egal, wer nun wen umbringt oder auch nicht.

Nach der langen Exposition, die in McKies Einweisung und sein Verhör Aritchs besteht, folgt der Hauptteil auf Dosadi, der abrupt abgebrochen wird. Am interessantesten ist der letzte Teil: die lange Gerichtsszene steht einem "Court Drama", wie es Hollywood im Dutzend produziert, in nichts nach, was Tricks, böse Überraschungen und Spannung anbelangt.

Das Dosadi-Experiment

Das Dosadi-Experiment

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