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Carsten Kuhr
Willkommen auf einer Welt, der ein Gott das Licht genommen hat

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Apr 2017

Eine Welt, die ihre lebensspendende Sonne, ihr Licht verloren hat. Eine Welt, in der Flora und Fauna ohne das Tageslicht langsam aber sicher sterben. Eine Welt, die verdammt ist einen langsamen, grausamen und fürchterlich kalten Tod zu erleiden. Die Menschen sterben wie Fliegen - die es schon nicht mehr gibt. Dies ist die Geschichte von Drei, die bislang überlebt haben in der Welt der ewigen Dunkelheit.

Raymo, Krieger und einer der letzten, der einstmals so stolzen Caldaisch treibt sein unbändiger Überlebenswille. Auf seiner Flucht gen Süden trifft er auf das Sklavenmädchen Lizia. Zusammen erreichen sie die ehemalige Hauptstadt des Königsreichs Twyddyn bevor sich ihre Pfade zunächst trennen.Hier, in der Küstenstadt herrscht Monarchin Rielle, die sich durch gnadenlose Auslöschung aller Anverwandter auf den Thron geputscht hat.

Während Lizia, nachdem man sie als letzte direkte Nachfahrin des gemeuchelten Königs und damit jüngere Schwester der Usurpatorin erkannt und festgesetzt hat als politisches Pfand hin- und her gereicht wird, verschlägt es Raymo als Galeerensklave auf die Ruderbänke. Vom Kommandanten gnadenlos geschunden und gefoltert versucht er allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz zu fliehen.

An der Küste des südlich gelegenen Kontinents Kutera könnte er ein neues Leben beginnen - wenn seine vielen Gegner es denn zulassen ...

Ash wuchs fast schon behütet als Ordensbruder in einem Kloster auf. Als dieses überfallen wird, erscheint ihm in der größten Not sein Gott und spricht im Geiste zu ihm. Er sei der Auserwählte, dem bestimmt sei, der Welt ihr Licht zurückzugeben. Auch wenn er die Queste nur zögerlich annimmt, macht er sich gezwungenermaßen auf den Weg - geleitet von einem Gott, der so ganz anders ist, als die Schriften zu berichten wussten ...

Dark Fantasy - wuchtig, atmosphärisch dicht und packend

Ivo Palas Auftaktband einer neue Fantasy Saga ist weit von dem sonst so gerne und oftmals kopierten High Fantasy Epen entfernt. Nichts ist es mit weichgespülten Elfen, betrunkenen Zwergen oder intriganten Orks. Vorliegend erwartet den Leser weit dunkleres Lesefutter. Eine archaische Welt, düster und gewaltbetont, in der das Recht des Stärkeren, oftmals das des Brutaleren regiert, ein Hort der Gefahr und der blutigen Kämpfe.

Das ist inhaltlich wie von seiner Anlage her weit eher unter der Überschrift Dark Fantasy einzuordnen, auch wenn der Autor bewusst auf Dämonen und ähnliches Gezücht verzichtet. Wozu auch, ist die Bestie Mensch doch allein schon Garant dafür, dass es ungerecht und gnadenlos zugeht.

So ist denn auch keiner unserer Protagonisten wirklich eine eindeutig positiv besetzte Figur. Sie alle haben ihre Stärken, offenbaren aber auch immer wieder Schwächen und Momente, in denen sie uns das Fürchten lehren. Alle haben hauptsächlich sich selbst, ihr eigenes Wohl im Sinne und handeln entsprechend. Zwar zeigen sie immer wieder einmal Mitleid, setzten sich für ihre Kameraden ein, werden aber auch ein ums andere Mal enttäuscht. Gleichzeitig aber sind es gerade diese letztendlich tragische Schicksale, die als Garant für die unbestrittene Faszination des Plots garantieren.

Dazu gesellen sich Götter, Sklavenhalter, Galeeren und Nordmänner, edle Wilde und wilde Nordmänner. Das Gemisch, es stimmt und es mundet gar wohl. Kraftvoll und temporeich schreitet die Handlung bis zum Cliffhanger-Finale voran, bis es dann heißt - Fortsetzung folgt.

Schwarzer Horizont

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