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Michael Drewniok
 Ripley kehrt zurück - aber ist sie es wirklich?

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2018

Selbst im Tode scheint Ellen Ripley den säureblütigen Aliens und der ebenso rücksichtslosen „Gesellschaft“ nicht zu entkommen. In der Raumstation „Auriga“ erwacht sie in geheimen Labors des Konzerns zu neuem Leben; als Klon, den man aus den wenigen Zellen zog, die man nach Ripleys Tod zwei Jahrhunderte zuvor bergen konnte. Diese waren ‚verunreinigt‘ mit der DNA eines Aliens, das damals in ihrem Leib nistete - für die „Gesellschaft“ unter der Leitung des skrupellosen Dr. Wren der Anreiz, statt eines „Alien-Soldaten“ ein Mensch-Alien-Wesen zu erschaffen, das die Vorzüge beider Spezies in sich vereinigt, aufgrund seiner menschlichen Komponente aber besser zu kontrollieren ist.

Der militärische Befehlshaber der „Auriga“, General Perez, muss u. a. der medizini-schen Crew genug menschliche ‚Brutkästen‘ für die heranreifende Alien-Brut heranschaffen, wobei deren Ursprung nicht hinterfragt wird. Für Nachschub sorgt Elgyn, Kapitän des Schmugglerschiffs. Er und seine Crew, ‚liefern‘, ohne zu wissen (oder wissen zu wollen), welches Schicksal seine ‚Fracht‘ erwartet.

Einige Alien-Krieger entkommen und säen Tod und Entsetzen an Bord der „Auriga“. Ripley erkennt, dass sie als ‚Mutter‘ für neue, biologisch besonders fortschrittliche Hybriden missbraucht werden soll, und bricht ebenfalls aus. Die Besatzungsmitglieder der „Betty“ werden in die Auseinandersetzung verwickelt. Während sie durch die Raumstation irren, treffen sie auf Ripley, die sich den Schmugglern anschließt. Im Verlauf der Flucht wird offenbar, wie es den Menschen ergangen ist, die Elgyn und seine Leute auf die „Auriga“ geschafft haben, woraufhin diese endgültig auf Konfrontationskurs mit der „Gesellschaft“ gehen.

Immer wieder werden Ripley und die Schmuggler von Aliens (und Perez‘ Schergen) attackiert. Es geht nicht nur um nackte Rettung. Die „Auriga“ kreist um die Erde. Sollte es den Aliens gelingen, die Station in ihre Gewalt zu bringen, können sie auf den Planeten gelangen und ihn überrennen ...

Trilogie plus: Fortsetzung oder Epilog?

Der vierte Teil der 1979 mit einem Paukenschlag gestarteten „Alien“-Saga stellte die Autoren des Drehbuchs (und damit auch des Romans zum Film) vor das Problem, dass die Geschichte von Ellen Ripley und den Aliens im Grunde zu Ende erzählt war. Der Erfolg ‚erzwang‘ eine weitere Fortsetzung. Dabei musste die Entscheidung fallen, ob man völlig neue Wege gehen und nur die Aliens als Leitmotiv beibehalten, oder die Gesetze der Logik über ihre natürlichen Grenzen hinaus strapazieren und Ripley in die Handlung zurückbringen sollte. Da Hollywood nicht für seine Risikobereitschaft bekannt ist, kristallisierte sich rasch heraus, dass in einem neuen “Alien”-Streifen auch Ripley alias Sigourney Weaver erneut eine zentrale Rolle spielen würde.

Das Problem der Wiedergeburt von Ripley, für die es nur kommerzielle, aber keine logischen Gründe gab, wurde mit einigen geistigen Verrenkungen recht anständig gelöst. Ansonsten bot der dritte Aufguss inhaltlich wenig Spektakuläres, glänzte aber mit Schauwerten und wurde vom französischen ‚Gast-Regisseur‘ Jean-Pierre Jeunet trotz aller Kontrollen seitens des Studios mit gallischer Dickköpfigkeit ein gutes Stück jenseits des US-amerikanischen Popcorn-Kinos inszeniert. So entstand ein Film, der wenig wirklich Neues zum „Alien“-Mythos beiträgt, aber immer ein gutes Stück über dem Durchschnitt unterhält.

Neben einer ‚neuen‘ Ripley gab es eine ganze Reihe mehr oder weniger ‚gelungener‘ Hybriden, die entweder zur bestialischen oder zur menschlichen Seite tendierten. Besonders seltsam wirkte ein Alien-Mensch-Hybrid als Ripley-Spiegelbild: Da sowohl Drehbuch-Hauptautor Joss Whedon als auch Regisseur Jeunet der Saga jene ‚Tiefe‘ verleihen wollten, die Kritiker begeistert, ohne das Zielpublikum zu vergrämen, wurde zwischen den Action-Szenen immer wieder die Frage nach Ripleys ‚Seele‘ gestellt: Wie menschlich ist sie eigentlich noch? Darüber vergaß man die ursprünglichen Aliens klugerweise nicht und ließ sie in erklecklicher Anzahl ihr mörderisches Unwesen treiben.

Die Show muss weitergehen

Der Roman zum vierten „Alien“-Film wurde nicht mehr vom Routinier Alan Dean Foster geschrieben wurde, sondern von A. (Ann) C. Crispin; ungenannt bleibt in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen Co-Autorin Kathleen O‘Malley. Beide waren mehr noch als Foster zuverlässige Franchise-Autoren, deren Werke höchstens eine grundsolide Machart gemeinsam hatten, während inhaltliche Eigenständigkeit unterblieb.

Literarischen Sprengstoff durfte man von diesem Team nicht erwarten, und auch das Herz der Kritiker konnte Crispin schwerlich gewinnen. Immerhin hat sie sich Mühe gegeben, weil sie die „Ehre“ zu schätzen wusste, an der ehrwürdigen „Alien“-Reihe mitarbeiten zu „dürfen“ - die üblichen, unverbindlichen Worthülsen, derer sich (nicht nur) amerikanische Auftrags-Autoren im Interview bedienen, um poten-zielle Auftraggeber nicht zu vergraulen.

Das sei ihr geglaubt, denn während der Regisseur Jeunet das Drehbuch mit Spezialeffekten und Kameratricks aufwerten konnte, musste Autorin Crispin den oft recht dünnen roten Story-Faden an vielen Stellen neu knüpfen und mehr inhaltliche Lücken überbrücken, als hier aufzuzählen der Platz ist. Wenn dennoch bei der Lektüre ein (leichtes) Gefühl der Enttäuschung aufkommt, liegt das daran, dass es Alan Dean Foster, der zwar ebenfalls eher ein Handwerker als ein Künstler der Feder ist, dennoch besser als Crispin und O‘Malley gelang, den ‚ausgeliehenen‘ Figuren ein wenig Tiefe zu verleihen und damit Leben einzuhauchen.

Hätte schlimmer kommen können (und so kam es)

Was übrigens nicht bedeutete, dass Foster fähig oder willens war, an alte Qualitäten anzuknüpfen, nachdem Ridley Scott, Regisseur des ersten „Alien“-Films, 2012 für „Prometheus“ persönlich ans Franchise-Steuerrad zurückkehrte, um nunmehr tatsächlich ripleyfrei eine Fortsetzung zu kreieren, die metaphysisch verblasen an elementare Fragen der menschlichen Herkunft und des Lebens im Kosmos rüttelte, während die Aliens zu Statisten wurden, die zwischen langen, redseligen Szenen routiniert für ein wenig Rabiat-Unterhaltung sorgen mussten. 2017 setzte wiederum Scott dies in Alien: Covenant“ fort, und Alan Dean Foster schrieb den Roman zum Film.

Alien - Die Wiedergeburt

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