Die 13 Gezeichneten (Das Geheimnis der Zeichen 1)

Erschienen: Januar 2018

Couch-Wertung:

85°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
1 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
1 x 1°-10°
B:72.666666666667
V:5
W:{"1":1,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":1,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":1,"96":0,"97":1,"98":0,"99":0,"100":0}
Carsten Kuhr
Die Magie der Zeichen, die Stadt der Händler und der Berufsfechter - Fantasy made in Germany

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Apr 2018

Einst war Sygna die Stadt des Reichtums, der Gilden und der Macht. Viele Herrscher wollten sich die Metropole aneignen, allein, die Mauern der Stadt waren hoch und ihre Streiter wohl gerüstet. Dann entsandt Kaiser Yulian seine Armee und weit folgenträchtiger noch seine Agenten – Verrat sorgt dafür, dass die Mauern durchlässig wurden, die Tore sich öffneten und die Zünfte mit ihren Handwerksmeistern fielen.

Seitdem herrschen in Sygna die aquinzischen Besatzer mit strenger, despotischer Hand. Dem Kaiser und seinen Abgesandten geht es nicht nur darum, den Reichtum der Stadt an sich zu reißen – es geht vielmehr um die Grundlagen eben jenes Reichtums: die geheimen Zeichen, die alleine die Meister der Zünfte beherrschen.

Hat er die verschollenen dreizehn Zeichen einmal gefunden und an sich gebracht, wird ihm niemand mehr widerstehen können. Schon jetzt produzieren seine Manufakturen Kanonen, die mit einfachen Zeichen versehen, Unheil über seine Feinde bringen. Hat er erst sein Ziel erreicht, wird es niemand mehr wagen, sich gegen ihn zu stellen - kann er dann doch die Gedanken und Gefühle seiner Gegner nach Wunsch manipulieren.

Doch noch ist es nicht so weit, noch regt sich Widerstand in den Gassen und auf den Brücken der Stadt.

Dawyd, ein vorlauter, großmäuliger Goldfechter wird in eben diesen Widerstand verwickelt. Eigentlich will er nur sein angenehmes Leben leben, Wein, Weib und Gesang huldigen. Doch dann erwischt er nach der Sperrstunde eine Taschendiebin, übergibt sie zunächst den patrouillierenden Blaurücken, nur um sie anschließend mit Waffengewalt zu befreien. Das hätte er sich besser vorher überlegt, wird jetzt doch Jagd auf ihn gemacht. Er flieht zu Ignaz Dreifinger, einem verkrüppelten Tischlermeister, lernt einen Dichter mit einem Zeichen auf der Zunge kennen und findet sich nur zu bald mitten im Kampf gegen die Besatzer wieder. Als wäre dies noch nicht genug, stoßen unsere Rebellen tief im Labyrinth unter der Stadt auf Geheimnisse, Agenten und seltsame Vorkommnisse ...

Eigenständig, innovativ und stilistisch überzeugend - so geht Fantasy

Was ist das für ein Roman, den Judith und Christian Vogt hier vorlegen? Einmal keine archaische Welt mit schwertschwingenden Recken, sondern eine Welt, die an die Zeit der Napoleonischen Kriege erinnert.

In den Metropolen haben sich Handwerkszünfte entwickelt, die ihre Geheimnisse weitergeben, die für soziale wie materielle Absicherung ihrer Mitglieder sorgen. Konflikte werden von den Duellanten der entsprechenden Zunft gegen harte Münze ritualisiert ausgefochten; die dabei erlittenen Verletzungen durch Heiler mit ihrem Zeichen gleich wieder kuriert.

Es ist eine Welt, in der sich, so man denn einer der Gilden angehört, gut leben lässt – oder besser leben ließ. Denn in diese auch in Details faszinierend ausgedachte Welt der Zünfte und ihrer Geheimnisse haben sich Fremde eingeschlichen.

Dass sich unser Erzähler, der Duellant Dawyd, dabei zunächst als Großmaul entpuppt – nicht um sonst trägt er den bezeichnenden Beinamen das Maul – macht ihn als Bezugspunkt für den Leser zunächst nicht unbedingt einfach. Zu sehr ist er von sich überzeugt, handelt sehr egoistisch, so dass man ihm nur zögerlich ins Abenteuer folgt. Gleichzeitig erhalten wir so aber einen sehr direkten Einblick in seine Welt, erfahren, wie er und viele seiner Mitbewohner denken und handeln.

Im Verlauf der Plots gesellen sich zu dem Fechter dann noch diverse andere Figuren. Protagonisten, die jeder seine eigene Geschichte zu erzählen, sein Schicksal zu tragen und zu erfüllen hat. Dies führt dazu, dass wir nicht nur die uns so ungewohnte Welt der Handwerker – statt der gewohnten Söldner – detailreicher als üblich kennenlernen, sondern auch, dass wir die Stimmung in der gefallenen Stadt besser nachspüren können und uns somit die Motivation unserer Rebellen erklärlicher wird.

Das Pfund mit dem die Vogts eindeutig wuchern, ist natürlich ihre ganz eigene, so noch nie gelesene Magie der Zeichen. Nicht nur, dass wir Handwerker als Erzähler kennen lernen, diese hüten auch noch eine neue Art von Magie, die ihren eigenen Regeln und Gesetzen folgt. Das übt unbestritten ein gerüttelt Maß an Faszination auf die Leser aus, immer wieder rätselt man mit, wie die neuen Erkenntnisse, die man über die laufende Handlung erhält, nun ins Bild passen und wie sich das Puzzle letztlich zusammensetzen wird.

Zwar dauert es zu Beginn etwas, bis wir mit den Figuren, der Stadt und ihren Besonderheiten warm werden, dann aber folgen wir unseren Protagonisten gerne in die abwechslungsreiche, nie vorhersehbare Handlung, die noch zwei Fortsetzungen bekommen wird.

Fazit:

Die Autoren präsentieren uns einen Fantasy-Plot auf ganz eigenen Wegen. Mit den Handwerkern, der Magie der Zeichen und dem ungewöhnlichen Setting - insbesondere was die Ära anbelangt- überraschen sie den Leser, der sich, einmal eingelesen, gut unterhält.

Die 13 Gezeichneten (Das Geheimnis der Zeichen 1)

Die 13 Gezeichneten (Das Geheimnis der Zeichen 1)

Deine Meinung zu »Die 13 Gezeichneten (Das Geheimnis der Zeichen 1)«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
26.04.2020 13:12:19
Nannis Räuberleben

Wo fange ich an? Wo höre ich auf?

"Die 13 Gezeichneten" ist ganz anders, als erwartet. Noch besser. Komplexer, vielschichtiger, ernster, überraschender, fesselnder, aufrüttelnder.

Der Focus der Geschichte liegt auf der Rebellion einer kleinen Widerstandsgruppe, die gegen die Machtübernahme ihrer Heimatstadt Sygna durch Kaiser Yulian kämpft. Daraus ergibt sich ein Netz an Gedanken, die vom Autorenpaar Vogt ganz großartig in die Geschichte eingewoben werden.

Worum es im Buch geht, steht ja schon in der Inhaltsangabe, deshalb möchte ich mich damit nicht lange aufhalten. Da wir anfangs fast allen Protagonisten mal begegnen, ist mir der Einstieg in den Roman etwas schwer gefallen. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und musste mich erstmal orientieren wer, was, wohin. Eine Dramatis Personae wäre hilfreich gewesen, aber der eingängige Schreibstil der Autoren hat sein übriges getan und nach etwa 50 Seiten fühlte ich mich angekommen.

Handlungsort ist Sygna, eine Stadt, in der die Handwerkskunst durch Magie der Zeichen verstärkt wird. In der die Handwerke in Gilden aufgeteilt sind, die sich eine fundierte Ausbildung auf die Fahne schreiben. Auch die damit verbundene Magie der Zeichen basiert auf jahrelang erlerntem und über Generationen weitergegebenem Wissen. Durch den Einsatz der Magie steigt die Qualität. Ob Schmiede- oder Papierhandwerk oder Fechtkunst. Wie überall ruft auch hier der Erfolg Neider auf den Plan und auch die damit verbundene Macht weckt gierige Hände, die gewaltvoll danach greifen.

Kaiser Yulian nimmt Sygna ein. Zunächst unter dem ehrenvollen Hintergedanken die Magie der Zeichen für jeden zugänglich zu machen und das Kastenähnliche System der Gilden zu durchbrechen, doch dann läuft alles anders, als geplant.

Das ist ja auch irgendwie der Knackpunkt von Rebellionen und Umstürzen von Machtsystemen, egal ob wirtschaftlicher oder politischer Art. Es ist nicht so einfach aus einem diktatorischen System ein demokratisches zu bilden, weil die Umstrukturierung gut durchdacht sein muss und nicht übers Knie gebrochen werden kann. Gelangt man dann noch unerwartet zu Macht, greift diese oftmals auch noch zum ehemals vielleicht toleranten Charakter und zieht ihn auf die dunkle Seite.

Was die Rebellen in "Die 13 Gezeichneten" erreichen wollen, ist relativ klar. Der Weg dorthin weniger, denn auch sie bemerken, dass dieser nicht so gradlinig zu erreichen ist, wie sie sich das vorgestellt haben. Eine Rebellion kostet immer. Menschen, Leben, Werte. Entscheidungen gehen einher, Trennungen, Verzicht. Dinge, die nicht jeder entbehren kann. Wie einfach ist es wohl ein ehrbares Ziel zu verfolgen, wenn geliebte Menschen darunter leiden? Wie lässt sich ein ehrbares Ziel überhaupt messen? Was darf dafür auf der Strecke bleiben? Dürfen einzelne Menschen leiden / sterben, um viele Menschenleben zu retten? All diese und viele weitere Fragen, die mit dem Thema Widerstand / Rebellion / Auflehnung zu tun haben, sind mir während des Lesens über den weg gelaufen und haben mich zum Nachdenken gebracht.

Zugleich ziehe ich viele Verbindungen zum realen Leben. Sehe Kämpfe von Minderheiten, die wir in der Vergangenheit ausgetragen haben und noch heute austragen. Der Kampf für Frauenrechte, für Menschrechte, für Entscheidungsrechte, für Meinungsfreiheit. "Die 13 Gezeichneten" informiert und rüttelt auf darüber nachzudenken wie sehr wir unsere Freiheiten überhaupt noch ernst nehmen.

Verpackt ist dies alles in einen sehr spannenden Roman, der mich an manchen Stellen atemlos zurückgelassen hat. Das Autorenpaar spielt mit den Figuren, lässt sie leiden, schürt Hoffnungen, um sie kurz danach wieder zu zerstören. Es gibt Passagen, da habe ich die beiden echt gehasst, es aber geliebt wie sehr sie mich überraschen konnten.

"Die 13 Gezeichneten" ist der fesselnde Auftakt einer Trilogie, die definitiv einen Platz in meinem Regal bekommen wird.