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Julian Hübecker
Vorderrad ist im Graben, mit ziemlichem Tempo reingerauscht, und sie sind alle tot, von außerhalb des Fahrzeugs in den Kopf geschossen.

Buch-Rezension von Julian Hübecker Nov 2018

Wer sich William Gibson stellen möchte, der braucht Durchhaltevermögen. Wohl kaum ein Autor ist bekannter dafür, seine eigene Sprache zu entwickeln. So prägte er in seinem wohl berühmtesten Werk „Neuromancer“ Wörter, die noch heute im Sprachgebrauch sind, wie Cyberspace oder Matrix. Auf diesen Erfindungsgeist muss man sich einlassen können. Gibson ist in der Science-Fiction zu Hause, weshalb diese technische Sprache ihre Berechtigung findet, den Lesegenuss jedoch für manche ausbremst.

„Er blickte wieder auf die Peripherals im Impostor Syndrome. Ihr krampfiges antimatronisches Diorama, das sich in völliger Stille darbot.“

Die Handlung ist komplex, da sie auf zwei Zeitebenen spielt und dies auch erst nach und nach dem Leser offenbart wird. Beide Epochen sind durch den Jackpot getrennt, eine verheerende Apokalypse, die den Großteil der Menschheit ausgelöscht hat. Vor der Apokalypse lebt Flynn mit ihrem Bruder Burton, für den sie ein Videospiel austesten soll. Dieses zeichnet sich durch eine virtuelle Welt aus, durch die sich der Spieler bewegt. Sein düsteres Setting ist jedoch alles andere als Fiktion, sondern die Welt, wie sie nach der Apokalypse aussieht – und Heimat von Wilf. Dieser arbeitet als PR-Agent für Promis, steht jedoch plötzlich vor dem Problem, dass eine seiner Klienten tot aufgefunden wird. Doch es gibt eine Zeugin: Flynn, die den Mord über das Spiel beobachtet hat. Von nun an müssen beide zusammenarbeiten und können nur über futuristische Technologien miteinander kommunizieren. Was als Detektivarbeit beginnt, weitet sich jedoch schon bald zu einer Verschwörung aus.

Viel Komplexität um eine seichte Grundstory

Wie eingangs gesagt, braucht man für dieses Buch viel Geduld. Wer nicht die ersten Seiten den Biss hat, durchzuhalten, wird vermutlich große Schwierigkeiten haben, dem Rest zu folgen – Hilfe bietet die Kürze der Kapitel. Vor allem die Zeit, in der Wilf lebt, strotzt nur so vor technischen Begriffen und Abkürzungen, die vor allem aber auch aktuelle Themen, wie Nanotechnologie oder soziale Netzwerke, aufgreifen. Gibsons Ideenreichtum und vor allem Komplexität im Denken kennen da wohl keine Grenzen und machen die Geschichte zu etwas Besonderem.

Nichtsdestotrotz zeigt sich hier, welche Art von Leser man ist, ob man nun eine Geschichte nachvollziehen muss oder auch einfach mal Informationen hinnehmen kann. Bei all der Ideenschmiede bleibt letztendlich trotzdem eine Grundstory, die auf Spannungsgehalt und Handlung bewertet werden kann: und die waren nicht hervorzuheben. Stattdessen hat man nach Beenden des Buches eher das Gefühl, dass viel zu viel drumherum gesponnen wurde, anstatt die eigentliche Geschichte voranzutreiben. So bleibt „Peripherie“ ein kompliziert zu lesender Science-Fiction-Roman ohne spannenden Inhalt.

Fazit:

Gibson bedient vor allem Science-Fiction-Fans, die Technik-Versierten, die in diesem Buch ihr Steckenpferd finden. Für solche, ohne diese Kenntnisse, dürfte es schwierig sein, der Geschichte zu folgen.

Peripherie

Peripherie

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