Lagune

Erschienen: September 2016

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Lisa Reim
Außerirdische landen nicht immer in den USA

Buch-Rezension von Lisa Reim Dez 2018

Nigeria als Schauplatz eines Science-Fiction-Romans – das kommt in unserer westlichen Literatur so gut wie gar nicht vor. Dabei birgt dieses Setting einiges an Potential, wird das Land doch beherrscht von Armut und Korruption und einer uns fremden Kultur. Was würde also passieren, wenn in diesem Land Außerirdische ihre erste Erdlandung absolvieren würden?

Tatsächlich haben in Nnedi Okorafors Roman die fremden Wesen, die sich vor Nigerias Küste im Meer eingerichtet haben, das Land gerade wegen seiner Charakteristika ausgewählt. Also nichts da mit amerikanischem Pathos und Heldentum, mit denen in bekannten Hollywoodstreifen meistens eine Invasion der extraterrestrischen Besucher abgewendet werden soll. In Nigeria läuft das alles ein wenig anders.

In „Lagune“ sind es die Meeresbiologien Adaora, der Soldat Agu und Rapper Anthony, welche am Strand von Lagos auf die Botschafterin der Außerirdischen Ayodele treffen. Schnell wird deutlich, dass das Zusammentreffen der Vier kein Zufall war und sie Teil eines größeren Plans sind. Was sich dahinter verbirgt und ob die Absichten der Fremden tatsächlich so friedlich sind, wie Ayodele behauptet, stellt sich erst heraus, als die Lage kippt. Und in Nigeria kippt die Lage schnell.

Keine Action, dafür menschliche Dramen

Wer jedoch ein handlungsgetriebenes Alien-Abenteuer erwartet, wird enttäuscht werden. In diesem Roman sind es die Charaktere, die im Mittelpunkt stehen und die Dynamiken, die zwischen den einzelnen Persönlichkeiten und Interessensgruppen herrschen. Denn die merkwürdigen Ereignisse vor Lagos’ Küste und die Gerüchte um eine Alien-Frau locken schnell allerhand Gruppen an, die sich jeweils ganz Bestimmtes von der Außerirdischen erhoffen: Angefangen von der Regierung, über die Kirche bis hin zu Ganoven und einer LGBT-Gruppe.

Ein ganz besonderer Plot also, der so tatsächlich nur in Nigeria spielen kann. Okorafor gelingt es mühelos in nur wenigen Worten ihren Charakteren und der speziellen Stadt Lagos Leben einzuhauchen. Auch wenn sie sich teilweise in der Atmosphäre und den Belangen der Figuren verliert, funktioniert dieser für Geschichten über Alien-Invasionen untypische Fokus auf ruhige Töne und menschliche Belange weitestgehend. Das Ende ist dennoch ziemlich merkwürdig, vor allem weil während der Handlung nur wenig in Stimmigkeit investiert wurde.

Fazit:

Eine erfrischend ungewöhnliche Geschichte, mit einem Setting, von dem es gerne mehr geben könnte, ungewohnt erzählt in Okorafors ganz eigenem Stil. Eingefleischten Science Fiction Fans könnte da tatsächlich zu wenig Science und Fiction enthalten sein. Dafür erhält man Einblick in eine einzigartige Stadt in einem ganz besonderen Land mit ungewöhnlicher Kultur, in denen erst der Besuch von Aliens den Menschen den berühmten Spiegel vorzuhalten weiß.

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