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Nina Pimentel Lechthoff
Bürokratie meets Fantasy

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jul 2019

Arkadi und Boris Strugazki gelten als die bedeutendsten Autoren der sowjetischen Phantastik. Ihre Werke wurden insgesamt in mehr als 30 Sprachen übersetzt und ihre Bücher sind in einer Gesamtauflage von mehr als 50 Millionen Exemplaren erschienen. Aber weil ich bis jetzt nur Sci-Fi- und Fantasy-Literatur aus dem anglo-sächsischen Raum gelesen habe, hatte ich von den Brüdern, die diese Genres auf der anderen Seite des Globus maßgeblich geprägt haben, keinen Schimmer. Deswegen dachte ich mir, ich muss jetzt endlich was von denen lesen. Aber, wie man es an der Wertung etwas ablesen kann, konnte ich mit „Der Montag fängt am Samstag an“ sehr wenig anfangen.

Von arbeitswütigen Zauberern und einem nichts ahnenden Programmierer

Der junge Programmierer Alexander Pawlowitsch Priwalow ist im Norden Russlands unterwegs, als er mit einer Autopanne in der fiktiven Stadt Solowetz liegenbleibt. Hier ist alles ganz normal: Bürger gehen ihrer Arbeit nach, das Wetter ist gleichmäßig schlecht, und im Institut regiert die Bürokratie. Nachdem sie herausfinden, dass er Programmierer ist, überreden sie ihn, in Solowetz zu bleiben und mit ihnen im Naturwissenschaftlichen Forschungsinstitut für Magie und Zauberei (NIITschaWo) zu arbeiten. Der junge Programmierer stürzt so Hals über Kopf in eine verrückte, unglaubliche Welt hinein, in der sich Wissenschaft und Magie miteinander vermischen.

Sci-Fi oder Fantasy?

Das allererste, was mir beim Lesen von „Der Montag fängt am Samstag an“ aufgefallen ist, ist, dass ich mich ein bisschen hinters Licht geführt vorgekommen bin. Denn auf dem Klappentext und auf der Seite vom Heyne Verlag wird der Roman dem Genre Science Fiction zugeordnet. Dementsprechend habe ich eine Welt erwartet, die – auch wenn sie unglaublich ist – ein bisschen an der Realität bleibt. So eine Art „Fringe – Die Grenzfälle des FBI“ gemischt mit „Per Anhalter durch die Galaxis“: wissenschaftliche Ideen weitergedacht mit einer Prise verrücktem Humor. Wenn man ganz genau guckt, liefert einem „Der Montag fängt am Samstag an“ das auch ein bisschen. Die Zauberer, die im Naturwissenschaftlichen Forschungsinstitut für Magie und Zauberei arbeiten, führen ihre Experimente nach wissenschaftlichen Maßstäben. Es gibt Versuche, wissenschaftliche Schriften oder Symposien. Dennoch wird vieles mit Magie wegerklärt. Beispielsweise spielt ein Kanapee – das Sofa, nicht das Häppchen – eine wichtige Rolle, denn das ist weitaus mehr als nur ein Möbelstück. Was es genau kann und warum alle hinter dem Kanapee her sind, ist mir überhaupt nicht klargeworden.

Wie, wo, was?!

Das Kanapee ist aber nur ein Beispiel für die Undurchdringlichkeit der Welt von „Der Montag fängt am Samstag an“. Es wird sehr viel über die philosophischen Ansätze der verschiedenen Abteilungen des Instituts und der unterschiedlichsten Versuche in diesen erzählt. Diese sind sehr lustig beschrieben. Diese Momente waren aber für mich doch sehr rar gesät. Denn die meiste Zeit hatte ich Schwierigkeiten damit, der Handlung zu folgen, was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass ich die Anspielungen und Bezüge nicht verstanden habe. Zwar kenne ich so grob die Figur der Baba Jaga und ihrem Haus auf Hühnerbeinen, und auch andere magische Figuren wie Dschinns oder Vampire sind mir bekannt. Aber viele der Figuren, die in „Der Montag fängt am Samstag an“ auftauchen, sind eng mit russischen Märchen oder der dortigen Kultur im Allgemeinen verbunden. Das erschwert nicht nur, gewisse Wortspiele zu verstehen – bspw. die Abkürzung für das Institut NIITschaWo, das wohl sich anhört wie das russische Wort nitschewo, das so viel bedeutet wie macht nichts –, sondern mich sehr oft aus der Lektüre herausgebracht hat, vor allem im ersten Part des Romans. Da begegnet der Protagonist etwa einem sprechender Kater, der Märchen rezitiert und einem sprechenden Fisch, der uralt ist und Wünsche erfüllt. Ich musste diesen ersten Part zwei oder drei Mal von vorne lesen, weil ich kein Wort bzw. die Handlung nicht verstanden habe. Es geht viel um Traum vs. Wirklichkeit, was ist real, was nicht. Durch die eingeschobenen – mir unbekannten – Figuren und das verwirrende Kanapee musste ich an mehreren Stellen neu ansetzen. Das hat nicht nur mein Lesefluss erheblich gestört, sondern mir auch die Lust am Lesen genommen.

Satire oder ernst gemeint?

Ein weiterer Aspekt, der mich bei „Der Morgen fängt am Samstag an“ etwas gestört hat, war die Satire. Einerseits ist hier wieder das Problem, dass ich mich zu schlecht mit russischer Kultur auskenne. Wybegallo, einer der höher gestellten Zauberer/Wissenschaftler soll auf dem Agrarwissenschaftler Trofim Lysenkoder, der die Wissenschaft der UdSSR um Jahre zurückgeworfen hatte, basieren. Auch wenn man diesen Zusammenhang nicht kennt, wird schnell klar, dass Wybegallo kein allzu netter Typ ist. Es ist aber Schade, dass ich als Leserin diesen tieferen Sinn nicht erkannt habe. Das werfe ich aber in keiner Weise dem Roman vor. Ich bin mir zudem an einigen Stellen nicht sicher, ob manche Themen satirisch oder ernst gemeint sind. So erging es mir vor allem mit der Arbeitsethik, die die Zauberer/Wissenschaftler an den Tag legen. Bei denen ist der Titel nämlich Programm: Sie sind so sehr in ihre Arbeit vertieft und so sehr von ihr begeistert, dass sie noch nicht einmal Silvester Feierabend machen wollen. Das wollte ich erst als Satire auf Workaholics lesen, vor allem, weil die Faulen und Egoisten im Institut bestraft werden, indem ihnen Haare aus den Ohren wachsen und sie sich allmählich zu Primaten zurückentwickeln. Aber diese Schärfe wird dadurch genommen, dass die Zauberer/Wissenschaftler so begeistert sind von ihren Experimenten, was vom Protagonisten wohlwollend und verständnisvoll geschildert wird. Für mich ist deswegen teilweise unverständlich geblieben, was Satire ist und was ernst gemeint.

Fazit:

Leider, leider, leider konnte ich nicht allzu viel mit „Der Montag fängt am Samstag an“ anfangen. Viel davon liegt daran, dass ich wenig bis gar nichts mit russischer Kultur zu tun habe und deswegen viele Anspielungen nicht verstanden habe. Aber vor allem liegt es daran, dass der Roman sehr verwirrend geschrieben ist und ich mehrmals Textpassagen von vorne lesen musste. Das hat meinen Lesespaß doch maßgeblich gedämpft. Schade, aber vielleicht habe ich einfach noch nicht das richtige Strugatzki-Buch entdeckt.

Der Montag fängt am Samstag an

Der Montag fängt am Samstag an

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