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Lisa Reim
„Ach, meine Erde, meine arme, wandernde Erde“

Buch-Rezension von Lisa Reim Jul 2019

Wer sich der Science-Fiction-Literatur widmet, kommt um ihn nicht herum: Cixin Liu, der chinesische Shootingstar des Genres und Vorreiter einer wahren Science-Fiction-Welle in dem asiatischen Land. 2006 sorgte sein Fortsetzungsroman „Die drei Sonnen“ in der chinesischen Zeitschrift „Science Fiction World“ für Euphorie. Trotzdem dauerte es fast zehn Jahre, bis der Roman seinen Weg in den Westen fand. Dort erstürmte das Buch die New-York-Times- und die Spiegel-Bestsellerlisten. Seitdem ist der Chinese, der einst als Ingenieur eines Kraftwerkes tätig war, aus der Riege der großen Science-Fiction-Autoren kaum wegzudenken. Und das ist auch gut so.

Wie viele große Autor dieser Welt, hat sich auch Cixin Liu vor seinem Romandebüt der Gattung der Kurzgeschichten gewidmet. Elf dieser Geschichten sind nun in dem Band „Die wandernde Erde“ versammelt, zusammen mit einer ausführlichen Betrachtung der chinesischen Science Fiction und Anmerkungen zu der nicht ganz einfachen Übersetzung aus dem Chinesischen. Das Wort „Kurzgeschichte“ trifft es jedoch nicht ganz, denn die Texte bewegen sich im Schnitt zwischen 60-70 Seiten und füllen deshalb einen beinahe 700 Seiten starken Wälzer. Abschrecken sollte diese Seitenzahl jedoch nicht, denn die vielfach preisgekrönten Geschichten bestechen durch Originalität und Vielschichtigkeit, die jeden einzelnen Beitrag zu etwas Besonderem machen.

Wenn die Apokalypse ruft, schmeißen wir den Motor an!

Gleich die erste Geschichte, die der Sammlung ihren Namen verleiht, verdeutlicht sehr gut, worauf man sich bei der Lektüre einlässt. In einer fernen Zukunft steht die Sonne kurz vor ihrem Kollaps. Um den Lebensraum Erde zu retten, haben die Menschen ihren Planeten mit gigantischen Antrieben versehen, um sie zu einem anderen Stern zu kutschieren. In dieser Zukunft, in der sich die Menschheit nur noch auf den Fortbestand ihrer Existenz konzentriert, müssen Zwischenmenschliches, Kultur und Gesellschaft zwangsläufig zu minimalistischen Gewohnheiten verkümmern. Doch wofür dann noch die Welt retten?

In Lius Geschichten geht es immer ums Ganze. Häufig handelt es sich um existentielle Gefahren, die nicht nur den Fortbestand der Zivilisation gefährden, sondern auch den der Erde selbst. Obwohl der Ausgangspunkt stets China ist, sollten die globalen Ausmaße der von Liu heraufbeschworenen Gefahren für Leser aus aller Welt spürbar sein. So reicht die Spannbreite der Texte von spannend und interessant über amüsant und unterhaltend bis hin zu traurig und zum Nachdenken anregend. Liu konzentriert sich dabei auf seinen Stoff, wodurch häufig die Figuren auf der Strecke bleiben. Dass die Geschichten allein von ihren Ideen leben, reicht jedoch vollkommen aus für eine überzeugende Leseerfahrung. Nur über bestimmte (physikalische) Sachverhalte sollte man nicht allzu viel nachdenken und sie einfach als gegeben hinnehmen, um sich den Spaß nicht zu verderben.

Uns Menschen ist nichts mehr heilig

Dass wir Menschen unseren Planeten und nicht zuletzt uns selbst sehr erfolgreich ins Verderben stürzen, ist ein immer wiederkehrendes Element in Lius Texten. So auch in einem der Highlights des Sammelbandes „Um Götter muss man sich kümmern“. Einst erschufen Außerirdische alles Leben auf der Erde. Nun sind sie alt und gebrechlich und kehren zu ihrer Schöpfung zurück, um sich von den Menschen pflegen und sie im Gegenzug an ihrer Technologie teilhaben zu lassen. Aber die Menschen werden ihren alten Schöpfern schnell überdrüssig und misshandeln sie. Sie ahnen nicht, dass die Alten Kenntnis einer Gefahr haben, die die gesamte Menschheit auszurotten droht. Doch die Menschen haben bereits jeglichen Respekt vor ihren Erschaffern und ihrer Erde verloren.

Lius Geschichten sorgen nicht unbedingt für Wohlfühlmomente, treffen aber gerade deswegen direkt ins Mark. Auch wenn wir Menschen uns immer wieder selbst erfolgreich um die Ecke bringen, bspw. indem ein durch Liebeskummer erschaffener Computervirus zur Bedrohung für Leib und Leben wird, gibt es auch einen amüsanteren Beitrag zu verzeichnen: In „Das Ende der Kreidezeit“ ergreifen Dinosaurier und Ameisen die Weltherrschaft. Was nach einer witzigen Alternativweltgeschichte klingt, ist der menschlichen Realität gar nicht mal so unähnlich. Denn auch den Reptilien und Insekten gelingt es am Ende, auf ihre lebensnotwendige Symbiose zu pfeifen und sich gegenseitig zu vernichten.

Fazit:

Lius Kurzgeschichten stecken voller grandioser Gedankenexperimente. Nicht nur Genre-Fans finden hier eine Fülle neuer Einfälle, auch Neueinsteiger dürften hier auf ihre Kosten kommen. Wer sich von Endzeitstimmung nicht unterkriegen lässt und gerne länger über das Gelesene nachdenkt, findet hier einen kleinen literarischen Schatz.

Die wandernde Erde

Die wandernde Erde

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