Die Klinge des Waldes

Erschienen: Oktober 2018

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Lisa Reim
Auf geht’s in die sündigste Stadt seit Sodom und Gomorrah!

Buch-Rezension von Lisa Reim Apr 2019

High Fantasy geht immer! Das dachte sich wohl auch Royce Buckingham, der mit seinem neuesten Roman „Die Klinge des Waldes“ genretypisch an seine letzte Serie um „Die Karte der Welt“ anknüpft. Begonnen hatte Buckingham seine literarische Karriere einst mit der humoristischen Reihe über „Dämliche Dämonen“. Von Humor kann in seinem aktuellen Werk jedoch kaum die Rede sein, hier geht es düster und brutal zur Sache.

Prinzessin Flora wächst wohlbehütet im Wald von Strata auf. Zusammen mit ihrer Schwester Amora frönt sie einem verwöhnten Leben in den Wipfeln der Bäume, mit dem gemeinen Volk oder der Welt außerhalb Stratas haben sie nur wenig zu tun. Doch dann wird Amora zwangsverheiratet und muss fortan beim Wüstenvolk leben. Ein enormer Einschnitt in das Leben der beiden Schwestern, den Flora in ihrer Naivität unbedingt rückgängig machen will. Dass sie damit den folgenschwersten Fehler ihres Lebens begeht, hat sie nicht bedacht … Währenddessen versucht Herzog Glas in der Stadt Schmutz das Land vor einem drohenden Krieg zu bewahren ohne zu wissen, dass inmitten des Schlamassels Flora steckt, die das Schicksal Schmutzens und Stratas in den Händen hält.

Ein Hoch auf literarische Charaktere!

Es geht mal wieder um nichts Geringeres als die Rettung der Welt. Und trotzdem sticht dieses Buch aus der Masse hervor. Denn Royce Buckingham verlässt sich nicht, wie viele seiner Autorenkollegen, auf seine fantastische Welt, sondern lässt seinen Figuren den Vortritt. Die Einführung in die fiktive Welt geschieht dabei ganz nebenbei. Die Entwicklung der Protagonistin Flora, gleicht dabei beinahe schon einer Charakterstudie. Wie soll sich ein naives Mädchen, das von der Welt noch nichts gesehen hat, in einer korrupten und brutalen Stadt wie Schmutz auch anders entwickeln, als zu einer abgehärteten jungen Frau, die sich mit Eiseskälte in einer männerdominierten Welt zu behaupten weiß? Doch erst das Zusammenspiel von nicht minder interessanten, abgestürtzten Typen und intelligenten Wegbegleitern macht Floras Entwicklung erst möglich. Von solch einer Leidenschaft für Charakterzeichnung dürften sich heutige Fantasy-Autoren gerne eine Scheibe abschneiden.

Bei solch einer Vorgehensweise wird das Tempo natürlich gleich zu Beginn enorm angezogen. Das erste Kapitel legt einiges an Spannung vor. Doch in der Mitte lässt das hohe Anfangstempo nach, die Handlung plätschert so dahin, nur um gegen Ende beinahe gänzlich in Belanglosigkeit zu versickern. Doch kurz bevor der Leser hinwegdämmert, packt Buckingham noch einmal ordentlich aus und bietet ein fulminantes Finale, auf das man schon beinahe nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Trotz des Durchhängers in der Mitte bleibt die Story wenn schon nicht spannend doch interessant.

Worldbuilding wie es sich gehört

Ein Grund dafür ist das grandiose Worldbuilding. Zu Beginn des Abenteuers befinden wir und im Waldkönigreich Strata. Hier spielt sich das Leben größtenteils in den Wipfeln der Bäume ab, zumindest, wenn man den Adelskreisen angehört. Denn die Normalsterblichen bewohnen den Waldboden und werden dementsprechend auch „Grundlinge“ genannt. Die Hochgestellten, allen voran die Herrscherfamilie Evangeline, lebt in hohen Türmen, die bis in die Baumwipfel reichen, mit Plattformen versehen sind und aus verschiedenen Hölzern erbaut wurden. Gewiefte Leser mögen sofort den Vergleich zu Tolkiens Elben ziehen, doch bei den Bewohnern Stratas geht es weitaus ruppiger zu, ganz besonders, was Bestrafungen angeht. Hier werden mutmaßliche Verbrecher nämlich „gebäumt“, soll heißen, sie werden von hohen Plattformen in den Bäumen hinuntergestürzt. Manch einer hat es sogar geschafft, diese Stürze zu überleben und sich an Ästen festzuklammern, doch den meisten brechen eben jene Äste sämtliche Knochen, sodass sie bereits tot sind, wenn sie auf dem Boden aufkommen.

Architektonisch ganz anders, bei den Bestrafungen aber nicht weniger zimperlich, geht es in der fernen Stadt Schmutz zu. Bei deren Ausgestaltung hat Buckingham besonderes Geschick bewiesen. Immerhin haben wir es hier mit der größten Stadt zu tun, die aus 35 Bezirken besteht, die jeweils ganz eigenen Regeln und Traditionen folgen. So gibt es die Bezirke Glas, Eisen, Gelehrt, Schaf, Bäcker oder Karneval. Einen Bezirk Holz gibt es jedoch nicht, aber dafür haben wir ja Strata. Und so stimmen die Herzöge der jeweiligen Bezirke ab, ob es zum Krieg gegen das Waldvolk ausziehen soll oder nicht.

Was für ein Sündenpfuhl

Schmutz ist grandioser Ausgangspunkt für politische Verwicklungen, Intrigen und Machtspielchen. Genau das nutzt Buckhingham voll aus. Flora wird einiges zugemutet und auch Herzog Glas muss alle Kräfte aufwenden, um die Menschen vor einer großen Dummheit zu bewahren. Und das in einer Stadt, in der Leben nicht viel wert ist und wo sich Auftragsmörder gegenseitig die Klinke in die Hand drücken. Dass der vermeintliche Frieden dieser Welt regelmäßig auf der Kippe steht, erklärt sich von selbst. Und in einer Stadt, in der Wahnsinn und Genie häufig nicht weit auseinanderliegen, muss sich die naive Flora zwangsläufig zu einem vollbeschriebenen Blatt entwickeln.

Natürlich ist diese Welt auch vulgär. Trotzdem scheint Herr Buckingham beim Schreiben zu sehr auf Brüste und andere weibliche Körperteile fixiert zu sein. Vor allem am Anfang ist öfter von „Furchen“ die Rede, die unbedingt mal „gepflügt“ werden sollten und von Brustwarzen, die sich bei jeder erdenklichen Situation versteifen. Eine merkwürdig beschränkte Sichtweise Buckinghams, der doch ansonsten vor originellen Einfällen nur so sprüht.

Fazit:

Tolle Welt, tolle Figuren und tolle Ideen. Wer etwas gegen vulgäre Ausdrucksweisen hat, sollte hier vorsichtig sein. Ansonsten kommen alle High-Fantasy-Fans auf ihre Kosten, besonders, wenn man es gerne mal ein wenig ruhiger mag und nicht von einer Schlacht zur nächsten hetzen will. Ein gelungenes Lesespektakel mit überraschendem Ende.

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