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Michael Drewniok
Bunte Invasion aus dem (parallelen) Inneren der Erde

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2019

Versicherungsagent Bradshaw Carter will gerade die Stadtgrenzen Millvilles, eines kleinen, abgeschiedenen Ortes irgendwo im ländlichen Mittelwesten der USA, hinter sich lassen, als er gegen eine undurchdringliche Barriere prallt, die ganz Millville als unsichtbares Hindernis umgibt. Niemand kommt hinaus, niemand hinein. Innen ist die Aufregung groß, außerhalb werden Regierungsbeamte, Militärs und natürlich die Medien rasch aufmerksam.

Derweil sieht sich Carter mit mysteriösen Fremden konfrontiert, die ihn als ‚Botschafter‘ für eine unbekannte Macht engagieren wollen, die sich nicht nur in Millville, sondern auch in anderen, ebenso verschlafenen US-Städten ausgebreitet hat. Zudem taucht Tupper Tyler, der Dorftrottel von Millville, wieder auf, nachdem er vor zehn Jahren spurlos verschwunden war; er ist keinen Tag gealtert.

Als Carter Tuppers Spuren folgt, findet er sich auf einer menschenleeren Erde in einem parallelen Universum wieder, wie ihm die Fremden erklären, die sich endlich zu erkennen geben: Intelligente, telepathisch begabte Pflanzenwesen sind es, die Kontakt zur Menschheit aufnehmen möchten. Lange Zeit konnten sie sich nur mit Hilfe geistig behinderter Medien wie Tupper Tyler verständlich machen. In Millville haben sie sich in ihrer Blumengestalt vor einigen Jahren angesiedelt und die Erdmenschen studiert. Nun möchten sie die Deckung fallen lassen. Aus Sicherheitsgründen haben sie Millville vom Rest der Welt isoliert. Carter soll ihr Repräsentant werden, weil es sein Vater war, der als Dorfgärtner die fremden Besucher auf der Erde heimisch machte.

Unglücklicherweise verstehen die Fremden noch immer wenig von der irdischen Mentalität. Die Nachricht von einer drohenden ‚Invasion‘ mobilisiert die Obrigkeit. Knopfdruck-Offiziere und Kommunisten-Fresser planen, Millville und die Besucher vorsichtshalber per atomaren Erstschlag aus dem Weg zu räumen; der Tod der 300 Bürger wird als bedauerliches aber unvermeidliches Opfer einkalkuliert. Auch in Millville droht die Situation außer Kontrolle zu geraten. Die Bewohner haben Angst, zumal bald seltsame Gestalten aus dem Nichts auftauchen. Ein Sündenbock ist rasch gefunden: Brad Carter, der bald zwischen allen Stühlen bzw. Welten sitzt ...

Vergessene Science-Fiction-Juwelen

„Blumen aus einer anderen Welt“ ist hierzulande mehr als einmal aufgelegt worden. Als der Goldmann-Verlag noch ein Science-Fiction-Programm besaß, das seinen Namen verdiente, präsentierte es richtige Schriftstellern und echte Meister des Genres. Das ist heute anders: Was keinen Profit (mehr) bringt, fliegt aus dem Programm, wobei die Qualität des beanstandeten Produktes – und zum Produkt ist das Buch geworden – absolut nebensächlich ist.

Da das bei den anderen Verlagen genauso ist, sind ganze Generationen von SF-Autoren spurlos verschwunden. Die gesamte Frühzeit des Genres ist in Deutschland praktisch weggebrochen bzw. lebt nur noch in Ausnahmen weiter. Wer von den jungen Lesern und Sammlern kennt noch Clifford D. Simak? Dabei gehört er zu den Großmeistern des Genres. Seine Karriere überspannt mehr als ein halbes Jahrhundert. In dieser langen Zeit hat er praktisch alle in der SF verliehenen Preise gewonnen - die meisten sogar mehrfach - und schuf Werke, die in sämtlichen Schaffensperioden zum Besten gehörten, das die Science Fiction hervorbrachte.

Dieses hohe Niveau ist erstaunlich, da solche Qualitäten eher zu den Ausnahmen nicht nur in der SF gehören. Aber Simak (1904-1988) war schon immer für eine Überraschung gut. Geboren wurde er in Milville (!) im US-Staat Wisconsin - und damit haben wir schon einmal die Erklärung, wieso der Heimatort Brad Carters, des Alien-Diplomaten wider Willen, und seine pittoresken Bewohner so ungemein plastisch wirken.

Ruhige Sicht auf fremde Welten

Aber bevor er begann, sich an die Idylle seiner Kindheit und Jugend auf dem Lande erst zu erinnern, machte sich Simak ab 1931 mit einigen damals typischen Space Operas einen bescheidenen Namen. Im weiteren Verlauf der 30er Jahre konzentrierte er sich stärker auf seine Arbeit als Journalist, der er sein Leben lang treu bleiben sollte. Erst nach dem II. Weltkrieg entwickelte sich Simak zu einem ungemein fleißigen Autor, der in den nächsten vier Dekaden praktisch jährlich einen neuen Roman vorlegte.

Gemeinsam ist ihnen die gerade in der Science Fiction US-amerikanischer Prägung recht untypische Abwesenheit von hektischer Action und vor allem plakativer Gewalt. Simak wird von der Kritik gern als „pastoraler“ Autor bezeichnet. Das Außerirdische ist bei ihm zwar fremd, aber niemals ‚böse‘. Es tritt dem Menschen gern in der ruhigen, überschaubaren Kulisse kleiner Landstädte entgegen, in denen jeder noch jeden kennt und Hektik unbekannt ist.

Konflikte entstehen aus Missverständnissen, die auf originelle und letztlich friedliche Weise ausgeräumt werden können, so dass die Begegnung zwischen ETs und Erdlingen versöhnlich enden kann. Vielleicht ist das ja der Grund für Simaks Abwesenheit auf dem deutschen Buchmarkt der Gegenwart - er liefert einfach keine Raumschlachten oder Körperfressereien, und das lässt ihn wohl altmodisch erscheinen.

Spannung ohne Dauerfeuer

Dabei lässt sich Simak eine naive Verherrlichung des gesunden Landlebens am Busen der Natur nun wirklich nicht nachsagen. Millville ist keineswegs das Paradies auf Erden. Sehr handfeste wirtschaftliche Sorgen plagen die Bürger, die sich der Welt auch sonst durchaus nicht als verschworene Einheit stellen. Die angebliche Kleinstadt-Idylle, viel besungen von zivilisationsmüden und fortschrittsfeindlichen Zeitgenossen, kann auch die Hölle auf Erden sein. So weit geht Simak zwar nicht, aber er macht dennoch deutlich, dass er sich einen gesunden Realitätssinn bewahrt hat.

„Blumen ...“ ist ein SF-Roman von einer Güteklasse, die nicht nur thematisch aus einer anderen Welt zu stammen scheint: Was moderne Autoren gern in vieltausendseitigen Endlos-Zyklen breit treten, handelt Simak auf knappen 200 Seiten ab - eine gut erdachte, vorzüglich umgesetzte Geschichte, deren roter Faden einer Stahltrosse gleicht, die nur zum etwas abrupten Ende hin leicht ausfasert. Zum Charme der Handlung trägt die sorgfältige, aber erkennbar veraltete Übersetzung nicht unerheblich bei; ein Wichtigtuer wird da schon einmal drollig als „ausgestopftes Hemd“ tituliert.

Blumen aus einer anderen Welt

Blumen aus einer anderen Welt

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