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Marcel Scharrenbroich
„Wenn der Himmel einstürzt, sind alle Spatzen tot.“ -Dieter Schulte (deutscher Politiker)

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jan 2019

Mit freundlichen Grüßen: Ihre Regierung

Stellen Sie sich mal vor, Sie gehen unbedarft zum Briefkasten, rechnen vielleicht höchstens mit lästigen Werbe-Broschüren, einer Visitenkarte vom freundlichen Autohändler, der Ihren Wagen zum „Top-Preis“ kaufen möchte, einer Rechnung oder – im schlimmsten Fall – mit einer bösen, bösen Mahnung… und finden plötzlich einen Brief von der Regierung vor! Holla die Waldfee… wie kommt man denn zu dieser Ehre? Aber keine Panik, all Ihre Nachbarn haben ähnliche Briefe in der Post. Diese Briefe – mit dem Betreff „Aktion Kellerraum“ – besagen, dass Sie sich im Ernstfall sofort in ihren unterirdischen Schutzraum flüchten und alle Türen verbarrikadieren sollen. Ausgestattet mit ausreichend Verpflegung, verharren Sie dann dort, bis zur Entwarnung. Einen jedem Brief individuell beigefügten Code sollen Sie sich gründlich einprägen und stillschweigen über diese Korrespondenz bewahren. Kurz gesagt… doch Panik!

Kellerkinder

Brenda Gunner und ihr Mann Birk sind diesem Aufruf gefolgt, denn das Undenkbare war eingetreten: „Aktion Kellerraum“. Trotz der Aufforderung, nicht über den Inhalt des mysteriösen Briefes zu sprechen, tuschelten die Nachbarn natürlich untereinander. Wägten ab, ob es sich um Unsinn, unnötige Panikmache oder ernstzunehmende Bedrohung handelte. Wie viele Leute letztendlich dem Aufruf tatsächlich gefolgt sind, konnte Brenda nicht sagen. Sie und Birk taten es jedenfalls und mit dem Betreten des Kellerraumes endete ihr vorläufiger Blick auf die Außenwelt. Vollkommen isoliert verharrten sie in dem fensterlosen Fundament ihres Hauses. Ohne zu wissen, was an der Oberfläche geschah… beziehungsweise immer noch geschieht. Denn seit mehreren quälenden Tagen hören sie schon seltsame Geräusche von der Oberfläche. Wilde Tiere? Monster? Quietschgrüne Aliens mit übergroßen Köpfen, direkt vom Mars? In ihren Gedanken kann es alles sein. Neben der Ungewissheit, ob man jemals das Tageslicht wiedersehen würde, kommt noch ein weiterer – nicht zu vernachlässigender – Faktor hinzu… die Lebensmittel werden knapp!

Schon sichtlich geschwächt werden Brenda und Birk urplötzlich aus ihren Tagträumen von schmackhaften Schlemmereien gerissen, als etwas anderes an ihre Ohren dringt. Etwas, das sich anhört wie… Schüsse! Ist etwa das Militär angerückt und stellt die Ordnung wieder her? Sind es Plünderer? Oder haben die Aliens jetzt Gewehre? Nein… alles falsch. Die Schüsse – so viel stimmt – stammen aus der Waffe eines Mannes, der sich durch die schwer gesicherte Kellertür als Barker vorstellt, Jeff Barker. Er klärt die beiden auf, dass es vergeblich wäre auf Regierung und Militär zu warten. Die Kommunikation sei bereits vor Tagen zusammengebrochen, Radios und Fernsehstationen senden nicht mehr… und außerdem liegt ein toter Morog in Brendas und Birks Wohnzimmer. Morogs… so nennt Barker die Kreaturen, die seit Tagen ums Haus schleichen und gierig die Zähne fletschen. Zudem erfahren sie, dass sich am nahgelegenen See ein Stützpunkt befindet. In einer Jugendherberge, in der mehrere Überlebende untergekommen sind.

Obwohl das Paar Barkers Angebot ihn zu begleiten vorläufig ablehnt, wissen beide, dass die Zeit gegen sie arbeitet. Wie lange können sie noch in ihrer Isolation überleben, ohne zu verhungern? Ohne zu verdursten? Am 12. Tag im unterirdischen Gefängnis ist es endlich soweit und die beiden beschließen, den entscheidenden Schritt ins Licht zu wagen… oder was immer sie sonst an der Oberfläche erwarten sollte.

Schöne neue Welt

Wieder im Hier und Jetzt angekommen, bietet sich Brenda und Birk ein erschreckendes Bild ihrer sonst so vertrauten Gegend. Die Luft fühlt sich chemisch an, Bäume und Büsche sind verwelkt. Die Straßen, aufgebrochen und demoliert, geben unter den Füßen nach und der eigentlich harte Asphalt zerbröselt wie altes Brot. Pilze wuchern wild hervor und das Klettergerüst im Garten der Nachbarn sieht aus, als wäre es unter großer Hitze geschmolzen. Schwarze Fäden ziehen sich bedrohlich über das unförmige Gebilde und wecken Unbehagen in Brenda.

Sie machen sich auf den Weg durch diese poröse neue Welt. Ihr Ziel: Die rettende Jugendherberge, von der Mr. Barker gesprochen hat. Brenda ist überzeugt, dass sie auf ihrem kurzen, aber dennoch gefährlichen Weg, mit Sicherheit auf einen dieser mysteriösen Morogs treffen werden. Könnte Birk, der nur notdürftig mit einer Axt bewaffnet ist, sich der Gefahr entgegenstellen? Er wird keine Wahl haben, denn die Biester haben tatsächlich ihre Spur aufgenommen… und bevor der heraneilende Mr. Barker eingreifen kann, kommt es zu einer folgenschweren Konfrontation.

Page-Turner par excellence

Hier beginnt erst der eigentliche Überlebenskampf von Birk und Brenda Gunner, der wir aus der Ich-Perspektive durch die Story von „Der Tag, an dem die Vögel schwiegen“ folgen. Ist die klaustrophobische Enge des heimischen Kellers, die die Geschichte einleitet, erst mal überstanden, eröffnet sich der Blick auf eine vollkommen veränderte Welt, die an jeder Ecke Gefahren birgt. Als Neulinge in der Gruppe müssen die Geschwächten sich beweisen und an aufgestellte Regeln halten, was nicht gerade einfach ist, wenn man quasi bei Null anfängt und angesichts der monströsen Bedrohungen der Außenwelt am Ende der Nahrungskette zu stehen scheint.

Als Leser möchte man unbedingt erfahren, was zur „Aktion Kellerraum“ geführt hat und steht vom Wissensstand auf einer Stufe mit der ahnungs- und hilflosen Brenda. Auch die Spannungen, die sich innerhalb der Truppe entwickeln, sind packend und machen neugierig. Wer weiß hier mehr? Wer spielt ein falsches Spiel? Was haben die mysteriösen Lichter zu bedeuten, die Brenda nachts aus dem Fenster beobachtet?

Die junge Autorin Jaana Redflower hält die Spannung hier konstant hoch und schreibt unkompliziert und auf den Punkt. Ihre Beschreibungen sind präzise und bildlich geraten. Handlungsabläufe und Bewegungen lassen durch den dynamischen Erzähl-Stil einen Film im Kopf des Lesers ablaufen. Umgebungen und Kreaturen-Design sind durchaus kreativ und zeigen, dass Redflower eine genaue Vorstellung davon hat, was sie ihren Lesern serviert. Spannung, Drama, Spannung, Horror, Spannung, Mystery und vor allem… Spannung.

Man mag kaum glauben, dass dies nach ihrem humorvollen Debüt „Jorge, Pinguin im Kopf“ erst der zweite Roman der Autorin aus Witten ist, da dieser sehr versiert daherkommt und zudem einen gänzlich anderen Ton anschlägt, als ihr Erstlingswerk. Gerne mehr aus dieser Richtung!

Fazit:

„Der Tag, an dem die Vögel schwiegen“ hat eine echte Sogwirkung auf mich ausgeübt und ich konnte das Buch schwer beiseitelegen. Jaana Redflowers flüssiger Schreibstil, der sich nicht in unnötigen Plaudereien verliert, hat erheblich zur packenden Atmosphäre, die ihr Roman konstant versprüht, beigetragen. Ein kleines Endzeit-Highlight, das frisch aus der Masse ähnlich angelegter Titel herausragt.

Der Tag, an dem die Vögel schwiegen

Der Tag, an dem die Vögel schwiegen

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