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Michael Drewniok
Kontaktsicherung als spannendes Science-Fiction-Problem

Buch-Rezension von Michael Drewniok Feb 2019

Im Vorfeld der Sonne sorgt die „Relaisstation Venus“ dafür, dass die von Menschen besiedelten Planeten miteinander Kontakt halten können. Fern der Erde muss die Besatzung immer wieder improvisieren, wenn gefährliche Zwischenfälle für Funkstelle sorgen oder die Station selbst in Raumnot gerät:

- Vorwort (von Waldemar Kumming)

- Interplanetarische Störungen (QRM Interplanetary, 1942): Der pedantische neue Stationsleiter macht den Techniker der Relaisstation Venus das Leben nicht nur schwer, sondern gefährdet es leichtsinnig, als er Maßnahmen zur Kostendämpfung durchsetzt.

- Raumschiff EMPRESS OF KOLAIN (Calling the Empress, 1943): Ein mit Passagieren und wertvoller Fracht beladenes Raumschiff steuert ahnungslos die Venus an, wo just eine gefährliche Seuche ausgebrochen ist. Bisher gibt es keine Möglichkeit, im All Raumschiffe direkt anzufunken, weshalb man sich auf der Relaisstation Venus etwas einfallen lassen muss, um die „Empress of Kolain“ zu warnen und umzuleiten.

- Rückstoß (Recoil, 1943): Auch in der Zukunft gibt es Piraten, nur dass sie jetzt im Weltall zuschlagen. Ein auf die Seite des Bösen gewechselter Wissenschaftler hat es auf die Relaisstation Venus abgesehen, wo man aus den vorhandenen Maschinen möglichst rasch eine wirksame Abwehrwaffe basteln muss.

- Verlorenes Wissen (Lost Art, 1943): Zwei Archäologen entdecken auf dem Mars eine uralte Maschine der ausgestorbenen Marsianer; sie wird repariert und ohne Kenntnis ihres Zwecks allzu unbekümmert in Gang gesetzt, was für spektakuläre Zwischenfälle sorgt.

- Die Irrfahrt (Off the Beam, 1944): Ein Raumschiff wird von einem Meteoriten getroffen, was den Antrieb aktiviert und die Steuerung durcheinanderbringt. Unkontrolliert wirbelt das Schiff durchs All und kann erst im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter zum Halt gebracht werden, wo die Besatzung auf Rettung wartet, die jedoch nur kommen wird, wenn es gelingt, Kontakt zur Relaisstation Venus aufzunehmen.

Abenteuer-Alltag im Dienst der Kommunikation

Noch gar nicht lange ist es her, dass die Leistungsfähigkeit von Maschinen an ihrer Größe abzulesen war. In dieser Zeit ersann George O. Smith die „Relaisstation Venus“, die zwar nur Wortmeldungen empfangen und senden kann, dies aber im Weltall zwischen Venus und Jupiter erledigt, weshalb die Station kein schnöder Satellit ist, sondern ein ausgehöhlter, ‚umgebauter‘ Asteroid, der stolze 4,8 km lang ist und 1,6 km Durchmesser aufweist.

2700 Männer und Frauen sind an Bord, denn Hightech funktioniert nach zeitgenössischer Auffassung nur, wenn Menschen Knöpfe drücken und Hebeln ziehen. Vor Ort muss jemand mit Hirn und Händen bereitstehen, um jederzeit einzugreifen, wenn etwas schiefgeht. Das gilt auch im All; zumindest diese Zukunft der Vergangenheit funktioniert ausschließlich analog. Computer gibt es auf der Station nicht, weshalb Techniker und Ingenieure geniale Einfälle mit Bleistift auf Papier (oder notfalls auf einer Tischdecke) notieren und ansonsten Schraubenschlüssel und Lötkolben schwingen.

Überhaupt gleicht die Relaisstation Venus innen einem antiken Dampfradio. Röhren glühen, Relais klacken, Strom fließt hörbar durch meterdicke Leitungen. Irrtümer beim Test neuer Gerätschaften münden in der Regel in meterlangen Blitzen und kräftiger Rauchentwicklung. Sachschäden sind an der Tagesordnung, woran sich nur Pfennigfuchser und Angsthasen stören: Für diese Techniker ist die Zukunft ein Abenteuer-Spielplatz. Was man sich ausdenkt, wird gebaut und ausprobiert. Für vorsichtige Versuchsreihen bleibt irgendwie nie genug Zeit. Geht etwas schief, wird es vor Ort ausgebessert; danach geht es in die nächste Runde.

Das Ohr im All

Wie sehr sich diese von klugen Einzel- bzw. Eierköpfen der Naturwissenschaften und Technik dominierte Welt entwickelt bzw. verändert hat, wird selbst dem fachfremden Laien umgehend klar. Ebenso deutlich schwant uns: Diese Station dürfte realiter kaum funktionieren! Der deutschen (Neu-) Ausgabe wird das Vorwort eines Ingenieurs vorgeschaltet, der darüber informiert, wo der Zahn der Zeit die Erzählungen so angenagt hat, dass die (Astro-) Physik darüber zu Fall kam.

Smith war selbst vom Fach und wusste über Radar und Radiotechnik Bescheid. Seine Kenntnisse ließ er in seine Storys nicht nur einfließen: Immer wieder geraten wir an Passagen, in denen der Verfasser uns mit „Technobabbel“ förmlich traktiert, d. h. Faktenwissen mit Interpolation und Fiktion mischt. Solche Quasi-Vorlesungen waren beliebt in der zeitgenössischen Science Fiction, die mit den Vorurteilen literaturkritischer und trivialfeindlicher Eltern, Lehrer u. a. Autoritäten zu kämpfen hatte. Autoren wie Smith sorgten für Entwarnung: Schaut her, SF-Leser können sich unterhalten und lernen dabei etwas!

Diese Schutzbehauptung wurde lange für bare Münze genommen. Science Fiction galt als Medium, das über mögliche Zukünfte ‚berichtete‘. Dass dies blanker Unfug war (und ist), belegt unfreiwillig eben auch George O. Smith, der die Technik liebte und doch von ihr im Stich verlassen wurde, als sie einen gänzlich unerwarteten Weg einschlug, der auch durch Smith noch unbekannte Tatsachen bestimmt wurde. So hat sich die Existenz einer Ionosphäre, die interplanetare Kommunikation nur durch gewaltige Verstärkung möglich macht, als Irrtum erwiesen. Eine Relaisstation im All ist nie notwendig gewesen - geschweige denn eine, die der Venus auf ihrer Umlaufbahn ‚folgt‘, damit Erde, Venus und Sonne ein gleichseitiges Dreieck bilden, was nach Smith eine kontinuierliche Funkverbindung garantiert.

Schlau und schnell: Antik-Nerds als Helden

Bevor die Realität dafür sorgte, dass lange verdrängte Begleiterscheinungen des Fortschritts - ökologischer Raubbau, Umweltverschmutzung, Militarismus etc. - erkannt und berücksichtigt wurden, gab es eine Ära ‚unschuldigen‘ Zukunftsglaubens. In diesem Zeitfenster entstanden die hier präsentierten Storys. Das Sonnensystem nach George O. Smith spiegelt einen unbändigen Optimismus wider. Die inneren Planeten sind besiedelt, schon richtet sich der Blick nach ‚außen‘, wo fremde Welten locken. Für Männer mit Verstand und Tatkraft sind die Möglichkeiten unbeschränkt. (Moderne Leserinnen könnten weniger begeistert sein, denn der Frau blieb nur die übliche Rolle der aufopfernden, händeringenden, untergeordneten, heiratswilligen Gefährtin.)

Die Relaisstation Venus stellt einen Mikrokosmos zukunftsfixierten Denkens und Handelns dar. Hier summen buchstäblich die Drähte, hier laufen sie zusammen. Um dies zu gewährleisten, bedarf es Männer vom Kaliber eines Dr. Don Channing, der die Station leitet, nachdem einem geistig beschränkten Sesselfurzer ostentativ ein Arschtritt versetzt wurde: Kommerz und geistige Enge haben in diesem Weltall keinen Platz! Schon diese Freiheit sorgt für (wehmütige) Nostalgie, da bekanntlich ‚Realisten‘ u. a. Anti-Visionäre und Spaßbremsen die Oberhand behielten.

Channing zur Seite steht sein Kollege und Kumpel Walt Franks, der stets bereit ist, als bester Kumpel umzusetzen, was Channings ebenso brillanter wie bodenständiger Verstand ausbrütet. Um jeden Verdacht weltfremden Nerdismus‘ auszuschalten, gibt es mit Arden Westland eine Frau an Channigs Seite. Erst ist sie seine Sekretärin, später seine Ehefrau. Arden ist taff, nimmt (heute #metoo-trächtige) Männerscherze nicht krumm, sondern als Kompliment, und drängt sich nie in den Vordergrund, wenn echte Männerarbeit wie die Abwehr finsterboldiger Raumpiraten ansteht. Am Ende jeder Story ist die Welt wieder in Ordnung und sogar ein Stück besser geworden, denn in der jeweiligen Krise wird auf wundersame Weise immer etwas entdeckt oder erfunden, das sich zukunftsträchtig einsetzen lässt; auch hier ist der (schöne) Wunsch der Vater des Gedankens.

Für die deutschen Leser bot Smith mit seinen gen Himmel stürmenden, aber angenehm simplen Visionen die ideale SF-Lektüre. Vor allem im Heftroman erschienen seine Werke; sie waren deshalb in der Regel gekürzt, und auf mögliche Verknüpfungen wurde wenig Rücksicht genommen. Umso erfreulicher ist die spätere, komplette Übersetzung sämtlicher Storys um die Relaisstation Venus, die in drei Bänden erschien.

Fazit:

Fünf Storys aus der „Goldenen Ära“ der Science Fiction, in der dank Fortschritt und Technik alles möglich schien und der einfallsreiche Naturwissenschaftler über den Politiker oder den Geldsack triumphierte: Abenteuer und Technobabble in heute so nicht mehr möglicher Verknüpfung und SF-Nostalgie für hartgesottene Genre-Fans.

Relaisstation Venus

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