Fauler Zauber

Fauler Zauber
Fauler Zauber

Erschienen: Januar 2019

Erschienen: Januar 2019

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Carsten Kuhr
Pauschaltouristen in der Fantasy-Welt

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Feb 2019

Stellen Sie sich einmal vor, dass ein findiger Reiseunternehmen ihnen eine Abenteuer-Tour durch ein echtes Fantasy-Land anbieten würde. So komplett mit bösem Herrscher, finsteren Elfen, Drachen und holden Maiden – Zauberer dürfen natürlich nicht fehlen. Da würden sie doch auch die letzten Kreuzer zusammenkratzen, um sich einmal im Leben ein solches Abenteuer leisten zu können, oder?

Nun, auf der anderen Seite gibt es, dank eines wasserdichten Knebel-Vertrags für die Bewohner der magischen Welt kein Entkommen – sie sind dazu verpflichtet zu leider, zu schauspielern und zu liefern, was der Kunde, sprich der Tourist erwartet.

Und Mr. Chesney, wie der findige Unternehmer heißt, kann, dank der Hilfe eines Dämons, die er sich gesichert hat, auch beruhigt weiter seine Goldstücke zählen, die Zauberer, Bauern, Drachen, Elfen und Soldaten Derkholms müssen sputen, ansonsten drohen desaströse Strafzahlungen.

Stets schlüpfen andere Bewohner in die Rollen, die es zu besetzen gilt. Dieses Mal hat es den, nun nennen wir ihn eigenwillig und experimentierfreudigen Zauberer Derk erwischt, der die Rolle des Dunklen Fürsten besetzen darf. Unterstützt durch seine ganze Familie – unter anderem hat er mittels Magie für Greifen-Töchter gesorgt – macht Derk sich daran, die Rolle mit Leben zu füllen – allein, er und seine Abkömmlinge sind ein wenig zu gut in dem, was sie auf die Beine stellen …

Skurrile Geschichten, kein Hau-Ruck Humor der platten Art, aber auch immer wieder tempoarme Kapitel

Es ist ein wenig eine Krux mit humorvoller Fantasy. Es gibt sie de facto kaum.

Ja, jetzt kommen sie mir natürlich mit Terry Pratchett oder Robert Asprin, allein, das sind rühmliche Ausnahmen von der Regel. Und diese lautet schlicht – Fantasy, noch dazu Heroic oder High Fantasy und Humor, das geht nicht. Bei der Dark Fantasy steht das sogar schon im Namen – Dark, wie dunkel ...

Nun es gibt sie, die Ausnahmen von der Regel und Knaur legt uns hier ein gelungenes Beispiel vor. Dabei sind Slapstick-Einlage wie bei Asprins MYTH Serie nicht enthalten. Jones verwöhnt ihre Leser lieber mit Situationskomik – ich sage nur fliegende Schweine – oder skurrilen Figuren.

Diese übernehmen dann auch schnell das Zepter des Handelns im Roman. Der eigentlich mächtige Zauberer tritt in der ersten Hälfte des Buches kaum in Erscheinung, statt dessen übernehmen seine drachenähnlichen Kinder und seine Bardin-Tochter das Heft des Handelns. Satt des maladen Vaters müssen sie sich in Schlamm und Regengüssen, in der gnadenlosen Wüste und im leeren Harem mit den Touristen rumärgern. Dabei nimmt die Autorin natürlich gekonnt die Auswüchse des Pauschaltourismus auf die Schippe, spielt geschickt mit typischen Fantasy-Versatzstücken, nur um uns dann verblüffend eine etwas andere Gestalt vorzustellen, als erwartet.

Fazit:

Das liest sich nicht nur flüssig sondern auch recht unterhaltsam, wenngleich das Tempo so manches Mal fast zum Stillstand kommt, bevor es dann doch weiter geht.

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