Ritus (Pakt der Dunkelheit 1)

Erschienen: März 2019

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Regine Bacherle
Nur ein toter Wolf ist ein guter Wolf

Buch-Rezension von Regine Bacherle Mär 2019

Der Roman „Ritus“ besteht aus zwei Geschichtssträngen.

Das Grauen beginnt im Jahr 1764 in Südfrankreich.

Der Wildhüter Jean Chastel und seine beiden Söhne sind aus dem benachbarten Gévaudan angereist, um einem befreundeten Wildhüter zu helfen, einen offensichtlich tollwütigen Wolf zu fangen. Unzählige Hirten verloren ihre Tiere und nachdem diese Bestie auch Menschen tötete, wurden die Bauern ungeduldig und verlangten nach einem erfolgreichen Erlegen des kranken Wolfes.

Die Chastels kontrollieren Fallen im Wald, als sie ein seltsames Wesen finden, das sich in einer dieser Fallen verfangen hat und ganz augenscheinlich verendet ist. Die Größe, Statur, die Pfoten, das Gebiss – diese Kreatur unterscheidet sich in allen Merkmalen von den üblichen Waldbewohnern. Um das Wesen möglichst unbeschadet zu bergen, um es einer genaueren Untersuchung  zu unterziehen, wollen sie es aus der Falle befreien und mitnehmen.

Was sie allerdings übersehen ist, dass das Wesen, das allem Anschein nach ein Loup-Garou (Werwolf) ist, noch lebt.

Im zweiten Geschichtsstrang befinden wir uns in München im Jahr 2004, in einer Galerie zum Zeitpunkt einer Vernissage. Eric von Kastell ist anwesend und hat sein Auge auf eine weibliche Besucherin geworfen. Innerhalb der nächsten Minuten verführt, vernascht und verlässt er sie, denn sein Handy klingelt ihn zu einem wichtigen Gespräch. Sein Vater wird von Lykantrophen (Werwölfen) gefangen gehalten, Eric springt in seinen Porsche, fährt Abkürzungen quer durch den Stadtpark ---- und läuft mit offenen Augen in die gestellte Falle.

Der gesplittete Aufbau

Im Roman wechseln die Kapitel jeweils den Schauplatz, bis im letzten Drittel der zweite Strang fast völlig in Vergessenheit gerät. So unterschiedlich die Jahre, so unterschiedlich sind auch die Inhalte.

Der mittelalterliche Geschichtsstrang basiert in vielen Dingen auf historisch belegte Vorkommnisse, die in Südfrankreich niemals aufgeklärt wurden. Über 250 Tote innerhalb von 3 Jahren inspirieren den Autor Markus Heitz zu einer Werwolfgeschichte, obwohl sein Herz für Vampire schlägt.

Intensive Recherchen über die Hintergründe der Werwolf- Jagd im Mittelalter eröffneten dem Autor einen völlig neuen Blickwinkel auf die Vielseitigkeit der Werwesen, der Ausbaufähigkeit der Geschichten und dem Horror, den diese Wechselgestalten auslösten.

So bleibt der erste Geschichtsstrang im Roman fokussiert auf die Todesfälle, dem Schrecken der Bevölkerung, der groß angelegten, politisch unterstützten Treibjagden, die in einer Massenausrottung gesunder Wölfe ihr Ende nimmt. Ab da werden die Todesfälle verschwiegen, die Angst der Bevölkerung unterdrückt.

Es ist ein historischer Roman mit realen Figuren, denen eine fiktive Geschichte angedichtet wird. Eine Geschichte, die fantastische Ängste in einen realen Horror überführt.

Der zweite Geschichtsstrang ist von Anfang an überzogen, unrealistisch und durch und durch Fantasie im Grenzbereich zum Science Fiction. Hier folgen wir dem technisch ausgerüsteten Werwesen-Jäger, dessen Familie dieser Tradition folgt und der dem Retter der Welt sehr nah kommt. Und typisch für unsere Zeit finden sich nicht nur Jäger als Gegner der Bestien, sondern auch Fanatiker als Anhänger derselben.

Beide Geschichtsstränge laufen parallel ohne offensichtliche Berührungspunkte. Im ersten Strang sehen wir die unwissende Bevölkerung, die dem Horror mehrere Jahre hilflos gegenübersteht. Im zweiten Strang erfährt der Leser alles Wissenswerte über diese Wesen.

Das Leiden der Leser

Markus Heitz schreibt erstaunlich trivial, unkompliziert und oberflächlich. Wer psychologische Tiefe erwartet, gruselige Atmosphäre und feinsinnigen Horror, oder auch einfach realitätsnahe Logik, der wird das Buch enttäuscht weglegen. Es ist dem hohen Tempo zu verdanken, dass man als Leser viele Ungereimtheiten hinnimmt, denn noch bevor man zum Nachdenken ansetzt, ist man vom Autor viele Seiten weitergerissen worden und befindet sich schon wieder im Zeitsprung.

Tatsächlich kenne ich wenige Romane, die ein solch hohes Tempo vorlegen und fast zweihundert Seiten ungebremst fortführen. Wer sich an der Trivialität und dem lieblosen Zusammengeschreibsel von unrealistischen, oft einfach falschen Darstellungen stört, der darf sich auf eine Wendung nach den ersten 200 Seiten freuen. Dank der internationalen, politisch unterstützten Treibjagden lernt der Leser Werwolf-erfahrene Jäger kennen, die auch die Chastel Männer mit wichtigen Informationen versorgen und die mit ihren Vorahnungen eine neue Würze in die Geschichte bringen.

Das Tempo verlangsamt, dafür baut sich eine Spannung auf, die ihresgleichen sucht. Der zweite Geschichtsstrang ist völlig vergessen und es scheint, als ob der Autor auf den letzten 100 Seiten  einen zusätzlichen Krimi einbaut, bis dann - auf den letzten 50 Seiten- der Countdown zum Buchende läuft und viele spannende Inhalte zwecks Finale abgewürgt werden. Es endet in einem konfusen Chaos.

Fazit:

Durchhaltevermögenauf den ersten zweihundert Seiten wird belohnt mit hoher Spannung, daher eignet sich dieser fiktive Roman für lange Reisen. Den überzogenen und unrealistischen Darstellungen ist es zu verdanken, dass sich kein Horror einstellen mag. Die Faszination über  Werwesen bleibt unangetastet.

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