Ritus (Pakt der Dunkelheit 1)

Erschienen: März 2019

Couch-Wertung:

70°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
1 x 1°-10°
B:38
V:2
W:{"1":1,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Regine Bacherle
Nur ein toter Wolf ist ein guter Wolf

Buch-Rezension von Regine Bacherle Mär 2019

Der Roman „Ritus“ besteht aus zwei Geschichtssträngen.

Das Grauen beginnt im Jahr 1764 in Südfrankreich.

Der Wildhüter Jean Chastel und seine beiden Söhne sind aus dem benachbarten Gévaudan angereist, um einem befreundeten Wildhüter zu helfen, einen offensichtlich tollwütigen Wolf zu fangen. Unzählige Hirten verloren ihre Tiere und nachdem diese Bestie auch Menschen tötete, wurden die Bauern ungeduldig und verlangten nach einem erfolgreichen Erlegen des kranken Wolfes.

Die Chastels kontrollieren Fallen im Wald, als sie ein seltsames Wesen finden, das sich in einer dieser Fallen verfangen hat und ganz augenscheinlich verendet ist. Die Größe, Statur, die Pfoten, das Gebiss – diese Kreatur unterscheidet sich in allen Merkmalen von den üblichen Waldbewohnern. Um das Wesen möglichst unbeschadet zu bergen, um es einer genaueren Untersuchung  zu unterziehen, wollen sie es aus der Falle befreien und mitnehmen.

Was sie allerdings übersehen ist, dass das Wesen, das allem Anschein nach ein Loup-Garou (Werwolf) ist, noch lebt.

Im zweiten Geschichtsstrang befinden wir uns in München im Jahr 2004, in einer Galerie zum Zeitpunkt einer Vernissage. Eric von Kastell ist anwesend und hat sein Auge auf eine weibliche Besucherin geworfen. Innerhalb der nächsten Minuten verführt, vernascht und verlässt er sie, denn sein Handy klingelt ihn zu einem wichtigen Gespräch. Sein Vater wird von Lykantrophen (Werwölfen) gefangen gehalten, Eric springt in seinen Porsche, fährt Abkürzungen quer durch den Stadtpark ---- und läuft mit offenen Augen in die gestellte Falle.

Der gesplittete Aufbau

Im Roman wechseln die Kapitel jeweils den Schauplatz, bis im letzten Drittel der zweite Strang fast völlig in Vergessenheit gerät. So unterschiedlich die Jahre, so unterschiedlich sind auch die Inhalte.

Der mittelalterliche Geschichtsstrang basiert in vielen Dingen auf historisch belegte Vorkommnisse, die in Südfrankreich niemals aufgeklärt wurden. Über 250 Tote innerhalb von 3 Jahren inspirieren den Autor Markus Heitz zu einer Werwolfgeschichte, obwohl sein Herz für Vampire schlägt.

Intensive Recherchen über die Hintergründe der Werwolf- Jagd im Mittelalter eröffneten dem Autor einen völlig neuen Blickwinkel auf die Vielseitigkeit der Werwesen, der Ausbaufähigkeit der Geschichten und dem Horror, den diese Wechselgestalten auslösten.

So bleibt der erste Geschichtsstrang im Roman fokussiert auf die Todesfälle, dem Schrecken der Bevölkerung, der groß angelegten, politisch unterstützten Treibjagden, die in einer Massenausrottung gesunder Wölfe ihr Ende nimmt. Ab da werden die Todesfälle verschwiegen, die Angst der Bevölkerung unterdrückt.

Es ist ein historischer Roman mit realen Figuren, denen eine fiktive Geschichte angedichtet wird. Eine Geschichte, die fantastische Ängste in einen realen Horror überführt.

Der zweite Geschichtsstrang ist von Anfang an überzogen, unrealistisch und durch und durch Fantasie im Grenzbereich zum Science Fiction. Hier folgen wir dem technisch ausgerüsteten Werwesen-Jäger, dessen Familie dieser Tradition folgt und der dem Retter der Welt sehr nah kommt. Und typisch für unsere Zeit finden sich nicht nur Jäger als Gegner der Bestien, sondern auch Fanatiker als Anhänger derselben.

Beide Geschichtsstränge laufen parallel ohne offensichtliche Berührungspunkte. Im ersten Strang sehen wir die unwissende Bevölkerung, die dem Horror mehrere Jahre hilflos gegenübersteht. Im zweiten Strang erfährt der Leser alles Wissenswerte über diese Wesen.

Das Leiden der Leser

Markus Heitz schreibt erstaunlich trivial, unkompliziert und oberflächlich. Wer psychologische Tiefe erwartet, gruselige Atmosphäre und feinsinnigen Horror, oder auch einfach realitätsnahe Logik, der wird das Buch enttäuscht weglegen. Es ist dem hohen Tempo zu verdanken, dass man als Leser viele Ungereimtheiten hinnimmt, denn noch bevor man zum Nachdenken ansetzt, ist man vom Autor viele Seiten weitergerissen worden und befindet sich schon wieder im Zeitsprung.

Tatsächlich kenne ich wenige Romane, die ein solch hohes Tempo vorlegen und fast zweihundert Seiten ungebremst fortführen. Wer sich an der Trivialität und dem lieblosen Zusammengeschreibsel von unrealistischen, oft einfach falschen Darstellungen stört, der darf sich auf eine Wendung nach den ersten 200 Seiten freuen. Dank der internationalen, politisch unterstützten Treibjagden lernt der Leser Werwolf-erfahrene Jäger kennen, die auch die Chastel Männer mit wichtigen Informationen versorgen und die mit ihren Vorahnungen eine neue Würze in die Geschichte bringen.

Das Tempo verlangsamt, dafür baut sich eine Spannung auf, die ihresgleichen sucht. Der zweite Geschichtsstrang ist völlig vergessen und es scheint, als ob der Autor auf den letzten 100 Seiten  einen zusätzlichen Krimi einbaut, bis dann - auf den letzten 50 Seiten- der Countdown zum Buchende läuft und viele spannende Inhalte zwecks Finale abgewürgt werden. Es endet in einem konfusen Chaos.

Fazit:

Durchhaltevermögenauf den ersten zweihundert Seiten wird belohnt mit hoher Spannung, daher eignet sich dieser fiktive Roman für lange Reisen. Den überzogenen und unrealistischen Darstellungen ist es zu verdanken, dass sich kein Horror einstellen mag. Die Faszination über  Werwesen bleibt unangetastet.

Ritus (Pakt der Dunkelheit 1)

Ritus (Pakt der Dunkelheit 1)

Deine Meinung zu »Ritus (Pakt der Dunkelheit 1)«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
30.03.2019 19:11:54
K.-G. Beck-Ewerhardy

Zur Zeit der französischen Totalitärherrschaft kursierten Geschichten über eine Art Werwesen in den ländlichen Gebieten des Gévaudan, das Frauen, Kinder und Männer auf grausige Art und Weise tötete und zu dessen Tötung die Regierung mehrere Expeditionen ausschickte – wie in einer Verfilmung dieser Ereignisse erst vor wenigen Jahren dramatisiert und um Weih-nachten auch im Fernsehen gezeigt. Hier ist ein getarnter Löwe der Übeltäter, der von politi-schen Gruppen zur Destabilisierung der Herrschaft eingesetzt wurde. Markus Heitz – sonst eher ein Spezialist für Vampire und Zwerge – geht in diesem Roman einen etwas anderen Erklärungsweg.

Dieser Erklärungsweg ist nicht unbedingt der Kürzeste, weswegen „Ritus“ nur der Erste von zwei Bänden zu diesem Thema ist. „Sanctum“ als Abschluss der Geschichte soll den Leserin-nen und Lesern im August dieses Jahres zur Verfügung stehen. Ein Teil dieser Länge erklärt sich daraus, dass die Geschichte aus zwei großen Handlungssträngen besteht, die alternierend vorgestellt werden. Der erste Handlungsstrang beginnt dabei am 18.04.1764 in der Gegend von Lagogne und beschreibt den Beginn der Jagd auf ein seltsames und überaus blutrünstiges Wesen. Diese Jagd wird insbesondere durch die drei Männer der Familie Chastel voran ge-trieben – dem Vater Jean und seinen beiden Söhnen Antoine und Pierre -, die ganz persönliche Gründe hat, sich dieser Jagd zu widmen. Denn an diesem Tag begegnen die drei Jäger einem Loup-Garou, wie der Werwolf in Frankreich genannt wird und diese Begegnung hinterlässt bleibende Spuren bei den drei Männern, die ihre jeweiligen weiteren Leben extrem be-einflussen sollen. In diesem Handlungsstrang bekommt man eine sehr gute Idee für das Leben und Sterben der Menschen im ländlichen Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun-derts und über die politisch-gesellschaftlichen Momente, die sie berührten.

Der zweite Handlungsstrang geht vom 01.11.2004 in München aus, wo Eric von Kastell nach einer ungewöhnlichen Aktion bei einer Vernissage durch einen Handy-Anruf aufgeschreckt zu einem Haus fährt, wo es zu einem Gefecht mit diversen Werwölfen und ihren Helfern kommt, an dessen Ende Erics Vater das Zeitliche segnet. Und das ist nur die erste negative familiäre Krise in die Eric innerhalb der nächsten 48 Stunden gestürzt werden soll. Denn für ihn beginnt nun ein Rennen gegen die Werwölfe Europas und zwei Gruppen, die in irgendeiner Art mit ihnen verbunden zu seins scheinen und von denen Eric bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gewusst hatte – genauso wenig, wie von der Existenz einer Halbschwester, die ihn in vielerlei Hinsicht gleicht. In diesem Handlungsstrang geschieht so viel in so kurzer Zeit, dass die regelmäßigen Abstecher ins 18. Jahrhundert geradezu beruhigend auf die Leserinnen und Leser wirken. An einigen Stellen erinnert das Tempo an Matthew Reilly. Allerdings werden technische Erklärungen hin und wieder allzu ausgiebig gemacht, so dass man an diesen Stellen beim Lesen doch ein wenig ungeduldig werden kann. Aber dies ist nur ein gelegentliches Problem.

Am Ende lässt einen die Handlung – natürlich mit Absicht – in der Luft hängen, so dass man dem August nur mit angehaltenem Atem entgegen fiebern kann.