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Nina Pimentel Lechthoff
Fantasy trifft Krimi trifft Steampunk

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Apr 2019

In ihrem Romandebüt erschafft C.L. Polk eine ganz eigene Welt, mit eigenen Regeln und eine Mythologie, die man sonst nur in mehrteiligen Fantasy-Reihen zu lesen bekommt. Es gibt politische Intrigen, die aufgedeckt werden, ein Mord, der aufgeklärt werden muss, und mysteriöse Ereignisse, die gelüftet werden müssen. „Witchmark“ verbindet auf wunderbare Weise viele Elemente verschiedener Genres zu einem stimmigen Ganzen.

Willkommen in Aeland

Dr. Miles Singer ist Arzt in der Abteilung für psychische Leiden eines Veteranenhospitals und behandelt Kriegsheimkehrer, die von Wahnvorstellungen geplagt werden. Doch Miles ist kein gewöhnlicher Arzt, er kann die Leiden seiner Patienten sehen, denn Miles ist ein Heiler. Doch er muss seine Gabe verstecken, denn Hexen werden in Aeland verfolgt und eingesperrt, da die Magie viele von ihnen in den Wahnsinn treibt. Die einzigen, deren Magie legitimiert ist, sind die adligen Sturmsänger. Sie haben Aeland zwar Fortschritt gebracht, es aber auch in einen fürchterlichen Krieg gestürzt. Als Miles zu einem Sterbenden gerufen wird, der wohl vergiftet wurde, bleibt ihm keine Wahl: Er muss seinen Mörder finden. Zusammen mit dem geheimnisvollen Tristan Hunter stürzt sich Miles in eine Welt voller politischer Intrigen und Geheimnisse. Einer Welt, der Miles vor Jahren versucht hat, zu entkommen.

Beurteile ein Buch nie nach seinem Umschlag

Als ich „Witchmark“ das erste Mal in den Händen hielt, war ich ein bisschen enttäuscht. Das Cover ist grün, mit Silhouetten von Menschen in viktorianischen Kleidern. Ein typisches Cover für einen der abertausenden von Fantasy-Romanen. Hätte ich das Buch im Laden gesehen, hätte ich ihm keine weitere Beachtung geschenkt. Das wäre ein grober Fehler gewesen! Denn die Geschichte hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich den Roman innerhalb von vier Tagen verschlungen habe. Figuren, Themen, Erzählweise – in „Witchmark“ hat alles sehr gut zusammengepasst.

Obwohl die Welt, in der „Witchmark“ spielt, unserer etwas ähnelt, ist sie doch sehr anders. Die Stadt Kingston erinnert an London während und nach dem ersten Weltkrieg – Aeland wird von einigen Wenigen regiert, mit einem Monarchen an ihrer Spitze, die Teilung zwischen gehobener und Arbeiterklasse ist sehr deutlich sichtbar –, nur mit phantastischen und Steampunk-Elementen – elektrische Geräte werden durch die Energieform „Aether“ betrieben, Magie ist allgegenwärtig und die magischen Sturmsänger können das Wetter beeinflussen und zähmen.

Mir gefällt es sehr, wie Polk den Leser in diese neue Welt einführt. Sie gibt immer wieder kleine Informationsbrocken preis, sodass man weder über- noch unterfordert ist. Es gibt keine ellenlangen Ausführungen über die Geschichte Aelands oder Erklärungen über wie die Gesellschaft funktioniert. Miles‘ Hintergrund wird beispielsweise nach und nach erzählt, sodass einige Entscheidungen oder Bemerkungen erst im Nachhinein so richtig klar werden. Oder warum es zum Krieg mit dem benachbarten Laneer gekommen ist und was die Soldaten – unter anderem auch Miles selbst – erlebt haben. Diese häppchenweise Streuung von Informationen und Details über Aeland, seiner Gesellschaft und den Figuren haben mich neugierig gemacht, sodass ich gespannt weiterlesen musste.

Gesellschaftskritik im phantastischen Gewand

Was mir auch sehr gut gefallen hat war die Selbstverständlichkeit, wie mit Miles‘ Homosexualität umgegangen wurde. Miles‘ Sexualität wird nicht in den Vordergrund gestellt, sondern – wie mit vielen anderen Informationen – wird nach und nach thematisiert. Seine Beziehung zu Tristan Hunter entwickelt sich nach und nach. Homosexualität ist in Aeland zwar nicht verboten, trotzdem erwartet man von den Männern und Frauen, dass sie irgendwann heiraten und Kinder kriegen.

Auch die Themen Freiheit und Klassenunterschiede werden gut in „Witchmark“ thematisiert. Denn Miles ist davongerannt, weil er seine Freiheit wollte. Ich werde nicht auf die Details eingehen, da ich nicht spoilern will. Aber Miles ist immer wieder hin- und hergerissen zwischen seinem Pflichtgefühl anderen Menschen und der Gesellschaft gegenüber und seinem Wunsch, in Freiheit und selbstbestimmt leben zu wollen. Aber um in Freiheit leben zu müssen, muss er seine magischen Fähigkeiten versteckt halten. Wenn er als Hexe erkannt wird, könnte er ins Sanatorium gelangen. Der Unterschied zwischen Hexen und Magiern erklärt Tristan Hunter auf sehr treffender Art und Weise: Magier gehören zur höherrangigen Gesellschaft, während Hexen aus ärmlicheren Verhältnissen stammen. Für Miles ist diese Erklärung erst nicht schlüssig. Hexen werden wahnsinnig, weil sie nicht die notwendige Macht haben und die Magie sie wahnsinnig macht. Doch nach und nach fängt auch er an, diese Machtverhältnisse zu hinterfragen.

Die Art und Weise, wie mit diesen und anderen Themen – wie z.B. Anerkennung psychischer Leiden als mehr als nur Hirngespinste oder Schwäche, sondern als echte Krankheiten – werden mit Hilfe der phantastischen Welt von Aeland entfremdet und somit Lesern zugänglich gemacht, die sonst vielleicht sich nicht damit beschäftigt hätten. Man sollte zwar nicht eine komplexe philosophische Abhandlung der Thematiken erwarten, trotzdem hat es mir gefallen, dass „Witchmark“ sich mit diesen Themen auseinandersetzt.

Kleine Macken verderben nicht den tollen Roman

Obwohl ich „Witchmark“ regelrecht verschlungen habe, kann ich dem Roman leider keine volle Punktzahl geben. Trotz der sehr gelungenen Mischung aus vielen Genres und der spannenden Welt, die Polk kreiert, hat sie doch auf viele Klischees zurückgegriffen. Von der Figuren- und Beziehungsgestaltung bis hin Auflösung des Ganzen, die ich schon zum Anfang mehr oder weniger durchschaut hatte, checkt die Autorin viele der Krimi- und Fantasy-Genre-Kästchen. Miles ist der „normale“ Protagonist, dessen einzigartige Fähigkeiten im Laufe der Geschichte offenbart werden. Tristan ist der geheimnisvolle Fremde, von dem der „naive“ Protagonist fasziniert ist. Und es werden „falsche“ Fährten gelegt, die dann – teilweise – zu spät bemerkt werden.

Diese erzählerischen Unzulänglichkeiten kann man „Witchmark“ aber durchaus verzeihen, denn die Art und Weise, wie diese Klischees eingearbeitet werden, ist durchaus gelungen. Was mich aber immer wieder ein bisschen aus dem Lesefluss gebracht hat, waren die kleinen, aber zum Ende hin immer öfter vorkommenden Rechtschreibfehler. Teilweise wurden unbestimmte Artikel oder Wörter nicht richtig dekliniert (wie z.B. „ein Notfallzusammenkuft“ oder „das Kleidungsstücke“) oder falsche Wörter benutzt (an einer Stelle wurde „allein“ statt „alle“ benutzt). Diese kleinen Fehler hätten bei einem sorgfältigen Lektorat einfach auffallen müssen. Diese waren schon echt selten, trotzdem sind sie sehr aufgefallen.

Fazit:

„Witchmark“ erfindet das Fantasy-Rad nicht gerade neu, trotzdem kriegt der Roman eine deutliche Empfehlung von mir. Mir hat sowohl die Welt, die Polk erfunden hat, als auch die Art, wie sie diese präsentiert. Und obwohl der Ausgang schon ein bisschen vorhersehbar war, habe ich gerne und gespannt die Geschichte um Miles Singer gelesen. Denn Polk schafft es, schwierige und aktuelle Themen aufzugreifen, ohne diese zu kompliziert zu machen. Ich würde sehr gerne wissen, wie es mit Miles und Tristan weitergeht, fände es aber auch gut, wenn ihre Geschichte so zu Ende geht, wie sie zu Ende gegangen ist.

Witchmark - Die Spur der Toten

Witchmark - Die Spur der Toten

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