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Michael Drewniok
Fabelwesen, Außerirdische, Zeitreisen: Phantastik-Überlast

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2019

In dieser Zukunft bereist der Mensch das Weltall mit Hilfe des Materietransmitters, der Start und Ziel ohne Zeitverzögerung verbindet. Auf der Erde haben sich diverse Sagengestalten der Vergangenheit als quicklebendige Nachbarn geoutet. Kobolde, Trolle, Feen u. a. Wesen unterhalten jetzt Kontakte zu den Menschen, die zu allem Überfluss die Zeitreise entdeckt haben, weshalb man oft prominenten Besuch aus der Vergangenheit empfängt.

Peter Maxwell, Professor der Fakultät für Übernatürliche Phänomene an der Universität von Wisconsin, hatte während einer Forschungsreise einen ‚Unfall‘: Sein Transmittersignal wurde ‚abgefangen‘, weshalb Maxwell auf einem unbekannten Planeten materialisierte, der von einer aussterbenden Rasse uralter Geistwesen bewohnt wird. Sie baten ihn, einen Interessenten für das in Äonen gesammelte Wissen zu finden, das auch finanziell von unermesslichem Wert ist.

Der idealistische Maxwell will keine Geldhaie anlocken, weshalb er nach seiner Rückkehr zur Erde nur seine Freunde einweiht: den zeitgereisten Neandertaler Alley Oop und „Gespenst“, ein Geist, der vergessen hat, wer er zu Lebzeiten war. Zu ihnen stößt Carol Hampton, eine junge Forscherin am Zeit-College, die selbst ein Geheimnis hütet: Das Institut hat die Aufgabe übernommen, das „Ding“ zu entschlüsseln - ein rätselhaftes Artefakt, das während einer Expedition in die Vergangenheit vor 200 Mio. Jahren geborgen wurde. Es könnte sich um ein Objekt der irdischen Fabelwesen handeln, die sich trotz ihrer Langlebigkeit nicht an das „Ding“ erinnern.

Für Maxwell brechen schwere Zeiten an. Offensichtlich ist sein Geheimnis längst durchgesickert. Vor allem die außerirdischen, der Menschheit kaum bekannten „Raupenfüßler“ wollen es ihm notfalls abpressen. Ihre Motive sind undurchsichtig, und da Maxwell sich nicht zu einer Entscheidung zwingen lassen will, zieht der unsichtbar bleibende Gegner andere und unangenehme Saiten auf. Maxwell bleibt keine Wahl: Er muss Kontakt zur gefürchteten Todesfee aufnehmen, die allein alt genug ist, um über das „Ding“, das Archiv der Geistwesen und die Raupenfüßler Bescheid zu wissen …

Prä-Urban-Fantasy?

In den 1960er Jahren begann Clifford Simak mit der ‚reinen‘ Science Fiction zu fremdeln. Schon zuvor hatte er Phantastisches gern über ‚normale‘ Erdmenschen gebracht, wobei er der Faszination den Vorzug gab, während die genreüblichen Schrecken und Todesopfer im Kontakt mit dem Fremden ausblieben. Dies war weniger eine Sackgasse als ein Sonderweg, der Simaks Werk u. a. die Bezeichnung „pastoral“ eintrug.

Tatsächlich ist es eher sanfte Melancholie, die eine ‚typische‘ Simak-Story kennzeichnet. Selbst wenn diese Geschichten in der Zukunft spielen, wirken sie aus der Zeit gefallen. Simak hält sich und seine ‚Helden‘ den Ereignisbrennpunkten, die in die Geschichtsbücher eingehen, fern. Jener (altmodische?) Friede, der schriftstellerseitig gern mit einem ‚guten‘ Leben außerhalb städtischer Hektik gleichgesetzt wird, kann leicht aufgesetzt und sogar aufdringlich sein. Simak weiß offensichtlich, wovon er schwärmt, weshalb man sich auf seine (meist kitschfreien) Stimmungsbilder einlässt.

„Die Kolonie der Kobolde“ ist ein gutes Beispiel für Simaks Darstellung einer Zukunft, in der die Technik nicht SF-typisch die Hauptrolle spielt. Raumfahrt und Supertechnik, Außerirdische und die ‚Eroberung‘ des Alls werden vorausgesetzt, ohne eine besondere Rolle zu spielen oder im Detail vorgestellt zu werden. Um die Story zu dramatisieren, greift Simak zusätzlich auf irdische Mythen zurück, die sich als Realität entpuppen: Der Mensch teilt die Erde demnach mit Wesen, die ihn in Angst und Schrecken versetzten, bis sie sich als ET-Kolonisten herausstellten, deren ‚Zauberkräfte‘ sich inzwischen wissenschaftlich entschlüsseln lassen.

Scheinbares Chaos ist gemeisterter Alltag

Allerdings gelingt Simak der Spagat zwischen Science Fiction und Fantasy nicht wirklich. Es mag auch an einer deutschen Übersetzung liegen, für die das Original gekürzt wurde, um sie einer vorgefassten Seitennormierung einzupassen. „The Goblin Reservation“ zählt knapp 200 Seiten, von denen hierzulande 144 blieben: Kein Wunder, dass die Handlung oft hastig und sprunghaft wirkt.

Doch man muss auch Simak für eine Geschichte zur Verantwortung ziehen, die ihrem gewaltigen Rahmen nie gerecht wird. Schon die Konfrontation zwischen dem Menschen und dem „Alten Volk“ böte genug Stoff für ein spannendes Garn. Simak konstruiert zusätzlich eine außerirdische Verschwörung, die ihrerseits in einer Vergangenheit vor dem Urknall wurzelt. Das ist ein großes Rad, an dem er dreht, ohne es wirklich in Bewegung zu setzen. Stattdessen vergeudet er viel Zeit mit läppischen Slapstick-Einlagen (Raufereien zwischen Kobolden und bierdurstigen Trollen, Schmuse-Attacken eines ‚rekonstruierten‘ Säbelzahntigers, der zeitreisende Shakespeare will nicht in die Vergangenheit zurück etc.).

Das Ergebnis fügt sich wie schon gesagt nicht zu einer Einheit, sondern zerfällt in manchmal durchaus gelungene Szenen: Simak war 1968 ein mehrfach preisgekrönter Autor mit beinahe vierzigjähriger Erfahrung. Er wusste also, wie man sein Publikum fesselt. Als er „The Goblin Reservation“ schrieb, steckte er nichtsdestotrotz in einer Ideenkrise. Zur damals modernen „New-Wave“-SF gab es seinerseits keine Berührungspunkte. Dennoch suchte auch Simak nach erzählerischem Neuland.

Verhaltene Kritik an einer aus den Fugen geratenen Welt

„The Goblin Reservation“ fiel in eine auch gesellschaftspolitisch hektische Zeit. Offene Kritik an den damit einhergehenden Brüchen und Spannungen war Simaks Anliegen nicht. Er erinnerte lieber vorsichtig daran, dass „alt“ nicht automatisch „veraltet“ = „schlecht“ bedeutete. Möglich ist weiterhin, dass er sich in eine Nische flüchtete. Dort war er vor der ‚neuen‘ Science Fiction sicher. (Diese Rechnung ging auf; Simak schrieb seinen letzten Roman 1986; da war die „New Wave“ längst Vergangenheit und waren viele ihrer gefeierten Werke vergessen, während die weniger antiquierte als zeitlose Simak-Phantastik weiterhin gelesen wurde.)

Wie üblich ließ Simak mögliche Kritik sacht einfließen. Sie richtet sich (gar nicht weltfremd) gegen die Kommerzialisierung der Wissenschaft, die zum gegängelten Handlanger geldschwerer Konzerne zu degenerieren droht, gegen die Umwertung von Wissen zur Ware, aber auch gegen die Verkrustung der Forschung selbst, deren allzu etablierte = bequem gewordene Vertreter davor zurückschrecken, Wissen in Frage zu stellen, obwohl neue Fakten auftauchen.

Simak benötigte eine Weile bzw. einige Romane, bis er die Fantasy meisterte, wobei er seine individuelle Note beibehalten und dem Genre anpassen konnte. „Die Kolonie der Kobolde“ ist auf diesem Weg kein Meilenstein, den man kennen müsste. Die handwerkliche Routine eines Schriftstellers, der sich sehr trittsicher bewegte, sorgt aber für eine angenehme Lektüre.

Fazit:

Als Mischung aus Science Fiction und Fantasy bleibt dieser Roman heterogen. Er funktioniert dort, wo sich der Autor auf seine Stärken besinnt, ist aber in eine Rahmenhandlung eingebettet, die er inhaltlich nie mit der notwendigen Dichte ausfüllen kann: Schriftstellerische Routine muss (und kann so gerade) das Lektürevergnügen retten.

Die Kolonie der Kobolde

Die Kolonie der Kobolde

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