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Michael Drewniok
Nicht Blut-, sondern Energiesauger aus dem All

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2019

Gegen Ende des 21. Jahrhunderts stößt die Besatzung des Raumschiffs „Hermes“ während einer Weltraummission zur Erforschung von Asteroiden jenseits der Mars-Bahn auf ein künstliches, knapp 80 km langes Objekt. Kapitän Olof Carlsen und seine Crew entdecken im Inneren ein ‚Archiv‘ konservierter Lebewesen von fremden Planeten - und die Körper einiger Menschen!

Drei der womöglich nur in Stasis befindlichen ‚Leichen‘ nimmt die „Hermes“ mit zurück zur Erde, wo sie in London wissenschaftlich unter die Lupe genommen werden. Der Erfolg bleibt zunächst aus. Als Monate später ein Reporter das weibliche Wesen besichtigt, wird er von der plötzlich erwachenden Kreatur angefallen und seiner Lebensenergie beraubt; die Vampir-Frau flüchtet aus dem Forschungsinstitut. Ihre Leiche wird wenig später von der Polizei gefunden.

Nachdem die beiden anderen Körper vorsichtshalber vernichtet wurden, scheint dieses seltsame Kapitel der Weltraum-Geschichte abgeschlossen. Doch was die ‚Vampire‘ beseelte, lässt sich keineswegs durch den Tod des Wirtes stoppen, wie der Kriminologe und Forscher Hans Fallada feststellt. Die außerirdischen Geistwesen treiben weiterhin ihr Unwesen. Sie ‚springen‘ von Opfer zu Opfer und nehmen auf diese Weise immer neue Gestalten an, was eine Identifizierung unmöglich macht. Zu allem Überfluss scheinen die Weltraum-Vampire nach einer Möglichkeit zu fahnden, ihre im All wartenden Gefährten auf die beutereiche Erde zu rufen. Carlsen und Fallada sputen sich, aber es gelingt ihnen nicht, den kosmischen Lockruf zu verhindern ...

Außerirdische als Vampire

Der klassische Vampir ist bekanntlich ein untoter Wiedergänger, der das Tageslicht scheut und sich von Menschenblut ernährt. Er kann sich in allerlei Getier verwandeln und ist nur unter Berücksichtigung diverser Regeln umzubringen. Außerdem ist er in der Populärkultur nicht nur omni-, sondern auch überpräsent, weshalb er leicht zum Klischee-Schrecken degenerieren kann.

Die dessen ungeachtet beträchtliche literarische Potenz des Vampirs (sowie ein auf Nachschub immer scharfes Zielpublikum) lässt viele Autoren den Versuch wagen, dem Blutsauger quasi neues ‚Leben‘ einzuhauchen. Eine Methode ist es, seine Physiologie zu verändern, um ihm beispielsweise die Angst vor Sonnenlicht oder dem Kruzifix auszutreiben. Möglich ist es auch, den Auftritt des Vampirs in eine ungewöhnliche Umgebung zu verlegen, die ihn zu unerwartetem = interessantem Verhalten zwingt.

Colin Wilson gibt sich viel Mühe bei seinem Versuch, beide Wege gleichzeitig zu beschreiten. Seine Vampire sind eigentlich keine, sondern (außerirdische) Geist-Wesen, die sich nicht von Blut, sondern von „Lebensenergie“ („life force“) ernähren. Sie sind auch nie ‚untot‘, sondern stets quicklebendig, obwohl sie sich körperlos auf die Jagd begeben. Ihr Unwesen treiben sie in einer (inzwischen recht nahen) Zukunft, was „Vampire aus dem Weltraum“ allerdings keineswegs zu einem ‚echten‘ Science-Fiction-Roman macht, zumal der Verfasser eher holzschnitthafte Figuren einsetzt, die den Energiesaugern Paroli bieten sollen.

Konzept schlägt (eben nicht) Inhalt

Wilson hat sich Mühe gegeben und eine Lebensform ‚erschaffen‘, die als solche stimmig wirken soll. Dem Leser beschert dies lange Passagen typischen Technobabbels, die sich nicht unbedingt in das Geschehen integrieren wollen. Wer die phantastische Materie kennt, wird immerhin erkennen, dass nicht Bram Stokers „Dracula“ Wilsons Primärquelle ist. Die Ubbo-Sathla, wie sich die ‚Vampire‘ selbst nennen, wurzeln eher im Cthulhu-Mythos, den Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre schuf, obwohl Wilsons Haltung zu Lovecraft als Mensch und Autor mindestens zwiespältig war.

Lovecraft bevölkerte den Kosmos mit Entitäten, die praktisch außerhalb der (dem Menschen bekannten) Naturgesetze existieren. Um die Menschen scheren sie sich herzlich wenig bzw. missbrauchen sie im Rahmen undurchschaubarer Machtkämpfe oder ernähren sich ganz profan von ihnen. In diese Kerbe schlägt Wilson, als er die Erde als Speisekammer für außerirdische Superwesen darstellt; ein Plot, den die Trivial- und Trash-SF gern und oft übernahm (und weiterhin übernimmt), wobei sich zusätzlich eine sexuelle Komponente dort in den Vordergrund zu schieben begann, wo die Zensur es zuließ.

SF und Horror finden bei Wilson nicht wirklich zusammen. Es liegt auch an einer oft episodisch anmutenden Handlung, die einerseits verrät, dass der Verfasser außerordentlich beschlagen ist, wenn er sich ‚wissenschaftlich‘ normalerweise „übernatürlich“ genannten Phänomenen widmet, während ihm andererseits entweder die Fähigkeit oder die Geduld fehlt, eine stringente Geschichte zu erzählen. Wilsons Produktivität war enorm; Romane, Sachbücher und Artikel sprudelten im Laufe einer Karriere, die beinahe sechs Jahrzehnte währte, förmlich aus ihm heraus, was auf Kosten der Handlungsdichte gehen konnte. Kritiker fanden „Vampire aus dem Weltraum“ zwar interessant, wollten aber die Mankos der Umsetzung nicht ignorieren. Auch die Leserschaft reagierte verhalten. Der Roman wäre wohl in Vergessenheit geraten, hätte ihn auf der ständigen Suche nach filmtauglichen Stoffen nicht das Kino entdeckt.

Film zum Buch

Viele erwartungsvolle Romanautoren werden von der Verfilmung ihrer Werke enttäuscht. Colin Wilson bezeichnet „Lifeforce“ (1985; dt. „Lifeforce - Die tödliche Bedrohung“) in seiner Autobiografie als „schlechtesten Film aller Zeiten“. Sein Zorn wird verständlich, wenn man die vielversprechende Ausgangslage des „Lifeforce“-Projekts mit dem Ergebnis vergleicht. Der phantastische Film boomte in den frühen 1980er Jahren. Das Budget lag bei damals beträchtlichen 25 Mio. Dollar. Dan O’Bannon („Dark Star“, „Alien“) schrieb das Drehbuch, auf dem Regiestuhl saß Tobe Hooper (1943-2017), der 1974 mit „Texas Chainsaw Massacre“ (dt. „Blutgericht in Texas“) Aufsehen erregt und 1982 für Steven Spielberg den Blockbuster „Poltergeist“ inszeniert hatte. Für die Spezialeffekte zeichnete John Dykstra verantwortlich.

Aber „Lifeforce“ wurde vom berüchtigten Produzenten-Paar Yoram Globus und Menahem Golan produziert, die vor allem flitterbunten Trash auf den Filmmarkt warfen. Folgerichtig mischten sie sich in den Herstellungsprozess ein und ließen „Lifeforce“ gegen Hoopers Willen um 15 Minuten kürzen. Der zusammengestutzte Film floppte im Kino und leitete Hoopers Niedergang als Erfolgsregisseur ein. Heute genießt „Lifeforce“ als typisches, durchaus unterhaltsames Filmwerk der 1980er Jahre einen gewissen Kultstatus, zu dem der spektakuläre Nacktauftritt der Darstellerin Mathilda May seinen Teil beiträgt: Dies ist Hollywood ‚Reminiszenz‘ an Wilson, der in seiner Vorlage den sexuellen Unterton einer ‚Übernahme‘ durch Hirn-Vampire hatte anklingen lassen.

Fazit:

In einer Mischung aus Science Fiction und Horror-Roman entwirft der Autor ein ‚wissenschaftliches‘ Konzept für den Vampir. Verpackt wird das in eine recht holprige Handlung, die zudem durch schnurrige, weil von der Realität längst überholte Zukunftsvisionen unfreiwillig komisch wirkt: interessant, aber hausbacken.

Vampire aus dem Weltraum

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