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Petra Meyeroltmanns
Dieses Mal nimmt sich der Roman der Menschen der Exodus-Flotte an – und fügt dem Puzzle des Wayfarer-Universums ein weiteres Teil hinzu

Buch-Rezension von Petra Meyeroltmanns Mai 2019

Becky Chambers dritter Roman im Wayfarer-Universum führt uns auf ein Exodaner-Schiff. Als die Menschen die Erde verließen, taten sie das auf großen Wohnschiffen, der Exodus-Flotte. Durch den ersten Kontakt mit der Galaktischen Union änderte sich vieles, man lernte andere Spezies kennen und profitierte von deren Technologien, Menschen siedelten sich auf Planeten an – doch die Exodaner-Flotte gab es weiterhin, auch viele Jahre später leben dort immer noch die meisten Menschen.

Die Autorin erzählt vom Leben verschiedener Menschen auf dem Wohnschiff Asteria. Der Bezug zur Wayfarer ist nicht ganz so eng wie bei Band 2, aber auch hier schnell entdeckt, die Familie des Captains lebt auf der Asteria, einer der fünf Protagonisten ist mit ihm verwandt.

Der Leser begleitet fünf sehr unterschiedliche Protagonisten

Isabel ist die älteste der Fünf, die der Leser näher kennenlernt. Sie ist Archivarin, d. h., sie hält Erinnerungswürdiges fest, und hat schon ein langes Leben hinter sich. Ghuh'loloan, eine harmagianerische Ethnographin nimmt eines Tages mit ihr Kontakt auf, sie will das exodanische Leben kennen lernen. Harmagianer wurden bereits in den beiden Vorgängerbänden erwähnt, bisher hat man sie aber nicht näher kennengelernt. Neben den fünf Menschen, deren Leben der Leser eine Zeit lang begleitet, lernen wir hier auch endlich diese Spezies näher kennen.

Kip ist ein Junge im Pubertätsalter, kurz vor dem Ende seiner Schulzeit, er muss nun seinen Platz im Leben finden, hat aber auch allerhand Unsinn im Kopf, zu dem ihn vor allem sein Freund Ras anstiftet. Eine Entdeckung, die er macht, bringt ihn in seiner Entwicklung einen ganzen Schritt weiter.

Tessa ist eine junge Mutter, die versucht, ihren Kindern die Werte der Exodaner zu vermitteln. Ihre Tochter wurde Zeugin des schweren Unfalls eines anderen Wohnschiffes und fühlt sich nun in der Flotte nicht mehr sicher. Außerdem gerät Tessas Job durch die neuen Technologien in Gefahr.

Eyas ist eine Hüterin, d. h., sie kümmert sich um Verstorbene. Die Exodaner haben eine ganz besondere Form mit ihren Toten umzugehen, die mich persönlich sehr beeindruckt hat. Der bereits erwähnte Unfall eines Wohnschiffes, der tausende Tote zur Folge hatte, und ein unnatürlicher Tod bringen sie an ihre Grenzen. Eyas ist für mich der faszinierendste und interessanteste Charakter der Fünf.

Last but not least Sawyer, dessen Vorfahren auf einen Planeten auswanderten, und der nun zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Er war nie vorher in der Flotte und hat es nicht leicht sich einzugewöhnen, zumal jeder merkt, dass er fremd ist.

Einer dieser fünf Personen wird im Laufe der Handlung sterben, völlig unerwartet, für mich war es ein Schock, und ich musste die entsprechende Szene noch einmal lesen, um sie glauben zu können. Dieser Tod beeinflusst das Leben der anderen stark.

Wie gehabt sind der Autorin die Charaktere sehr gut gelungen, tiefgründig, emotional ansprechend und authentisch. Zur Authentizität tragen viele Kleinigkeiten bei, die das Geschehen vielleicht nicht unbedingt weiterbringen, die aber die Charakterzeichnung beleben.

Diversity und Toleranz

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängerbänden stehen hier nun die Menschen ganz im Mittelpunkt des Geschehens, andere Spezies werden, außer Ghuh`loloan nur am Rande erwähnt. Das macht den Roman schon ein bisschen besonders, dennoch passt er wunderbar in Wayfarer-Universum, denn auch hier steht Anderssein bzw. Diversity im Mittelpunkt. In diesem Universum ist z. B. das Geschlecht eher Nebensache, es spielt keine Rolle, auch, weil es Spezies gibt, die ihr Geschlecht wechseln können. Man kann das sehr schön an den Pronomen erkennen, sobald unklar ist, welches Geschlecht gemeint sein könnte, werden beide zusammengezogen und geschlechtsneutrale Begriffe wie „sire“ oder „ser“ benutzt. Wer die Vorgängerbände gelesen hat, kennt das schon. Übrigens sollte man diese tatsächlich besser vorher gelesen haben, es wird nichts erklärt, wer nicht weiß, was z. B. eine Federfamilie ist, hat dann eben Pech gehabt. Auch die Kenntnis des Wayfarer-Universums an sich wird vorausgesetzt.

Von Anfang an - sind wir gewandert - und auch heute sind wir noch unterwegs - doch trotz all unserer Wanderungen - sind wir nicht verloren - mutig fliegen wir weiter - jetzt und für immer: Die Überschriften der sieben Teile des Romans geben die Maxime der Exodaner wieder

Schaut man sich den biografischen Hintergrund der Autorin an, kann man erkennen, dass sie sich aller Wahrscheinlichkeit ausführlich mit der Thematik beschäftigt hat, und dass vieles über das sie schreibt, eine mögliche Zukunft sein könnte. Die Weiterentwicklung der Menschen, die anderen Spezies, der Weltenbau an sich wirken authentisch und glaubhaft konstruiert. Man fühlt sich dort schnell „zu Hause“ und freut sich, mehr zu erfahren. Den besonderen Reiz dieser Reihe macht aus, dass jeder Roman von einem ganz anderen Teil dieser Welt erzählt, andere Protagonisten hat, und trotzdem die Zusammengehörigkeit der einzelnen Bände zu erkennen ist. Im Grunde sind hier unendlich viele Geschichten möglich, und man kann nur hoffen, dass Becky Chambers noch einige erzählen wird. Wer ihre Romane mag, kann schwerlich genug von ihnen bekommen.

Wer einen actionreichen Roman mit Weltraumschlachten und vielen Konflikten erwartet, ist hier fehl am Platz. Becky Chambers geht es um das Miteinander, das Vermeiden von Konflikten, das Tolerieren anderer, auch wenn deren Meinung und Aussehen noch so fremdartig ist. Wirklich gut kann man das z. B. am Miteinander Isabels und Ghuh'loloans sehen. Aber auch alle anderen Protagonisten müssen verstehen, wie wichtig es ist, auf andere zuzugehen und Ressentiments zu vergessen, selbst wenn es z. B. „nur“ die eigenen Eltern sind. Dass die Autorin all das auch noch in einen sehr lesenswerten Roman verpackt, den man am liebsten nicht aus der Hand legen möchte, ist bewundernswert und ein Grund dafür, warum Becky Chambers schnell zur Lieblingsautorin werden kann. Spannung im üblichen Sinne gibt es kaum, und dennoch will man immer weiterlesen.

Fazit:

Auch der dritte Band ihrer Reihe ist der Autorin wieder wunderbar gelungen. Dieses Mal stehen die Menschen um Mittelpunkt. Das macht diesen Roman aber nicht weniger lesenswert als die beiden Vorgänger, im Gegenteil, das Puzzle erhält wichtige Teile dazu, die Geschichte ergänzt das Wayfarer-Universum und macht es ein wenig runder. Ich empfehle daher auch zunächst die ersten beiden Bände zu lesen.

Unter uns die Nacht (Wayfarer-Reihe 3)

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